Die folgende Arbeit befasst sich zunächst mit der Definition von Sufismus, einem kurzem geschichtlichen Abriss und der Lehre und Praktiken des Glaubens. Anhand dessen wird die Verbindung zur Musik genauer beleuchtet. Welche Funktionen übernimmt die Musik in der praktizierten Religiosität? Inwieweit verhelfen Instrumente und Tanztechniken zum Glauben zu finden? Welche Bedeutung haben diese? Das Fazit am Ende fasst schließlich die Verbindung von Musik und Glauben im Sufismus zusammen.
Zwischen Musik und Religion bestehen wesentliche Analogien, die sowohl musikpsychologische Aspekte als auch die religiöse Dimension beschreiben. Im Vordergrund steht dabei das unmittelbare Erleben von religiösen Erfahrungen und intensiver Musik, das durch rationales Erfassen nicht begriffen und durch Worte nicht erklärt werden kann.
Dieses Phänomen ist auch im Sufismus, einer islamischen Geistesströmung, wiederzuerkennen. Der religiöse Lebensstil beruht auf Riten und Zeremonien, die es Körper und Seele ermöglichen sollen, Gott sehr nahezukommen. Durch die Verbindung von Gesang, Tanz, rhythmischen Bewegungen und dem Gebet kann es einem Sufi (ein Ausübender der Religion) gelingen, nach stetiger Wiederholung in Trance zu fallen, seine Umwelt auszublenden und sich mit Gott eins zu fühlen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition Sufismus
3 Zur geschichtliche Entwicklung
4 Der Weg
5 Lehre und Praktiken
6 Sufimusik
6.1 Makâm-Musik
6.2. Ney
6.3 Sema
7 Fazit
8 Quellen
8.1 Literatur
8.2 CD Booklet
8.3 Weblinks
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die essenzielle Verbindung zwischen Musik und religiöser Praxis im Sufismus. Ziel ist es zu analysieren, welche Funktionen Musik innerhalb der islamischen Mystik übernimmt und wie Instrumente sowie Tanztechniken als Medium dienen, um eine spirituelle Trance zu erreichen und eine tiefere Verbindung zum Göttlichen herzustellen.
- Grundlagen und historische Entwicklung des Sufismus
- Lehre, asketische Praktiken und Zikir-Methoden
- Die Rolle der Musik als Medium für seelische Erhebung
- Technische Aspekte der Sufimusik (Makâm, Ney, Sema)
Auszug aus dem Buch
6.3 Sema
Sema ist ein Gebetstanz, der in kreisenden Bewegungen durchgeführt wird und eine bestimmte Symbolik verfolgt. Für die Sufi-Bruderschaft der Mevlevis stellt er zum Beispiel die temporäre Annäherung zu Allah und die Abwendung von der Welt dar (vgl. Eslam 2006). Er gilt als eine wichtige Ausdrucksquelle für Dinge, die nicht in Worte zu fassen sind (vgl. Sihombing 2012: 79).
Zu Beginn des Rituals steht der Scheich auf einem roten Fell, welches den Mittelpunkt der Welt symbolisieren soll. Die Tänzer tragen über ihrem weißen Gewand (siehe Wollegewand Kapitel 1), einen schwarzen Umhang, der das Grab verkörpert. Die Kopfbedeckung Sikke stellt den Grabstein des Ego dar und die weiten weißen Gewänder die Leichentücher des Egos (vgl. ebd.). Sobald ein Tanzender seinen schwarzen Umhang ablegt, wird er geistig neu geboren. Es erfolgt eine Segnung durch den Scheich und die Auferstehung aus dem Grab. Der Klang der Ney erklingt und die Sufis beginnen sich zu kreisen, um den Urzustand eines jeden Atoms darzustellen (vgl. Alkonavi 2008). Dabei sorgt eine bestimmte Fußtechnik für das gleichmäßige Kreisen, in der der Sufi die Einheit mit allen Geschöpfen bis hin zum vorrübergehenden Entwerden als Vorstufe des Eins sein mit Gott versucht zu erlangen. Die Füße überkreuzen sich, sodass beide Gehirnhälften gleichermaßen aktiviert werden und eine harmonische Balance zwischen beiden Körperhälften entsteht (vgl. vgl. Güvenç/Güvenç 2009: 99).Während des Tanzes sind die Arme weit ausgebreitet. Dabei zeigt der rechte Arm in die Richtung des Himmels, um Gottes Wohltätigkeit zu empfangen. Die linke Hand, auf die der tanzende Sufi schaut, zeigt zur Erde, auf der der Segen verteilt wird. Die Drehrichtung ist von rechts nach links in Richtung des Herzen um die eigene Achse, mit dem Ziel die ganze Menschheit mit Liebe zu erfüllen (vgl. Eslam 2006).
Dieses Ritual stellt die spirituelle Reise des Menschen dar, der zur Vollkommenheit gelangen möchte und als jemand zurückkehrt, der fähig ist zu lieben und der ganzen Schöpfung zu dienen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Analogie von Musik und religiöser Erfahrung ein und skizziert die Fragestellung zur Rolle der Musik im Sufismus.
2 Definition Sufismus: Das Kapitel definiert den Sufismus als islamische Mystik und beleuchtet die Suche nach der Einheit mit Gott durch Riten und Zeremonien.
3 Zur geschichtliche Entwicklung: Hier wird der historische Ursprung der sufischen Bewegung und die Herausbildung der Orden zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert beschrieben.
4 Der Weg: Dieses Kapitel behandelt den langwierigen, spirituellen Entwicklungsprozess des Schülers unter der Führung eines Meisters.
5 Lehre und Praktiken: Hier werden asketische Lebensweisen und die Technik des Zikir (Gottesgedenken) zur Reinigung der Seele erläutert.
6 Sufimusik: Das Hauptkapitel untersucht die Bedeutung der Musik als Medium für Trance und spirituelle Nähe, unterteilt in die Teilaspekte Makâm-Musik, Ney und Sema.
7 Fazit: Das Fazit fasst die zentrale Rolle der Musik und des Tanzes für die Erreichung der Einheit mit Gott im Sufismus zusammen.
Schlüsselwörter
Sufismus, Islam, Mystik, Musiktherapie, Zikir, Makâm, Ney, Sema, Trance, Meditation, Gotteserkenntnis, Rhythmus, Spiritualität, Mevlevis, Derwische
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen religiösen Praktiken und Musik innerhalb des Sufismus, um zu verstehen, wie Klänge und Bewegung spirituelle Zustände beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen sind die sufische Mystik, die asketischen Lehren, die Musiktheorie des Nahen Ostens sowie die rituellen Gebetspraktiken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie Musik und Instrumente den Glauben stützen und welche Funktionen sie bei der Suche nach der Einheit mit Gott einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analysierende Methode auf Basis von Literaturstudien, um die theoretischen Konzepte des Sufismus mit musikalischen Praktiken in Verbindung zu setzen.
Was ist der Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Lehre und die spezifischen musikalischen Ausdrucksformen des Sufismus wie Makâm-Musik, das Spiel der Ney-Flöte und den Sema-Gebetstanz.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Sufismus, Zikir, Makâm, Ney, Sema und die spirituelle Trance.
Was symbolisiert die Spielhaltung der Ney-Flöte?
Die Haltung der Ney symbolisiert eine Brücke zwischen Verstand und Herz; die gesenkte Kopfhaltung drückt Demut aus und die sieben Spiellöcher stehen für die sieben Sinnesöffnungen des Menschen.
Warum ist das Sema-Ritual für Mevlevis so bedeutend?
Das Sema-Ritual ist ein Gebetstanz, der die Reise des Menschen zur Vollkommenheit und die rituelle Auferstehung des spirituell neugeborenen Menschen darstellt.
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- Kathrin Botthof (Author), 2019, Religion und Musik. Die Verbindung von Musik und Glauben im Sufismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/984138