Der demographische Wandel und der Global Food Trend von Zuckerrohr in Brasilien


Hausarbeit, 2016

59 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Herangehensweise

2 Geografie
2.1 Topografie
2.2 Klima
2.3 Flora und Fauna
2.4 Bodenschätze

3 Bevölkerung
3.1 Demographische Strukturen
3.2 Ethnische Vielfalt der Bevölkerung
3.3 Regionale Bevölkerungsverteilung

4 Geschichte und Politik
4.1 Kolonialzeit und Monarchie
4.2 Sturz der Monarchie und Anfänge der Republik
4.3 Der „Neue Staat“ (Estado Novo)
4.4 Zwischen Demokratie und Diktatur
4.5 Demokratisierung und Reformen
4.6 Aktuelle politische Lage

5 Wirtschaft

6 Arbeit und Soziales
6.1 Historische Hintergründe
6.2 Veränderungen
6.3 Die Fragmentierung der Städte
6.4 Perspektiven

7 Demographischer Wandel
7.1 Bevölkerungsentwicklung
7.2 Binnenwanderung
7.3 Demographischer Übergang
7.4 Einflussfaktoren
7.5 Altersstruktur
7.6 Gesellschaftliche Herausforderungen

8 Global Food Trend – Zuckerrohr
8.1 Einordnung und Beschreibung
8.2 Herkunft und Geschichte
8.3 Anbaugebiete
8.4 Anbau und Standortansprüche
8.5 Ernte
8.6 Aussaat und Vermehrung
8.7 Verarbeitung und Verwendung
8.8 Ökonomische Bedeutung
8.8.1 Das Weltmarktprodukt Zucker
8.8.2 Bioethanolnutzung im Inland
8.8.3 Bioethanol – Exporte
8.8.4 Forschung und Entwicklung
8.9 Ökologische Auswirkungen
8.9.1 Luftqualität
8.9.2 Wasserqualität und –quantität
8.9.3 Landnutzung
8.10 Soziale Auswirkungen
8.10.1 Vertreibung und Umsiedlungen
8.10.2 Staatliche Förderungen der Kleinbauern
8.10.3 Folgen für die indigene Bevölkerung
8.10.4 Konkurrenz zu Nahrungsmitteln
8.10.5 Arbeitsbedingungen auf den Zuckerrohrfeldern
8.10.6 Positive Effekte
8.11 Die brasilianische Spezialität Cachaça

10 Schlussbetrachtung
10.1 Zusammenfassung
10.2 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Brasilien: Zugehörigkeit zu den Ethnien im Jahr 2010

Abbildung 2: Bevölkerungsentwicklung

Abbildung 3: Nettomigrationsrate

Abbildung 4: Phasen des demographischen Übergangs in Brasilien

Abbildung 5: Bevölkerungswachstum (%)

Abbildung 6: Brasilien. Lebenserwartung bei der Geburt von 2004 bis 2014

Abbildung 7: Altersstruktur der brasilianischen Bevölkerung 1960, 1996 und 2020

Abbildung 8: Anbauflächen für Zuckerrohr (rote Flächen) in Brasilien im Jahr 2005

Abbildung 9: Ethanolexporte Brasiliens von 2001 bis 2020 (ab 2012 Schätzungen der brasilianischen Energieagentur)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Bevölkerung der Großregionen Brasiliens 1980-2007

Tabelle 2: SWOT-Analyse Jahreswechsel 2015/16 Brasilien

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In Brasilien bündeln sich Wirtschaftskraft, Innovationsstärke und großer Ressourcenreichtum. Die Hochkonjunktur basierte unter anderem auf der Ausweitung des Anbaus von Zuckerrohr 1. Brasilien zählt zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt. Seit 1970 erlebt die Bevölkerungsstruktur dramatische Veränderungen 2. Der erreichte Wohlstand ist weiterhin sehr ungleich verteilt .

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Heute ist Brasilien mit 207,8 Mio. Einwohnern bevölkerungsmäßig der fünftgrößte Staat der Welt [3, 4]. In den Jahren 1860 bis 1970 wurde eine mittlere jährliche Zuwachsrate von 2,9 % erreicht 2. Im Jahr 2015 verringerte sich das Bevölkerungswachstum auf 0,86 % 5. Niedrige Geburten- und Sterberaten kennzeichnen eine moderne Gesellschaft. In dieser Gesellschaft hat sich die Altersstruktur stark verändert. Eine junge Bevölkerung bis zum Alter von 20 Jahren bildete bis 1989 den größten Bevölkerungsanteil. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden etwa 40 % der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein 6.

Die Bevölkerung wird überaltern und schrumpfen. Die Veränderung der Altersstruktur stellt eine große Herausforderung dar. Vorübergehend kann das Land von einem großen Anteil an Menschen im erwerbsfähigen Alter profitieren 7. Hohe Wachstumsraten und ein Beschäftigungszuwachs verschafften Brasilien einen rasanten Wirtschaftsaufschwung. Seit 2015 steckt das Land in der schlimmsten Rezession seit 100 Jahren 8. Extreme sozioökonomische Unterschiede in der Gesellschaft, Korruption und eine marode Infrastruktur erschweren der brasilianischen Wirtschaft die Potentiale positiv nutzen zu können 1. Die Produktion und Verarbeitung von Agrarrohstoffen ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Brasilien. Weltweit ist Brasilien der Haupterzeuger von Rohrzucker 9. Die Weltmarktpreise steigen, da die Nachfrage steigt. Ökonomisch ist der Zuckerrohranbau vorteilhaft 10. Die negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen des Zuckerrohranbaus belasten das Land. Durch eine nachhaltige Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialpolitik könnte Brasilien wahrscheinlich wieder zum aufstrebenden Land der Zukunft werden 11.

Ziel der Arbeit ist es, den demographischen Wandel Brasiliens aufzuzeigen und das brasilianische Zuckerrohr als Global Food Trend vorzustellen.

1.2 Herangehensweise

Zuerst beschreibe ich die Geografie des Landes. Anschließend gebe ich Informationen zur Bevölkerung. Danach betrachte ich die Geschichte und Politik sowie die Wirtschaft, Arbeit und Soziales. Als nächstes habe ich mich ausführlich mit dem demographischen Wandel und Zuckerrohr als Global Food Trend beschäftigt. Als Abschluss folgt die Schlussbetrachtung mit Zusammenfassung und Fazit.

2 Geografie

Brasilien (Föderative Republik Brasilien) ist das größte Land in Südamerika. Die Landfläche von 8.515.720 km2 umfasst beinahe die Hälfte (47,3 %) des südamerikanischen Kontinents. Das Land erstreckt sich vom 5. nördlichen bis zum 23. südlichen Breitengrad und vom 35. bis zum 74. westlichen Längengrad im südöstlichen Südamerika 12. Brasiliens größte Ost-West-Ausdehnung von 4.319,4 km entspricht etwa der seiner größten Nord-Süd-Ausdehnung von 4.394,7 km. Das Land grenzt fast an alle Länder Südamerikas, außer an Chile und Ecuador. Brasilien grenzt im Osten an den Atlantik mit einer Küstenlinie von etwa 7.400 km 13. Brasilien besteht aus 26 Bundesstaaten und einem Bundesdistrikt. Im Norden liegen die Bundesstaaten Acre, Amapá, Amazonas, Pará, Rondônia, Roraima und Tocantins. Der Nordosten ist in die Bundesstaaten Alagoas, Bahia, Ceará, Maranhão, Paraíba, Pernambuco, Piauí, Rio Grande do Norte und Sergipe gegliedert. Die Region im Mittelwesten umfasst die drei Bundesstaaten Goiás, Mato Grosso und Mato Grosso do Sul. Im Südosten befinden sich die beiden größten Metropolen des Landes São Paulo und Rio de Janeiro. Die Bundesstaaten Espírito Santo, Minas Gerais, Rio de Janeiro und São Paulo bilden den Südosten. Im Süden liegen die Bundesstaaten Paraná, Rio Grande do Sul und Santa Catarina. Der Bundesdistrikt Distríto Federal erstreckt sich rund um die Hauptstadt Brasilia im zentralen Hochland inmitten des Bundesstaates Goiás 14.

2.1 Topografie

Zwei Großlandschaften prägen das Land 13. Das Guayana-Schild, das zentralbrasilianische Schild und das ostbrasilianische Schild bilden das brasilianische Bergland. Den zweiten Großlandschaftstyp bilden große Beckenlandschaften; das Amazonasbecken, das Maranhão-Becken, das Pantanal und das Paraná-Becken. Eine kontinentale Senkungszone hat Brasilien an der Andenostseite 2.

Im Norden liegt das etwa 4 Mio. km2 große Amazonasbecken. Es ist das größte geschlossene Ökosystem der Welt. Im Süden erreicht ein Hochplateau Durchschnittshöhen von 200 bis 1000 m über dem Meeresspiegel. Hier verlaufen vom Süden des Landes in Richtung Nordosten hohe Gebirgsketten. Sie bilden eine Wasserscheide zwischen dem Atlantik und dem Binnenland. Hydrographisch bestimmen der Amazonas mit seinen Nebenflüssen im Norden, das Paraná-Paraguay-Flusssystem im Südwesten und der Rio São Francisco im Osten das Land. Der Amazonas ist mit über 6.500 km Gesamtlänge der zweitlängste und der wasserreichste Fluss der Erde mit einer durchschnittlichen Breite von 4 bis 5 km 13.

2.2 Klima

Das Klima ist in Brasilien sehr unterschiedlich. Das Land teilt sich in fünf Klimazonen; einer äquatorialen, einer tropischen, einer feuchttropischen, einer trockentropischen und einer subtropischen Zone. 92 % des Landes liegt in den Tropen. Auf der Hochebene beträgt die Durchschnittstemperatur 19 °C. Dort liegen die Städte São Paulo, Brasilia und Belo Horizonte. In den Küstenstädten Rio de Janeiro, Salvador und Recife wird das warme Klima mit Durchschnittstemperaturen von 23 bis 27 °C durch die Passatwinde gemildert. Südlich von Rio de Janeiro sind die jahreszeitlichen Schwankungen größer. Dort beträgt die Durchschnittstemperatur nur zwischen 17 und 19 °C. Im Nordosten Brasiliens werden die höchsten Temperaturen erreicht. Dort steigt das Thermometer in den Trockenzeiten häufig auf über 38 °C. Im größten Teil des Landes fallen mäßige Niederschlagsmengen zwischen 1.000 und 1.500 mm pro Jahr, die fast ausschließlich in den Sommermonaten fallen. Regenreiche Gebiete gibt es im Amazonasgebiet. Dort fallen bis zu 3.000 mm pro Jahr. Am Rande der Gebirgshänge im Bundesstaat São Paulo liegt ein weiteres regenreiches Gebiet 13.

2.3 Flora und Fauna

Die unterschiedlichen topografischen und klimatischen Verhältnisse bestimmen eine vielfältige Vegetation. Der Amazonasregenwald in Brasilien gehört zum Tropengürtel. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei etwa 25 °C. Heftige Regenfälle bestimmen das Klima. Der Boden des Regenwaldes hat überwiegend einen sauren pH-Wert und ist größtenteils unfruchtbar. Trotzdem herrscht dort eine riesige Pflanzenvielfalt. Der tropische Regenwald ist durch drei bis vier Stockwerke klar strukturiert. Das Kronendach der bis zu 50 m hohen Bäume schließt das typische Klimasystem ein. Der Regenwald entlang der Atlantikküste zeigt eine noch größere Pflanzenvielfalt auf. Jedoch wurde dieser bereits fast hauptsächlich durch Abholzung zur Ackergewinnung gänzlich zerstört. Die ursprüngliche Vegetation ist nur noch in ewigen Nationalparks erhalten. Im Tiefland und auf den Plateaus der Ostküste überwiegt der Laubwald. Den Nordosten prägt trockenes Buschland. Savannenvegetation ist in Zentralbrasilien vorherrschend. Im Süden ist das Hochland meist mit Schirmtannen bewaldet. In den Ebenen erstrecken sich Grasflächen. Das Mato-Grosso-Sumpfland im westlichen Teil Zentralbrasiliens ist überwiegend Grasland, das in der Regenzeit überschwemmt wird. In Brasilien gibt es die artenreichste Fauna der Welt. Im Amazonasregenwald leben die meisten biologischen Organismen der Erde 13.

2.4 Bodenschätze

Brasilien ist ebenfalls reich an Bodenschätzen. Das bekannte Volumen an Eisenerz könnte nach heutigen Berechnungen den Weltbedarf an Eisen über 500 Jahre decken. Außerdem sind in Brasilien Kalium, Phosphat, Wolfram, Kassiterit1, Blei, Graphit, Chrom, Gold, Zirkonium sowie das seltene radioaktive Thorium zu finden. Zu den bedeutenden Rohstoffen gehören Diamanten. In Brasilien werden 90 % der Edelsteine der Welt gefördert 13. Im Amazonasgebiet wird Erdgas gefördert. Brasilien ist Selbstversorger mit Erdöl. Vor der Atlantikküste wurden große Erdölvorkommen gefunden 15.

3 Bevölkerung

Brasilien zählt zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt 13. Mit 207,8 Mio. Einwohnern nimmt Brasilien im Jahr 2015 nach China, Indien, den USA und Indonesien den fünften Rang ein [3, 4]. Nach Fläche und Bevölkerung ist Brasilien das größte Land Südamerikas. Die Bevölkerungsdichte ist im Vergleich zu anderen Ländern mit 24,4 Einwohnern/km2 niedrig. Die Landessprache ist Portugiesisch in brasilianischen Varianten. Brasilien ist das größte römisch-katholische Land. Etwa 68 % der Bevölkerung sind Katholiken. Der Anteil protestantischer Gruppen und Sekten nimmt weiter zu. Außerdem sind synkretistisch-animistische Kulte verbreitet 12.

3.1 Demographische Strukturen

Die Bevölkerungsstruktur erlebt seit 1970 dramatische Veränderungen. Die jährliche Wachstumsrate von 2,9 % in den sechziger Jahren verringerte sich 2015 auf 0,86 % 5. Im Punkt 7 behandele ich ausführlich den demographischen Wandel in Brasilien. Die Bevölkerung ist sehr ungleich verteilt. Durch die staatliche Kolonisation im Amazonasgebiet und im zentralen Westen in den 1970er und 1980er Jahren hat die Bevölkerung dort zugenommen. Trotzdem bleibt der Norden kaum besiedelt. Entlang der atlantischen Küste in den nord- und südöstlichen Bundesstaaten lebt die Mehrheit der Brasilianer. Die Bevölkerung konzentriert sich auf den städtischen Raum, besonders im wirtschaftlichen Kernraum im Südosten. In den Metropolen des Landes leben etwa die Hälfte der städtischen Bevölkerung 13. 2015 lebten nur 14,92 % der Bevölkerung im ländlichen Raum 5. Die soziale Ungleichheit in der Bevölkerung ist sehr groß. Etwa ein Fünftel der Brasilianer lebt in Armut. Favelas2, Straßenkinder und Kriminalität sind typisch für brasilianische Städte. Gesellschaftlich benachteiligt werden vor allem Schwarze und Indianer. Auf der anderen Seite der Gesellschaft steht eine reiche mächtige Oberschicht 16.

3.2 Ethnische Vielfalt der Bevölkerung

Die Bevölkerung zeichnet sich durch eine ethnische Vielfalt aus. Im Wesentlichen stammt die Bevölkerung von indianischen Ureinwohnern, den eingewanderten Europäern und von Afrikanern ab. Im 16. Jahrhundert lebten auf dem heutigen Gebiet Brasiliens mehrere hundert einheimische Indianervölker, die verschiedene Sprachen und Kulturen hatten. Heute gibt es in Brasilien etwa 250.000 Indianer, die sich in ungefähr 200 Gruppen unterteilen und 180 verschiedene Sprachen sprechen 13. Die folgende Grafik (Abbildung 1) zeigt die Zugehörigkeit der verschiedenen Ethnien als Prozentangabe an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2010. 47,7 % der Gesamtbevölkerung waren Weiße, 43,1 % Mulatten, 7,6 % Schwarze, 1,1 % Asiaten und 0,4 % Indigene. 17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Brasilien: Zugehörigkeit zu den Ethnien im Jahr 2010 (Quelle: CIA. Statista 2015) 17

3.3 Regionale Bevölkerungsverteilung

Trotz umfangreicher Binnenwanderungen zeichnet sich Brasilien immer noch durch eine regional sehr ungleiche Bevölkerungsverteilung aus. 70 % der Einwohner leben auf 10 % der Landesfläche entlang des Küstenstreifens bis maximal 500 km ins Landesinnere hinein. Seit Ende des 19. Jahrhunderts hat der Südosten als wichtigster Wirtschaftsraum mit über 42 % der Gesamtbevölkerung auf etwa 11 % der Landesfläche den Nordosten als Bevölkerungsschwerpunkt abgelöst. Auf nur 3 % der Landesflächen hat der Staat São Paulo mit 40 Mio. Einwohnern einen Anteil von 22 % an der Gesamtbevölkerung. Die Bevölkerungsdichte beträgt 160 Einwohner pro Quadratkilometer. Nur noch der Flächenstaat Rio de Janeiro hat eine höhere Bevölkerungsdichte mit 353 Einwohnern pro Quadratkilometer. Seit 1980 ist der Bevölkerungsanteil des Nordostens und Südens Brasiliens leicht rückläufig. Im Norden und im Mittelwesten haben sich die Bevölkerungsanteile aufgrund Kolonisationsprogramme stark erhöht. Jedoch verringern sich die Zuwachsraten wieder. Im Nordosten konzentriert sich die Bevölkerung auf Zona da Mata und Agreste. Im Südosten haben die Städte São Paulo und Rio de Janeiro die höchste Bevölkerungsdichte. Diese beiden Megastädte sind nur 400 km voneinander entfernt und über das dicht besiedelte Paraíba-Tal miteinander verbunden. São Paulo, Rio de Janeiro und Belo Horizonte bilden das berühmte Städtedreieck Brasiliens. Es ist der führende Wirtschaftsraum Lateinamerikas. Im Südosten erreicht der Verstädterungsgrad 92 %. Im Süden liegen Weidewirtschaftszonen in der Grassteppe neben dicht besiedelten Waldgebieten. Verdichtungsgebiete sind im Großraum Curitika, in der Küstenregion Santa Catarinas und in der Metropolitanregion Porto Alegre. Inselhaft heben sich im Landesinneren die städtischen Ballungsräume um Brasilia, Goiânia, Campo Grande und Cuiabá hervor. Entlang der Fernstraßen Brasilia-Belém, Cuiabá-Santarém und in Rondônia ist die Bevölkerungsdichte ebenfalls hoch. Im Amazonasgebiet konzentriert sich die Bevölkerung auf Manaus und die Carajás-Region im östlichen Pará. In Amazonien befinden sich außerhalb der Städte nur größere Besiedlungen entlang der Unterläufe der Amazonaszuflüsse und am Hauptstrom. Roraima weist mit 1,7 Einwohnern pro Quadratkilometer die geringsten Dichtewerte auf. In den tropischen Regenwäldern lebt die indigene Bevölkerung in Reservaten oder in sehr kleinen Stammesgruppen in unzugänglichen Regionen. Im Mittelwesten gibt es nur kleinere Städte, die in der weiten landwirtschaftlich genutzten Feuchtsavanne hauptsächlich Versorgungsfunktion haben. Aufgrund der Landflucht ist diese Region nur dünn besiedelt 2.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Bevölkerung der Großregionen Brasiliens 1980-2007 2

4 Geschichte und Politik

Die Geschichte und die aktuelle politische Lage Brasiliens werden hier in einem kurzen Abriss beschrieben.

4.1 Kolonialzeit und Monarchie

Der Portugiese P.A. Cabral betrat am 22.04.1500 die brasilianische Küste und beanspruchte für Portugal den Besitz. Ab 1532 besiedelten die Portugiesen den Küstenstreifen. Afrikanische Sklaven arbeiteten ab 1538 auf den portugiesischen Zuckerrohrplantagen. 1549 wurde die Stadt Bahia gegründet. Die Stadt wurde Sitz der kolonialen Zentralregierung. Um 1500 war das heutige Gebiet von Brasilien von etwa 11 Mio. Menschen bewohnt. Es gab schätzungsweise 2.000 verschiedene indigene Völker. Innerhalb eines Jahrhunderts nach dem Eindringen der Europäer waren 90 % der Menschen hauptsächlich durch eingeschleppte Krankheiten ausgerottet. In den nächsten Jahrhunderten starben tausende Indigene, die als Sklaven auf den Kautschuk- und Zuckerrohrplantagen der Siedler arbeiteten. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Hinterland erschlossen 19. Die Wirtschaft expandierte vor allem in den Bereichen Zucker, Holz, Tabak und Edelmetalle. Deshalb nahm die Einwanderung aus Europa zu. Da sich die Erkundung und Ausbeutung großer Rohstofflagerstätten in den Süden ausweitete, wurde 1763 Rio de Janeiro die Hauptstadt im wirtschaftlich starken Süden. 1807 ließ sich dort der portugiesische König Johann VI. auf der Flucht vor Napoleon nieder. Brasilien erklärte nach dessen Rückkehr in die Heimat am 07. September 1822 seine Unabhängigkeit. Der Sohn Johann lässt sich zum Kaiser ausrufen 18.

4.2 Sturz der Monarchie und Anfänge der Republik

1889 wurde die Monarchie aus Unmut über diese Maßnahme gestützt und die Republik ausgerufen. Die Föderative Republik der Vereinigten Staaten von Brasilien entstand. Ihr Leitspruch „Ordem e Progresso“3 gilt heute noch. 1831 wurde die Einfuhr von Sklaven nach Brasilien verboten. Die Abschaffung der Sklaverei erfolgte 1888.

Der Export von Kaffee, Kautschuk und Zuckerrohr sowie die beginnende Industrialisierung brachten Brasilien einen Wirtschaftsaufschwung. Infolgedessen kamen viele Einwanderer aus Europa, überwiegend aus Portugal, ins Land. Grenzstreitigkeiten wurden friedlich beigelegt. Dadurch konnte das Staatsgebiet erweitert werden 20.

4.3 Der „Neue Staat“ (Estado Novo)

Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der neuen städtischen Mittel- und Arbeiterschicht sowie der Landaristokratie. Brasilien stürzte durch die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 und den Zusammenbruch des Kaffeemarktes wirtschaftlich und politisch in eine Krise. 1930 kam der gescheiterte Präsidentschaftskandidat Getúlio Vargas durch einen Putsch mit Unterstützung des Militärs an die Macht. Er schlug kommunistische und faschistische Aufstände nieder. 1937 löste er den Kongress auf und verbot Streiks und Parteien. Vargas proklamierte das autoritäre Regierungssystem des Estado Novo4. Die Vorherrschaft der Großgrundbesitzer endete. Die Industriearbeit und das städtische Bürgertum wurden gestärkt. Er förderte die Industrie und die Agrarexporte. Brasilien trat 1942 an der Seite der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg ein 21.

4.4 Zwischen Demokratie und Diktatur

Nach dem Krieg musste Vargas zurücktreten. Brasilien kehrte unter Präsident Eurico Gaspar Dutra (1946-1951) zur Demokratie zurück. 1951 wählte die Bevölkerung Vargas erneut zum Präsidenten. Er verfolgte eine nationalistische Wirtschaftspolitik. Vargas beging 1954 Selbstmord. Von 1956 bis 1961 regierte der Präsident Juscelino Kubitschek de Oliveira. Sein Hauptziel war die Landerschließung. Höhepunkt seiner Amtszeit war ab 1960 der Bau der neuen Hauptstadt Brasilia nach den Plänen des Architekten Oscar Niemeyer. Sein Ziel, in fünf Jahren den Industrialisierungsrückstand aufzuholen, erreichte er nicht. Die Auslandsverschuldung und die Inflation stiegen. Von 1961 bis 1964 versuchte Präsident João Goulart eine soziale Reformpolitik einzuleiten. Nachdem er eine Landreform durchführen und die Erdölraffinerien verstaatlichen wollte, erfolgte ein Putsch durch das Militär. Von 1964 bis 1979 herrschte eine Militärdiktatur in Brasilien. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde gestärkt, aber politische Gegner wurden mit harten Mitteln bekämpft. Willkürliches Verhalten, Folterungen in Gefängnissen und Massenmorde an Indios im Amazonasgebiet prägten die Diktatur 22.

4.5 Demokratisierung und Reformen

Erst ab 1979 wurden die diktatorischen Maßnahmen durch den Präsidenten João Baptista de Oliveira Figueiredos aufgehoben. Es begann der Prozess der „Abertura“5. Die Bevölkerung forderte die volle Wiederherstellung der Demokratie. Am 15. Oktober 1988 wurde eine neue Verfassung mit einem umfangreichen Grundrechtsteil verkündet. Im November 1989 wurde Fernando Collor de Mello zum Präsidenten gewählt. Seine Regierung wollte die Wirtschaft aufbauen und das Land dem internationalen Austausch öffnen. Jedoch gefährdete eine steigende Inflation die Demokratie. Wegen Korruptionsvorwürfen und Amtsenthebung durch das Abgeordnetenhaus trat Collor am 29. Dezember 1992 zurück. Itamar Franco, der Collors Vizepräsident war, übernahm für die nächsten zwei Jahre das Präsidentenamt. 1994 wurde Prof. Dr. Fernando Henrique Cardoso Präsident. Er führte das Land bis 2002. Cardoso konnte auf eine internationale akademische Laufbahn zurückblicken. Während des Militärregimes lebte er im Exil. In der Zeit der Redemokratisierung machte er eine steile politische Karriere. Er war Gründungsmitglied der Partei der Brasilianischen Demokratiebewegung (PMDB) und der Sozialdemokratischen Partei (PSDB). In der Vorgängerregierung war er Außenminister und anschließend Finanzminister. Cardoso führte eine Wirtschaftspolitik mit neoliberalem Grundzug ein. Die Einführung der neuen Währung Real führte zur Währungsstabilität. Durch eine stabile wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung wurde Brasilien zum Schwellenland. Obwohl die Bildungs- und Sozialpolitik und die Agrarreform positiv wirkten, änderte sich die sehr ungleiche Einkommens- und Eigentumsverteilung jedoch nicht. International genoss Brasilien hohes Ansehen. Luiz Inácio Lula da Silva („Lula“) übernahm am 01. Januar 2003 das Präsidentenamt. Die Arbeiterpartei (PT) hatte mit 61 % der Stimmen gewonnen. Erstmals entstammte der Präsident nicht den traditionellen politischen, wirtschaftlichen oder akademischen Eliten. Im Sommer 2002 führte das abzeichnende Wahlergebnis zunächst zu einem wirtschaftlichen Vertrauensverlust, da ein „Linksruck“ erwartet wurde. Geringes Wachstum, weniger Kapitalabflüsse und versiegende Investitionen folgten. Präsident Lula steuerte mit einer eher konservativen Wirtschaftspolitik dagegen. Haushaltsdisziplin, Inflationsbekämpfung, hohe Zinsen, Steuer- und Rentenreformen sowie ein Großkredit des Internationalen Währungsfonds führten zur Stabilisierung der Wirtschaft. 2004 steigerte sich das Wachstum. Agrarprodukte, wie Soja, Baumwolle und Zucker, mineralische Rohstoffe und Industriegüter, verzeichneten Exporterfolge. Ausländische Investoren kamen vermehrt nach Brasilien. Die Landeswährung stabilisierte sich. Die Arbeitslosigkeit, die Inflationsrate und das sogenannte Brasilienrisiko6 erreichten Tiefstände. Seit langem erzielte die Zahlungsbilanz Überschüsse 24.

In der Sozialpolitik ging Lula den entgegengesetzten Weg zur Wirtschaftspolitik. Er führte Infrastrukturprogramme und Sozialprogramme ein, die die Armut erfolgreich bekämpfen. Das Sozialprogramm „Bolsa Família“7 gewährte bedürftigen Familien Zuschüsse, die den Konsum und die Teilnahme am öffentlichen Leben unterstützen sollten. Das Programm Fome Zero8 führte er zur Bekämpfung des Hungers ein 25. International setzte er sich für mehr soziale Gerechtigkeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern ein. Allerdings wurde kritisiert, dass viele Sozialprogramme die Probleme nicht dort bekämpfen, wo Ungleichheit und Ungerechtigkeit entstehen. Sein Wirtschaftskurs unterstützte vor allem das Agrobusiness und andere große Unternehmen. Deshalb blieb eine erhoffte Landreform, die die Landlosen forderten, aus. Im Sommer 2005 kamen Korruptionsgerüchte hinsichtlich der Koalitionsbildung auf. Jedoch konnte Lula keine persönliche Verantwortung nachgewiesen werden. Lula wurde für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Das Regierungsprogramm zur Beschleunigung des Wachstums, das den Wohnungsbau ankurbeln, die Infrastruktur des Landes verbessern und Arbeitsplätze schaffen sollte, und eine gute Konjunktur sorgten für ein besseres Überstehen der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/2008. Viele andere Industrieländer und Schwellenländer litten mehr unter dieser Krise. Während dieser Zeit erhielten Brasilianer die Perspektive in den Mittelstand aufzusteigen. Brasilien gewann weiteres internationales Ansehen. 2011 löste Dilma Rousseff als erste Präsidentin Brasiliens Lula ab. Sie war Lulas Wunsch-Nachfolgekandidatin, Ministerin und Kabinettschefin zuvor in seiner Regierungszeit. Da die Arbeiterpartei (PT) keine parlamentarische Mehrheit hatte, war die Koalitionsbildung schwierig. Korruptionsvorwürfe überschatteten die Regierungsbildung. Rousseff blieb unbelastet. Sie erreichte eine Popularität von über 70 % in der Bevölkerung. Erneut spitzte sich die internationale Lage der Wirtschaft und der Finanzen zu. Diesmal traf es die brasilianische Wirtschaft härter. Das Wirtschaftswachstum verminderte sich von 7,5% in 2010 auf 2,7 % in 2011. In den Folgejahren fiel das Wirtschaftswachstum noch weiter. Rousseff war gezwungen, ihre Sparziele aufzugeben und mit öffentlichen Geldern die Konjunktur zu stützen. Durch Absenkung des Zentralbankzinses und der Verbrauchsermäßigung gelang es, den Konsum zu steigern. Da diese Maßnahmen erfolgreich waren, blieb die Arbeitslosigkeit auf dem Tiefstand von 6 %. Hohe Zinsen lockten massiv Auslandkapital ins Land. Dadurch stieg jedoch der Wechselkurs des Reals. Deshalb erschwerten sich die Industrieexporte. Als Gegenmaßnahme zum Schutz der brasilianischen Wirtschaft wurden Kapital- und Güterimporte eingeschränkt.

Brasilien profitierte andererseits von hohen Preisen für Rohstoffe und Agrargüter. Erdöl- und Erdgasfunde vor der Küste weckten Hoffnungen auf eine positive Wirtschaftsentwicklung. Bei den Kommunalwahlen im Oktober 2012 erlitt die Arbeiterpartei (PT) Verluste. Durch die Enthüllung eines weit gefächerten Korruptionssystems zu Lasten öffentlicher Kassen in der Regierungszeit Lulas, sank das Vertrauen der Wähler in die Arbeiterpartei. Außenpolitisch hielt sich Rousseff im Gegensatz zu Lula eher zurück. Dennoch wird die Stellung in der internationalen Gemeinschaft behauptet. Der Anspruch auf einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat und die Mitwirkung bei den BRICS und bei den G20 wurden aufrechterhalten. Die Erwartungen der internationalen Umweltpolitik wurden durch den Gipfel in 2012 in Rio de Janeiro nicht erfüllt. Wie die Südamerikapolitik bleiben auch die regionalen Integrationsfortschritte problematisch. Lula hatte die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 nach Brasilien geholt. Diese internationalen Sportereignisse sollten ein Symbol für den Aufstieg Brasiliens zum Global Player und Zeichen für eine neue, sozial ausgerichtete Wirtschaftspolitik sein. Stattdessen schafften diese Großereignisse in der Vorbereitungszeit große ökonomische und soziale Probleme. Mitte 2013 führten Kostensteigerungen für die Fußballweltmeisterschaft bei schlechter Wirtschaftslage und mangelnden Investitionen für Bildung und Gesundheit zu Massenprotesten in der Bevölkerung. Proteste und Korruptionsskandale begleiteten den Wahlkampf 2014. Dilma Rousseff wurde wiedergewählt. Das Wahlergebnis war jedoch knapper als in 2010. Brasilien zeigte sich als politisch und wirtschaftlich gespaltenes Land. Der Norden und der Nordosten sind wirtschaftlich schwächer als der Süden und Südosten. Die ungünstige, internationale Konjunktur beeinflussten zusätzlich die Verschlechterung der brasilianischen Wirtschaft. Negatives Wachstum, steigende Inflation, niedrige Rohstoffpreise, rückläufiger Binnenkonsum und schwächere Industrieexporte sorgten für Entlassungen. Die Landwirtschaft entwickelte sich trotz Dürre positiv. Die Präsidentin setzte als Maßnahmen gegen die negative Entwicklung auf Haushaltskürzungen, Bürokratieabbau und Rücknahme von Steuervergünstigungen. Steuererhöhungen und die Kürzung von Sozialleistungen lösten Widerstände und Massenproteste aus. Im Frühjahr 2015 wurde die Amtsenthebung der Präsidentin gefordert 24. 2015 demonstrierten mehrmals hunderttausende Brasilianer gegen die Regierung. Die ökonomische Krise und der Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobas, in dem zahlreiche Politiker verwickelt sind, erschütterten Brasilien 26. Der Korruptionsskandal verhinderte in der Regierung den Abschluss eines Sparpakets und die Verabschiedung von Strukturreformen. Die Wirtschaft litt unter gesunkenen Rohstoffpreisen und schwachem Konsum. Die Inflation war innerhalb eines Jahres um 10 % gestiegen. Der Druck auf die Präsidentin verstärkte sich 27.

4.6 Aktuelle politische Lage

Im Mai 2016 suspendierte der Senat Rousseff. Das höchste Staatsamt übernahm übergangsweise der Vizepräsident Michel Temer. Bis zu sechs Monate lang sollen die Korruptionsvorwürfe geprüft werden. Dann soll eine Abstimmung über eine dauerhafte Amtsenthebung erfolgen 28. Die Olympischen Spiele eröffnete der Interionspräsident Michel Temer am 05. August 2016. Ein Pfeifkonzert begleitete seinen Eröffnungsgruß. Luiz Inácio Lula da Silva, der die Spiele 2009 nach Brasilien geholte hatte, war nicht im Stadion. Vor dem Stadion demonstrierten Tausende gegen Vertreibungen von Menschen aus der Stadt vor den Spielen und gegen die hohen Kosten 29. In der Nacht vom 09. August 2016 stimmte der Senat für die Einberufung eines förmlichen Tribunals, das das endgültige Ende für Rousseff bedeuten könnte. Das Ergebnis wird Anfang September 2016 erwartet. Dann könnte Temer knapp zwei Wochen nach den Olympischen Spielen Brasiliens Präsident werden 30.

5 Wirtschaft

Brasilien ist mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2.353 Mrd. USD 2014 die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Zusammen mit der VR China, Indien, Russland und Südafrika bildet Brasilien die BRICS-Länder-Gruppe 31. Diese Länder sind weltweit die bedeutendsten Schwellenländer. Hohe Wachstumsraten und ein solider Beschäftigungszuwachs verschafften Brasilien einen rasanten Wirtschaftsaufschwung. Auf dem formellen Arbeitsmarkt, der 50 % der Beschäftigungsverhältnisse umfasst, entstanden 2,2 Mio. neue Arbeitsplätze. 2014 hatte Brasilien eine niedrige Arbeitslosenquote in Höhe von 4,8 % 32. Weltweit steigende Rohstoffpreise, steigende Löhne und ein verbesserter Zugang zu Verbraucherkrediten sorgten für einen kräftigen Anstieg des BIPs. Zwischen 2004 und 2011 lag das Wirtschaftswachstum durchschnittlich bei 4,9 %. Seit 2012 hat sich das Wirtschaftswachstum deutlich abgeschwächt. 2014 erreichte das Wirtschaftswachstum mit + 0,1 % fast ein Null-Wachstum. Seit 2015 steckt das Land in der schlimmsten Rezession seit hundert Jahren. Die Wirtschaft schrumpfte um 3,8 % und die Arbeitslosenquote erreicht mit 6,8 % den höchsten Wert seit 2009 33. Für 2016 sind keine Anzeichen der Besserung des BIPs zu erkennen. Laut der Prognosen verschlechtert sich die Konjunktur weiter. Brasilien droht eine mehrjährige Rezession 34. Die Industrieproduktion sinkt seit 2014. Strukturelle Faktoren verursachen die niedrige Wettbewerbsfähigkeit. Drohende Arbeitslosigkeit, steigende Inflation und weniger Kredite drücken auf die Konsumstimmung. Da der starke Binnenmarkt mit über 80 % Anteil am BIP der Hauptkonjukturmotor ist, wird die Wirtschaft durch den großen Nachfragerückgang belastet werden. Die Handelsbilanz Brasiliens hat gegenüber den Vorjahren seit 2011 das beste Ergebnis erreicht, obwohl das Handelsvolumen zurückgegangen ist. Der brasilianische Export wird weiterhin durch Rohstoffe dominiert. Sojaprodukte, Fleisch, Zucker und Eisenerz gehören zu den wichtigsten Ausfuhrerzeugnissen. Die Grundlage für Brasiliens wirtschaftlichen Aufschwung waren die Rohstoffpreise; besonders bei Öl, Eisenerz und Agrargütern. Die derzeitigen geringen Rohstoffpreise verschlechtern Brasiliens wirtschaftliche Lage 33. Der halbstaatliche Ölkonzern Petrobas war jahrelang die Cashcow9 Brasiliens. Durch die umfangreichen Rohöl- und Erdgasvorkommen an der südöstlichen Atlantikküste könnte Brasilien bei steigenden Preisen auf den Weltmärkten zu einem der wichtigsten Erdölproduzenten aufsteigen. Allerdings wird Petrobas mit erheblichen Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Die suspendierte Präsidentin Rousseff und andere Politiker sind von Korruptionsvorwürfen betroffen. Dadurch wurden sowohl die Leistungsfähigkeit und Investitionstätigkeit der Wirtschaft als auch der Politik erheblich geschwächt. Weniger Wachstumsimpulse als erwartet gingen vom großen Rohstoffreichtum und den sportlichen Großereignissen, wie der FIFA-WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016, aus. Ein Infrastrukturplan soll den Ausbau der Infrastruktur vorantreiben. Ernsthafte strukturelle Probleme schwächen die Energiewirtschaft. Anhaltende Dürre führt zu sinkenden Energieleistungen und höheren Preisen, da die Energieproduktion stark von Wasserkraftwerken abhängig ist. Zum Schutz der brasilianischen Wirtschaft werden der inländischen Industrie steuerliche Erleichterungen gegeben 35. Die SWOT-Analyse (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) der Germany Trade & Invest (GTAI) veranschaulicht die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Wirtschaft in Brasilien zum Jahreswechsel 2015/2016 34.

[...]


1 Zinnstein

2 Elendsviertel

3 Ordnung und Fortschritt

4 Neuer Staat

5 Öffnung

6 Zinsenzuschlag im Vergleich zu US-Staatsanleihen

7 Familienstipendium

8 Null Hunger

9 Geldkuh, Goldesel

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Der demographische Wandel und der Global Food Trend von Zuckerrohr in Brasilien
Hochschule
Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
59
Katalognummer
V981672
ISBN (eBook)
9783346338044
ISBN (Buch)
9783346338051
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wandel, global, food, trend, zuckerrohr, brasilien
Arbeit zitieren
Sabine Scholle (Autor:in), 2016, Der demographische Wandel und der Global Food Trend von Zuckerrohr in Brasilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/981672

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