Ressourcenwirkung von Paarbeziehungen

Eine Untersuchung der Relevanz verschiedener Unterstützungsmerkmale in Paarbeziehungen


Projektarbeit, 2020

69 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anlagenverzeichnis

Genderhinweis

1 Einleitung
1.1 Relevanz des Themas
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Die Paarbeziehung
2.2 Soziale Ressourcen & Soziale Unterstützung
2.3 Soziale Unterstützung in der Paarbeziehung
2.4 Zusammenfassung des Theorieteils

3 Methodik
3.1 Rahmenbedingungen
3.2 Methodische Vorgehensweise

4 Ergebnisse
4.1 Informative Unterstützung
4.2 Emotionale Unterstützung
4.3 Instrumentelle Unterstützung
4.4 Bestandteile einer Paarbeziehung
4.5 Personale Ebene
4.6 Zusammenfassung der Ergebnisse

5 Diskussion

6 Fazit

Anlagen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Drei Dimensionen sozialer Unterstützung in Paarbeziehungen, eigene Darstellung in Anlehnung an Weber et al. (2007), S. 42-

Abbildung 2 Quellen sozialer Unterstützung, eigene Darstellung

Abbildung 3 Effekte sozialer Unterstützung, Pfaff (1989)

Abbildung 4 Bildliche Darstellung der quantitativen Häufigkeitsverteilung der Codierungen, eigene Darstellung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Übersicht Testpersonen, eigene Darstellung

Tabelle 2 Zeitlicher Ablaufplan, eigene Darstellung

Tabelle 3 Quantitative Häufigkeitsverteilung, geordnet nach Kodierungshäufigkeit, eigene Darstellung

Anlagenverzeichnis

Anlage 1 Interviewleitfaden, eigene Darstellung

Anlage 2 Interviewfragen, eigene Darstellung

Anlage 3 Einverständniserklärung, eigene Darstellung

Anlage 4 Datenblatt Testpersonen, eigene Darstellung

Anlage 5 Deduktive und induktive Kategorien, eigene Darstellung

Anlage 6 Transkriptionstabelle

Anlage 7 Codierungstabelle

Genderhinweis

Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird in der vorliegenden schriftlichen Arbeit eine einheitliche Sprachform verwendet. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung eines Geschlechts, sondern im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen.

Einleitung

1.1 Relevanz des Themas

Die Paarbeziehung zählt zu den zentralen Lebensbereichen für den Menschen1 und konnte als eine der wichtigsten sozialen Ressourcen identifiziert werden2 auf die der Mensch als soziales Wesen angewiesen ist.3 Nach Argyle und Furnham (1983) gilt der Ehepartner sogar als die stärkste Form der sozialen Ressourcen.4 Neutral definiert werden, kann die Paarbeziehung als eine enge Beziehung zwischen zwei Menschen und schließt damit eheliche und nicht-eheliche Lebensgemeinschaften, enge Liebesbeziehungen und lockere Zweckgemeinschaften mit ein.5 Soziale Ressourcen werden dabei aus einer übergeordneten Sichtweise definiert als „Transaktion zwischen der Person und ihrer Umwelt.“6 Im Detail kann der Begriff „soziale Ressource“ differenziert betrachtet werden und besteht dabei aus dem quantitativen Aspekt „soziales Netzwerk“ und dem darauf aufbauenden qualitativen Teil „soziale Unterstützung“,7 welcher beschrieben wird, als das Empfangen und Geben von sozialen Leistungen, die Menschen bei der Bewältigung von Belastungen oder herausfordernden Situationen8 aber auch bei normalen sog. „daily hassles“ (alltägliche Herausforderungen) benötigen.9 Als Effekte des Erhalts sozialer Unterstützung konnten u.a. verschiedene positive Auswirkungen auf die Gesundheit,10 das Wohlbefinden, die Lebenserwartung,11 die Lebenszufriedenheit12 und auf das momentane Glück13 beobachtet werden. Im Gegensatz zu anderen Quellen sozialer Unterstützung konnte die Paarbeziehung als größte Quelle von Zufriedenheit postuliert werden.14 Dabei stellte sich im Rahmen von Untersuchungen bereits heraus, dass es sich um einen veränderbaren Prozess dieser Transaktionen handelt, die außerdem interindividuell unterschiedlich wahrgenommen werden, woraus aus der Ressource „Paarbeziehung“ ebenso eine Belastung entstehen kann.15 Dies kann bspw. der Fall sein, wenn die Paarbeziehung von destruktiven Verhaltensweisen eines oder beider Partner gekennzeichnet ist, was anschließend zur Scheidung bzw. Trennung oder aber zu immer wiederkehrenden Konflikten mit entsprechenden negativen Folgen für die Gesundheit und die Zufriedenheit der Beteiligten führt.16

Aus diesen Überlegungen geht hervor, dass die Paarbeziehung, durch das Vorhandensein unterschiedlicher Merkmale sozialer Unterstützung, eine soziale Ressource darstellt, die sich positiv auf die Individuen auswirkt. Dementgegen beeinflusst die Paarbeziehung bei Nichtvorhandensein dieser Merkmale die Akteure negativ. Diesbezüglich kann die Frage gestellt werden, welche Merkmale sozialer Unterstützung in Paarbeziehungen von Bedeutung sind.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Es ist zunächst festzulegen, was der Gegenstand der Betrachtung sein soll. Um eine vertiefte Darstellung der Thematik zu ermöglichen, werden große Bereiche wie bspw. gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Freundschaftsbeziehungen, Eltern-Kind-Beziehungen ausgeklammert. Im Fokus des Erkenntnisinteresses steht ausschließlich die intime, heterogene Paarbeziehung. Außerdem beschäftigt sich diese Untersuchung mit der Variablen „soziale Ressource“, wobei hier die soziale Unterstützung und die Teilaspekte „informationelle Unterstützung“, „emotionale Unterstützung“ und „instrumentelle Unterstützung“ in den Mittelpunkt rücken. Andere wichtige Aspekte, die die Paarbeziehung ressourcenwirkend beeinflussen, sollen im Rahmen der Untersuchung erfragt werden.

Um Fragen der Ressourcenwirkung von Paarbeziehungen nachzugehen, soll daher im Rahmen des Praxisprojektes eine Untersuchung Erkenntnisse liefern. Die Forschungsfrage lautet: Welche Merkmale sozialer Unterstützung sind in Paarbeziehungen von Bedeutung? Über die qualitativen Leitfadeninterviews soll herausgefunden werden, wie die Testpersonen ihre Paarbeziehung im Bezug zur Ressourcenwirkung wahrnehmen und welche Merkmale sozialer Unterstützung von ihnen genannt werden. Zudem sollen dabei bereits vordefinierte Merkmale, die der Literatur entnommen wurden, ebenfalls Teil des Interessens sein.

Ziel dieser Arbeit ist es demnach anhand von leitfadengestützten Interviews Informationen von Testpersonen über ihre subjektive Einschätzung und Meinung im Bezug zu bedeutsamen Merkmalen sozialer Unterstützung in Paarbeziehungen zu erhalten.

1.3 Aufbau der Arbeit

Zunächst wird ein Einblick gegeben über die zugrunde liegende Theorie. Daher wird unter 2.1 das Konstrukt der Paarbeziehung näher erläutert. Im Detail sollen diverse Abgrenzungen erfolgen, um den Erkenntnisgegenstand zu definieren. Darauf folgt unter 2.2 das Konstrukt der Sozialen Ressourcen. Hier wird besonders hervorgehoben, dass der Fokus auf die soziale Unterstützung gelegt wird, bei welcher drei Dimensionen identifiziert werden können, deren Erklärung angeführt wird. Neben diesen werden auch die Quellen sozialer Unterstützung erörtert, wobei die Liebesbeziehung im Vordergrund stehen wird, bevor ein prägnanter Hinweis zum Unterschied zwischen erhaltener und wahrgenommener sozialer Unterstützung erwähnt wird. 2.3 spannt einen Bogen zwischen der Paarbeziehung und sozialer Unterstützung und nimmt dabei die wesentlichen Effekte in seinen Inhalt auf. Der Theorieteil schließt mit 2.4 der Zusammenfassung ab. Der Anwendungsteil umfasst neben dem methodischen Vorgehen unter Kapitel 3, in dem 3.1 die Rahmenbedingungen und 3.2 der Ablauf der Untersuchung detailliert beschrieben werden, zudem den Ergebnisteil im 4. Kapitel und schließlich die Diskussion im 5. Die Ergebnisse widmen sich den erarbeiteten Hauptkategorien der Untersuchung und wurden dementsprechend kategorisiert von 4.1 bis 4.5 dargestellt. Unter 4.6 werden die Ergebnisse zusammengefasst. Ein Fazit rundet die vorliegende schriftliche Arbeit im 6. Kapitel ab, woran die Anlagen und das Literaturverzeichnis gereiht werden.

Theoretische Grundlagen

Anliegen dieses Kapitels ist es, die für die vorliegende Arbeit essenziellen theoretischen Grundlagen darzustellen, um die wesentlichen Aspekte der durchgeführten Untersuchung zu erörtern. Dazu wird zunächst eine Basis zur Paarbeziehung und zu den sozialen Ressourcen bereitgestellt, wonach die Verbindung zwischen den beiden Konstrukten erfolgt.

2.1 Die Paarbeziehung

Menschen sind soziale Wesen und sichern sich ihre Sozialität durch persönliche Beziehungen zu anderen Personen. Diese Beziehungen sind in fast allen Lebensbereichen, die auf gesellschaftliche Strukturen angewiesen sind, verankert. Von diesen Interaktionen wird der Mensch von seiner Geburt bis zum Lebensende beeinflusst, da soziale Beziehungen Auswirkungen auf die Integration in das soziale Netz und die eigene Persönlichkeitsentwicklung haben. Soziale Interaktionen legen das Fundament unserer Weltanschauung und unseres Selbstbildes. Stellen sich die Effekte als fördernd und insbesondere unterstützend dar und wird ein großer Autonomiespielraum eingeräumt, profitieren Personen von sozialen Partnerschaften. Zeigen sich negative Wirkungen, die als einschränkend und nicht unterstützend wahrgenommen werden, tritt das Gegenteil ein. Die Qualitäten von Beziehungen werden als gleichermaßen dynamisch, wie auch die Funktionen und die Prioritäten von Beziehungen beobachtet. Unabhängig ihrer Veränderbarkeiten, bleiben soziale Beziehungen bis zum letzten Tag eines Menschen von wesentlicher Bedeutsamkeit.17

Der Begriff „Partnerschaft“ kann auf unterschiedliche Weise gebraucht werden. Im Allgemeinen wird darunter eine enge, vertraute Gemeinschaft zweier Menschen verstanden, die aufgrund gemeinsamer Interessen (bspw. zwischen Vereinsmitglieder oder Trainingspartner beim Sport), unternehmerischer Ziele (bspw. zwischen Geschäftspartnern), staatlicher Kooperationen (im Zuge von bürokratischen Aufgaben) oder romantischer Gefühle zueinander zustande gekommen ist. Das Vorhandensein einer Partnerschaft sagt demnach noch nichts über die Art oder die Qualität der Beziehung beider Parteien zueinander aus, postuliert jedoch eine Bindung und ihre Beziehung selbst. Um den Schwerpunkt auf die Partnerschaft, in der gegenseitige romantische Gefühle zwischen den beiden Akteuren bestehen, zu setzen, ist daher eine detailliertere Begriffsdefinition notwendig.

Neben dem Begriff der Zweierbeziehung18 nach Lenz (1998) sowie nach Lenz und Nestmann (2009)19 konnte sich die synonym verwendete Begrifflichkeit „Paarbeziehung“ etablieren.20 Fragen zur Paarbeziehung werden in der Disziplin der Sozialpsychologie bzw. der Soziometrie angesiedelt. Im Fokus stehen dabei u.a. die soziale Stellung und Beliebtheit von Individuen in einem sozialen Netzwerk oder die Erforschung von Wahrnehmung und Zusammenhängen im Bezug zu diesen.21 Die Paarbeziehung kann grundsätzlich als längerfristige Beziehung zwischen zwei Menschen definiert werden.22 Dazu kommt, dass das Vorhandensein von Liebe zwischen den beiden Parteien, in weiterführenden Definitionen genannt wird. Aus diesem Grund bezeichnen Bierhoff und Grau (1999) die Paarbeziehung als romantische Beziehung, um auf die Notwendigkeit der Liebe in dieser Interaktion aufmerksam zu machen.23 Willi (2005) fügt diesbezüglich hinzu, dass die Liebe wohl eine notwendige, aber keine hinreichende Determinante einer Paarbeziehung sei. Er unterscheidet zwischen der Partner- und der Liebesbeziehung. Ersteres beschreibt ein „(…) emanzipatorisches Modell (…)“24, bei dem zwischen beiden Akteuren eine Ausgewogenheit zwischen gegenseitigem Nehmen und Geben herrscht und eine gerechte Verteilung von Machtverhältnissen und Privilegien als bedeutsam erachtet werden. Zweiteres hingegen versteht er als „(…) bedingungslose Hingabe (…)“25 die sich nicht an vereinbarte Regeln oder das gegenseitige Geben und Nehmen als Tauschhandel hält.26 Nach Riehl-Emde (2005) bieten Paarbeziehungen den Rahmen für sexuelle Erfüllung, materielle Sicherheit, Bindung, Zusammenhalt, die Basis für das Ausleben des Kinderwunsches sowie der anschließenden Erziehung und Raum für Selbstverwirklichung, Autonomie und persönliches Glück.27 Im Bezug zur Sexualität lässt sich beobachten, dass sich der Umgang mit dieser aus den beiden Einstellungen der betreffenden Personen heraus ergibt und sich demnach von Beziehung zu Beziehung unterschiedlich zeigen kann. Demnach lassen sich auch Beziehungen identifizieren, die gänzlich auf sexuelle Aktivitäten verzichten. Obgleich Liebesbeziehungen nach Lenz (1998) neben einem hohen Grad an Verbindlichkeit und gesteigerter Zuwendung auch die Praxis sexueller Interaktionen miteinschließt.28

Eine besondere Art der Paarbeziehung stellt die Ehe, als institutionalisierte Form, dar. Die Ehe wird definiert als „(…) rechtlich legitimierte, auf Dauer angelegte Beziehung zweier ehemündiger, verschiedengeschlechtlicher Personen.“29 Durch die Institutionalisierung gehen auch rechtlich festgelegte Rechten und Pflichten mit der Eheschließung einher. Beispiele dafür sind nach §1353 des deutschen, Bürgerlichen Gesetzbuches eine häusliche Gemeinschaft zwischen den beiden Partnern, die eheliche Treue und die gegenseitige Sorge über Person und Vermögen des jeweiligen Ehegatten.30 Die geschichtliche Veränderung der Bedeutung der Ehe, mögliche Gründe, die zur Entscheidung der Eheschließung führen oder Besonderheiten, die ein Paar erst nach der Vermählung aufzeigt, werden in diesem Praxisbericht vernachlässigt, um den vorgegebenen Rahmen nicht zu überschreiten.

Zur intimen Beziehung gibt es unterschiedliche Merkmale, die je nach persönlicher Vorstellung oder Sichtweise variieren. Außerdem hängt die Bewertung einer Paarbeziehung, ob sie als „gut“ oder „schlecht“ wahrgenommen wird, ebenfalls stark von der Subjektivität des Betrachters ab. Im Allgemeinen zeichnet sich eine Paarbeziehung dadurch aus, dass beide Akteure als Einheit wahrgenommen werden und sich auch selbst als solche betrachten. Außerdem teilt diese Einheit wertvolle Güter (gegenseitiges Vertrauen, Verständnis u.a.) untereinander, nicht aber mit anderen Personen. Dieser spezielle Austausch zeigt die Exklusivität der Dyade. Dadurch entsteht aus dem Aufeinandertreffen zweier Persönlichkeiten eine gemeinsame Beziehungsgeschichte, aus welcher ein Zusammengehörigkeitsgefühl wächst, dass geprägt wird durch gemeinsame Erlebnisse, Interessen, Vorlieben und Zielen. Zudem findet das Zusammenleben in einem gemeinsamen Privatleben statt, dass sich durch eine überdurchschnittlich hohe Interaktionsdichte identifizieren lässt. Daneben gehören weitere Attribute wie bspw. gegenseitige Zuneigung sowie Treue, Geborgenheit, Zärtlichkeiten und ein besonderes Gefühl gegenseitiger Verantwortung zu den Merkmalen einer Liebesbeziehung.31 Neben allen Unterschieden, die verschiedene Dyaden verglichen miteinander aufweisen, haben alle eins gemeinsam: ihr universelles Motiv eine partnerschaftliche Beziehung zu erleben. Eine feste Paarbeziehung gilt als wichtigste Voraussetzung für das individuelle Glückempfinden und die persönliche Lebensplanung.32 Die meisten Menschen wünschen sich eine feste Partnerschaft, die ihr Leben lang bestehen bleibt. So nennen 90% der Deutschen den richtigen Partner zu finden und eine glückliche Partnerschaft zu führen als ihr höchstes Lebensziel.33 Dies spiegelt sich in den Heiratsstatistiken wider. Knapp 90% der deutschen Bevölkerung gehen mindestens einmal im Leben den Bund der Ehe ein.34 Somit stellt die Paarbeziehung nicht nur in der Literatur einen der wichtigsten Lebensbereiche dar,35 sondern auch in der Realität.

Auf weitere Merkmale von Paarbeziehungen soll im Rahmen der Ergebnisdarstellung(siehe4.4) näher eingegangen werden. Der vorliegende Praxisbericht nimmt im Sinne der Vereinfachung keine Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen von Paarbeziehungen vor. Außerdem werden die Begriffe Paarbeziehung, Partnerschaft, Liebesbeziehung, Dyade und intime Beziehung äquivalent behandelt, welche sowohl hetero- als auch homogene Paare miteinbeziehen. Auch der Umgang mit der partnerschaftlichen Sexualität spielt hierfür keine Rolle, da der Miteinbezug dieses Merkmals sich in den Definitionen der Literatur unterschiedlich beobachten lässt. Miteingeschlossen werden sämtliche Paarbeziehungen, bei denen die Parteien von sich behaupten, sich in einer Liebesbeziehung zu befinden und den jeweiligen Partner vom Rest des sozialen Umfelds hervorhebt, unabhängig von der wohnlichen Situation, dem Vorhandensein oder der Anzahl etwaiger Kinder oder der Dauer der gemeinsamen Beziehung.

2.2 Soziale Ressourcen & Soziale Unterstützung

Der Begriff „Ressource“ beschreibt neben materiellen Waren, Gütern und Tauschmitteln auch nichtmaterielle Sachverhalte,36 die als Hilfsmittel verwendet werden, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.37 Materielle Ressourcen gelten als erschöpfbare und regenerierbare Stoffe, wohingegen „(…) Ausstattungen, Fertigkeiten, hier speziell als Wahrnehmungs-, Erkenntnis- und Emotionsfähigkeiten“38 nichtmaterielle Ressourcen darstellen, die nahezu unerschöpflich sind.39 Eine Ressource ist klar abzutrennen von einer Reserve. Bei Reserven handelt es sich, um Substanzen, die in beliebiger Menge beobachtet sowie nachgewiesen werden können und grundsätzlich verfügbar sind. Ressourcen hingegen, können als gedachte Leistung identifiziert werden, von welcher eine Person erst profitieren kann, wenn sie eine Zusage dafür erhält. Ein Beispiel für eine Reserve ist nach Bünder ein Sparstrumpf, bei dem ein sofortiger Zugriff möglich wäre. Die finanzielle Unterstützung eines Verwandten würde als Ressource bezeichnet werden, da diese bis zur tatsächlichen Hilfeleistung lediglich erdacht wird.40 „Was für Menschen oder eine Gruppe von Menschen nichtmaterielle Ressourcen darstellen, ist abhängig vom Kontext der persönlichen, sozialen und kulturellen Situation.“41 Bünder verweist darauf, dass nicht jede Existenz einer Ressource den gleichen Wert für alle Menschen besitzen muss. Stattdessen zeigen sich individuelle Unterschiede sowohl in der Wertigkeit als auch in der Notwendigkeit.42 Außerdem lässt sich festhalten, dass Fragen nach der Bedeutung von Ressourcen nicht nur vom Besitzer oder Suchenden ausgehen, sondern auch von verschiedenen Disziplinen. Besonders die Professionen, die sich mit der Ressourcenforschung beschäftigen, rücken Fragen der Entwicklung, des Einsatzes und des Erhalts von Ressourcen in den Fokus. Beispiele dafür sind die Ökonomie, die hauptsächlich materielle Ressourcen betrachten oder die Soziale Arbeit, die besonders die Ressourcenförderung von Individuen in den Mittelpunkt rückt.43 In der vorliegenden Arbeit versteht sich der Ressourcenbegriff als ein psychologischer Ansatz der Ressourcenforschung, der unterschiedliche Fragen der Bewältigung herausfordernder Situationen nachgeht und demnach nichtmaterielle Sachverhalte als Erkenntnisinteresse ansieht.44

Unter den nichtmateriellen Ressourcen lassen sich personale (interne) von sozialen (externe) Ressourcen unterscheiden. Interne Aspekte beziehen sich auf sämtliche Ressourcen, die einem Individuum persönlich zur Verfügung stehen oder aus eigener Kraft erschlossen werden können. Im Gegensatz zu den externen Ressourcen, die unter der Verfügungsgewalt anderer Personen stehen.45 Soziale Ressourcen umfassen persönliche Beziehungen zu Familie, Freunden, Nachbarn, Bekannten und Kollegen,46 welche als Krisen- und Alltagsunterstützung fungieren, aber auch das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe in Form von Integration und Vertrauensbeziehungen bilden.47 Diese Unterstützungsformen gehören einem professionellen System an: dem sog. sozialen Netzwerk.48 Das soziale Netzwerk wird in den Sozialwissenschaften meist als „System sozialer Beziehungen zwischen Individuen“ definiert.49 Dieses kann verstanden werden, als objektiver,50 quantitativer Aspekt sozialer Ressourcen und bildet somit die Grundlage für die Entstehung von sozialen Beziehungen, aus denen die soziale Unterstützung entspringt.51 Erst das Vorhandensein eines sozialen Netzwerks ermöglicht die Einbindung einer Person in soziale Gruppen, das öffentliche Leben als auch die Verfügbarkeit und den Zugang zu sozialen Beziehungen aus denen soziale Unterstützungsleistungen hervorgehen.52 Soziale Systeme umfassen Nachbarn, Ehepartner, Vereinsbekanntschaften, Sportpartner, Familienmitglieder und andere Personen, bei denen eine Interaktion vorangegangen ist. Das soziale Netz beschreibt dabei lediglich die quantifizierbaren Aspekte dieser Verbindungen, ohne dabei auf qualitative Beschreibungen einzugehen.53 Dabei kann bspw. dieAnzahl der Elemente (also einzelne Personen oder Gruppen), die Dichte (Verhältnis der Anzahl der Verbindungen zur Anzahl der möglichen Verbindungen),54 die Dauer (zeitliche Erstreckung der Bekanntschaft zwischen den einzelnen Netzwerkmitgliedern), die Reziprozität (Ausgeglichenheit der sozialen Interaktion), die Häufigkeit (Anzahl der Kontakteinheiten), Homogenität (Ausmaß der Ähnlichkeit der Netzwerkmitglieder) oder die Verpflichtung (Art der Gruppenstrukturen) herangezogen werden.55 Die Abgrenzung zum Begriff der sozialen Integration erfolgt nur teilweise, weshalb sich in der Literatur die Verwendung beider Metaphern schwer unterscheiden lässt.56 Die qualitative Sichtweise auf soziale Ressourcen kann schließlich anhand sozialer Unterstützung in sozialen Beziehungen beobachtet werden.57

„Soziale Unterstützung“ ist ein Sammelbegriff für verschiedene Aspekte sozialer Interaktionsprozesse in sozialen (persönlichen) Beziehungen58 und umfasst das Empfangen und Erhalten von Hilfeleistungen. Somit wird diese Metapher als soziale Transaktion klassifiziert.59 Diese Unterstützungsform benötigen Individuen nicht nur bei der Bewältigung herausfordernder Situationen oder Belastungen,60 sondern gleichermaßen auch bei alltäglichen Herausforderungen.61 Ausgangslage für die Entstehung sozialer Unterstützung bildet das soziale Netzwerk. Existiert kein Netzwerk, können keine Unterstützungsleistungen auf sozialer Ebene zustande kommen.62 Dazu gehören sämtliche praktische, materielle, emotionale, informierende und beratende Hilfeleistungen, die ihre Grundlage in sozialen Beziehungen begründen63 und dann zutrage kommen, wenn eigene Selbsthilfemaßnahmen einer Person keinen Erfolg erzielen konnten.64 Die Qualität sozialer Unterstützung kennzeichnet sich durch die Anzahl und die Ausprägung von Informalität, emotionaler Bindung, räumlicher Nähe und kultureller Homogenität.65

Soziale Unterstützung kann auf drei verschiedene Arten geleistet werden. Diese drei Dimensionen sind: die informelle, die emotionale und die instrumentelle Dimension (siehe Abb. 1). Jede Dimension besitzt eine andere Funktion. Die informelle Dimension unterstützt durch das Geben von Informationen in der Form von Hinweisen und Ratschlägen. Diese sollen einer Person dabei helfen eine wichtige Entscheidung treffen zu können oder um in einer negativen Situation etwas Positives zu sehen. Weiters zeigt sich die emotionale Dimension sozialer Unterstützung, die sämtliche Hilfsleistungen auf der Gefühlsebene umfassen. Hierzu zählt Mitmenschen Mitgefühl entgegenzubringen, Vertrauen oder Liebe zu schenken und emotionalen Beistand zu leisten. Die instrumentelle Dimension weist Unterstützungsleistungen praktischer Art auf. Dazu gehört das Geben von praktischen Hilfsmitteln oder konkrete Taten. Diese Interaktion kann mit dem Auge beobachtet werden und umfasst dazu Güter und Waren.66 Im Falle einer Entscheidungshilfe durch das Geben von Informationen, die zu einer besseren Einschätzung einer Situation verhelfen, ist teilweise die Rede von evaluativer Unterstützung.67 Im Rahmen dieser schriftlichen Arbeit erhält die evaluative Unterstützung keinen separaten Stellenwert, sondern wird der informellen Unterstützung zugeordnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung1Drei Dimensionen sozialer Unterstützung in Paarbeziehungen, eigene Darstellung in Anlehnung an Weber et al. (2007), S. 42-43

Neben den Dimensionen lassen sich verschiedene Quellen sozialer Unterstützung identifizieren, die einen Beitrag zum Erfolg einer Interaktion leisten. Die Bewertung und Akzeptanz einer Quelle weist dabei unterschiedliche Qualitäten auf.68 Bei der Suche nach Informationen konnten informelle Beziehungen wie Beratungsangebote aus dem Gesundheitsversorgungssystem als qualitativ hilfreichste Quelle identifiziert werden. Neben der initiativen Suche nach diesen Beziehungen, ergeben sie sich oftmals auch unter zwingenden Umständen wie bspw. durch Strafen.69 Zu den informellen Beziehungen zeigt sich auch der eher oberflächlichere Bekanntenkreis als hilfreiche Quelle für Informationen. Aber auch neue Anregungen weisen in dieser Beziehungsart eine hohe Qualität auf. Dazu zählen Beziehungen mit wenig emotionaler Nähe und schwachen sozialen Verpflichtungen, die eine geringe Intensität sowie Häufigkeit aufweisen, wie es bspw. bei Mitgliedern eines Sportvereins, einer ehrenamtlichen Tätigkeit oder Bekanntschaften aus der Heimatgemeinde der Fall ist. Um emotionale Unterstützungsleistungen zu erfahren ist eine intensivere Bindung zwischen den Akteuren notwendig. Eine wichtige Quelle ist hierfür die enge Bindung, wie sie zu Familienangehörigen, Arbeitskollegen oder Freunden beobachtet wird. Häufigkeit und Dauer sind gleichermaßen hoch wie die gegenseitige Wertschätzung und die emotionale Nähe zueinander.70 Als qualitativ hochwertigste Quelle sozialer Unterstützung lässt sich die Confidant-Beziehung (zu Deutsch: Vertrauensbeziehung, Vertrauensperson) identifizieren, die aus Ehe- oder Lebenspartnern, Geschwistern, Eltern oder Kindern besteht. Hier wird die größte Ausprägung im Bezug zur Häufigkeit und Intensität beobachtet. Confidant-Beziehungen zeigen insbesondere emotionale Unterstützungsleistungen und äußern sich durch ihre jederzeitige Abrufbereitschaft. Unter sämtlichen Confidant-Beziehungen konnte der Ehe- oder Lebenspartner als wichtigste Gesundheitsressource71 und stärkste soziale Unterstützungsquelle festgestellt werden.72 Abb. 2 veranschaulicht die Quellen sozialer Unterstützung in ihrer Wirkungsausprägung, indem die längeren und breiteren Pfeile Beziehungen mit höherer Qualität sowie Intensität und stärkerer Wirkung darstellen. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund steht die Paarbeziehung im Fokus der vorliegenden Arbeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung2Quellen sozialer Unterstützung, eigene Darstellung

Zusätzlich zu den verschiedenen Merkmalen und Quellen sozialer Unterstützung soll im Sinne der Vollständigkeit der Unterschied zwischen wahrgenommener (erwarteter) und erhaltener (tatsächliche) Unterstützung erläutert werden. Die wahrgenommene Unterstützung beschreibt, welche Art und Qualität der Unterstützungsempfänger erwartet und wird geprägt durch seine individuellen Überzeugungen. Die tatsächliche Unterstützung hingegen, zeigt die Hilfeleistung, die eine Person in der Realität, aufgrund des sozialen Netzwerks, in dem sie sich befindet und der sozialen Beziehungen, von denen sie profitieren kann, erhält. Obwohl die wahrgenommene Unterstützung verhältnismäßig gering mit der erhaltenen korreliert,73 soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit keine Unterscheidung zwischen den beiden Sichtweisen vollzogen werden, da angenommen wird, dass das Erkenntnisinteresse dessen Unterscheidung nicht tangiert. Daher wird von einer ausführlichen Beschreibung dieser Thematik abgesehen.

2.3 Soziale Unterstützung in der Paarbeziehung

Die soziale Unterstützung ist eines der zentralen Konstrukte innerhalb der Gesundheitspsychologie.74 Die Qualität der sozialen Unterstützung in einer Paarbeziehung zeigt Effekte auf verschiedene Lebensbereiche. Gehäuft wurde der Fokus auf den Einfluss auf die Gesundheit der beiden Akteure gelegt, weshalb hierzu vermehrt Erkenntnisse vorliegen. So wurde bspw. Erwiesen, dass ein positiver gesundheitlicher Effekt einer Liebesbeziehung auf die glücklichen Paarbeziehungen beschränkt ist.75 Personen, die von einem hohen Maß an sozialer Unterstützung in ihrer Paarbeziehung berichten, sind zufriedener und glücklicher. Teilnehmer einer Dyade, die die soziale Unterstützung in ihrer Liebesbeziehung als angemessen bewerten, schätzen Belastungen als vorhersehbar und kontrollierbar ein und berichten weniger von Symptomen einer Depression.76 Diese gesundheitsförderlichen Auswirkungen sind auch in glücklich geführten nicht-ehelichen Beziehungen nachweislich vorhanden, jedoch nicht in der Ausprägung wie in Ehen.77 Personen in glücklichen Ehen leben nachweislich länger, als Ledige, Geschiedene sowie Verwitwete und berichten von weniger physischen Leiden.78 Der gesundheitsförderliche Wirkmechanismus sozialer Unterstützung in der Paarbeziehung, wird u.a. durch die sog. Pufferwirkung begründet. Trifft ein Teil der Dyade auf eine anspruchsvolle Belastungssituation und nimmt soziale Unterstützungsleistungen vom Partner an, fungiert dieser als eine Art Puffer, der sowohl die Belastung reduziert (1) als auch die negativen Auswirkungen auf die Gesundheit abschwächt (2) und zugleich damit die Gesundheit seines Gegenübers stärkt (3). Wie Abb. 3 veranschaulicht, wirkt soziale Unterstützung durch den Partner auf den soeben benannten drei Ebenen.79

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dadurch werden Stress, Ängste, Desorientierung, Depressionen und andere Symptome oder Störungen vermindert.80 Dieser Effekt konnte nicht nur bei akuten oder chronischen Belastungssituationen, sondern auch im alltäglichen Leben und bei daily hassles beobachtet werden.81 Diese positive Wirkung wird durch Bewältigungsbemühungen auf verschiedenen Ebenen beeinflusst. Der unterstützend-agierende Lebensgefährte hilft durch die Veränderung ereignisbezogener Kognitionen, die Einstellung des Partners zu einem Sachverhalt oder seine Einschätzung bezogen auf die Bedeutsamkeit einer Situation auf diese Weise beeinflussen, sodass es ihm weniger wichtig oder anspruchsvoll erscheint. Dementsprechend sinkt das Stresserleben, da herausfordernde Ereignisse an gesundheitsschädigendem Potenzial verlieren. Zudem unterstützen sich Mitglieder einer Dyade durch positiven Zuspruch und dem Bestärken der Fähigkeiten sowie Kompetenzen und durch die Anerkennung emotionaler Befindlichkeiten. Zuletzt wirkt die Bewältigungsunterstützung auf der Ebene des Verhaltens, wodurch es dem unterstützungssuchenden Part einer Beziehung gelingt, durch seinen Partner motiviert für eine Handlung und in seinem Durchhaltevermögen angespornt zu werden.82

Neben den genannten positiven Effekten bietet soziale Unterstützung weitere förderliche Auswirkungen. Durch das Erleben sozialer Unterstützung wird die Entwicklung der persönlichen Identität, des Selbstbildes, des Selbstvertrauens, des Optimismus und des Kontrollbewusstseins gestärkt.83 Außerdem wirken die gesundheitsfördernden Effekte sowohl auf präventiver als auch auf rehabilitativer Ebene. Somit ist die soziale Unterstützung nicht nur punktuell wichtig, sondern auch, um sich von Erlebtem zu erholen oder besser vorbereitet in eine anspruchsvolle Situation zu gehen. In diesem Vorgang spielen individuelle Selbstheilungs- und Selbsthilfekräfte eine besondere Rolle, die durch soziale Unterstützung bekräftigt werden.84

Die Ressourcenforschung fasst die soziale Unterstützung, die von Personen sämtlicher Beziehungsebenen ausgeht, implizit positiv auf, allerdings lassen sich auch negative Effekte beobachten. Ein Beispiel dafür ist eine Unterstützungsleistung, die von einer Person ausgeführt wird, die nicht in der Lage ist, diese kompetent auszuführen. In diesem Fall könnten sich hemmende oder gesundheitsschädigende Auswirkungen ergeben. Konkret könnte dies der Versuch sein, seinem Partner einen Ratschlag im Bezug zur gesunden Ernährung zu geben, sodass dieser seinem Ziel der Gewichtsreduktion näher kommt. Wird dabei ein Rat vergeben, der aus einer unrichtigen Information besteht, könnte eine Gewichtszunahme folgen, weshalb der Versuch der Unterstützung durch Inkompetenz eine negative Folge in Gang setzt. Dies kann ebenfalls eintreffen, wenn die Hilfeleistung an den Bedürfnissen der hilfesuchenden Person vorbeigehen bspw. wenn der Helfende eine andere Vorstellung der adäquaten Unterstützungsleistung hat, als sein Gegenüber. Zudem können überfürsorgliches Verhalten oder Bevormundung, negative Effekte erzielen, wenn dies nicht vom Hilfesuchenden gewünscht wird.85 Zuletzt kann beim Erhalt von Unterstützung die Entstehung eines Pflichtgefühls für eine Gegenleistung beobachtet werden, die sich in manchen Fällen ebenfalls negativ wahrnehmen lässt.86

Sämtliche Effekte benötigen als Grundlage das Vorhandensein sozialer Unterstützung. Deshalb sollen nun die Folgen erörtert werden, die auftreten können, wenn keine (zufriedenstellende) soziale Unterstützung von den Betroffenen wahrgenommen wird und die Personen in belastungsreichen Beziehungen stehen. Einer der wesentlichen Gründe für den schlechteren Gesundheitszustand von Personen in belastenden Paarbeziehungen findet sich in Veränderungen im Bezug zu physiologischen und Regulationsprozessen, die aufgrund von negativen Interaktionen mit dem Partner (Streit, feindseliges Verhalten) entstehen.87 Eine geringe oder nicht zufriedenstellende soziale Unterstützung geht mit einem höheren Ausmaß an Depressionen, geringerer Lebenserwartung und dem Verlust kognitiver Fähigkeiten im hohen Alter einher.88 Belastungen, die durch die Paarbeziehung entstehen, können zu Herz-Kreislauf-Beschwerden und anderen kardiovaskulären Erkrankungen führen. Wären adäquate Unterstützungsleistungen vorhanden, würden diese das Stresserleben dämpfen und der Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung entgegenwirken.89 Bezieht man sich auf das gesamte soziale Netzwerk, konnte sogar gezeigt werden, dass Personen mit wenigen Sozialbeziehungen und einem kleinen sozialen System eine annähernd doppelt so hohe Mortalitätsrate vorweisen, als Personen mit umfangreichen Sozialkontakten.90

Grundsätzlich können mehr gesundheitsförderliche, positive Effekte sozialer Interaktion in der Paarbeziehung beobachtet werden als gesundheitsschädigende, wobei erwähnt werden muss, dass die Studienlage diesbezüglich deutlich ausgeprägter ist, als die der negativen. Die gesundheitsschädigende Wirkung fällt jedoch wesentlich stärker aus, als die positive.91 Im Rahmen der Untersuchung konnte bereits festgestellt werden, dass es sich bei den sozialen Interaktionen um veränderbare Prozesse handelt, die außerdem interindividuell unterschiedlich wahrgenommen werden. Weshalb statt einer Ressource eine Belastung aus der Paarbeziehung hervorgehen kann.92 Diese Belastung kann u.a. die Folge nicht vorhandener oder nicht zufriedenstellender Unterstützungsleistungen sein.93 Aus einer Studie ging hervor, dass die Unterstützung, die durch den Partner vollbracht werden soll, häufig nicht durch andere Bezugspersonen ausgeglichen werden kann.94 Oft werden destruktive Verhaltensweisen eines oder beider Partner festgestellt, was die Trennung bzw. Scheidung oder aber immer wiederkehrende Konflikte zur Folge haben kann. Obgleich welcher Verlauf eintrifft, in jedem Fall sind diese Beziehungen von negativen Folgen für die Gesundheit und die Zufriedenheit der Beteiligten gekennzeichnet.95

[...]


1 Vgl. Hahlweg/Baucom (2008)

2 Vgl. Bock/Kupfer/Weinhold/Wesenberg (2014)

3 Vgl. Hahlweg/Baucom (2008)

4 Vgl. Argyle/Furnham (1983)

5 Vgl. Heidbrink/Lück/Schmidtmann (2009), S. 37

6 Bachmann (2014), S. 5

7 Vgl. Renneberg/Hammelstein (2006), S. 107 - 108

8 Vgl. Badura (1981), S. 157

9 Vgl. Leppin (1997)

10 Vgl Bock et al. (2014)

11 Vgl. Waltz (1981), S. 58 - 59

12 Vgl. Heidbrink et al. (2009), S. 37

13 Vgl. Walen/Lachman (2000)

14 Vgl. Argyle/Furnham (1983)

15 Vgl. Bachmann (2014), S. 5

16 Vgl. Driver/Tabares/Shapiro/Gottman (2012)

17 Vgl. Lenz/Nestmann (2009)

18 Vgl. Lenz (1998)

19 Vgl. Lenz/Nestmann (2009)

20 Vgl. Kopp (2010)

21 Vgl. Moreno (1934)

22 Vgl. Caspar (2004), S. 677

23 Vgl. Bierhoff/Grau (1999)

24 Willi (2005), S. 17

25 Ebd.

26 Vgl. Ebd.

27 Vgl. Riehl-Emde (2005), S. 80-82

28 Vgl. Lenz (1998), S. S. 45

29 Peuckert (2008), S. 32

30 Vgl. Ebd.

31 Vgl. Huinink/Konietzka (2007), S. 201-203

32 Vgl. Burkart/Kohli (1992)

33 Vgl. Sachse (2002)

34 Vgl. Kaiser (2000)

35 Vgl. Hahlweg/Baucom (2008)

36 Vgl. Bünder (2002), S. 21

37 Vgl. Ebd., S. 204

38 Ebd., S. 96

39 Vgl. Ebd., S. 21-22

40 Vgl. Ebd., S. 22-23

41 Ebd., S. 96

42 Vgl. Bünder (2002), S. 96

43 Vgl. Willenbrink (2012), S. 1106

44 Vgl. Spektrum (2000)

45 Vgl. Bünder (2002), S. 96

46 Vgl. Friedrichs (2010), S. 62

47 Vgl. Ebd., S. 69-70

48 Vgl. Möbius (2010), S. 14

49 Minnemann (1994), S. 24

50 Vgl. Faltermaier (2005), S. 104

51 Vgl. Renneberg/Hammelstein (2006), S. 107 - 108

52 Vgl. Minnemann (1994), S. 24

53 Vgl. Faltermaier (2005), S. 104

54 Vgl. Röhrle (1994)

55 Vgl. Knoll/Scholz/Rieckmann (2005)

56 Vgl. Laireiter/Ganitzer/Baumann (1993)

57 Vgl. Renneberg/Hammelstein (2006), S. 107 - 108

58 Vgl. Dinkel (2008), S. 503

59 Vgl. Schwarzer (1993)

60 Vgl. Badura (1981), S. 157

61 Vgl. Leppin (1997)

62 Vgl. Renneberg/Hammelstein (2006), S. 107 - 108

63 Vgl. Weber/Hörmann/Ferreira (2007), S. 265

64 Vgl. Bock et al. (2014)

65 Vgl. Schwarzer (1997), S. 4 - 5

66 Vgl. Weber et al. (2007), S. 42 - 43

67 Vgl. Renneberg/Hammelstein (2006), S. 110 - 111

68 Vgl. Schwarzer (2000)

69 Vgl. Badura (1981), S. 13 - 39

70 Vgl. Bruns (2013)

71 Vgl. Badura (1981), S. 13 - 39

72 Vgl. Bock et al. (2014)

73 Vgl. Renneberg/Hammelstein (2006), S. 109

74 Vgl. Bodenmann (2000)

75 Vgl. Ren (1997)

76 Vgl. Dehle/Larsen/Landers (2001)

77 Vgl. Kamp Dush/Amato (2005)

78 Vgl. Helmert/Shea (1998)

79 Vgl. Pfaff (1989), Badura et al. (2010), S. 340-342

80 Vgl. Weber et al. (2007), S. 269-270

81 Vgl. Badura et al. (2010), S. 341

82 Vgl. Aymanns (1992)

83 Vgl. Schwarzer (1997), S. 195

84 Vgl. Weber et al. (2007), S. 265

85 Vgl. Finch/Okun/Pool/Ruehlman (1999)

86 Vgl. Pfaff (1989)

87 Vgl. Robles/Kiecolt-Glaser (2003)

88 Vgl. Winningham/Pike (2007), 716 - 721

89 Vgl. Röhrle (1994)

90 Vgl. House/Robbins/Metzner (1982)

91 Vgl. Finch et al. (1999)

92 Vgl. Bachmann (2014), S. 5

93 Vgl. Driver et al. (2012)

94 Vgl. Lakey/Adams/Neely/Rhodes/Lutz/Sielky (2002), S. 1546-1555

95 Vgl. Driver et al. (2012)

Ende der Leseprobe aus 69 Seiten

Details

Titel
Ressourcenwirkung von Paarbeziehungen
Untertitel
Eine Untersuchung der Relevanz verschiedener Unterstützungsmerkmale in Paarbeziehungen
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
69
Katalognummer
V982734
ISBN (eBook)
9783346341624
ISBN (Buch)
9783346341631
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paarbeziehung, Beziehung, Soziale Beziehungen, Soziale Ressourcen, Soziale Unterstützung, Emotionale Unterstützung, Ressourcenforschung, Emotionale Bindung, Liebesbeziehung, Liebesbeziehungen, Dyade, Partnerschaft, Unterstützungsforschung, Unterstützung, Sozialpsychologie, Paartherapie, Paarberatung
Arbeit zitieren
Nina Hammerer (Autor), 2020, Ressourcenwirkung von Paarbeziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/982734

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