In dieser Studie untersuchen wir den Umgang mit Ungerechtigkeit. Dabei beziehen wir uns auf das "process model of threat and defense" (Jonas et al., 2014). Viele Studien untersuchen, durch welche Strategien wir uns gegen Bedrohungen schützen. Wir untersuchen, ob Ungerechtigkeit in dieses Modell passt und Personen, die Ungerechtigkeit erfahren haben, dem Model entsprechend reagieren. In einer weiteren Fragestellung untersuchen wir, ob das Konstrukt Tightness Einfluss auf den Zusammenhang zwischen Ungerechtigkeit und Verteidigung nimmt.
Getestet wurden 113 Psychologiestudenten der Universität Salzburg in einem between-subject-design, mit einem Durchschnittsalter von 21.6 Jahren. Wir nehmen an, dass Personen, die ungerecht behandelt werden, mehr Verteidigungsstrategien verwenden als Personen, die fair behandelt werden. Für den Haupteffekt wurde eine Varianzanalyse durchgeführt und es hat sich kein signifikanter Gruppenunterscheid ergeben. Auch eine Moderationsanalyse, die das Konstrukt Tightness einschließt, ergibt kein signifikantes Ergebnis. Trotzdem zeigt diese Studie, dass es sich lohnt, weiterhin an diesem Thema zu forschen und die Möglichkeiten, Ungerechtigkeit zu erforschen, weiterzuentwickeln
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und theoretischer Hintergrund
2. Methode
2.1 Versuchspersonen
2.2 Ablauf und Vorgehen
2.3 Materialien
2.3.1 Tightness Scale
2.3.2 Need for Tightness Scale
2.3.3 Individualism-Collectivism Scale
2.3.4 Personal Project Zeal
2.3.5 System Justification Scale
2.3.6 Affect Scale
2.3.7 Manipulation check, positive/negative feedback, Beschwerdeformular
3. Ergebnisse
3.1 Manipulationscheck
3.2 Haupteffekte
3.3 Moderationseffekte
4. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob Ungerechtigkeit als Bedrohung fungiert, die das "process model of threat and defense" (Jonas et al., 2014) aktiviert, und inwiefern das Konstrukt "Tightness" diesen Prozess moderiert.
- Anwendung des "process model of threat and defense" auf Ungerechtigkeitserfahrungen.
- Differenzierung zwischen sozialen und personalen palliativen Verteidigungsstrategien.
- Einfluss des Persönlichkeitsmerkmals "Tightness" auf die Verteidigungsreaktion.
- Empirische Überprüfung mittels experimentellem Laborstudien-Design.
- Diskussion von methodischen Herausforderungen bei der Erfassung unbewusster Verteidigungsstrategien.
Auszug aus dem Buch
Einleitung und theoretischer Hintergrund
Laut einer Studie sehen die BürgerInnen in Deutschland Ungerechtigkeit als größte Bedrohung (Ehni, 2017). In der 2017 durchgeführten Umfrage, dem „ARD-DeutschlandTREND“, mit 1002 Befragten gaben über die Hälfte der Befragten, dass sie Deutschland eine steigende Ungerechtigkeit bemerken (Ehni, 2017). Seit 2006, ist der Wert der subjektiv wahrgenommenen Gerechtigkeit in Deutschland stets gesunken (Eckert, 2017). Laut einer Umfrage der Bartelmann-Stiftung formulierten 79% der Befragten als Erwartung an eine neue Regierung, die Ungerechtigkeit im Land zu vermindern. Das Vertrauen in die Medien nimmt stetig ab (Enzinger, 2017), während die Wissenschaft laut der Studie das größte Vertrauen genießt (Nowotny, 2017). Daher liegt es nahe, die Auswirkungen von Bedrohung durch Ungerechtigkeit wissenschaftlich zu untersuchen und mit Modellen, die sich mit anderen Bedrohungen beschäftigen zu vergleichen.
Bedrohungen, die eine Person erfährt, können dazu führen, dass Personen ihre Verbindung ihren persönlichen Zielen, ihren sozialen Beziehungen, ihren Idealen, ihren Identifikationen und Ideologien gegenüber verstärken (Jonas et al, 2014). Diese Bedrohungen können sehr divers sein und zum Beispiel Mortalitätssalienz, Umweltverschmutzung, Unsicherheit, Kontrollverlust oder Konflikte der eigenen Ziele umfassen. Über diese Arten von Bedrohung gibt es schon umfangreiche Forschung. Jonas et al. (2014) entwickelten dazu ein Model, dass sich process model of threat and defense nennt. Dieses beschreibt den Umgang mit all den genannten Bedrohungen und den daraus resultierenden kognitiven und behavioralen Reaktionen. Der Zweck dieser Arbeit ist es, zu kontrollieren, ob sich auch Ungerechtigkeit als eine Art von Bedrohung sehen lässt und ebenfalls in dieses Model passt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung und theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel verortet das Thema Ungerechtigkeit als gesellschaftlich relevante Bedrohung und führt in das "process model of threat and defense" sowie die Rolle von Verteidigungsstrategien und "Tightness" ein.
Methode: Hier wird der Aufbau des Experiments mit 113 Studierenden, die eingesetzten psychometrischen Skalen und der Ablauf der Manipulation beschrieben.
Ergebnisse: Das Kapitel präsentiert die statistische Auswertung, die zeigt, dass weder für die Haupteffekte noch für die Moderationsannahmen signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen gefunden wurden.
Diskussion: Abschließend werden die unerwarteten Ergebnisse kritisch reflektiert, insbesondere im Hinblick auf die Stichprobenauswahl, die Sichtbarkeit unbewusster Strategien und methodische Anpassungsmöglichkeiten für zukünftige Studien.
Schlüsselwörter
Ungerechtigkeit, Bedrohung, process model of threat and defense, Verteidigungsstrategien, Tightness, soziale palliative Verteidigung, personale palliative Verteidigung, Laborstudie, psychologische Forschung, Coping, BIS, BAS, System Justification, Experiment, Sozialpsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Erfahrung von Ungerechtigkeit als Bedrohung wahrgenommen wird und ob Menschen darauf mit spezifischen, unterbewussten Verteidigungsstrategien reagieren, wie sie das "process model of threat and defense" vorsieht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit verknüpft sozialpsychologische Konzepte wie wahrgenommene Gerechtigkeit, individuelle Verteidigungsmechanismen und das kulturelle bzw. persönliche Persönlichkeitsmerkmal "Tightness".
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu überprüfen, ob sich Ungerechtigkeit in das bestehende Modell von Jonas et al. (2014) einordnen lässt und ob Personen mit einer hohen "Tightness" stärker zu palliativen Verteidigungsstrategien neigen, wenn sie ungerecht behandelt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine experimentelle Laborstudie im Between-Subject-Design durchgeführt, bei der Probanden mit positivem oder negativem/ungerechtem Feedback manipuliert wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Hypothesen, die detaillierte Beschreibung der experimentellen Durchführung, die statistische Ergebnisauswertung mittels ANOVA und Moderationsanalysen sowie die kritische Diskussion der Befunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Ungerechtigkeit, Bedrohung, Verteidigungsstrategien, "process model of threat and defense" und "Tightness".
Warum wurden Psychologiestudenten als Stichprobe gewählt?
Die Probanden wurden im Rahmen der universitären Forschung rekrutiert, was jedoch in der Diskussion kritisch hinterfragt wird, da Psychologiestudierende Manipulationen in Experimenten möglicherweise leichter durchschauen.
Warum konnten keine signifikanten Ergebnisse erzielt werden?
Die Autoren vermuten, dass die verwendeten Fragebögen nicht geeignet waren, die unbewussten Prozesse adäquat zu messen, oder dass die Probanden durch ihr Vorwissen die Manipulation durchschaut haben.
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- Anonym (Author), 2018, Ungerechtigkeit und Verteidigung. Nimmt Tightness Einfluss auf den Zusammenhang zwischen erfahrener Ungerechtigkeit und Verteidigung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/980997