Das Thema Mehrgeschlechtlichkeit sorgt in vielen Kulturen für Verwirrung. Viele Menschen vertreten nach wie vor die Annahme, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Insofern erwarten sie von ihrem Gegenüber angemessene Verhaltensformen. Doch woher kommen diese Typisierungen?
In jeder Gesellschaft herrschen geschlechtstypische Erwartungen an die sich die Menschen anpassen sollen. Doch jene Individuen, die sich nicht mit diesem typisch „männlichen“ oder typisch „weiblichen“ Verhalten identifizieren können, stehen oftmals unter immensem Sozialisationsdruck. Selbst in der heutigen Zeit obliegt die Kindererziehung in der Regel dem weiblichen Geschlecht. Darüber hinaus werden weibliche Eigenschaften mit Expressivität und männliche Eigenschaften mit Instrumentalität verbunden. Frauen sind somit gefühlvoll, leidenschaftlich und zeigen bedenkenlos ihre (gesundheitlichen-) Schwächen. Männer hingegen sind selbstbewusst und eigenständig, reagieren aber bei Belastungen wie Stress oder Streit häufiger mit aggressivem Verhalten.
Doch auch die soziale Schicht spielt eine Rolle. Aspekte wie Bildung, Alter und Wohnverhältnisse haben Einfluss auf die Art und Weise wie mit Diversität umgegangen wird.
Besonders Männer sind seit ihrer frühen Kindheit auf der Suche nach gleichgeschlechtlichen Vorbildern. Hinzu kommen auch noch Problematiken wie beispielsweise die Trennung von der Mutter oder auch die Anforderung zu einem richtigen Mann heranzuwachsen. Mädchen hingegen sind hauptsächlich Entwicklungsproblemen ausgesetzt, wenn sie aus sozial benachteiligten Familien mit engen Geschlechterrollen stammen und gelernt haben, dass sie die typischen Weiblichkeitsformen annehmen sollen. Darüber hinaus suchen sie oftmals die Fehler bei sich selbst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Erkenntnisinteresse und zentrale Fragestellung
1.3 Methode
1.4 Vorgehen
2. Sexuelle Vielfalt im Jugendalter
2.1 LGBT(IQ)
2.2 Diversity & Managing Diversity
2.3 Biologisches (Sex) und soziales Geschlecht (Gender)
2.4 Transsexualität, Transgender/Transgeschlechtlichkeit, Transidentität
2.5 Intersexualität
3. Inhaltlicher Rahmen
3.1 Gender Studies
3.2 Gender Mainstream
3.3 Doing Gender
3.4 Undoing Gender
3.5 Queer Studies
3.6 Rechtlicher Rahmen
4. Entwicklungspsychologie
4.1 Persönlichkeitsentwicklung
4.2 Identitätsentwicklung
4.3 Zusammenfassung
4.4 Geschlechtsidentitätsentwicklung
5. Geschlechterstereotypen – Typisch Mann, Typisch Frau
5.1 Historischer Verlauf – Von Zweigeschlechtlichkeit zu Mehrgeschlechtlichkeit
5.2 Zusammenfassung
6. Auswirkungen klassischer Geschlechterstereotype
6.1 Schulischer Kontext
6.2 Suizidalität und psychische Probleme
6.3 Coming-out
7. Fazit
7.1 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht, welche Bedeutung klassische Geschlechterrollen und -stereotype für LGBT-Jugendliche haben und welche negativen Auswirkungen diese auf ihren Lebensalltag, insbesondere in schulischen und sozialen Kontexten, entfalten können.
- Analyse theoretischer Konzepte wie Gender Studies, Doing/Undoing Gender und Queer Studies.
- Untersuchung der Identitäts- und Geschlechtsidentitätsentwicklung im Jugendalter.
- Darstellung von Diskriminierungserfahrungen, Mobbing und psychischen Belastungen im Schulkontext.
- Betrachtung von Risiken wie Suizidalität und psychischen Erkrankungen bei LGBT-Jugendlichen.
- Reflexion der Rolle der Sozialen Arbeit zur Unterstützung von LGBT-Jugendlichen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Ausgangslage
„Wenn der erste Schritt zur Befreiung in der Freiheit besteht, nicht das zu sein, was man nach der Ansicht anderer sein muß, das heißt, frei zu sein, eine selbst gewählte Form für das, was man ist, zu finden, […]“ (Erikson 1975, S. 133; Auslassung J.W.).
Das Thema Mehrgeschlechtlichkeit sorgt in vielen Kulturen für Verwirrung. Viele Menschen vertreten nach wie vor die Annahme, dass es nur zwei Geschlechter gibt. Insofern erwarten sie von ihrem Gegenüber angemessene Verhaltensformen. Doch woher kommen diese Typisierungen (vgl. Wetterer 2010, S. 126)?
In jeder Gesellschaft herrschen geschlechtstypische Erwartungen an die sich die Menschen anpassen sollen. Doch jene Individuen, die sich nicht mit diesem typisch „männlichen“ oder typisch „weiblichen“ Verhalten identifizieren können, stehen oftmals unter immensem Sozialisationsdruck (vgl. Schmitz, Vierhaus et al. 2012, S. 183). Selbst in der heutigen Zeit obliegt die Kindererziehung in der Regel dem weiblichen Geschlecht (vgl. Beck-Gernsheim 2008, S. 22). Darüber hinaus werden weibliche Eigenschaften mit Expressivität und männliche Eigenschaften mit Instrumentalität verbunden. Frauen sind somit gefühlvoll, leidenschaftlich und zeigen bedenkenlos ihre (gesundheitlichen-) Schwächen. Männer hingegen sind selbstbewusst und eigenständig (vgl. Schmitz, Vierhaus et al. 2012, S. 183), reagieren aber bei Belastungen wie Stress oder Streit häufiger mit aggressivem Verhalten (vgl. Fischer 2010, S. 149).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass gesellschaftliche Geschlechtervorstellungen LGBT-Jugendliche unter Druck setzen, und umreißt Forschungsziel sowie Methodik.
2. Sexuelle Vielfalt im Jugendalter: Dieses Kapitel definiert zentrale Fachbegriffe wie LGBT(IQ), Diversity, Sex/Gender sowie Trans- und Intergeschlechtlichkeit.
3. Inhaltlicher Rahmen: Es werden wissenschaftliche Konzepte wie Gender Studies, Doing/Undoing Gender und Queer Studies erläutert und die rechtliche Situation betrachtet.
4. Entwicklungspsychologie: Hier wird die allgemeine Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung mit dem Fokus auf die Geschlechtsidentität bei Jugendlichen analysiert.
5. Geschlechterstereotypen – Typisch Mann, Typisch Frau: Dieses Kapitel behandelt den historischen Wandel von der Zweigeschlechtlichkeit zur Mehrgeschlechtlichkeit und die Entstehung von Geschlechterrollen.
6. Auswirkungen klassischer Geschlechterstereotype: Es untersucht konkret Diskriminierung, Suizidalität und die Herausforderungen von Coming-out-Prozessen bei LGBT-Jugendlichen.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, reflektiert die belastende Lebenssituation von LGBT-Jugendlichen und gibt Handlungsempfehlungen für die Soziale Arbeit.
Schlüsselwörter
LGBT, sexuelle Vielfalt, Geschlechterstereotype, Geschlechterrollen, Identitätsentwicklung, Doing Gender, Undoing Gender, Diskriminierung, Coming-out, Suizidalität, Jugendalter, Soziale Arbeit, Heteronormativität, Geschlechtsidentität, Trans*.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen klassischer Geschlechterzuschreibungen und -rollen auf LGBT-Jugendliche in verschiedenen Lebensbereichen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit umfasst Themen wie geschlechtsspezifische Sozialisation, Diskriminierungserfahrungen, die psychische Gesundheit sowie die rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen für LGBT-Jugendliche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Lebensalltag von LGBT-Jugendlichen zu beleuchten und aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Erwartungen und Stereotype deren Identitätsentwicklung und psychisches Wohlbefinden beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Bachelorarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Vergleich aktueller Studien und Fachbeiträge basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Ansätze der Genderforschung, entwicklungspsychologische Grundlagen, den historischen Wandel von Geschlechterrollen sowie empirische Befunde zu Diskriminierung und psychischen Belastungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind LGBT, Geschlechterstereotype, Identitätsentwicklung, Diskriminierung, Coming-out und Soziale Arbeit.
Welche Rolle spielt die Schule für LGBT-Jugendliche?
Die Schule stellt oft keinen sicheren Ort dar, da viele LGBT-Jugendliche dort Diskriminierung, Mobbing oder soziale Ausgrenzung aufgrund von Vorurteilen erleben.
Warum ist das Coming-out oft ein schwieriger Prozess?
Das Coming-out ist mit Ängsten vor Zurückweisung durch Familie, Freunde und das soziale Umfeld verbunden und findet oft in einer Lebensphase statt, in der die Identität ohnehin in einem Transformationsprozess ist.
- Arbeit zitieren
- Jessica Wulkesch (Autor:in), 2020, Sexuelle Vielfalt im Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/981663