Auseinandersetzung mit dem Tropischen Regenwald. Das Leben im Dschungel (Heimat- und Sachunterricht Grundschule, Klassenstufe 3/4)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

44 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Ökosystem Wald
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Funktionen des Waldes
2.3 Wälder der Erde

3. Arbeit an Stationen als Form offenen Unterrichts
3.1 Geöffneter Unterricht und Stationenlernen
3.2 Bedeutung für den Heimat- und Sachunterricht

4. Praktische Unterrichtseinheit zum Thema „Tropischer Regenwald - das Leben Dschungel“
4.1 Thema der Stunde mit Lehrplanbezug
4.2 Sequenzeinordnung
4.3 Sachanalyse
4.4 Planung der Stunde
4.4.1 Artikulationsschema
4.4.2 Didaktisch-Methodische Begründung
4.5 Didaktische Analyse

5. Abschließende Reflexion

Literaturverzeichnis

Anlagen

1. Einleitung

Das großflächige und zusammenhängende Ökosystem Wald, das sich besonders durch seine für uns Menschen unverzichtbaren Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen auszeichnet, ist ein Raum mit hoher biologischer Vielfalt. Um diese Biodiversität zu schützen und auch nachhaltig davon zu profitieren, sind die Wälder auf der Erde von besonderer Bedeutung.1 Sie versorgen uns stets mit Nahrung, Rohstoffen sowie Heilpflanzen und stellen eine wesentliche Wirtschaftsgrundlage für uns Menschen dar.2

Im Zuge der Entwicklung der Landwirtschaft vor 5.000 bis 10.000 Jahren wurden immer mehr Wälder in Acker, Wiesen, Weiden und Siedlungen umgewandelt, um an Baumaterial für Schiffe und Gebäude, Brennholz zum Heizen und Kochen sowie Holzkohle zum Schmelzen von Metallen zu gewinnen. Bereits in der Antike verursachte der hohe Holzbedarf in manchen Gebieten großräumige Kahlschläge, so etwa im Mittelmeerraum, wo ausgedehnte Strauchlandschaften ursprüngliche Eichenwälder ersetzt haben. Schlimmer steht es allerdings um die unzugänglichen tropischen Gebiete: Während die Schäden längere Zeit eher kleinräumig blieben, wurde in den letzten 30 Jahren die Hälfte tropischen Weltbestände vernichtet.3 Von den über 14 Millionen Quadratkilometern Regenwald, der sich ursprünglich über die Tropenzone erstreckte, waren zu Beginn des Jahres 1990 gerade einmal noch sieben Millionen Quadratkilometer zu verzeichnen.4 Neben der Beschleunigung der Ausbeutung durch die industrielle Land- und Forstwirtschaft, beeinträchtigen neuerdings auch Erderwärmung, Extremwetterereignisse und Waldbrände immer stärker den Erhalt der Wälder: „Als immobile, langlebige Organismen sind Bäume unweigerlich den zunehmend extremen Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt“, so Willinger.5 Die vergangenen entwickelten Anpassungen können dem extremen Trockenstress oder neuartigen Schädlingen häufig nicht mehr standhalten.6

Soeben hat der seit 1989 bestehende „Tag der Tropenwälder“7 die Aufmerksamkeit erneut auf die Thematik gelenkt: Durch ihn soll auf die gefährdete grüne Lunge der Erde, etwa auf die drohende Zerstörung der Regenwälder, aufmerksam gemacht werden. Insbesondere Indonesien ist seit Juli von der extremen Waldbrandsaison betroffen. Doch nicht nur das Klima gefährdet den Erhalt der Regenwälder in Indonesien, vielmehr wird nach Bodewein die Vernichtung durch die wirtschaftlichen und touristischen Einbußen durch die derzeitige Corona-Pandemie verstärkt.8 Denn Indonesien ist bekannt für seine bewaldeten Flächen: das Land hat weltweit die drittgrößte Waldfläche, was gleichzeitig als charakteristisch für den hohen Anteil an armen Einwohnern gilt. Aus diesem Grund sind die Wälder Indonesiens in diesem Jahr besonders gefährdet. Die arme Bevölkerung profitiert von dem Reichtum ihrer tropischen Wälder, indem sie illegal abbrennt und abholzt, um begehrte Edelhölzer zu verkaufen oder Platz für PalmölPlantagen zu schaffen. Darüber hinaus floriert stetig der illegale Handel der Wildtiere.9 Da die Corona-Maßnahmen vielen Behörden und Waldschützern die Reise nach Indonesien verwehrt, „[...] ist der Wald in den meisten Teilen des riesigen Indonesiens sich selbst überlassen - beziehungsweise Wilderern, Abholzern und Brandrodern.“10 In Anlehnung an Bodewein sind im vergangenen Jahr „[...] alle sechs Sekunden tropischer Regenwald in der Größe eines Fußballfeldes vernichtet worden.“11

Vor diesem Hintergrund schlagen Naturschützer weltweit Alarm. Wissenschaftler befürchten, dass durch die fortschreitende Rodung von Regenwald und die Umwandlung in Rinderweiden und Sojafelder bald ein Punkt erreicht sein könne, an dem das Ökosystem irreparabel beschädigt sein wird. „Je weniger Waldreste in einem bestimmten Gebiet verbleiben, desto schwerer und langwieriger wird es, die Klimaanlage Wald zu reparieren“, so Willinger.12 Durch die Versalzung der Böden, die Senkung des Grundwasserspiegels oder durch die Veränderung des lokalen Klimas werden die Bedingungen für den neuen Wald immer ungünstiger. Dies würde nicht nur dazu führen, dass Tausende beheimatete Tier- und Pflanzenarten im Regenwald aussterben, sondern es würden auch viele Milliarden Tonnen Kohlenstoff freigesetzt werden.13

Dass also der Wald für die Menschheit von großer Bedeutung ist, wurde nach den erschreckenden obig aufgeführten Zahlen des Waldsterbens deutlich. Weitaus geringer ist allerdings die Zahl derer, die bereit sind, sich für den Schutz und Erhalt des Waldes einzusetzen. Ein möglicher Grund dafür könne die Unwissenheit über Zusammenhänge und Bedeutung des „Ökosystems Waldes“, mehr noch die des Regenwaldes, sein. Die Lösung des Problems der Waldgefährdung kann nicht nur durch partielle Verbesserungen, wie beispielsweise durch den Einbau eines Katalysators in Kraftwagen, angestrebt werden. Vielmehr ist es notwendig, die Wertschätzung gegenüber der Natur und das Verstehen ihrer Regelkreise wiederherzustellen.14 Die Relevanz des tropischen Regenwaldes ist dabei genau deshalb so wichtig, da sie aktuell rasch von der Erde verschwinden. Neben Eltern und Erzieherinnen kann insbesondere die Schule einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Schülerinnen und Schüler (im Nachfolgenden mit SuS abgekürzt) durch Wissen und Interesse für das Thema und die aktuellen Umstände des Waldsterbens zu sensibilisieren.15 Die Notwendigkeit der Vermittlung von einem angemessenen Umweltverhalten ist bereits im Lehrplan PLUS Bayern unter den Bildungs- und Erziehungszielen verankert. So heißt es darin: „Im Rahmen einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung entwickeln Schülerinnen und Schüler Kompetenzen, die sie befähigen, nachhaltige Entwicklungen als solche zu erkennen und aktiv mitzugestalten.“16 Ziel ist es, die Kinder zu verantwortungsbewussten Persönlichkeiten für Natur und Umwelt zu erziehen und ihre Kenntnisse über komplexe und wechselseitige Abhängigkeiten zwischen Mensch und Umwelt zu erweitern.17 In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie es der Schule durch Information und Wissensvermittlung gelingen kann, in den Kindern schon im frühen Alter ein waches Bewusstsein für ein motiviertes und schützendes Handeln für Natur und Wald zu entwickeln.

Die vorliegende Arbeit hat als Ziel, das Phänomen des Tropischen Regenwaldes in theoretischer und praktischer Hinsicht zu beleuchten. Dabei wird versucht, den Gegenstand „Regenwald“ darzustellen und dessen Besonderheiten anhand geeigneter Methoden in einer praktischen Unterrichtseinheit gezielt zu untersuchen. Es wird ein Unterrichtsentwurf für den Heimat- und Sachunterricht für die Jahrgangsstufen drei und vier vorgestellt, der unter dem Leitbild „Tropischer Regenwald - das Leben im Dschungel“ steht und im Rahmen eines Stationenlernens realisiert werden soll.

Um die Thematik theoretisch zu fundieren, ist zu Beginn eine allgemeine Einführung in das Ökosystem Wald, veranschaulicht durch Begriffsbestimmungen und Funktionen des Waldes, von Bedeutung. Es folgt ein Überblick über die Wälder der Erde, wobei besonders deren Verbreitung und Eigenschaften hervorgehoben werden. Um schließlich den praktischen Entwurf einer geeigneten Unterrichtsstunde zum Thema Tropischer Regenwald anzuvisieren, werden die zentralen Merkmale des Unterrichtskonzepts des Offenen Unterrichts sowie der Methode des Stationenlernens illustriert. In Kapitel vier wird eine mögliche Unterrichtseinheit zum Thema Tropischer Regenwald aufgeführt, mittels derer das Thema für SuS der 3. und 4. Klasse in offener Form anhand von fünf Stationen erfahrbar gemacht werden kann.

2. Das Ökosystem Wald

2.1 Begriffsbestimmung

Bevor der Gegenstand „Wald“ untersucht wird, ist es zunächst von Bedeutung, den Begriff des Ökosystems zu klären. Bartsch und Röhrig verstehen darunter „[...] ein gegenüber äußeren Einflüssen offenes, doch je nach dem Zweck der Betrachtung oder Untersuchung räumlich umgrenztes System.“18 Ein System bezeichnet dabei ein aus mehreren Teilen bestehendes Gerüst von Vorgängen, die in struktureller und funktionaler Beziehung stehen und somit eine feste Einheit bilden. Dieses gestaltet sich sowohl durch die ökologischen Bedingungen ihrer Lebensräume als auch durch das Zusammenspiel der darin existierenden Arten, Populationen und Ge- meinschaften.19 Als äußerer Einfluss ist beispielsweise das Klima zu nennen, das über die Niederschlagsmenge, -häufigkeit und Temperaturverhältnisse bestimmt und somit die jeweilige Erscheinungsform des Waldes ausmacht. Des Weiteren sind Schadstoffe, welche den Wald über Luft und Wasser erreichen, als auch äußere Einflüsse des Menschen, entscheidend, die die Zustände und Veränderungen der Systeme maßgeblich mitprägen.20 Darüber hinaus sind messbare Vorgänge wie Energieumformung und Stoffkreisläufe sowie kollektive Eigenschaften wie Produktivität, Biomasse oder Diversität für ein Ökosystem kennzeichnend, wodurch es sich von anderen Ökosystemen vergleichbar unterscheidet. Solche Ökosystemanalysen sind nicht zuletzt deshalb von Wichtigkeit, da es häufig darum geht, „[...]unvermeidliche Eingriffe des Menschen in diese Systeme im Sinne einer umfassenden Nachhaltigkeit verträglich zu gestalten.“21 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass ein Ökosystem aus vielzähligen Organismen besteht und offen für abiotische und biotische Einflüsse von außen ist. Ökosysteme unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Art und Größe voneinander, wobei jedes System seine individuelle Wechselwirkung in Raum und Zeit, in Struktur und Form hat.22

Nachdem nun der Begriff des Ökosystem genauer betrachtet wurde, soll im weiteren Verlauf der Arbeit das Ökosystem Wald vorgestellt werden. Eine einheitliche Begriffsbestimmung gestaltet sich aufgrund der vielen unterschiedlichen Herangehensweisen und Definitionen als schwierig. Im Folgenden sollen die wichtigsten Definitionen aufgeführt werden.

Das Bayerische Waldgesetzt definiert „Wald“ nach Artikel 2 (2) wie folgt: „Wald (Forst) im Sinn dieses Gesetzes ist jede mit Waldbäumen bestockte oder nach den Vorschriften dieses Gesetzes wiederaufzuforstende Fläche.“23 Miteingeschlossen sind Waldwege, Waldeinteilungsstreifen, Waldblößen und Waldlichtungen sowie mit dem Wald räumlich zusammenhängende Pflanzgärten, Holzlagerplätze, Wildäsungsflächen oder sonstige ihm dienende Flächen.24 Nach der Definition der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist ein Wald messbar, denn laut ihr weist ein Wald eine Fläche von mindestens einem halben Hektar auf. Diese muss mit über fünf Meter hohen Bäumen bewachsen sein, wobei das Kronendach mindestens zehn Prozent der Fläche einnimmt. Zudem unterstreicht die FAO die erhebliche Rolle der Definition von Wald, besonders vor dem Hintergrund der globalen Entwicklung der Wälder:25 Die FAO betont, dass sogar dann noch von Wald die Rede ist, „[...] wenn er komplett abgeholzt wurde, es aber zu erwarten ist, dass dort wieder ein Wald nachwachsen wird. Baumplantagen und artenarme Wiederaufforderungsflächen zählen demnach ebenso als Wald, wie unberührte Urwälder.“26

Eine noch speziellere Definition findet sich in den Ausführungen nach Bolay und Reichle. Unter dem Begriff Wald verstehen sie einen der „[...] verbreitetsten und vielfältigsten naturnahen Lebensräume für Pflanze, Tier und Mensch in der Kulturlandschaft Mitteleuropas.“27 Er ist ein für unsere Gesellschaft unabdingbarer Lebensraum mit einer Vielzahl an Arten und einer faszinierenden Landschaft. In Anlehnung an Schwegler ist ein Wald eine „mit Waldbäumen bestandene Fläche [...], die ein vom Freiland abweichendes Klima zeigt.“28 Der Autor beschreibt ihn als komplexe Lebensgemeinschaft, in der Subj ekte der belebten Natur sowie der unbelebten Natur voneinander abhängen.29 Aufgrund der verschiedenen Einflüsse auf den Wald ergibt sich „ein vielfältiges Netz von Verflechtungen, das unterschiedliche Lebensräume, sogenannte ökologische Nischen, für eine Vielzahl von mehr oder weniger spezialisierten Organismen bie- tet.“30 So bildet sich ein Kreislauf, in dem verschiedene Prozesse kontinuierlich ablaufen.31

Grundsätzlich differenziert man im Ökosystem Wald zwischen drei verschiedenen Lebewesen, darunter fallen die Produzenten, Konsumenten und Reduzenten. Zur Gruppe der Produzenten zählen überwiegend die Pflanzen, welche aus mineralischer Substanz organische Stoffe erzeugen. Dabei bildet die Fotosynthese die Grundlage für pflanzliches Leben. Die Produzenten stellen sich als die wichtigsten Lebewesen des Waldes heraus, da durch sie die Voraussetzung für neues Leben gegeben wird. Dem gegenüber stehen die Konsumenten, die an organische Nahrung gebunden sind. Schließlich werden die Reduzenten als bedeutende und oft in Vergessenheit geratene Lebewesen eingestuft, die durch ihre Rolle der Zerlegung von Pflanzenteilen oder Tierresten zu Humus eine wichtige Funktion in der Aufrechthaltung des Ökosystems einnehmen. Im Idealfall werden diese drei verschiedenen Lebewesen des Waldes im sogenannten „ökologischen Gleichgewicht“32 gehalten. Dies umfasst alle ablaufenden Prozesse im Ökosystem, wie die Regulierung der pflanzlichen und tierischen Ressourcen oder den Wasserhaushalt. Grundsätzlich ist jedes Ökosystem fähig, auf äußere Einflüsse zu reagieren; im Falle einer Übersteigung der Selbstregulation kann sich das System aus eigenem Antrieb jedoch nicht mehr erhalten, sodass sich manche Arten zu Schädlingen entwickeln.33 Ferner deuten Schmidbauer und Hederer darauf hin, dass sich das Ökosystem Wald durch die enormen Eingriffe der Menschen hinsichtlich zahlreicher Faktoren im Laufe der Zeit verändert hat. Folglich kann von einer Naturlandschaft als solche nicht mehr ausgegangen werden. Einige Wälder können daher nicht mehr als „[...] intakte Ökosysteme betrachtet werden, da ihre Fähigkeit zur Selbstregulierung stark beeinträchtigt ist und immer wieder korrigierende Eingriffe des Menschen nötig sind, um auftretende Schädlings- und Krankheitsprobleme unter Kontrolle zu halten.“34

Wirft man einen Blick auf den Aufbau des Waldes, so kann beobachtet werden, dass sich ein Wald von der Bodenschicht über die Krautschicht und Strauchschicht bis hin zur Baumschicht mit dem Kronendach erstreckt. Diese Schichten werden jeweils von unterschiedlichen Tier- und Pflanzenfamilien aufgesucht.35 Das Zusammenspiel zwischen den Schichten des Waldes und der Tierarten ist insofern von Bedeutung, da man einer artenreichen Tierwelt nur dann begegnet, wenn zugleich die einzelnen „Stockwerke“ des Waldes ausgeprägt sind. Je nach Standort entsteht ein typisches Artengefüge; die einzelnen Arten sind dabei Bestandteil eines dynamischen Gleichgewichts. So ist die Zahl der Konsumenten immer auch vom Nahrungsangebot abhängig.36 Wohnraum finden im Wald vielzählige Tiere, wie Reh, Hase und Fuchs sowie viele Vögel-, Fledermaus-, Insekten-, Amphibien- und Reptilien-Arten.37

2.2 Funktionen des Waldes

Der Wald galt schon immer als ein für den Menschen entscheidender Lebensraum, der viele Funktionen in sich verschmolzen hat. Seit jeher profitiert der Mensch von der Mannigfaltigkeit der Ökosystemdienstleistungen der Wälder, so versorgt er die Menschheit mit Früchten, Wurzeln, Nüssen und Wild, Heilpflanzen, Brenn- und Baumaterial und bietet Schutz vor Überschwemmungen, Erdrutschen, Lawinen oder Stürmen. Wälder der Erde sind zuständig für fruchtbare Böden, sie verhindern Bodenerosionen und filtern die Luft und sorgen nicht zuletzt für die Reinigung des Trinkwassers. Daneben speichern sie große Mengen an Wasser und Kohlenstoff, erzeugen Sauerstoff und Verdunstungskälte und beeinflussen das Wetter und das Klima. Zusätzlich dienen Wälder den Menschen als Erholung und Inspiration und gewähren etlichen Tier- und Pflanzenarten Unterschlupf.38

Aufgrund der stetigen Zunahme der Bevölkerung und der damit verbundenen veränderten Lebensweise der Menschheit hat sich die Bedeutung des Waldes im Hinblick auf seine Funktionen beträchtlich verändert. Menschen beanspruchen den Wald nicht mehr nur in unterschiedlichster Form, sondern sollen ihn auch in gewisser Weise schützen und als Erholungsraum erleben. Ferner verkörpert der Wald die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion, welche in unterschiedlichen Wäldern verschieden intensiv zur Geltung kommen. Während vergleichsweise der Stuttgarter Stadtwald und der Schwarzwald durch Erholungs- und Kurorte für ihre Nutzfunktion bekannt sind, steht im Allgäu die Schutzfunktion im Vordergrund. Im anschließenden Abschnitt werden die verschiedenen Funktionstypen genauer betrachtet.39

Mit der Schutzfunktion werden alle „[...] ökologischen Aufgaben des Lebensraumes Wald und dessen zivilisationsökologische Bedeutung für den Menschen“40 verbunden. Als Beispiel dafür dient der Auenwald, der Überschwemmungen verhindert oder die Waldvegetationen, welche den Waldboden vor Erosionen und anderen Gefahren schützt. So halten in Gebirgslagen oder an steilen Hängen die Wurzeln der Bäume das Erdreich zusammen und wirken so einem Abrutsch entgegen. Ergänzend können die Schutzwälder in Bergregionen genannt werden, die zum einen die Menschen vor Lawinen bewahren, zum anderen ermöglicht er vielen Tieren und Pflanzen einen Unterschlupf zu finden.41 Zusammenfassend schützt der Wald das Wasser, den Boden und das Klima sowie die Natur und die Landschaft vor Lawinen. „Diese als Schutzwälder bezeichneten Bestände sind von großer Bedeutung für die Erhaltung der jeweiligen Landschaft“42, so Schmidbauer und Hederer. Als zweite große Funktion des Waldes sei die Erholungsfunktion zu nennen. Nach dem Bayerischen Waldgesetzt wird als Erholungswald ein Wald beschrieben, dem eine außergewöhnliche Bedeutung für die Erholung der Bevölkerung zukommt.43 Dieser wird durch viele Menschen der heutigen Gesellschaft intensiv in Form von Wellness, sportlichen Betätigungen, Kuren oder Ferienorten genutzt. In Baden-Württemberg werden ca. 30 Prozent des Waldes für die Erholung der Bewohner genutzt. Repräsentativen Umfragen zufolge gilt der Wald als der in der Freizeit am meisten aufgesuchte Ort, der sogar vor Sporthallen, Parks und Bädern bevorzugt wird. Die letzte Funktion, die der Wald mit sich bringt, ist die Nutzfunktion, welche vor allem mit dem Rohstoff Holz assoziiert wird. Deutschland hat mit 3,4 Milliarden Kubikmetern den meisten Holzbestand europaweit. Der nachwachsende und kohlendioxidneutrale Rohstoff trägt die heimische Holz- und Papierindustrie und ermöglicht, Nahrung durch die Jagd sowie die Pilz- und Beerensuche zu finden.44 Das Bayerischen Waldgesetzt fordert, dass er aufgrund seiner Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktion

„[...] nach Fläche, räumlicher Verteilung, Zusammensetzung und Struktur so zu erhalten, zu mehren und zu gestalten [ist], dass er seine jeweiligen Funktionen [...] und seine Bedeutung für die biologische Vielfalt bestmöglich und nachhaltig erfüllen kann.“45

Überdies unterstreicht Willinger, dass Wälder die „[...] Temperaturverteilung, Wolkenbildung und die globalen Kreisläufe von Süßwasser oder Kohlenstoff [. ]“46 erheblich beeinflussen und somit nach den Ozeanen als wichtigster Bestandteil des globalen Klimasystems gilt. Durch den stetigen Austausch mit der Atmosphäre gewinnt der Wald an Kohlendioxid, das den Aufbau von Stämmen, Ästen, Wurzeln und Blättern fördert. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Wald mitsamt seinem Waldboden mehr Kohlenstoff speichert als die gesamte Atmosphäre. Dieser verteilt sich vergleichsweise „[...] zur Hälfte (über 55 Prozent) auf tropische Wälder, zu einem Drittel (32 Prozent) auf boreale Wälder und etwa einem Zehntel (14 Prozent) auf die Wälder der gemäßigten Breiten.“47 Im Zuge der Fotosynthese , bei der das Wasser verdunstet, fungieren die Wälder als Kühler ihrer Umgebung. Zusammen mit der Beschattung entspricht das Blätterdach dann einer natürlichen Klimaanlage.48 Neben den verschiedenen Funktionsarten nimmt der Wald nicht zuletzt auch im Bereich der Pädagogik eine große Rolle ein. Die Waldpädagogik gilt als ein Konzept, das seine Ursprünge schon zu Zeiten Pestalozzis hat, bei dem das ganzheitliche Lernen nach Kopf, Herz und Hand ein wichtiges Element der Pädagogik war. Folglich zielt sie auf die ganzheitliche Bedeutung des Waldes durch praktisches Erleben und Lernen im Wald ab und will das Problembewusstsein für die Umwelt verschärfen. Heutzutage liegt die Aufgabe vor allem in den Schulen, die SuS an den Lernort Wald heranzuführen und sie durch kreative Erlebnismöglichkeiten zum selbstständigen Handeln im Wald anzure- gen.49 Eng verbunden mit der Waldpädagogik ist dabei der Terminus der Bildung für nachhaltige Entwicklung. In Anknüpfung an den Lehrplan Plus Bayern wird die Vermittlung von Wissen über Umwelt- und Entwicklungsprobleme angestrebt. Die Lehrkräfte verfolgen das Ziel, SuS zu befähigen, ihre Umwelt durch die Auseinandersetzung mit Normen und Werten im Sinne des Globalen Lernens kreativ mitgestalten zu können.50

2.3 Wälder der Erde

Seit Millionen von Jahren gestalten Wälder das Erscheinungsbild unserer Erde. Sie bedecken rund vier Milliarden Hektar Fläche weltweit, dies entspricht knapp ein Drittel der Landoberflä- che.51 Nach Daten der FAO liegen die Wälder der Erde zu 31 Prozent in Asien, zu 21 Prozent in Südamerika, 17 Prozent Waldfläche bedecken Nord- und Mittelamerika. Auch Afrika wird zu 17 Prozent von Waldfläche abgedeckt, Europa zu neun Prozent und in Ozeanien wurde fünf Prozent festgestellt.52 Wälder bestehen aus einer Vielfalt von Lebensräumen, die gewöhnlich fließend ineinander übergehen. Demnach lässt sich eine Einteilung der Wälder in verschiedene Waldformationen nur schwer vornehmen. Um die Fülle der baumbestandenen Landschaften zu ordnen, orientiert man sich dennoch an nachfolgender Gliederung: Entsprechend der Klimazonen unterscheidet man zwischen borealen Wäldern, Wälder der gemäßigten Zone sowie tropischen Wälder. Letztere können zudem in saisonal trockene und ganzjährig feuchte tropische Wälder unterteilt werden. Diese gelten mit den mediterranen Wäldern als besondere Übergangsform, welche sich zwischen der gemäßigten und subtropischen Klimazone befinden. Je nach Bodenbeschaffenheit, Klima, Jahreszeiten, Sonneneinstrahlung, Topographie, Überschwemmungen und Einfluss von Tieren und Menschen, unterscheiden sich die Wälder auf der Erde in den verschiedenen Regionen stark voneinander.53 Die Waldgrenze in den Polargebieten und Hochgebirgen wird primär durch die Temperatur bedingt. Bei 30 frostfreien Tagen im Jahr, wie beispielsweise in der subarktischen Waldtundra, ist die Vegetationsperiode zu kurz, sodass nur vereinzelte Bäume in der Landschaft überleben. Ähnlich verhält es sich in den Höhenlagen: Während die Bergwälder der Alpen entlang der Alpennordseite bis zu ca. 1.900 Höhenmeter wachsen, erreichen die Lärchen- und Arvenwälder in den Süd- und Zentralalpen bei mehr Sonneneinstrahlung eine Höhe von 2.400 Meter. Moore und Sümpfe findet man hingegen in Gebieten, wo das Niederschlagswasser nicht abfließen kann, das wiederum das Waldwachstum verhindert. Auch felsige Bereiche weisen kaum Wälder auf, da es dort an ausreichender Humusauflage mangelt. Bei zu großer Trockenheit entstehen Wüsten und Landschaften, die von Sträuchern dominiert werden, so zum Beispiel in Prärien, Steppen oder Savannen.54

Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die fünf Waldformen der Erde hinsichtlich ihrer geographischen Lage und besonderen Eigenschaften knapp dargestellt.

Der Boreale Wald, auch nördlicher Nadelwald genannt, „[...] zieht sich wie ein breites grünes Band größtenteils zwischen dem 60. und 70. nördlichen Breitengrad um die Erde.“55 Im Norden grenzt er an die baumlose, arktische Tundra und in den wärmeren gemäßigten Breiten im Süden geht er in einen Mischwald über. Der boreale Nadelwald bedeckt mit einer Fläche von rund 15 Millionen Quadratkilometern ein Drittel der gesamten Waldfläche der Erde und ist damit anderthalb Mal so groß wie Europa. Er befindet sich insbesondere in Gebieten, in denen raue klimatische Bedingungen wie lange kalte Winter mit Temperaturen unter -25 Grad Celsius vorherrschen und ist häufig an Seen oder Mooren angesiedelt, so beispielsweise in Russland und Kanada. Im borealen Wald findet man zum Großteil Nadelbäume wie Fichten, Kiefern, Tannen oder Lärchen, da sich diese im Gegensatz zu Laubbäumen besser an niedrige Temperaturen, Trockenheit und kurze Vegetationsperioden anpassen können. Im Übergang vom borealen Wald zur Tundra nimmt die Baumdichte immer weiter ab. Darüber hinaus werden die borealen Wälder lediglich von Tieren heimgesucht, die dem harschen Klima ganzjährig bestehen können, wie beispielsweise Rentiere, Elche, Wölfe, Schneehasen oder Zugvögel. Als letztes sei auf die Speicherung großer Mengen an Kohlenstoff im borealen Wald, insbesondere im Waldboden, aufmerksam zu machen. Folglich speichert der boreale Wald mehr Treibhausgase, als er ausstößt. Dies kann sich jedoch aufgrund der Erwärmung der Erdatmosphäre rasch ändern.56

Im Osten Nordamerikas und in ganz Mitteleuropa bis nach Russland, in die Türkei, im Nordwesten des Irans als auch in China, Korea und Japan dominieren die Wälder der gemäßigten Zonen. Im Gegensatz zu den borealen Wäldern bilden sie keinen zusammenhängenden, erdumspannenden Waldgürtel, sondern erstrecken sich vor allem auf der Nordhalbkugel zwischen dem 40. und 60. Breitengrad. Insgesamt nehmen sie eine Fläche von acht bis zehn Millionen Quadratkilometern ein und entsprechend damit rund ein Fünftel der globalen Waldfläche. Die gemäßigten Zonen sind für ihre Laub- und Mischwälder bekannt, die sich hinsichtlich ihrer Farbe und ihres Abwurfs der Blätter an die vier Jahreszeiten anpassen. Die Baumarten sind an einen Klimabereich abgestimmt, „[...] der weder zu kalt noch zu trocken sein darf.“57 Insgesamt stellten Botaniker rund 1500 verschiedene Baumarten fest. Darunter sind beispielsweise Buchen, Eichen, Eschen, an feuchten Stellen Birken, Pappeln und Weiden vorzufinden. Darüber hinaus werden die Wälder der gemäßigten Zonen besonders von Tieren vertreten, die sich vorwiegend auf dem Waldboden aufhalten, wie zum Beispiel Insekten. Da sich der Wald der gemäßigten Zonen besonders durch seine fruchtbaren Böden, die im Winter viel Wasser aufnehmen und speichern können, auszeichnet, finden auch viele Amphibien wie Frösche, Kröten, Molche oder Salamander im Wald Unterschlupf.58 Nach Willingers Auffassung sind heute „[...] gerade noch ein bis zwei Prozent der ursprünglichen Wälder in der gemäßigten Zone weitgehend in ihrem natürlichen Zustand erhalten.“59

Des Weiteren können die Wälder in der mediterranen Klimazone festgehalten werden, welche deutlich vom Einfluss des Meeres geprägt werden. So liegen sie durchweg in Küstennähe, da das Meer die Wärme des Sommers speichert und die winterliche Kälte mindert. Milde, feuchte Winter und lange, trockene Sommer bestimmen die Zone und begünstigen somit den Anbau von Wein und Oliven. Weltweit sind die Wälder nur mäßig zwischen 30 und 40 Grad nördlicher und südlicher Breite verbreitet: im Mittelmeerraum, in Kalifornien, Zentralchile, Südwestaustralien und in der Kapregion Südafrikas. Flächenmäßig bedeckt die mediterrane Zone zwar nur zwei Prozent der gesamten Landfläche der Erde, profitiert jedoch von einem Fünftel der rund 250.000 bekannten Pflanzenarten weltweit. Der Bewuchs besteht aus Wäldern, Grasland und Sträuchern, die auf regelmäßige - im Idealfall alle paar Jahrzehnte - auftretende Brände angewiesen sind, um ihre Samen freigeben zu können. Aufgrund der frostfreien Winter behalten die Bäume wie Kiefern oder Eukalyptus ihre Blätter ganzjährig und wechseln sie mit den Jahren. Die Klimabeschaffenheit sorgt für eine artenreiche Insekten-, Spinnen- und

[...]


1 Vgl. Bernhart & Brosinger, 2000, S. 1.

2 Vgl. Willinger, 2019, S. 11.

3 Vgl. ebd., S. 211.

4 Vgl. Reichholf, 1991a, S. 9.

5 Ebd.

6 Vgl. ebd.

7 Bodewein, 2020.

8 Vgl. Bodewein, 2020.

9 Vgl. ebd.

10 Ebd.

11 Ebd.

12 Willinger, 2019, S. 212.

13 Vgl. ebd., S. 212f.

14 Vgl. Schmidbauer & Hederer, 1991, S. 8.

15 Vgl. Schmidbauer & Hederer, 1991, S. 32ff.

16 Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München, o.J.-d.

17 Vgl. ebd.

18 Bartsch & Röhrig, 2016, S. 106.

19 Vgl. ebd., S. 106f.

20 Vgl. Schmidbauer & Hederer, 1991, S. 8.

21 Bartsch & Röhrig, 2016, S. 106.

22 Vgl. ebd., S. 106f.

23 Bayerische Staatskanzlei, 2005, Art. 2 (1), (2).

24 Vgl. ebd.

25 Vgl. Willinger, 2019, S. 11f.

26 Ebd. S. 12.

27 Bolay & Reichle, 2011, S. 1.

28 Schwegler, 2008, S. 95.

29 Vgl. ebd., S. 96.

30 Schmidbauer & Hederer, 1991, S. 9.

31 Vgl. ebd.

32 Schmidbauer & Hederer, 1991, S. 10.

33 Vgl. ebd., S. 9ff

34 Ebd., S. 11.

35 Vgl. ebd., S. 11.

36 Vgl. ebd., S. 22.

37 Vgl. Bolay & Reichle, 2011, S. 7.

38 Vgl. Willinger, 2019, S. 12.

39 Vgl. Bolay & Reichle, 2011, S. 9.

40 Ebd.

41 Vgl. Bolay & Reichle, 2011, S. 9.

42 Schmidbauer & Hederer, 1991, S. 27.

43 Vgl. Bayerische Staatskanzlei, 2005, Art. 12 (1).

44 Vgl. Bolay & Reichle, S. 9ff.

45 Bayerische Staatskanzlei, 2005, Art. 5 (2).

46 Willinger, 2019, S. 211.

47 Ebd.

48 Vgl. ebd.

49 Vgl. Bolay & Reichle, 2011, S. 24ff.

50 Vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München, o.J.-d.

51 Vgl. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 2020.

52 Vgl. Willinger, 2019, S. 7.

53 Vgl. ebd., S. 11.

54 Vgl. Willinger, 2019, S. 11.

55 Ebd., S. 22.

56 Vgl. ebd., S. 22ff

57 Willinger, 2019, S. 54.

58 Vgl. ebd., S. 54ff.

59 Ebd., S. 77.

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Auseinandersetzung mit dem Tropischen Regenwald. Das Leben im Dschungel (Heimat- und Sachunterricht Grundschule, Klassenstufe 3/4)
Hochschule
Universität Passau
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
44
Katalognummer
V983514
ISBN (eBook)
9783346339829
ISBN (Buch)
9783346339836
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tropischer Regenwald, Dschungel, Stationenlernen, Klassenstufe 3/4, praktischer Unterrichtsentwurf
Arbeit zitieren
Isabel Müller (Autor), 2020, Auseinandersetzung mit dem Tropischen Regenwald. Das Leben im Dschungel (Heimat- und Sachunterricht Grundschule, Klassenstufe 3/4), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/983514

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