Glück aus wissenschaftlicher Perspektive. Glücksfaktoren und deren Bedeutung für eine politische Leitlinie am Beispiel Bhutan


Forschungsarbeit, 2020

17 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist Glück?

3. Messbarkeit von Glück

4. Was macht Menschen glücklich?
4.1 Genetische und Persönlichkeitsbezogene Faktoren
4.2 Soziale und Soziodemographische Faktoren
4.3 Kultur, Religion und Werte
4.4 Wirtschaftliche Faktoren

5. Glück statt Wachstum am Beispiel Bhutan

6. Glück als politischer Auftrag?

7. Fazit/Ausblick

8. Abbildungsverzeichnis

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Für viele ist es selbstverständlich, dass Krieg, Hungersnot, Armut oder Tod als „Glückskiller“ zu verstehen sind. Dennoch gibt es auch in Ländern mit ausreichend Sicherheit, Wirtschaftswachstum und Gesundheitsversorgung Menschen die unglücklich sind. Das Interesse der Glücksforschung widmet sich somit auch diesem Teil der Welt und der Frage danach was, über diese Extrembeispiele hinaus, das Glück eines Menschen beeinflusst.

„How to gain, how to keep, how to recover happiness is in fact for most men at all times the secret motive for all they do.” (William James, 1902, zitiert nach Ruckriegel 2016, S. 4)

Mit diesem Zitat wird sehr passend beschrieben, warum das Interesse an der Glücksforschung so groß ist. Glück ist der Sinn bzw. das Ziel vieler Verhaltensweisen des Menschen. Aus diesem Grund ist die Glücksforschung auf dem Vormarsch. Sie hat inzwischen eine eigene Datenbank (World Database of Happiness), eine eigene Zeitschrift (Journal of Happiness Studies) und jährlich erscheinende Berichte über internationales und nationales Glücksempfinden. In Deutschland ist es zum Beispiel der „Deutsche Post Glücksatlas“ und auf internationaler Ebene der „World Happiness Report“.

Diese Arbeit soll einen Einblick in Ergebnisse der Glücksforschung bieten. Zunächst wird ein Ansatz zur Definition des Glücks dargestellt. Im Anschluss wird vorgestellt, wie das Glück von Individuen in der Forschung erhoben wird, welche die gängigste Methode ist und was dabei zu beachten ist. Die biologischen, soziodemographischen, kulturellen und wirtschaftlichen Faktoren, welche das Glück eines Menschen beeinflussen, werden im folgenden Kapitel vorgestellt. Die beiden letzten Kapitel befassen sich mit dem Ansatz einer glücksorientierten Politik. Hierzu wird zunächst als Beispiel das „Bruttonationalglück“ in Bhutan und dessen positive und negative Effekte besprochen. Es erfolgt zudem eine kritische Würdigung des Konzepts einer Politik im Sinne der Glücksmaximierung und eine Beschreibung des politischen Nutzens der Glücksforschung.

2. Was ist Glück?

Zu Erklärung des Glücks gibt es unterschiedlichste Ansätze. Die Philosophie als Wissenschaft beschäftigt sich schon am längsten mit dem Glück des Menschen und wie er es finden kann. Aus dieser Sicht unterscheidet Wilhelm Schmid drei Glücksformen (vgl. Schmid 2007, S. 7–28):

- Das Zufallsglück, welches die positive Entwicklung einer Situation beschreibt die für uns nicht beeinflussbar ist
- Das Wohlfühlglück, welches das klassischste Verständnis von Glück beinhaltet: Gute Laune, positive Gedanke, Wohlbefinden
- Das Glück der Fülle, welches alle Höhen und Tiefen des Lebens umfasst

In der empirischen Erforschung des Glücks wird jedoch vor allem der Begriff „subjektives Wohlbefinden“ verwendet. Dies stellt einen Ausdruck dar, der die beste Möglichkeit bietet Gefühlslagen und Lebensumstände im Gesamten zu beschreiben (vgl. Helliwell et al. 2012, S. 11). „Subjektiv“ vor allem deshalb, weil es Situationen geben kann, in der die eine Person sehr glücklich ist, während es für andere kaum vorstellbar ist in jener gleichen Situation Positives zu empfinden (vgl. Bucher 2009, S. 3).

Das subjektive Wohlbefinden kann laut Ruckriegel unterteilt werden in das „emotionale“ und das „kognitive“ Wohlbefinden. Mit emotionalem Wohlbefinden ist das „Verhältnis zwischen positiven und negativen Gefühlen im Tagesdurchschnitt“ (Ruckriegel 2016, S. 3) und somit die momentane Gefühlslage gemeint. Das kognitive Wohlbefinden beschreibt hingegen den Grad der allgemeinen Zufriedenheit, die eine Person mit dem Leben hat. Somit geht es darum wie Menschen bestimmte Aspekte ihres Lebens gegeneinander abwägen und daran die Zufriedenheit mit ihrem Leben bewerten. Mit dem „subjektiven Wohlbefinden“ werden also die philosophischen Ansätze des Wohlfühlglücks und des Glücks der Fülle zusammengefasst. Emotionales und kognitives Wohlbefinden stehen in einer interdependenten Beziehung zu einander (vgl. Ruckriegel 2016, S. 3). Eine glückliche Person empfindet einfacher positive Gefühle und weniger negative Gefühle, verfolgt Ziele mit persönlicher Bedeutung und sieht aus diesem Grund eine Sinnhaftigkeit in ihrem Leben.

Es sei erwähnt, dass der Begriff des subjektiven Wohlbefindens zwar am häufigsten verwendet wird, in der Forschung allerdings noch keine allumfassende Bestätigung erlangt hat. Da sich jedoch gezeigt hat, dass Begriffe wie Lebenszufriedenheit, Wohlbefinden und Glück stets ähnliche Ausprägungen und Zuschreibungen von Befragten bekommen, werden in dieser Arbeit die Begriffe synonym verwendet (vgl. Bucher 2009, S. 10).

3. Messbarkeit von Glück

In der Erforschung des subjektiven Wohlbefindens gilt das Messen durch Selbsteinschätzung als die anerkannteste Methode. „Individuen [können] selbst am besten beurteilen […], ob sie glücklich oder unglücklich sind, ob sie die Qualität ihres Lebens als vorteilhaft einschätzen oder nicht“ (Frey und Steiner 2012, S. 11). Es wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch selbst am besten weiß, wie glücklich oder unglücklich er ist. Da in Interviews die Befragten durch Reaktionen der Interviewenden beeinflusst werden können bzw. die Wahrscheinlichkeit für sozial wünschenswerte Antworten steigt, sollte die Befragung im besten Fall von geschulten Personen, die ausreichend Kenntnisse über Körpersprache haben, durchgeführt werden. Vor allem bei größeren Stichproben gestaltet sich jedoch die persönliche Befragung zunehmend schwieriger. Häufig wird aufgrund dieser Problematiken auf Fragebögen zurückgegriffen (vgl. Bucher 2009, S. 19f). Vorteilhaft ist es dabei außerdem, dass das Verhältnis von Aufwand und Ertrag sehr günstig ist.

Andere Messmöglichkeiten wären die

- Erlebnis-Stichproben-Methode, die Informationen zu tatsächlichen Erfahrungen in der natürlichen Umgebung sammelt,
- die Methode der Tagesrekonstruktion, bei der Menschen unterschiedliche Momente ihre Zufriedenheit in unterschiedlichen Situationen über den Tag beschreiben und
- das Brain Imaging, bei dem Gehirnaktivitäten zu positiven oder negativen Affekten überprüft werden (vgl. Frey und Steiner 2012, S. 14).

Die zentrale Frage bei der empirischen Glücksforschung ist: „How happy are you with your life as a whole these days?” (Helliwell et al. 2012, S. 12). Es besteht natürlich die Möglichkeit Glück nur an dieser Frage zu messen um schnelle vergleichbare Werte zu erlangen. Allerdings wird damit die vermutlich spannendere Frage verfehlt, nämlich von welchen Bedingungen Glück abhängt, weshalb meist noch andere Lebensumstände abgefragt werden. Um Verzerrungen aufgrund von Persönlichkeit oder Wert- und Normvorstellungen unterschiedlicher Personen zu vermeiden handelt es sich, in den meisten Fällen, um Längsschnittstudien in denen immer die gleichen Personen befragt werden (vgl. Layard et al. 2012, S. 60).

Auf internationalem Gebiet bietet vor allem der Gallup World Poll oder der World Values Survey die größte Datensammlung über das subjektive Wohlbefinden der Menschen. In diesem wird das subjektive Wohlbefinden auf einer Skala von 0 (absolut unglücklich) bis 10 (extrem glücklich) gemessen (vgl. Helliwell et al. 2019, S. 12). Im nationalen Bereich ist das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) vor allem verantwortlich für Befragungen hinsichtlich der allgemeinen Lebenszufriedenheit. Diese Daten ergänzt Bernd Raffelhüschen jedes Jahr mit eigenen Befragungen und publiziert diese im Rahmen des „Deutsche Post Glücksatlas“1.

4. Was macht Menschen glücklich?

[...]


1 Kritisch zu betrachten ist hierbei, dass Raffelhüschen scheinbar seine eigenen, für das aktuelle Jahr erfassten Werte, mit zwei Jahre alten Werten des SOEP mischt, da diese nicht aktueller veröffentlicht werden (vgl. Raffelhüschen und Schlinkert 2016, S. 27)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Glück aus wissenschaftlicher Perspektive. Glücksfaktoren und deren Bedeutung für eine politische Leitlinie am Beispiel Bhutan
Hochschule
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg
Autor
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V984909
ISBN (eBook)
9783346343451
ISBN (Buch)
9783346343468
Sprache
Deutsch
Schlagworte
glück, perspektive, glücksfaktoren, bedeutung, leitlinie, beispiel, bhutan, glücksforschung, Sozialwissenschaften, Glücksatlas, Positive Psychologie, Politik, Zufriedenheit, Happiness, Happiness Studies, Zufriedenheitsforschung
Arbeit zitieren
Niklas Mahncke (Autor), 2020, Glück aus wissenschaftlicher Perspektive. Glücksfaktoren und deren Bedeutung für eine politische Leitlinie am Beispiel Bhutan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/984909

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