Mediation im Anwendungsfeld der Bürgerbeteiligung


Essay, 2020

11 Seiten, Note: 0,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist Mediation?

2. Was zeichnet Mediation in dem Anwendungsfeld der Bürgerbeteiligung aus?

3. Kritische Reflexion der spezifischen Herausforderungen des AnwendungsfeldeslO

4. Literaturverzeichnis ll

1. Was ist Mediation?

Versucht man sich dem Begriff der Mediation anhand des Wortes selbst zu nähern, so erhält man das Wort „Vermittlung“. Bei der Mediation handelt es sich also um ein Vermittlungsverfahren. Ein Verfahren der Klärung von Konflikten, bei dem ein allparteilicher Dritter, der Mediator1, die Konfliktparteien bei der Lösung ihres gemeinsamen Problems unterstützt (vgl. Proksch 2018: 2). Merkmale die grundlegend für das Mediationsverfahren sind, erlauben eine Unterscheidung zwischen einem Mediations- und einem anderweitigen Konfliktregelungsverfahren. Diese grundlegenden Merkmale werde ich nun etwas näher erläutern. Der Konflikt wird nicht zu einer anderen Ebene abgegeben, sodass die Konfliktparteien sich des Problems entledigen, sondern beide Konfliktbeteiligte arbeiten mithilfe des Mediators an der Lösung ihres Problems (Selbstverantwortung der Konfliktparteien). Der Mediator legt keine distanzierte Neutralität an den Tag, vielmehr ist seine Intention beide Standpunkte nachzuvollziehen und durch die Darlegung die Problembeseitigung zu fördern. Außerdem nimmt der Mediator die subjektiven Aussagen der Konfliktparteien an und beansprucht keine Objektivität (Allparteilichkeit des Mediators). Der Zweck des Mediationsverfahrens ist eine von allen Parteien akzeptierte Lösung zu finden, dabei verfolgt die Mediation nicht das Ziel der Harmonie, sondern umsetzbare Ergebnisse. Die Absicht eine praktikable Lösung zu finden wird zu Beginn des Mediationsprozesses von den Konfliktparteien beidseitig in einer Erklärung als Ziel definiert (Zielorientierung des Verfahrens). Damit dieses Verfahren gelingen kann, bedarf es seitens der Konfliktparteien eine aktive, persönliche Beteiligung. Eine Lösung kann nur unter persönlicher Teilhabe und Bemühung-der beiden Parteien erreicht werden. Einen positiven Effekt darauf kann auch das Aufzeigen möglicher Konsequenzen haben, die durch die Nichteinigung im Rahmen einer Mediation, auf die Parteien zukommen (Bereitschaft zur Verhandlung). Das letzte Merkmal eines Mediationsverfahrens ist die Vertraulichkeit des gesamten Verfahrens. Der Mediator verpflichtet sich zur Verschwiegenheit gegenüber allen außenstehenden Personen. Selbst eventuelle Auftraggeber erhalten von dem Mediator keine Auskünfte über erfolgte Einigungen (vgl. ebd.).

Doch wieso musste ein solches Mediationsverfahren entwickelt werden? Die Entwicklung sämtlicher Konfliktregelungsverfahren geht auf die menschliche Evolution selbst zurück. Das Zusammenleben mit anderen Menschen verläuft aufgrund unterschiedlicher Ansichten und Sichtweisen sehr selten konfliktfrei. Um diese Konflikte zu lösen entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Lösungen, eine davon ist die Mediation. Ein evolutionshistorischer Abriss über die verschiedenen Arten der Konfliktlösung würde den Rahmen dieses Essays sprengen (hierzu siehe: Proksch 2018: 3). Warum müssen wir Probleme überhaupt lösen? „Konflikte gehören zu unserem Alltag. [...] Das Risiko ungelöster Konflikte liegt in ihrer Eskalation: Die Kommunikation untereinander wird zunehmend unklarer, die Probleme werden größer und unübersichtlicher, die Beteiligten beginnen sich zu meiden oder zu provozieren. So bekommt der Konflikt eine neue Dimension, geht tiefer und endet schließlich in einer Sackgasse. Gerade wenn die Beteiligten eine gemeinsame Lösung brauchen, ist die Ausblendung des Konflikts die schlechteste aller Möglichkeiten“ (Ihde 2012: 9f.). Auch die Entwicklung des Rechtssystems hat Konflikte nicht aufgelöst, denn das Rechtssystem bringt ebenfalls Nachteile mit sich. Urteile schaffen zwar juristisch Klarheit, auch wenn nie hundertprozentig die Schuld festgestellt werden kann. Dennoch bleiben die Emotionen bei gerichtlichen Verfahren unberücksichtigt. Dies führt früher oder später zu weiteren Konflikteskalationen. Immer auf der Suche nach anderen Lösungsmitteln entstand Ende des 20. Jahrhunderts die Mediation in ihrer heutigen Form. „Subjektivität ersetzt Objektivität, Selbstverantwortung [...] Delegation und autonome Verfahrensgestaltung ersetzt Entscheidungsgewalt (Proksch 2018: 4).

Sehen wir uns nun einmal die Funktionsweise der Mediation an. Anders als in Konfliktsituationen, die eine destruktive Eigendynamik entwickeln und am Ende in Gewinner und Verlierer unterschieden wird, setzt die Mediation auf Interessen und Bedürfnisse. Diese beiden Begriffe sind zentral für die kooperative Konfliktlösung sowie für das Mediationsverfahren (vgl. ebd.). Zunächst ist es für den Konfliktlösungsprozess existenziell, dass jeder versteht welche Intention hinter der verbal vorgetragenen Aussage steckt. Diese sind in der Regel von unterschiedlicher Natur, was in einem Konfliktfall positiv zu dessen Lösung beitragen kann. Außerdem lassen sich Interessen und Bedürfnisse, da sie unspezifisch und persönlich sind, kaum negieren. Über solche Positionen kann leichter in einer konstruktiven Atmosphäre verhandelt werden. Ein weiterer Positiver Effekt wird durch die Selbstverantwortung der Parteien erzeugt. Die Parteien kommen sich in dem Mediationsprozess näher und entwickeln gegenseitiges Verständnis, wodurch sich negative Emotionen abbauen können, sogar positive Gefühle können dadurch entstehen. Das entstehende, wechselseitige, Verständnis wird durch den Mediator gefördert. Die Konfliktparteien versetzen sich in die Lage des jeweils anderen hinein und erarbeiten so mithilfe des unparteilichen Dritten einen Konsens. Die Mediation folgt einem klar gegliederten Phasenmodell (siehe Abb. 1). Die Vorteile an diesem Modell liegen vor allem in der Transparenz gegenüber den beiden Konfliktparteien, die so immer einen Überblick über das Verfahren behalten. Dieses Phasenmodell wird hier nachfolgend noch einmal näher erläutert werden. Vor dem Einstieg in die erste Phase bedarf es einer grundlegenden Vorbereitung des Mediationsprozesses.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Phasenmodell der Mediation

Quelle: Proksch, 2018, S. 8

Die Vorbereitungsphase dient nach dem deutschen Psychoanalytiker Fritz Simon dazu, dass die Konfliktparteien den vor ihnen liegenden Mediationsprozess und den Mediator kennen lernen (vgl. Simon 2010: 116). In einem einzelnen Vorbereitungsgespräch pro Konfliktpartei werden vorangehende Verfahrensfragen dabei ebenso gestellt, wie Fragen zum Arbeitsstil des Mediators. Auf Seiten des Mediators dient die Vorbereitung dazu sich in die Konfliktsituation einzuarbeiten und die verschiedenen Beteiligten und deren Bereitschaft einzuschätzen. Ist gegenseitige Beteiligung nicht gegeben, so hilft der Mediator gegebenenfalls bei einer Vermittlung anderer Lösungen (vgl. Proksch 2018: 9). In der nächsten Phase, der Rahmenphase, werden die Bedingungen für die erfolgreiche Zusammenarbeit definiert, sowie eine mögliche Zielsetzung erarbeitet. In dieser Phase, die schon mit beiden Konfliktparteien stattfindet, werden ebenfalls wichtige Grundregeln der Mediation sowie Gesprächsregeln durch den Mediator erklärt. Das Formulieren einer gemeinsamen Zielvereinbarung soll die Wahrnehmung von dem „ich" auf das „wir" lenken. Die Konfliktparteien möchten gemeinsam etwas erreichen und nicht gegen den anderen gewinnen (vgl. ebd.: 9f.). Danach folgt die Strukturierungsphase. Diese Phase dient der Reduktion des Konfliktgeschehens auf ein verarbeitbares Maß. Konflikte gewinnen durch ihre zwei Ebenen an Komplexität. Die Sach- und die Beziehungsebene, die ineinandergreifen und gegenseitigen Einfluss auf die jeweils andere Ebene ausüben. Hier erfolgt eine Sammlung der Konfliktpunkte, wobei auch abgesprochen wird mit welcher Konfliktthematik im Zuge des Aufarbeitungsprozesses begonnen werden soll. Der Mediator vermittelt hierbei. Die Konfliktparteien halten gemeinsam jene Aspekte fest, über die beiderseitiges Einvernehmen herrscht. In Fachsprache wird dieses Verfahren als „Zahlen, Daten, Fakten" oder auch kurz „ZDF" bezeichnet. Die darauffolgende Interessensphase bildet den Kern des Mediationsverfahrens. Die vorher ausgewählte Thematik wird nun bearbeitet. Dies beginnt mit einer Schilderung der Sichtweise der einzelnen Konfliktparteien. Hierbei zeigt sich der Unterschied zu anderen Konfliktlösungsformen sehr deutlich. Die Mediation versucht nicht einer Partei Recht zu geben, sondern sie arbeitet die Bedürfnisse der Parteien heraus und sucht auf deren Basis eine gemeinsame Lösung (vgl. ebd.: 11f.) Die Aufgabe des Mediators liegt in dieser Phase im Zuhören, Nachfragen und somit letztlich dem Verstehen der Interessen der Parteien. Gleichzeitig sorgt er für die Einhaltung der vereinbarten Gesprächs- und Verhaltensregeln durch die Parteien. Außerdem leistet der Mediator eine Art Übersetzungsarbeit, in dem er bei der anderen Partei das Verständnis für die Gegenpartei fördert, welches den Grundstein für eine konsensuale Lösung bildet. Das Verfahren setzt sich in der Lösungsphase fort. In einem Sammlungsprozess äußern die Konfliktparteien Lösungsmöglichkeiten, so ungewöhnlich diese auch sein mögen. Anschließend werden die vielversprechendsten Lösungen herausgefiltert und diskutiert, wobei eine akzeptable Endlösung die Grundinteressen aller Konfliktparteien aufgreifen muss. Die Rolle des Mediators in dieser Phase ist die des kritischen Beobachters. Er hinterfragt Lösungen auf ihre Realisierbarkeit. Die Lösung wird festgehalten und gegebenenfalls werden auch Experten zu diesem Thema gehört (vgl. Donhauser 2017: 4f.). Die Details der Lösungsvereinbarung zu bestimmen fällt in die Abschlussphase. Dies erfolgt in schriftlicher Form und wird, falls notwendig, von Anwälten oder Notaren in eine juristische Vertragsform übertragen. Letztlich wird besprochen welche Informationen nach Abschluss des Mediationsverfahrens nach außen kommuniziert werden und ein Nachbesprechungstermin in einigen Monaten vereinbart. In der Nachbereitung werden Protokolle und sonstige Dokumente an die Medianten und sofern vereinbart an weitere Personen übersandt. Nach der Nachbesprechung ist die Mediation beendet.

[...]


1 In diesem Text wird zur Vereinfachung die männliche Form gewählt. Sämtliche Aussagen treffen jedoch auf alle Geschlechter zu. Eventuelle Ausnahmen sind deutlich benannt.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Mediation im Anwendungsfeld der Bürgerbeteiligung
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Zentrum für Konfliktforschung)
Veranstaltung
Konflikt- und Friedensprozesse in Theorie und Praxis
Note
0,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
11
Katalognummer
V981312
ISBN (eBook)
9783346333704
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Bürgerbeteiligung
Arbeit zitieren
Jan Steven Wucherpfennig (Autor:in), 2020, Mediation im Anwendungsfeld der Bürgerbeteiligung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/981312

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