Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Frühwerk Ernst Stadlers. Anhand des Gedichts Der Zug ins Leben, welches im Jahr 1904 in den Praeludien erschienen ist, sollen folgende Leitfragen beantwortet werden: Woran und an wen orientierte sich der junge Ernst Stadler? Inwiefern übernahm er die zeitgenössisch herrschenden literarischen Konventionen?
Aus dieser Fragestellung ergibt sich die Gliederung der Hausarbeit: Einleitend wird die Zeit der Jahrhundertwende, in welcher Stadlers Frühwerk einzuordnen ist, und die mit ihr einhergehenden literarischen Strömungen vorgestellt. Ein besonderer Fokus wird dabei auf die französische fin de siècle-Bewegung und den Symbolismus gelegt. Anschließend werden Stadlers literarischen Vorbilder aufgeführt, wobei Stefan George und die kennzeichnenden Merkmale seiner Lyrik näher betrachtet werden. Das folgende Kapitel behandelt schließlich den Schwerpunkt der gesamten Hausarbeit, die Analyse des Gedichts Der Zug ins Leben. Von dieser ausgehend wird versucht, das Gedicht und dessen stilistische Gestaltung insbesondere mit Georges Werk zu vergleichen, um mögliche Analogien ausfindig zu machen.
Danach wird in Hinblick auf den inhaltlichen Aspekt des Gedichts die Philosophie Friedrich Nietzsches vorgestellt. Der Schwerpunkt soll dabei die dionysische Weltanschauung sein. Folgend wird noch einmal die vorangegangene Analyse des Gedichts herangezogen, um es vor dem Hintergrund der dargelegten Philosophie inhaltlich zu deuten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Literatur der Jahrhundertwende
2.1 Fin de Siècle
2.2 Symbolismus
3 Ernst Stadler und seine literarischen Einflüsse
3.1 Ernst Stadler und die französische Literatur
3.2 Stefan George
3.2.1 Der Georgekreis
3.2.2 Merkmale der George-Lyrik
4 Analyse des Gedichts Der Zug ins Leben
4.1 Formale Merkmale des Gedichts
4.2 Tropen, Figuren und deren Wirkung
4.3 Vergleich mit den stilistischen Merkmalen des Symbolismus und der George-Lyrik
5 Die Philosophie von Friedrich Nietzsche
5.1 Die dionysische Weltanschauung
5.2 Der Zug ins Leben und die dionysische Weltanschauung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Frühwerk von Ernst Stadler, insbesondere sein Gedicht „Der Zug ins Leben“ aus dem Jahr 1904, unter dem Aspekt der zeitgenössischen literarischen Einflüsse und philosophischen Strömungen. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, inwieweit Stadler zeitgenössische literarische Konventionen übernahm und wie er diese in seinem Werk verarbeitete.
- Die literarische Situation der Jahrhundertwende und ihre prägenden Strömungen.
- Die ästhetischen Prinzipien des Symbolismus und deren Auswirkungen auf die Lyrik.
- Der maßgebliche Einfluss von Stefan George und dessen „Georgekreis“ auf Stadlers Werk.
- Die stilistische Analyse des Gedichts „Der Zug ins Leben“ vor dem Hintergrund symbolistischer Vorbilder.
- Die philosophische Deutung des Werkes im Kontext von Friedrich Nietzsches „dionysischer Weltanschauung“.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Der Georgekreis
Der sogenannte Georgekreis wurde in den 1890er Jahren von Stefan George ins Leben gerufen und verstand sich als exklusive literarische Gruppierung, die den Anspruch hatte, eine neue antinaturalistische Kunst mit künstlerischer und künstlicher Sprache zu schaffen. Im Vordergrund stand dabei die radikale Ästhetisierung der Poesie mit einem absoluten Kunstanspruch. George selbst bekleidete die Position einer großen, charismatischen Künstler-Persönlichkeit, die von seinen Schülern als prophetischer Meister gefeiert wurde. Georges Gedichte wurden ausschließlich als Privatdruck mit einer begrenzten Stückzahl veröffentlicht. Demnach erschien seine erste Gedichtsammlung Hymnen im Jahr 1890 mit einer Anzahl von nur 100 Exemplaren. Daher verbreiteten die Mitglieder des Georgekreises seine Gedichte zum Teil handschriftlich. Auch die dem Kreis zugehörige Zeitschrift Blätter für die Kunst gab es ausschließlich als Privatdruck und war nur Freunden und Gleichgesinnten zugänglich. In dieser wurden neben Gedichten der Mitglieder die Ansichten der ästhetischen Gemeinschaft veröffentlicht. So sollen die Blätter für die Kunst „[...] der dichtung und dem schrifttum dienen, alles staatliche und gesellschaftliche ausscheidend.“ Dies macht den Wirkungskreis der Gruppe, welcher sich gezielt außerhalb der Gesellschaft befand, deutlich. Weiter heißt es: „Sie will die geistige kunst aufgrund der neuen fühlweise und mache – eine kunst für die kunst [...]. In der kunst glauben wir an glänzende wiedergeburt.“ Damit wurde Georges Leitsatz Kunst um der Kunst willen noch einmal programmatisch wiedergegeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung von Ernst Stadler als bedeutende Figur des Expressionismus und Darlegung der zentralen Fragestellung der Arbeit.
2 Die Literatur der Jahrhundertwende: Einordnung der literarischen Epoche sowie Erläuterung der Bewegungen Fin de Siècle und Symbolismus als Abkehr vom Naturalismus.
3 Ernst Stadler und seine literarischen Einflüsse: Analyse der Bedeutung der französischen Literatur für Stadler sowie des prägenden Einflusses von Stefan George und seinem Kreis.
4 Analyse des Gedichts Der Zug ins Leben: Untersuchung des Gedichts hinsichtlich formaler Merkmale, rhetorischer Mittel und stilistischer Parallelen zum Symbolismus.
5 Die Philosophie von Friedrich Nietzsche: Darstellung der dionysischen Weltanschauung und deren Anwendung als Deutungsrahmen für das Gedicht.
6 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfrage bezüglich Stadlers literarischer Orientierung.
Schlüsselwörter
Ernst Stadler, Der Zug ins Leben, Symbolismus, Stefan George, Georgekreis, Jahrhundertwende, Fin de Siècle, Friedrich Nietzsche, dionysische Weltanschauung, Lyrikanalyse, Moderne, Kunst um der Kunst willen, Antinaturalismus, Ästhetisierung, Expressionismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das frühe lyrische Werk von Ernst Stadler mit einem speziellen Fokus auf das Gedicht „Der Zug ins Leben“ und dessen Einbettung in die literarischen Strömungen der Jahrhundertwende.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die literarische Epoche des Fin de Siècle, der Einfluss der französischen symbolistischen Dichtung, die ästhetischen Prinzipien von Stefan George und die philosophische Einordnung durch das Konzept der dionysischen Weltanschauung nach Nietzsche.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Ernst Stadler in seinem Frühwerk zeitgenössische literarische Konventionen aufgriff und inwieweit er sich an Vorbildern wie Stefan George orientierte, um seinen eigenen Stil zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus literaturhistorischer Einordnung, einer detaillierten textimmanenten Analyse des Gedichts sowie einem komparatistischen Vergleich mit den Merkmalen der symbolistischen Lyrik und der Philosophie Nietzsches.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des literarischen Umfelds, eine Untersuchung von Stadlers literarischen Vorbildern, die detaillierte Analyse des Gedichts „Der Zug ins Leben“ sowie eine inhaltliche Deutung auf Basis der dionysischen Philosophie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ernst Stadler, Symbolismus, Stefan George, dionysische Weltanschauung und die Epoche der Jahrhundertwende.
Welche Bedeutung hat Stefan George konkret für Stadlers Gedicht „Der Zug ins Leben“?
Stefan George dient Stadler als maßgebliches stilistisches Vorbild, was sich insbesondere in der Verwendung einer speziellen „Kunstsprache“, der Nominalisierung von Begriffen und der bewussten Abgrenzung von der Alltagssprache durch eine ästhetisierte Interpunktion zeigt.
Wie lässt sich der „dionysische“ Aspekt im Gedicht „Der Zug ins Leben“ interpretieren?
Das Gedicht wird als eine Art „Festzug“ gedeutet, der den dionysischen Rausch und die damit einhergehende Aufhebung der individuellen Grenzen in einer kollektiven Ekstase widerspiegelt, was Stadlers Orientierung an Nietzsches Lebensphilosophie unterstreicht.
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- Anonym (Autor:in), 2017, Ernst Stadler und der Symbolismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/985727