Diese Arbeit befasst sich mit der Problematik der mangelnden Adhärenz in der Physiotherapie. Ziel der Arbeit ist es zu beurteilen, ob und wie Physiotherapie-Apps die Adhärenz und den Prozess der Verhaltensänderung fördern. Hierfür wird anhand drei ausgewählter Apps beispielhaft analysiert, ob sich diese ähnlichen Kriterien, wie denen aus dem HAPA-Modell, zunutze machen, um Einfluss auf die Verhaltensänderung zu nehmen.
Inwieweit können Physiotherapie-Apps zur Förderung der Adhärenz und Verhaltensänderung beitragen? Für die Beantwortung dieser Frage erfolgt eine Literatur- und Dokumentenanalyse, um ausgewählte Apps auf der Grundlage eines Gesundheitsverhaltensmodells (HAPA) zu analysieren und vergleichen. Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass Physiotherapie-Apps einen Beitrag zur Verhaltensänderung leisten können, indem die App-Funktionen darauf ausgelegt werden, bestimmte Modellkomponenten zu unterstützen und den Prozess zu fördern. Die drei ausgewählten Apps ermöglichen auf diese Weise bereits die Unterstützung der Intentionsbildung, Aufrechterhaltung und Wiederherstellung.
Eine physiotherapeutische Behandlung sollte nicht nur von dem Handeln der TherapeutInnen geprägt sein, sondern vielmehr einen Eigenanteil seitens PatientInnen beinhalten. Spätestens, wenn TherapeutInnen aktive Übungen ausführen lassen, die PatientInnen eigenständig zu Hause durchführen oder in deren Alltag integrieren sollen, werden sie mitverantwortlich am Therapieerfolg und damit ihrer Genesung. Jedoch lässt sich beobachten, dass nur wenige Patientinnen selbstständig aktiv werden und bleiben. Es mangelt an Therapieeinsicht und kooperativen Verhalten, was für eine therapeutische Zusammenarbeit notwendig wäre.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Thematik und Interesse
1.2. Relevanz und Problemstellung
1.3. Aufbau und Ausblick
2. Theoretische und wissenschaftliche Grundlagen
2.1. Adhärenz
2.1.1. Grundlagen
2.1.2. Forschungsstand
2.2. Smartphone Apps im Gesundheitswesen
2.2.1. Grundlagen
2.2.2. Forschungsstand
2.3. HAPA Modell
2.3.1. Grundlagen
2.3.2. Forschungsstand im Gesundheitswesen
3. Forschungsfrage
4. Methodik
4.1. Recherche
4.2. Modellauswahl
4.3. App-Auswahl
4.4. HAPA Variablen als Bewertungskriterien
4.5. Übertragung des Modells auf die Apps
4.6. Ergebnisse
5. Zusammenfassung und Diskussion
5.1. Interpretation
5.2. Kritik und Ausblick
5.3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es zu beurteilen, ob und wie Physiotherapie-Apps die Adhärenz und den Prozess der Verhaltensänderung fördern können, wobei das HAPA-Modell als theoretische Grundlage zur Analyse und zum Vergleich ausgewählter Apps herangezogen wird.
- Analyse der Relevanz von Adhärenz in der Physiotherapie
- Grundlagen und Stand der Forschung zu Smartphone-Apps im Gesundheitswesen
- Erläuterung des sozial-kognitiven HAPA-Modells
- Methodische Übertragung und Bewertung von App-Funktionen anhand des HAPA-Modells
- Diskussion des Potenzials mobiler Anwendungen für den Therapiealltag
Auszug aus dem Buch
1.2. Relevanz und Problemstellung
Die mangelnde Adhärenz von Patient_innen stellt ein großes Problem in der Physiotherapie, unabhängig vom Krankheitsbild, dar (Grossklaus et al., 2014, S.58; Schwarzer, 2004, S.141). Die Zahlen der verschiedenen Studien schwanken, aber insgesamt wird fast überall von mindestens 50% nicht adhärenten Paitent_innen gesprochen (Bassett, 2015, S.105; Clark & Bassett, 2014, S.527; Messner, 2011, S.3). Die Folge der fehlenden Adhärenz ist weitführend: Sobald Patient_innen sich nach der Therapie wieder in gewohntem Umfeld befinden, geraten die Übungen, aufgrund fehlender persönlicher Relevanz, in Vergessenheit und werden nicht in den Alltag übertragen (Sluijs & Knibbe, 1991, o.S., zitiert nach Bassett, 2015, S. 105). Damit einhergehend, kann der Therapieerfolg rückläufig werden, die Zuversicht auf Besserung nimmt ab und stößt einen Teufelskreis an, der aus Demotivation, Unverständnis und Zweifel an der Therapie bestehen kann. Dieses Versorgungsproblem ist sowohl für die Patientenzufriedenheit, als auch für die Berufsanerkennung gefährdend.
Die Förderung der Motivation und Bereitschaft zur Fortführung der Therapiemaßnahmen könnte dem entgegen wirken. Regelmäßige Aktivität erzielt einen hohen Effekt für Gesundheit und Prävention (Renneberg & Hammelstein, 2006, S. 208 f). So können nicht nur bestehende Probleme langfristig beseitigt, sondern auch das Risiko für und die Auswirkungen von Erkrankungen vermindert werden. Im Zuge der stetig älter werdenden Bevölkerung ist die Fortführung und Regelmäßigkeit als Prävention von altersbedingten Beschwerden besonders wichtig (Dean, 2009, S. 343). Außerdem könnten damit Kosten, bspw. für Gesundheitsversorgungen von Folgeschäden und chronischen Erkrankungen erheblich gemindert werden (Albrecht, 2016, S.106 f; Messner, 2011, S.2-3; Schäfer, 2017, S.22).
Besonders in der ambulanten Physiotherapie ist die Relevanz von Heimübungen enorm. Geht man davon aus, dass Patient_innen 1-2 mal Physiotherapie in der Woche haben, stehen dem immer noch 5-6 physiotherapiefreie Tage gegenüber, in denen Patient_innen auf sich gestellt sind (Grossklaus et al., 2014, S.58; Messner, 2011, S.4). Zudem muss darauf hingewiesen werden, dass eine Verordnung oftmals nicht ausreicht und große Therapiepausen entstehen (Messner, 2011, S.4-5).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit beleuchtet die Problematik der mangelnden Adhärenz in der Physiotherapie und untersucht, inwiefern Smartphone-Apps dazu beitragen können, dieses Defizit zu beheben.
2. Theoretische und wissenschaftliche Grundlagen: Es werden die zentralen Begrifflichkeiten rund um Adhärenz, Smartphone-Apps im Gesundheitswesen und das sozial-kognitive HAPA-Modell fundiert dargelegt.
3. Forschungsfrage: Basierend auf dem theoretischen Teil wird die Fragestellung konkretisiert, um den Beitrag von Physiotherapie-Apps zur Förderung der Adhärenz zu untersuchen.
4. Methodik: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen, von der Literatursuche über die Auswahl der Apps bis hin zur Bewertung deren Funktionen anhand der HAPA-Modellkriterien.
5. Zusammenfassung und Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert und kritisch reflektiert, um daraus Schlussfolgerungen für die Praxis und zukünftige Forschung zu ziehen.
Schlüsselwörter
Adhärenz, Physiotherapie, HAPA-Modell, Smartphone-Apps, mHealth, Gesundheitsverhalten, Verhaltensänderung, Compliance, Heimübungen, Selbstwirksamkeit, Motivation, Volition, Patientenautonomie, Gesundheitsförderung, Patientenbindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik unzureichender Adhärenz in der Physiotherapie und untersucht das Potenzial von Physiotherapie-Apps zur Unterstützung des Gesundheitsverhaltens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verbindet die Disziplinen Physiotherapie und Gesundheitspsychologie, wobei der Fokus auf Adhärenz, digitaler Gesundheitsförderung (mHealth) und dem HAPA-Modell liegt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, inwiefern Physiotherapie-Apps zur Förderung der Adhärenz und zur Unterstützung der Verhaltensänderung im Sinne des HAPA-Modells beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Dokumentenanalyse sowie einer systematischen Recherche und anschließenden Bewertung ausgewählter Physiotherapie-Apps anhand von HAPA-Kriterien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Aufarbeitung des HAPA-Modells und der Smartphone-App-Thematik, gefolgt von der methodischen Auswahl und Analyse von drei spezifischen Apps (GPEP, Healure, Physio Vital).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Adhärenz, Physiotherapie, HAPA-Modell, mHealth, Verhaltensänderung, Selbstwirksamkeit und Motivation.
Warum wurde das HAPA-Modell als Analysewerkzeug gewählt?
Das HAPA-Modell dient als theoretisches Gerüst, da es den Prozess der Verhaltensänderung differenziert in motivationale und volitionalen Phasen unterteilt und somit gut geeignet ist, um App-Funktionen auf ihre Wirksamkeit hin zu bewerten.
Welche Apps wurden konkret untersucht?
Die Analyse fokussiert sich auf die drei Anwendungen GPEP, Healure und Physio Vital, welche nach spezifischen Auswahlkriterien identifiziert wurden.
Was ist ein zentrales Ergebnis der Untersuchung?
Die Untersuchung zeigt, dass die Apps zwar wichtige Komponenten zur Intentionsbildung und Aufrechterhaltung der Motivation bedienen, jedoch oft Defizite bei der Förderung von Coping-Plänen und sozialer Unterstützung aufweisen.
Welches Fazit zieht die Autorin?
Physiotherapie-Apps bieten ein großes, bisher jedoch nur unzureichend genutztes Potenzial, um die Adhärenz zu fördern, sofern sie die theoretisch fundierten Komponenten des HAPA-Modells in ihrer Gestaltung konsequenter umsetzen.
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- Charleen Wirt (Author), 2019, Förderung der Adhärenz durch Physiotherapie-Apps. Analyse anhand des HAPA-Modells, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/984948