Diese Arbeit untersucht die Selbstinszenierung und Selbstdarstellung in Abhängigkeit zum Selbstbewusstsein beziehungsweise zur Individualität der beiden Künstler, Dürer und Pramigianino, und wie diese das Selbst und das Verständnis der eigenen Rolle reflektierten. Im Folgenden werden Dürers Selbstporträts beschrieben und ausführlich dargestellt. Die darauffolgende Ausführung des Selbstporträts von Paramigianino soll daran angeknüpft werden und beide Darlegungen als Grundlage für die Analyse der Untersuchung dienen.
Selbstporträts werden unabhängig ihrer Epoche als Ergebnis der intensiven Beschäftigung mit der Frage nach dem Künstler-Ich gedeutet. Sie unterliegen demnach einer biographischen wie auch psychologischen Interpretation. Diese Annahme wird auch oft mit der Thematik des "Selbstbewusstseins des Künstlers" verknüpft, das im Selbstporträt auf spezifische Weise ausgedrückt werden will.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichtliche Etablierung von Selbstporträts und Begriffserklärung
3 Untersuchung der Selbstdarstellung bei den Selbstporträts Albrecht Dürers
3.1 Das Selbstbildnis mit Eryngium (1493)
3.2 Selbstbildnis mit Landschaft (Madrider Selbstbildnis) (1498)
3.3 Selbstbildnis im Pelzrock (Münchner Selbstbildnis) (1500)
4 Untersuchung Parmigianinos Selbstporträt im Konvexspiegel (1524)
4.1 Bedeutung des Spiegels im Kontext der Selbstreflexion bei Parmigianino
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen inszenierter Selbstdarstellung und dem Selbstbewusstsein der Künstler Albrecht Dürer und Parmigianino. Dabei wird analysiert, wie diese Künstler ihre Identität und ihr Selbstverständnis durch spezifische visuelle Strategien und die Reflexion über das eigene Ich in der Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts zum Ausdruck brachten.
- Entwicklung des autonomen Selbstporträts in der Frühen Neuzeit
- Dürers symbolgeladene Selbstbildnisse als Ausdruck künstlerischen Selbstbewusstseins
- Die Rolle der Spiegelreflexion bei Parmigianino
- Vergleich der Inszenierung von Künstleridentität und sozialem Anspruch
- Die Bedeutung von Autorenschaft und Authentifizierung im Bild
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Selbstbildnis mit Eryngium (1493)
Das Selbstbildnis mit Eryngium - auch Pariser Selbstbildnis genannt - von 1493 ist das früheste von Dürer gemalte Selbstporträt, das in Straßburg entstand. (Abb.1). Auffällig ist der „schiefe“ Blick, ein Kennzeichen fast aller Selbstbildnisse von Dürer. Die rechte Pupille ist im äußersten Augenwinkel, während die linke Pupille geradeaus schaut, was damit zu erklären ist, dass sich Dürer von der Seite im Spiegel betrachtete. Das Selbstporträt zeigt den jungen 22-jährigen Dürer mit der Distelpflanze Eryngium in der rechten Hand, was als „Mannstreu“ (oder Männertreu) gedeutet wird und zu Dürers Zeit als Symbol auf die Passion Christi verstanden wurde. Als Verweis auf die Dornenkrone, die das Distelgewächs symbolisiert, lässt es sich in Dürers Hand demnach als „Aufkeimen der Christusnähe“ und Bekenntnis zur Nachfolge Christi verstehen. Eine Inschrift am oberen Bildrand unter der Jahreszahl 1493 lautet: „My sach die gat / als es oben schtat.“ Es kann folgendermaßen mit „Meine Sachen werden von oben bestimmt“ übersetzt werden, was demnach als eine Art Schicksalsergebenheit verstanden werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Künstler-Selbstreflexion und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich Dürers und Parmigianinos Selbstinszenierung.
2 Geschichtliche Etablierung von Selbstporträts und Begriffserklärung: Erläuterung der historischen Entwicklung des autonomen Selbstporträts in der Frühen Neuzeit und Definition des Begriffs der Selbstdarstellung.
3 Untersuchung der Selbstdarstellung bei den Selbstporträts Albrecht Dürers: Detaillierte Analyse der drei autonomen Selbstbildnisse Dürers von 1493, 1498 und 1500 unter dem Aspekt des wachsenden Selbstbewusstseins.
4 Untersuchung Parmigianinos Selbstporträt im Konvexspiegel (1524): Untersuchung von Parmigianinos Selbstporträt unter besonderer Berücksichtigung der spielerischen und verzerrten Spiegelnutzung sowie der Manierismus-Gattung.
5 Fazit: Zusammenfassender Vergleich der Identitätskonstruktionen beider Künstler und ihrer Nutzung der Kunst als Mittel zur gesellschaftlichen und schöpferischen Selbstbehauptung.
Schlüsselwörter
Selbstporträt, Albrecht Dürer, Parmigianino, Selbstbewusstsein, Frühe Neuzeit, Identität, Selbstinszenierung, Manierismus, Konvexspiegel, Autorenschaft, Selbsterkenntnis, Künstlerbild, Kunstgeschichte, Individualität, Darstellung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die künstlerische Selbstdarstellung von Albrecht Dürer und Parmigianino im 15. und 16. Jahrhundert, um deren Selbstverständnis und Reflexionsformen zu ergründen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Entwicklung des autonomen Selbstporträts, das Spannungsfeld zwischen Handwerk und intellektuellem Anspruch sowie die Inszenierung von Individualität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, wie die Künstler ihre Rolle durch gezielte Selbstinszenierung reflektieren und ihr Selbstverständnis als "Künstler-Ich" visuell formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine kunsthistorische Analyse der genannten Gemälde im Kontext zeitgenössischer Quellen und der Porträtforschung der Frühen Neuzeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Beschreibung und Interpretation der wichtigsten Selbstbildnisse Dürers sowie Parmigianinos Selbstporträt im Konvexspiegel.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Selbstporträt, Selbstinszenierung, Identitätsformung, Manierismus und die Bedeutung von Spiegelsymboliken in der Kunstgeschichte.
Wie unterscheidet sich Dürers Ansatz von dem des Parmigianino?
Dürer sucht die Identifikation mit göttlichen oder idealisierten Vorbildern und betont seine Autorenschaft, während Parmigianino durch optische Verzerrung im Konvexspiegel die "virtuose" Inszenierung und den spielerischen Akt des Malens hervorhebt.
Welche Bedeutung kommt der Hand in Parmigianinos Selbstporträt zu?
Die vergrößerte Hand dient bei Parmigianino als Symbol für die intellektuelle Vorbereitung und schöpferische Leistung, die hinter dem fertigen Gemälde steht.
Warum spielt die Inschrift bei Dürers Selbstporträts eine so wichtige Rolle?
Die Inschriften bei Dürer dienen der Kommentierung und Authentifizierung seines Werkes und verdeutlichen sein Bestreben, das "Künstler-Ich" über das reine Handwerk hinaus zu definieren.
Was besagt die Arbeit über das Verhältnis von Schein und Sein in der Porträtmalerei?
Beide Künstler nutzen extreme Fiktionalität, um die Grenze zwischen realem Abbild und der idealisierten künstlerischen Wahrheit zu verwischen, womit sie ihr Bild zu mehr als einer bloßen Realitätsdarstellung machen.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2020, Innere Reflexivität bei Selbstporträts von Dürer und Parmigianino im 15ten und 16ten Jahrhundert. Verhältnis zwischen inszenierter Selbstdarstellung und Selbstbewusstsein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/985333