Diese Arbeit befasst sich mit den Fragen, wie Lehrer*innen mit Kindern über Themen wie Tod und Trauer sprechen könnten und wie man Kindern in Notfallsituationen eine angemessene Unterstützung leisten kann. Sollten derartige emotionale Themen generell in der Grundschule thematisiert werden oder ist es die Aufgabe der Eltern und Erziehungsberechtigen, kindliche Fragen rund um das Thema Tod und Trauer zu beantworten? Darüber hinaus liegt das Interesse dieser Arbeit auf dem Sachunterricht und inwiefern dieser dazu beitragen kann einen Umgang zu dieser Thematik zu schaffen. Welche Möglichkeiten und Chancen bietet dieser im Vergleich zu anderen Fächern in der Grundschule?
"Tod und Trauer sind Phänomene des menschlichen Seins" und somit auch Bestandteile der kindlichen Lebenswelt. Dabei sind viele Erwachsene der Meinung, Kinder vor der Auseinandersetzung mit diesen Themen zu schützen. Besonders der Tod und die kindliche Unbeschwertheit scheinen sich zu widersprechen. Dabei trauern Kinder genauso wie Erwachsene, wenn sie Verlusterfahrungen machen. Sie greifen die Sorgen und Ängste von Personen aus ihrem Umfeld auf, hören von Schreckensnachrichten in den Medien und sind von gesellschaftlichen Veränderungen ebenso betroffen wie alle anderen Mitglieder*innen einer Gesellschaft und verstehen meist mehr als ihnen zugetraut wird. Kinder sind Teil der Gesellschaft und der Umgang mit Tod und Trauer betrifft nicht nur die einzelnen Individuen, sondern prägt auch den gesellschaftlichen Umgang. Heranwachsende machen sowohl direkte als auch indirekte Erfahrungen in ihrem Entwicklungsprozess mit Tod- und Trauersituationen, sind neugierig und haben Fragen zu dem Lebensende. Besonders jene Erfahrungen können sehr prägend für die weitere Entwicklung und das zukünftige Leben sein. Daher erscheint es als Notwendigkeit, diese Themen auch im schulischen Kontext aufzugreifen und kindgerecht mit den Schüler*innen aufzuarbeiten. Trotz der Allgegenwärtigkeit von Todesbildern in den Nachrichten scheint es zu einer vermeintlichen Tabuisierung im öffentlichen Raum zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bestimmung von Begrifflichkeiten
2.1.Tod
2.2 Trauer und Trauerarbeit
3. Umgang mit Tod und Trauer
3.1 Tod und Trauer in der Gesellschaft
3.1.1 Gesellschaftliche Entwicklung im Umgang mit Tod und Trauer
3.1.2 Tabuisierung und Enttabuisierung von Tod und Trauer
3.2 Tod und Trauer in den Medien
3.3 Kindliche Wahrnehmungen und Erfahrungen von Tod und Trauer
3.3.1 Mögliche Einflussfaktoren auf die kindlichen Erfahrungen
3.3.2 Todesvorstellungen von Kindern
3.3.3 Trauer bei Kindern
4. Tod und Trauer im Sachunterricht
4.1 Tod und Trauer in der Grundschule
4.2 Überblick über die zentralen Aufgaben des Sachunterrichts
4.3 Tod und Trauer als Thema im Sachunterricht der Grundschule
4.4 Herausforderungen für Lehrer*innen
5. Zusammenfassung und Herleitung der Fragestellung
6. Methodisches Vorgehen
6.1 Qualitative Sozialforschung
6.2 Das Interview als qualitative Erhebungsmethode
6.2.1 Das Problemzentrierte Interview
6.2.2 Entwicklung des Interviewleitfadens
6.2.3 Feldzugang
6.2.4 Durchführung der Interviews
6.2.5 Transkription
6.3 Auswertung der Interviews
7. Darstellung der Ergebnisse
7.1 Fallübergreifende Analyse
7.2 Einzelfallvergleich
7.3 Zusammenfassende Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
8. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die subjektiven Wahrnehmungen und die Positionierung von Grundschullehrkräften gegenüber den Themen Tod und Trauer im Sachunterricht. Sie geht der Forschungsfrage nach, wie sich Lehrpersonen in diesem Kontext positionieren, welche Einflussfaktoren dabei eine Rolle spielen und welche Chancen der Sachunterricht für eine kindgerechte Auseinandersetzung mit diesen existentiellen Themen bietet.
- Gesellschaftlicher und medialer Umgang mit Tod und Trauer
- Entwicklung von Todeskonzepten und Trauer bei Kindern
- Rolle des Sachunterrichts als Raum für existenzielle Lebensthemen
- Herausforderungen für Lehrkräfte im Umgang mit Verlustsituationen
- Empirische Analyse der Sichtweisen von Grundschullehrkräften
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Mögliche Einflussfaktoren auf die kindlichen Erfahrungen
Durch die Institutionalisierung des Todes und dem Strukturwandel der Familie (siehe Kapitel 3.3.1) sind Begegnung mit dem Sterben und dem Tod bei Kindern nur noch wenig präsent. Kinder erleben den Tod von Angehörigen nur noch selten, da dieser nicht mehr im familiären Umfeld stattfindet, sondern in Institutionen wie Krankenhäusern, Hospizen oder Altenheimen. Dabei wird vieles was den Tod betrifft versucht vor Kindern fernzuhalten. Nur selten sprechen Eltern mit ihren Kindern über den bevorstehenden Tod Angehöriger (vgl. Franz 2013, S. 53). Erwachsene möchten Kinder vor vermeintlichen Tabuthemen wie dem Tod schützen. Kinder symbolisieren die Zukunft und Wachstum, wohingegen der Tod das Ende des Lebens darstellt (vgl. Jennessen 2007, S. 14).
Kinder im Vor- und Grundschulalter integrieren den Tod häufig im Spiel, woraus hervorgeht, dass Kinder interessiert an dem Themenbereich sind (vgl. Butt 2013, S. 23). Die Integration ermöglicht es den Kindern, Informationen und Erlebnisse zu erinnern, einzuordnen und sich mit anderen Kindern darüber auszutauschen (vgl. ebd.). Butt (2013) erklärt zudem, dass das Spielen dabei mehrere Dimensionen hat. Zum einen geht es um ein Nachspielen von Tod und Trauer. Dabei ahmen sie Trauersituationen, wie Beerdigungen nach, indem sie sich verkleiden oder den Tod eines/einer Mitspieler*in betrauern. Auch das Ausprobieren des Totseins testen die Kinder im Spiel. Eine weitere Dimension ist die des Erlebens von Tod und Trauer. Durch das Abschießen, Umfallen oder Totsein innerhalb des Spiels kann der Tod nachvollzogen und erlebt werden. Aufgrund des fehlenden Zeitverständnisses geht das Spiel dann meist nach kurzer Zeit unbeschwert weiter (vgl. Butt 2013, S. 24). Darüber hinaus gehört auch das „Besuchen von Friedhöfen, das Anschauen von Grabsteinen, Gräbern und Aufsuchen von Orten, die für Kinder mit Tod und Beerdigung zu tun haben“ (ebd.) zu diesen Dimensionen. Das Hauptinteresse liegt dabei auf dem Informationsbedürfnis der Kinder und dem Erforschen von Dingen, die mit dem Tod und der Beerdigung zu tun haben (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Relevanz der Themen Tod und Trauer für Kinder und Herleitung der zentralen Forschungsfrage.
2. Bestimmung von Begrifflichkeiten: Definition der Grundbegriffe Tod und Trauer sowie Erläuterung der Trauerphasen.
3. Umgang mit Tod und Trauer: Analyse der gesellschaftlichen Tabuisierung sowie Untersuchung kindlicher Todeswahrnehmungen und Trauerreaktionen.
4. Tod und Trauer im Sachunterricht: Darstellung der Rolle der Grundschule und der spezifischen Möglichkeiten sowie Herausforderungen des Fachs Sachunterricht.
5. Zusammenfassung und Herleitung der Fragestellung: Synthese der theoretischen Erkenntnisse zur Vorbereitung der empirischen Untersuchung.
6. Methodisches Vorgehen: Erläuterung des qualitativen Forschungsansatzes mittels problemzentrierter Interviews.
7. Darstellung der Ergebnisse: Analyse und Diskussion der gewonnen Interviewdaten der Lehrpersonen.
8. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Interpretation und Reflexion der Möglichkeiten für die zukünftige Grundschularbeit.
Schlüsselwörter
Sachunterricht, Grundschule, Tod, Trauer, Trauerarbeit, Todeskonzept, Kindliche Entwicklung, Qualitative Sozialforschung, Problemzentriertes Interview, Tabuisierung, Trauerbegleitung, Soziales Lernen, Lebensweltbezug, Vielperspektivität, Lehrkompetenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Grundschullehrkräfte die Themen Tod und Trauer im Sachunterricht wahrnehmen und welchen Stellenwert sie diesen Themen in der schulischen Bildung beimessen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den gesellschaftlichen Umgang mit Tod, die kindliche psychologische Entwicklung bezüglich des Todesbegriffs sowie die didaktischen Möglichkeiten des Sachunterrichts zur Integration dieser Themen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Wie positionieren sich Grundschullehrkräfte zu den Themen Tod und Trauer im Sachunterricht und welche Gründe sowie Einflussfaktoren liegen dieser Positionierung zugrunde?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wendet ein qualitatives Forschungsdesign an und nutzt das problemzentrierte Interview als Erhebungsmethode mit Grundschullehrkräften aus dem Raum Hildesheim und Hannover.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Part über Thanatologie, Kindheitsforschung und Didaktik sowie einen empirischen Teil, in dem Interviewergebnisse fallübergreifend analysiert und diskutiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind insbesondere Sachunterricht, Tod, Trauer, kindliche Entwicklung, Trauerarbeit, qualitative Forschung und Lehrpersonen-Positionierung.
Warum ist das Thema für Grundschullehrkräfte herausfordernd?
Die Befragten berichten von Schwierigkeiten durch die hohe persönliche Betroffenheit, mangelnde Vorbereitung in der universitären Ausbildung und die Sorge, bei den Kindern Ängste auszulösen.
Welche Rolle spielen Eltern bei der Thematisierung?
Lehrkräfte sehen Eltern als wichtige Ansprechpartner, betonen jedoch die Notwendigkeit von Transparenz und Aufklärung, da manche Eltern die Thematisierung des Todes als nicht kindgerecht ablehnen könnten.
Was ergab der Einzelfallvergleich der befragten Lehrpersonen?
Es zeigten sich deutliche Unterschiede in der Offenheit gegenüber den Themen, wobei Lehrkräfte mit direkten Erfahrungen im Umfeld tendenziell sensibler und proaktiver agierten.
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- Anonym (Autor:in), 2020, Tod und Trauer als Thema an Grundschulen. Ein Thema für den Sachunterricht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/983394