Neukonzeption von Identität und Drama in Pirandello. Sechs Personen suchen einen Autor


Hausarbeit, 2020

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Dramentheorie
2. Das Wesen des Dramas
3. Pirandello und das moderne Theater
4. Theater als soziale Institution und das Prinzip des Sich-leben-Sehens

III. Eine Neukonzeption von Identität und Drama
5. Identität
6. Historische Rahmenbedingungen
6.1. Ein Autor des Fin de siècle - „Auslöschung des Subjekts“
6.2. Die Identitätskrise des théâtre de l’entre-deux-guerres
6.3. Freud, die Psychoanalyse und das Unbewusste
7. Pirandellos Sechs Personen im historischen Kontext
EXKURS: theatrum mundi - eine Rolle spielen
8. Die Identität der Sechs Personen
9. Polyphonie der Figuren

IV. Theater und Sprache
10. Das Wesen der Sprache
11. Die Sprache des Unbewussten

V. Schlussbetrachtung - La vie fluide et la forme

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Ich kann nur sagen, dass diese sechs Personen, die manjetzt auf der Bühne sieht, plötzlich, ohne dass ichje bewusst nach ihnen gesucht hätte, vor mir standen, so lebendig, dass ich sie berühren, dass ich sogar ihren Atem hören konnte.1

Als Pirandello 1921 sein megatheatralisches Stück Sei personaggi in cerca d'autore2 im Teatro de Valle in Rom uraufführte, löste dies einen wahrhaften Skandal aus.3 Der Autor nahm den Anspruch der „lebendigen Figuren“ wörtlich - in seinem Stück treten literarische Figuren in die Welt des Theaterpersonals und der Zuschauer ein. Die Ebenen des Theaters vermischen sich, die Grenzen zwischen Schein und Sein, Fiktion und Realität verschwimmen. Dieser erste Teil der Trilogie des Theaters auf dem Theater dreht sich um sechs Personen, die einen Autor suchen, der ihre tragische Familiengeschichte auf die Bühne bringen soll. Auf ihrer Suche platzen sie in eine Theaterprobe hinein und bitten den Direktor und die Schauspielertruppe, ihre Geschichte aufzuführen. Obwohl sich der Direktor dazu bereit erklärt, unterbrechen die Familienmitglieder immer wieder die Inszenesetzung ihrer eigenen Tragödie. Sie äußern Kritik an der Unfähigkeit der Schauspieler, ihre erlebte Wahrheit wiederzugeben und am Theater im Allgemeinen, sodass das Stück letztendlich nicht umsetzbar ist und scheitert.

Zwei Dimensionen werden gegenübergestellt: Die Erzählvergangenheit der Sechs Personen, die ihre tragischen Erlebnisse nach und nach zu Gehör bringen und die Bühnengegenwart, sprich den Versuch des Direktors, die Geschichte mit seinen Schauspielern darzustellen.

Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll die Frage nach der neuen Konzeption von Identität im modernen pirandellesken Drama stehen. In Sechs Personen verarbeitet Pirandello seine Ideen zur Selbstdefinition, welche die Thematisierung der Unmöglichkeit des Theaters innerhalb eines Theaterstückes rechtfertigen und die Neukonzeption des Dramas erforderlich machen. Das Leben ist in ständigem Fluss. Ein Mensch lebt, entwickelt sich, verändert sich kontinuierlich und nimmt verschiedene Rollen ein. Der italienische Theaterkritiker Tilgher schreibt dazu in seinen Etudes sur le théâtre contemporain (1922):

La Philosophie implicite dans Part de Pirandello toume tout autour du dualisme fondamental de la Vie ou de la Forme: la Vie perpétuellement mobile et fluide, qui se coule et ne peut pas ne pas se couler dans une forme.4

Pirandello ist der Ansicht, dass das, was das Leben betrifft, nicht in ein Kunstkonstrukt eingebunden werden kann. Wenn es um die innere Gefühlswelt der Personen geht, reichen Sprache und Worte, die traditionelles Medium des Theaters sind, nicht aus. Weiterhin betont der Autor die Fragmentierung der Persönlichkeit in Facetten durch das 'Ich' selbst und durch das Gegenüber, welches dieses beobachtet. Mitmenschen sind soziale Spiegelbilder und auch das Theater ist Spiegel der Realität. Jedoch wird diese nie wirklichkeitsgetreu abgebildet.5 Das Leben selbst ist ein unaufhörliches Wechselspiel von Sein und Schein.

Pirandello hat das Theater revolutioniert. Sein Werk steht im Kontext der zeitgenössischen Vorstellung von Identität und Rolle sowie der Metatextualität - das Drama selbst wird zum Gegenstand der Betrachtung. Die vorliegende Arbeit widmet sich zunächst dem Vergleich des traditionellen und des 'pirandellesken' Theaters. Zu Beginn soll daher das Wesen des Dramas und seine Funktion im Fokus stehen. Der zweite Teil widmet sich der Thematisierung von Identität in dem Stück Sechs Personen unter Betrachtung literaturhistorischer Gesichtspunkte. Zu guter Letzt wenden wir uns mit kritischem Blick dem traditionellen Medium des Theaters, der fixierten Sprache, zu.

II. Dramentheorie

2. Das Wesen des Dramas

An dieser Stelle sollen noch einmal die grundlegenden Merkmale der literarischen Gattung Drama in Erinnerung gerufen werden, um anschließend vor diesem Hintergrund die Neuerungen des 'pirandellesken' Theaters herauszustellen. Die Gattungsbezeichnung Drama leitet sich von griech. drama (= Handlung) ab.6 Im Gegensatz zur Erzählgattung gibt es keine Vermittlungsinstanz - Informationen werden direkt durch Interaktion und Figurenrede des handelnden Personals {dramatis personae) vermittelt. Man unterscheidet Haupt- und Nebentext {le paratexte)7: Den Haupttext bilden die Dialoge und Monologe der Bühnenfiguren, zum Nebentext gehören Regieanweisungen {les didascalies), Titel, Widmung und Vorwort. Die Handlung des Dramas ist häufig in Akte und Szenen gegliedert. Da der Text darauf ausgelegt ist, auf der Bühne dargeboten zu werden, ist die räumliche und zeitliche Darstellung begrenzt. Im Mittelpunkt der Handlung steht meist ein Problem und dessen Lösung. Die Art des Personals und der Problemlösung determinieren die Unterschiede zwischen den Untergattungen.8

Das Prestige der Gattung hat sich im Verlauf der Jahrhunderte stark gewandelt.9 Im 16. Jhd. waren insbesondere Tragödien hoch angesehen, da diese sich auf die antike Tradition und festgeschriebene Regeln beriefen. Weniger prestigereich waren Komödien, da diese in der aristotelischen Poetik nicht behandelt wurden. Im 17. Jahrhundert brachten die Werke von Abbé d’Aubignac und Nicolas Boileau die antiken und zeitgenössischen Theaterregeln in Einklang.

Man bezeichnete die zusammengefassten Regeln im Nachhinein als doctrine classique. Seit dem Niedergang des Regeltheaters zu Beginn des 19. Jahrhunderts existieren keine thematischen Grenzen mehr - das Prestige ist nicht mehr abhängig von der Einhaltung der klassischen Tradition, sondern vom individuellen Können und der Beliebtheit der Autoren.

3. Pirandello und das moderne Theater

Man kann mit Bestimmtheit sagen, dass Pirandellos Stil sehr individuell und außergewöhnlich ist. In dem Stück Sechs Personen wird die Handlung nicht stringent durch die Interaktionen der dramatis personae entwickelt. Die Familiengeschichte der Sechs Personen spielt sich bereits vor dem Versuch einer Bühnendarbietung ab und kommt nach und nach durch den Bericht und die Andeutungen der Personen, insbesondere des Vaters und der Stieftochter, ans Licht.10 Auf diese Weise wird auch die zeitlich-räumliche Begrenzung eines Dramenstückes umgangen.

Eine weitere Besonderheit ist, dass das Stück nicht in Akte und Szenen gegliedert ist. Es kommt jedoch zu zwei aus dem Bühnengeschehen motivierten Unterbrechungen: als sich der Direktor mit dem Vater in sein Büro zurückzieht, um den Aufbau des Stücks zu besprechen und ein zweites Mal, als der Bühnentechniker aus einem Missverständnis heraus den Vorhang herablässt.11

Im Text finden sich epische Elemente in dosierter Form. So sind die Regieanweisungen zum Teil sehr ausschweifend, es werden auch die Gedanken und Motivationen der Sechs Personen ausgeführt.12 Als Erzählelement kann auch das 15-seitige Vorwort gezählt werden, welches zugleich eine der wichtigsten theatertheoretischen Schriften Pirandellos ist. Im Rahmen dieses Metatextes gewährt der Autor einen Einblick in seine literarische Werkstatt und legt die Dramatik in der eigenen Unmöglichkeit des Dramas dar.

In seinem modernen Theaterstück kommt es mehrfach zum Bruch der Wirklichkeitsillusion. Dies geschieht zum einen durch Formen des Spiels im Spiel: zu Beginn wird ein anderes Stück von Pirandello geprobt.13 Die Theaterprobe wird von sechs real wirkenden Personen unterbrochen, die sich auf der Suche nach einem Autor an den Direktor wenden. Ein ungestörtes Einfühlen in das tragische Schicksal der Familie ist jedoch unmöglich, denn der Direktor weist immer wieder auf die dramatische Spielstruktur hin: „Aber Herrschaften, das ist ja alles nur Erzählung!“14 Das Spiel mit Sein und Schein wirft die Frage auf, ob die spielenden Schauspieler oder die erdachten Personen wirklicher sind.

DIREKTOR: Großartig! Fabelhaft! Dann ist der Skandal fertig. STIEFTOCHTER: Aber das ist die Wahrheit! DIREKTOR: Was heißt hier Wahrheit! Ich bitte Sie. Hier sind wir im Theater! Da hat die Wahrheit ihre Grenzen.15

Darüber hinaus verschwimmen die Wirklichkeitsebenen, beispielsweise als der Stiefsohn sich auf der Bühne erschießt und niemand mehr weiß, ob es sich um Spiel oder Wirklichkeit handelt. Das Stück endet in allgemeiner Konfusion:

1. SCHAUSPIELERIN: (von rechts voller Trauer) Er ist tot! Der arme Junge! Er ist tot! Oh mein Gott!

1. SCHAUSPIELER: (von links, lachend) Ach was - tot! Das ist doch ein Spiel! Alles nur Spiel! Glauben sie dochdasnicht! [...]

VATER: (steht auf und schreit dazwischen) Nein - kein Spiel! Wirklichkeit, meine Herren! Wirklichkeit!16 Zuletzt beklagt der Direktor den verlorenen Probentag und verlässt die Bühne als wäre nichts gewesen. Die Stieftochter rennt allein unter Gelächter durch den Zuschauerraum davon. Der Spielcharakter geht verloren und die Distanz zwischen Zuschauer und Bühne wird durchbrochen.

4. Theater als soziale Institution und das Prinzip des Sich-leben-Sehens

Wie zuvor erwähnt, ist das Drama ein literarischer Text, der für die Bühne17 bestimmt ist.18 Diese wird dabei zu einem einzigartigen kulturhistorischen Ort. Und wie jede öffentliche Veranstaltung unterliegt die Theateraufführung verschiedenen Beschränkungen und Vorschriften, welche u.a. Zeit und Ort, die Platzierung der Zuschauer sowie deren Verhalten bestimmen. Die Einhaltung dieser Bedingungen wird durch die Mitglieder der Gesellschaft kontrolliert. Bei einer Aufführung kommt es zur Spaltung der Personen des Theaters: auf der einen Seite die Zuschauer, auf der anderen die Schauspieler, die auf der Bühne körperliche und sprachliche Handlungen ausführen. Beide stehen mit ihrer physischen Anwesenheit als Stellvertreter für die gesamte Gesellschaft.

Hierin liegt bereits das immense Spiegelungspotential der Bühne; Rezipienten übertragen die Bühnenaktion auf ihr eigenes Handeln und nehmen dennoch eine gewisse Distanz dazu ein.

Das Theater als soziale Institution sui generis symbolisiert diese conditio humana, in der es sogleich sein Fundament und die Bedingung seiner Möglichkeit hat: Die Schauspieler fungieren als Spiegel, der den Zuschauern ihr Bild als das eines anderen zurückwirft. Indem die Zuschauer ihrerseits dieses Bild reflektieren, treten sie zu sich selbst in ein Verhältnis.19

Theater ist somit eine Inszenierung des Selbst und zugleich eine Reflexion von Gesellschaft. Wie diese repräsentiert wird, ist von wesentlicher Bedeutung für die Identität des Zuschauers, der sich als Mitglied dieser Gemeinschaft betrachtet.

Betrachten wir die Rezeption von Pirandellos Stück aus dieser Perspektive, so ist es nicht verwunderlich, dass sich die Besucher des Teatro de Valle zur Uraufführung der Sei personaggi persönlich angegriffen fühlten.20 Tatsächlich zählte diese Aufführung zu den größten Theaterskandalen des 20. Jahrhunderts. Das aufgebrachte Publikum bedrohte den anwesenden Autoren und noch Stunden danach wurden auf dem Theatervorplatz leidenschaftliche Diskussionen geführt. Bei einer Neuinszenierung kurze Zeit später in Mailand schlug die Empörung dann in Begeisterung um und das Stück wurde zur Sensation auf den Bühnen der Welt (1922 London und New York, 1923 Paris, 1924 Berlin).

III. Eine Neukonzeption von Identität und Drama

5. Identität

Wenn wir uns einem so21 umfassenden Begriff nähern, ist zunächst die Vielfalt der Definitionen zu betonen und gleichzeitig eine Beschränkung auf einen Aspekt vorzunehmen.22 Fischer-Lichte wählt zur Analyse des Dramas den Begriff der Philosophie, der auch für diese Arbeit geeignet scheint:

[...] mit ihm sind alle Elemente, Aspekte und Faktoren gemeint, die es einer Person ermöglichen, 'ich' zu sagen, die ihr ein Bewusstsein von sich selbst und in diesem Sinne ein Selbstbewusstsein von sich selbst vermitteln - sei es als Mitglied einer Kultur, eines Volkes, einer Religionsgemeinschaft, einer sozialen Schicht oder Gruppe, einer Familie oder als ein Individuum.23

Die Geschichte des Dramas lässt sich als Identitätsgeschichte rekonstruieren. Grundlegend ist die Frage nach dem Verhältnis zwischen der vom Drama inszenierten und der in der Gesellschaft realisierten Identität. Ist dieses Verhältnis übereinstimmend, so wurde die realisierte Identität von der Gesellschaftsschicht übernommen, die im Stück repräsentiert wird. Meist entspricht die inszenierte jedoch nicht der in der Welt außerhalb des Theaters realisierten Identität: „Denn in den seltensten Fällen begnügt sich das Theater damit, die gesellschaftliche Wirklichkeit lediglich abzubilden.“24 Das konstruierte Bild einer Identität kann Kritik an der verwirklichten Identität üben oder Bezug auf eine in der Gegenwart noch nicht realisierte Identität nehmen. Es können Neu- und Gegenentwürfe aufgezeigt werden. Ein Konstrukt des Selbst kann in Zukunft von den Zuschauern akzeptiert und realisiert werden oder aber, wie meist der Fall, nie Wirklichkeit werden. Abschließend lässt sich sagen, dass eine neue Konstitution einer Dramenform immer gleichzeitig ein neuer Entwurf von Identität ist.

Was letztendlich tatsächlich für das Drama eines bestimmten Zeitabschnittes gilt, lässt sich kaum zweifelsfrei beurteilen. Um die jeweils aktuelle Identität der Zuschauer zu ermitteln, müssen der sozial-, mentalitäts-, rezeptions- und geistesgeschichtliche Hintergrund mit einbezogen werden. Zudem spielen der gesellschaftliche Status des Theaters, die Rezeption des Stückes und zu dieser Zeit veröffentlichte Schriften, die sich mit dem Problem der Identität beschäftigen, eine gewichtige Rolle. Aus diesem Grund nehmen wir nun die historischen Rahmenbedingungen von Pirandellos Sechs Personen in den Fokus.

[...]


1 L. Pirandello: Die Trilogie des Theaters auf dem Theater: Sechs Personen suchen einenAutor. Jeder auf seine Weise. HeuteAbend 'wird aus dem Stegreif gespielt. Essays und Schriften zum Theater. Bd. 8, hrsg. vonM. Rosner, Mindelheim: Sachon 1988, S. 16, Vorwort.

2 In dieser Arbeit wird die deutsche Fassung Sechs Personen suchen einenAutor im Folgenden abgekürzt Sechs Personen verwendet.

3 Der sizilianische Autor Luigi Pirandello (1867 - 1936) studierte in Rom und Bonn Philosophie und Sprachwissenschaften und war Professor für Literaturgeschichte. Erst mit über 50 Jahren begann er für die Bühne zu schreiben. Zuvor hatte er bereits mehrheitlich realistische Erzählungen und Romane veröffentlicht. Vgl. S. Kienzle, O. zurNedden (Hrsg.): Reclams Schauspielführer. Stuttgart: Reclam20 1996, S. 677.

4 Zitat in N. Jonard: Introduction au théâtre de Luigi Pirandello. Paris: Presses Univ. de France 1997, S. 92.

5 F. de Michele: Phänomene einer Rezeption: Luigi Pirandello zwischen Intertextualität undIntermedialität, Berlin : Weidler2015, S. 9.

6 Vgl. im Folgenden M. Gröne, F. Reiser: Französische Literaturwissenschaft: Eine Einführung. Tübingen: Narr 320 1 2, S. 30.

7 Begriff nach Gérard Genette vgl. A. Retsch: Paratext und Textanfang. Würzburg: Königshausen & Neumann 2000, S. 13ff.

8 Untergattungen sind u.a. Farce, Tragikomödie, Tragödie, Komödie, drame bourgeois (18. Jhd.), drame romantique (19. Jhd.), drame (= Bühnenwerke seit Beginn des 20. Jahrhunderts, wird i.d.R. entsprechend dem Thema oder der philosophischen/literarischen Ausrichtung spezifiziert, z.B. drame existentialiste/surréaliste..)

9 Vgl. imFolgendenhttp://www.theaterkapelle.de/klassisches-drama/ (Zugriff: 11.3.2020), GrönefReiser/Literaturwissenschaft, S. 110-114 sowie R., Jean-Jacques: Introduction aux grandes théories du théâtre. Paris: Bordas 1990.

10 Kurzfassung der tragischen Familiengeschichte: Der Vater drängt seine Ehefrau in die Beziehung zu einem anderen Mann, da er angeblich ihrem Glück im Wege stünde. Während der gemeinsame Sohn beim Vater blieb, gründete die Mutter eine neue Familie, aus der zwei Töchter und ein Sohn hervorgingen. Nach dem Tod des zweiten Mannes geriet sie in finanzielle Not und sah sich gezwungen, in die Stadt umzuziehen, in der ihr erster Mann immer noch wohnte. Sie fand Arbeit bei der vermeintlichen Damenschneiderin Madame Pace, die inkognito ein Bordell betrieb und die ältere Tochter der Mutter zur Prostitution zwang. Beinahe kam es zu einer quasi inzestuösen Handlung, als der Vater, der als Freier in das Bordell kam, unwissentlich auf seine Stieftochter traf. Im letzten Moment fuhr die Mutter mit einem Aufschrei dazwischen. Alle Beteiligten sind traumatisiert: Der Vater wird von seinem Gewissen geplagt, die Stieftochter provoziert die von ihr verachteten Männer, die Mutter zerbricht an der Last des Schicksals, die jüngere Stieftochter ertrinkt in einem Teich und der Stiefsohn erschießt sich kurz darauf (die beiden letzteren sind stumm).

11 Vgl. SechsPersonen, S. 30.

12 Vgl. u.a. Einführung (Sechs Personen, S. 35), Auftritt Madame Pace (S. 64 ), zentrale Szene: Schauspieler spielen die Geschichte der Personen nach (S. 701).

13 Vgl. Sechs Personen, S.31; das Phänomen der Intertextualität gewinnt in der modernen Literaturwissenschaft zunehmend an Bedeutung. Ein Text steht immer mit zuvor vorhandenen literarischen Werken in Verbindung.

14 Sechs Personen, S. 49.

15 Ebenda, S. 74.

16 Ebenda, S. 92.

17 E. Fischer-Lichte: Geschichte desDramas. 'Von derAntike biszur deutschen Klassik. Tübingen : Francke 320 1 0, S. 3-7.

18 Vgl. Fischer-Lichte/GescÂ/'cÂfe desDramas, S. 3.

19 Vgl. Ebenda, S. 4.

20 Vgl. E. Fischer-Lichte: Geschichte des Dramas 2. 'Von der Romantik bis zur Gegenwart. Tübingen: Francke 320 1 0, S. 207.

21 Vgl. im Folgenden Fischer-Lichte/Geschichte des Dramas, S. 5f.

22 Identität ist vielfach definiert worden, hier ein Ausschnitt der Fachliteratur: Vgl. De Levita, David J.: Der Begriff der Identität. Frankfurt: Suhrkamp 1976, Henrich, Dieter: „Identität — Begriffe, Probleme, Grenzen“, in: Marquard, O./ Stierle, K. (Hg.): Identität, München: Fink 1979, S. 133-186, Krappmann, L.: Soziologische Dimensionenderldentität. Stuttgart: Klett 1969 sowie Taylor, C.: Quellen des Selbst: Die Entstehung der neuzeitlichen Identität. Frankfurt: Suhrkamp 1996.

23 Fischer-LichtdGeschichte desDramas, S. 7f.

24 Ebenda

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Neukonzeption von Identität und Drama in Pirandello. Sechs Personen suchen einen Autor
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V984218
ISBN (eBook)
9783346358370
ISBN (Buch)
9783346358387
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neukonzeption, identität, drama, pirandello, sechs, personen, autor
Arbeit zitieren
Lisa Dambeck (Autor), 2020, Neukonzeption von Identität und Drama in Pirandello. Sechs Personen suchen einen Autor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/984218

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