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Zwischen Endlichkeit und Übergangsraum. Konzepte der religiösen Illusion in der Psychoanalyse

Titre: Zwischen Endlichkeit und Übergangsraum. Konzepte der religiösen Illusion in der Psychoanalyse

Dossier / Travail , 2020 , 25 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Michael Rauch (Auteur)

Psychologie - Psychologie de la religion
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Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, das psychoanalytische Verständnis der Religion Sigmund Freuds und Donald W. Winnicotts vorzustellen. Besonders geht es um die Frage, welche Rolle die Autoren der Illusion zukommen lassen. Die Konzeptionen unterscheiden sich wohl nicht zuletzt wegen ihrer unterschiedlichen Entstehungszeit grundsätzlich voneinander. Freuds zentrale Religionsschrift "Die Zukunft einer Illusion" (GW XIV, 1927) erschien vier Jahre nach dem Ausbruch seiner Krebserkrankung, welche ihn vermutlich für die Themen der Religion wie Endlichkeit und Trost sensibilisierte. Die Ansichten Winnicotts zur Religion sind nicht in einer einzigen Schrift zusammengefasst, deren Entstehungsgeschichte zeigt allerdings zeitliche sowie inhaltliche Nähe zum aufkommenden Humanismus in der Psychologie der 50er und 60er Jahre.

Beide Positionen verbindet die Ansicht, dass die Religion grundsätzlich eine Illusion sei. Der Umgang mit ihr und ihr Stellenwert ist jedoch bei den beiden Autoren zutiefst verschieden. Es ergeben sich zwei gegensätzliche Ansichten: Einerseits die Illusion der Religion als Teil eines wunscherfüllenden falschen Bewusstseins. In dieser Position Freuds schwingt die Frage nach Wahrheit und Falschheit religiöser Inhalte mit. Andererseits die Position Winnicotts, der die Illusion religiöser Erlebnisse auf dieselbe Stufe stellt, die er der Illusion der Kunst und den damit einhergehenden Genussmöglichkeiten zuordnet. Während Freud die Religion zu überwinden und durch die Wissenschaft als Glaubenssystem zu ersetzen versucht, stößt er bei vielen Anti-Säkularisten in den Reihen der Psychoanalytiker auf Protest.

Die Argumentation und Leseart Joel Whitebooks (2014) der Schrift "Die Zukunft einer Illusion" rekonstruiert einen wichtigen Kern des Freud'schen Projekts Psychoanalyse: Dachte man lange, die besagte Schrift hätte kaum einen neuen nennenswerten Gehalt für die psychoanalytische Arbeit, so rekonstruiert Whitebook den Kampf gegen die Magie und die Allmacht der Gedanken nicht nur als einen Gehalt der Freud'schen Religionskritik sondern der Psychoanalyse im Allgemeinen. Dies steht scheinbar unvereinbar der Theorie Winnicotts gegenüber, der den privaten Illusionen gar einen eigenen Raum zur Entlastung des Individuums zugesteht. Dieser Sachverhalt und die Frage nach dem Wahrheitsanspruch der Psychoanalyse am Beispiel der Religion sollen am Ende dieser Arbeit diskutiert werden.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Freud: Die Religion als Illusion – über das Verhältnis von Religion, Subjekt und Kultur

2.1 Ananke, Hilflosigkeit, Endlichkeit: Was ist hier reif?

2.2 Wissenschaft vs. Religion

3 Winnicott: Religion weder subjektiv noch objektiv?

3.1 Übergangsobjekte und Übergangsphänomene

3.2 Lebenslanges Spielen: Ein Übergangsraum

3.3 Ursprünge der Kultur: Religion im Übergangsraum

Diskussion: Anspruch auf Wahrheit? Über den Umgang mit der (religiösen) Illusion.

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das psychoanalytische Verständnis von Religion durch einen komparativen Blick auf die Werke von Sigmund Freud und Donald W. Winnicott. Das primäre Ziel besteht darin, die unterschiedlichen Rollen zu analysieren, die die beiden Autoren der Illusion zuweisen, und zu erörtern, wie das Subjekt mit den Anforderungen der Realität und der eigenen Endlichkeit umgeht.

  • Psychoanalytische Religionskritik nach Sigmund Freud
  • Die Konzeption des Übergangsraums und des Übergangsobjekts bei Winnicott
  • Das Spannungsfeld zwischen Illusion, Wunscherfüllung und Realitätsanerkennung
  • Entwicklungspsychologische Aspekte von Reife und Kreativität

Auszug aus dem Buch

3.1 Übergangsobjekte und Übergangsphänomene

Das Kind kommt nicht mit der Fähigkeit auf die Welt, zwischen sich – dem Subjekt – und Objekten in der Welt bzw. der Außenwelt im Allgemeinen unterscheiden zu können. Mit dem Begriff des primären Narzissmus beschreibt Freud den Zustand des Kindes, in dem es sich selbst zum Liebesobjekt nimmt bevor es äußere Objekte wählt. Der Begriff wird verschiedenartig gebraucht und in Teilen sogar abgelehnt, jedoch besteht ein Konsens in seiner Bedeutung: „Ob man den Begriff akzeptiert, oder ablehnt, immer wird durch ihn ein Zustand bezeichnet, ohne Spaltung zwischen Subjekt und einer Außenwelt“ (Laplanche & Pontalis, 1973, S.322). Es gehört also zur menschlichen Entwicklung, die Trennung von Innen und Außen erst auszubilden, genauer noch, die reale Welt als solche anzuerkennen. Wie könnte man diesen Entwicklungsschritt zur Differenzierung zwischen Innen und Außen konzeptualisieren?

Bei Winnicott befindet sich der Säugling anfangs in einem illusionären Zustand der Omnipotenz, ein primärer Zustand, der dem Glauben an die Allmacht des eigenen Gedankens entspricht (Winnicott, 1969). Zu Anfang bietet die Mutter dem Kind mit ihrer beinahe vollkommenen Anpassung die Möglichkeit, diese Omnipotenzillusion zu entwickeln, bzw. die Illusion, dass die versorgende Brust zum Selbst des Kindes natürlicherweise dazugehöre.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Diese Einleitung stellt die psychoanalytische Perspektive auf Religion von Freud und Winnicott gegenüber und definiert die zentrale Fragestellung zur Rolle der Illusion.

2 Freud: Die Religion als Illusion – über das Verhältnis von Religion, Subjekt und Kultur: Freud wird als Religionskritiker dargestellt, der Religion als unreife psychische Funktion zur Wunscherfüllung und zum Umgang mit der Endlichkeit deutet.

2.1 Ananke, Hilflosigkeit, Endlichkeit: Was ist hier reif?: Dieses Unterkapitel beleuchtet Freuds Konzept der menschlichen Hilflosigkeit und die Notwendigkeit, sich der Realität und der Ananke zu stellen.

2.2 Wissenschaft vs. Religion: Hier wird Freuds Ideal der Wissenschaft als rationale Alternative zur religiösen Illusion erörtert, welche langfristig zur Reifung des Individuums beitragen soll.

3 Winnicott: Religion weder subjektiv noch objektiv?: Winnicott bietet eine positive Lesart der Illusion als essenziellen Bestandteil einer gesunden Entwicklung und kreativen Lebensführung an.

3.1 Übergangsobjekte und Übergangsphänomene: Das Kapitel erklärt die Bedeutung der frühen Mutter-Kind-Interaktion und der Übergangsobjekte für die spätere Fähigkeit zur Realitätsprüfung.

3.2 Lebenslanges Spielen: Ein Übergangsraum: Hier wird der von Winnicott geprägte „Übergangsraum“ als Rückzugsort beschrieben, der Kreativität und die Vermittlung zwischen Innenwelt und Außenwelt ermöglicht.

3.3 Ursprünge der Kultur: Religion im Übergangsraum: Das Kapitel zeigt auf, wie kulturelles und religiöses Erleben als Teil des schöpferischen Spannungsbereichs zwischen Individuum und Umwelt verstanden werden kann.

Diskussion: Anspruch auf Wahrheit? Über den Umgang mit der (religiösen) Illusion.: Abschließend werden die Positionen Freuds und Winnicotts zusammengeführt, um zu klären, ob der Umgang mit der Illusion eine rein rationale Entscheidung oder eine notwendige psychische Verankerung darstellt.

Schlüsselwörter

Psychoanalyse, Sigmund Freud, Donald W. Winnicott, Religion, Illusion, Übergangsobjekt, Übergangsraum, Hilflosigkeit, Endlichkeit, Ananke, Kreativität, Realitätsprinzip, Omnipotenz, Kultur, Symbolbildung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit vergleicht die psychoanalytischen Sichtweisen von Sigmund Freud und Donald W. Winnicott auf das Phänomen der Religion und dessen Einordnung in das menschliche Leben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der Stellenwert der Illusion, die Entwicklung der menschlichen Reife, der Umgang mit der eigenen Endlichkeit sowie die Bedeutung kultureller und religiöser Praxis.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Freud und Winnicott die Rolle der Illusion bewerten und ob diese als notwendiger Bestandteil menschlichen Daseins oder als unreifer Rückzug aus der Realität verstanden wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, basierend auf der Rekonstruktion und dem kritischen Vergleich psychoanalytischer Primärtexte und relevanter Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Freuds Religionskritik (Religion als Illusion) und Winnicotts Theorie der Übergangsphänomene (Religion als Teil des Übergangsraums) detailliert analysiert und gegenübergestellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Psychoanalyse, Illusion, Übergangsraum, Ananke, Realitätsprüfung und Kreativität charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Illusion bei Freud und Winnicott?

Freud bewertet Illusionen negativ als wunscherfüllende Fehlleistung, während Winnicott sie als positive, notwendige Zwischenbereiche sieht, die kreatives Erleben überhaupt erst ermöglichen.

Welche Rolle spielt die Mutter-Kind-Beziehung für Winnicotts Konzept?

Die frühe Anpassung der Mutter ermöglicht es dem Kind, eine Omnipotenzillusion zu entwickeln, deren schrittweise Auflösung durch Desillusionierung die Grundlage für die Fähigkeit zur späteren Realitätswahrnehmung bildet.

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Résumé des informations

Titre
Zwischen Endlichkeit und Übergangsraum. Konzepte der religiösen Illusion in der Psychoanalyse
Université
International Psychoanalytic University
Note
1,0
Auteur
Michael Rauch (Auteur)
Année de publication
2020
Pages
25
N° de catalogue
V985267
ISBN (ebook)
9783346343321
ISBN (Livre)
9783346343338
Langue
allemand
mots-clé
zwischen endlichkeit übergangsraum konzepte illusion psychoanalyse
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Michael Rauch (Auteur), 2020, Zwischen Endlichkeit und Übergangsraum. Konzepte der religiösen Illusion in der Psychoanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/985267
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Extrait de  25  pages
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