Individualisierung und Betreuung von SchülerInnen im Unterricht. Eine empirische Untersuchung, Gymnasium Klasse 6


Forschungsarbeit, 2019

9 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Ausgangspunkt der Forschung

1. Eckdaten des Forschungsfeldes

2. Identifizierung und Formulierung der Fragestellung

3. Ziele

4. Forschungsmethode

5. Datenerhebung

6. Datenanalyse und -auswertung

7. Reflexion des Forschungsprozesses und Ableitung von Konsequenzen

Literaturverzeichnis

Anhang

Ausgangspunkt der Forschung

Unterricht zeichnet sich durch große Spielräume aus, wie Lehr- und Lernprozesse gestalten werden können. Pädagogische und didaktische Entscheidungen und Handlungen müssen die Einbindung jedes/jeder einzelnen Schülers/Schülerin berücksichtigen. Darüber hinaus sollen die persönlichen Interessen, Fähigkeiten und Stärken jedes/jeder einzelnen Lernenden nicht außer Acht gelassen werden, um den Lernprozess optimal zu gestalten und das Potential des/der Lernenden so gut wie möglich auszuschöpfen. Daher soll pädagogisches Handeln auf einem schüler/innenzentrierten und individuumsbezogenen Lernverständnis basieren. Um einem individualisierten Unterricht gerecht zu werden benötigt es das Miteinbeziehen aller SchülerInnen in das Unterrichtsgeschehen, ausreichend Betreuung und Unterstützung sowie spezifisches Eingehen auf die Bedürfnisse der einzelnen Lernenden.

Im Rahmen der Begleitlehrveranstaltung zur Praxisphase im Masterstudium sollen Individualisierung und die Betreuung von SchülerInnen genauer betrachtet werden. Dazu wurde eine Befragung bezüglich der Wahrnehmung des Unterrichts aus verschiedenen Perspektiven bestimmter Akteure an einem ausgewählten Schulstandort im Mai 2019 durchgeführt.

1. Eckdaten des Forschungsfeldes

Die Untersuchung wurde auf dem Gymnasium in einer 6. Klasse im Unterrichtsfach Spanisch durchgeführt. In dieser 6. Klasse befinden sich 21 SchülerInnen, wobei zum Erhebungszeitpunkt nicht alle anwesend waren. Die SchülerInnen sind, laut Angaben der Mentorin und nach eigenen Beobachtungen, sehr kommunikativ, allerdings sind erhebliche Leistungsunterschiede zwischen den Lernenden auffällig.

2. Identifizierung und Formulierung der Fragestellung

Aus den Unterrichtsbeobachtungen ist eine klare Problemstellung hervorgegangen. Es fiel auf, dass die Betreuungslehrerin im Unterricht oft gewisse SchülerInnen bevorzugt bzw. kommuniziert sie nur mit einigen wenigen; andere werden vernachlässigt und sind kaum ins Unterrichtsgeschehen aktiv eingebunden. Weiters fiel im Zuge der Beobachtungen auf: Umso größer die Anzahl der SchülerInnen in der Klasse ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass einzelne SchülerInnen nicht aktiv in den Unterrichts- und Lernprozess miteingebunden werden. Es scheint also herausfordernd zu sein jeden einzelnen Schüler/jede einzelne Schülerin während des Unterrichts zu Wort kommen zu lassen bzw. optimal zu betreuen. Eine Beobachtung einer Unterrichtseinheit im Fach Spanisch in der 6. Klasse AHS verdeutlicht die Situation. Im Vorhinein wurde folgende Fragestellung formuliert: Wie sind die Wortmeldungen der SchülerInnen im Unterricht verteilt? Versucht die Lehrerin alle SchülerInnen zu Wort kommen zu lassen und in den Unterricht aktiv miteinzubinden?

Die Tabelle zeigt die Wortmeldungen der SchülerInnen in jener Unterrichtseinheit, die nachstehende Grafik die Sitzordnung der SchülerInnen während des Unterrichts.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 – Wortmeldungen der SchülerInnen

x..SchülerIn zeigt auf und wird drangenommen

y..SchülerIn zeigt nicht auf, wird aber drangenommen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 – Sitzordnung und Position der Lehrperson während des Unterrichts

L..Lehrperson

S..SchülerIn

leeres Kästchen..freier Platz

Aus der Beobachtung geht hervor, dass von den anwesenden 14 SchülerInnen sieben (SchülerInnen 1, 3, 6, 7, 9, 10 und 14) kein einziges Mal zu Wort gekommen sind. Das bedeutet, dass die Lehrperson diese SchülerInnen kein einziges Mal drangenommen hat. Es lässt sich aber nicht sagen, ob die SchülerInnen zumindest passiv mitgedacht haben und dadurch trotzdem am Unterrichtsgeschehen partizipierten. Man könnte nun behaupten die SchülerInnen wären unwillig gewesen, doch ist es nicht die Aufgabe der Lehrperson sie aktiv in den Unterrichtsprozess miteinzubinden? Weiters geht aus der Tabelle hervor, dass oft dieselben SchülerInnen drangenommen wurden. Zum Teil wurden sie von der Lehrperson zusätzlich aufgefordert, obwohl sie zuvor schon aufzeigten und drangenommen wurden (z.B. SchülerInnen 2 und 5). Daraus lässt sich nun schließen, dass die Lehrperson, zumindest in dieser Unterrichtsstunde, einige SchülerInnen bevorzugte bzw. andere vernachlässigte. Die Sitzordnung kann die unterschiedliche Einbindung der SchülerInnen nicht erklären. Auffällig ist allerdings, dass SchülerInnen 6, 7, 9 und 10 nie zu Wort gekommen sind.

Aus dieser Problemsituation lassen sich folgende Forschungsfragen für den eigenen Unterricht ableiten:

1. Wird während der selbstgehaltenen Unterrichtsstunde auf alle SchülerInnen gleichermaßen und ausreichend eingegangen? Sind alle SchülerInnen, durch Wortmeldungen etc., in den Unterrichtsprozess aktiv eingebunden?
2. Gibt es SchülerInnen, die sich nicht ausreichend betreut fühlen oder von der Lehrperson vernachlässigt werden?

3. Ziele

Im Zuge der Forschungsarbeit soll herausgefunden werden, ob Individualisierung im Sinne eines schüler/innenorientierten Unterrichts praktiziert wird. Es soll eruiert werden, ob auf die individuellen Bedürfnisse, Fragen und Meinungen Rücksicht genommen wird und ob ein individuelles Eingehen und eine individuelle Betreuung realisiert werden.

Die Analyse und Reflexion der Untersuchungsergebnisse sollen Handlungsräume eröffnen, wie der eigene Unterricht verbessert werden kann, um SchülerInnen eine optimale Betreuung und Förderung zu ermöglichen.

4. Forschungsmethode

Bei der Forschungsarbeit handelt es sich um eine Aktionsforschung. Darunter versteht man „[...] die systematische Untersuchung beruflicher Situationen, die von Lehrerinnen und Lehrern selbst durchgeführt wird, in der Absicht, diese zu verbessern.“ (Elliott 1981, zit. n. Altrichter & Posch 2007: 13) Die Lehrperson ist also einerseits Forschungsgegenstand und andererseits führt sie die Forschung auch durch. Nichtsdestotrotz wird angenommen, dass die Wahrnehmung des Unterrichts subjektiv bzw. die Sicht der Lehrperson eingeschränkt oder von Fehleinschätzungen geprägt ist. Es besteht die Gefahr die eigene Wahrnehmung der Situation als die einzig gültige zu betrachten. Deshalb wurden in den Forschungsprozess nicht nur die eigene Wahrnehmung als Lehrperson, sondern auch die Perspektive der beobachtenden Mentorin und die der SchülerInnen miteinbezogen. Je mehr Perspektiven in die Forschung Eingang finden, desto breiter ist die Informationsbasis. Insbesondere die Wahrnehmung der SchülerInnen ist für einen erfolgreichen diagnostischen Prozess von Vorteil. (vgl. Jansen & Meyer 2013: 14f., vgl. De Boer 2012: 216)

Einerseits sollen die SchülerInnen der 6. Klasse mittels eines Fragebogens (sh. Anhang) am Ende der Unterrichtseinheit befragt werden. Andererseits soll die Rückmeldung der Mentorin über die Unterrichtsstunde eingeholt werden. Schließlich werden die Wahrnehmungen der SchülerInnen mit der der Mentorin und der eigenen Wahrnehmung verglichen.

5. Datenerhebung

Die für die Forschung benötigten Daten wurden mittels standardisierter Fragebögen erhoben bzw. im Zuge des Feedbacks der Mentorin gewonnen. Dementsprechend wurden alle SchülerInnen, die in den beiden Unterrichtseinheiten anwesend waren, befragt sowie die Rückmeldung der Mentorin eingeholt. Der Fragebogen bezieht sich speziell auf die vergangene Unterrichtseinheit und setzt sich aus insgesamt sechs Aussagen und drei Fragen zusammen. Während sich die sechs Aussagen auf die Betreuung und Unterstützung der SchülerInnen beziehen, zielen die drei Fragen auf die Einbindung der SchülerInnen durch die Lehrperson ab. Dies soll anhand der Wortmeldung und der Aufforderung der SchülerInnen durch die Lehrperson eruiert werden.

Die Datenerhebung erfolgte am 03.05.2019. Dabei wurden die anwesenden 18 SchülerInnen befragt. Die statistische Auswertung der Erhebungsdaten der Fragebögen erfolgte mithilfe eines Analyserasters mit dem Programm Excel.

6. Datenanalyse und -auswertung

Da nicht alle Aussagen und Fragestellungen des Fragebogens an dieser Stelle diskutiert werden können, wird auf die aussagekräftigen und für die Beantwortung der Forschungsfragen relevanten Aspekte eingegangen.

Die Hälfte der befragten SchülerInnen stimmt Aussage 2: ‚Ich bin von der Lehrperson ausreichend betreut und unterstützt worden.‘ vollkommen zu; die andere Hälfte gibt bei dieser Aussage ‚trifft zu‘ an. Nur ein/e Schüler/in gab an, dass ich mir für ihn/sie nicht genügend Zeit genommen hätte, als er/sie Hilfe benötigte (‚trifft weniger zu‘, sh. Aussage 4). Drei Lernende meinen außerdem, dass ich auf ihre Kommentare und Fragen nicht ausreichend eingegangen sei (‚trifft weniger zu‘, sh. Aussage 5). Die Aussagen der SchülerInnen decken sich im Allgemeinen mit der Rückmeldung der Mentorin und der eigenen Wahrnehmung. Ich habe versucht alle SchülerInnen gleichermaßen zu unterstützen. Auch die Betreuungslehrerin meinte, dass ich allen SchülerInnen Gehör geschenkt habe und auf ihre Fragen und Kommentare ausreichen eingegangen bin. Allerdings fiel mir selbst nicht auf, dass ich – nach Aussagen der drei SchülerInnen – auf gewisse Fragen möglicherweise nicht genügend eingegangen bin. Überraschenderweise gaben auch fünf SchülerInnen an, dass ich ihnen nicht erklärt hätte, was sie nicht verstanden haben (‚trifft weniger zu‘, sh. Aussage 3). In der Unterrichtseinheit wäre mir nicht aufgefallen, dass noch Fragen offen sind oder Unklarheiten bestehen. Auch der Mentorin fiel diesbezüglich nichts auf und meinte, dass ich die Lerninhalte gut erklärt hätte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Individualisierung und Betreuung von SchülerInnen im Unterricht. Eine empirische Untersuchung, Gymnasium Klasse 6
Hochschule
Universität Wien
Note
1,0
Jahr
2019
Seiten
9
Katalognummer
V985297
ISBN (eBook)
9783346342928
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Individualisierung, Betreuung, Schüler/innenzentrierung, empirische Untersuchung, pädagogisches Handeln, Partizipation
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Individualisierung und Betreuung von SchülerInnen im Unterricht. Eine empirische Untersuchung, Gymnasium Klasse 6, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/985297

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