Diese Hausarbeit thematisiert sozialräumliche Exklusionsprozesse am Beispiel der Exklusion obdachloser Menschen im Berliner ÖPNV. Konkret wird dabei untersucht, welche Maßnahmen zur Verdrängung obdachloser Personen aktuell Anwendung finden.
Obdachlosigkeit stellt in Großstädten wie Berlin eine nahezu unübersehbare Problematik dar. Insbesondere in den kalten Wintermonaten entfacht die Präsenz von Obdachlosen im städtischen Raum regelmäßig öffentliche Debatten in Berlin. Je kälter die Nächte sind, desto mehr werden überdachte und windstille öffentliche Plätze als Aufenthalts- und Schlaforte in Anspruch genommen und desto sichtbarer wird das Problem der Obdachlosigkeit für die Gesellschaft. Dazu trägt beispielsweise die Öffnung vereinzelter U-Bahnhöfe (2016/2017 in Berlin: U Schillingstraße und U Südstern) als Not-Schlafplatz bei, die unterschiedliche Reaktionen von Unwohlsein über Mitleid bis hin zu verstärktem Engagement in der Gesellschaft hervorrufen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Begriffsklärung
Wissenschaftlicher Hintergrund
2.1 Einordnung in die politische Geographie
2.2 Gesellschaftliche Wahrnehmung von Obdachlosen
2.3 Formen räumlicher Exklusion
Exklusion im Berliner ÖPNV
3.1 Maßnahmen
3.2 Wahrnehmung von Betroffenen
Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Mechanismen und Formen der räumlichen Exklusion von obdachlosen Menschen im öffentlichen Raum, speziell im Berliner Personennahverkehr (ÖPNV). Ziel ist es, anhand einer qualitativen Analyse zu klären, welche konkreten ordnungspolitischen und stadtplanerischen Maßnahmen zur Verdrängung dieser Personengruppe angewendet werden und wie die Betroffenen diese Prozesse wahrnehmen.
- Analyse von Verdrängungsprozessen im Berliner ÖPNV
- Anwendung der Kategorisierung räumlicher Exklusion nach Teuscher
- Untersuchung der Rolle der gesellschaftlichen Wahrnehmung
- Einbezug qualitativer Interviews mit Betroffenen
- Diskussion über die Kommodifizierung öffentlicher Räume
Auszug aus dem Buch
3.2 Wahrnehmung von Betroffenen
Um in Erfahrung zu bringen, inwiefern sich die beschriebenen Maßnahmen mit der subjektiven Erfahrung betroffener Personen decken, wurden qualitative, freie Interviews mit 3 obdachlosen Herren geführt, die in einer Berliner Kältenotübernachtung angetroffen wurden, sowie einem ehemals obdachlosen, der heute Stadtführungen gibt. Hierbei sei erwähnt, dass es sich bei diesen Interviews um keine repräsentativen Ergebnisse handelt, sondern vielmehr ein Einblick zur Wahrnehmung von Individuen gegeben werden soll.
Bolle, 25, gebürtiger Berliner und obdachlos seit 12 Jahren, erzählt, er kenne sich gut aus an den Bahnhöfen. Das Sicherheitspersonal kenne ihn mittlerweile und meistens lasse man ihn „in Ruhe“. Trotzdem berichtet Bolle: „Manchmal werde ich trotzdem aus der Bahn geschmissen, wenn da noch andere Obdachlose in der Bahn sind. Dann machen die [Anm.: das Betriebspersonal] bei mir auch keine Ausnahme mehr. […] Erst gestern wollt‘ ich am Ostbahnhof einkaufen gehen […] und meinste da hab ich was gekriegt? Nö! Wegen der Bahnhofsbullen, die ham gesagt: Bolle du hast jetzt Hausverbot“. Auf die Frage nach der Begründung für erteilte Hausverbote teilte Bolle mit: „Einfach so. Die sagen dann nur du bist obdachlos, du gehörst hier nicht hin.“ In Berlin sei man da besonders streng. Vorher habe er in NRW gelebt, da haben die Sicherheitsleute auch mal ein Auge zugedrückt und waren „gechillter“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik der Obdachlosigkeit in Berlin und Vorstellung der Forschungsfrage.
Begriffsklärung: Definition und Abgrenzung der Begriffe Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit mittels der ETHOS-Typologie.
Wissenschaftlicher Hintergrund: Theoretische Einordnung der Exklusionsprozesse in der politischen Geographie sowie Analyse der gesellschaftlichen Wahrnehmung und der Formen räumlicher Exklusion.
Exklusion im Berliner ÖPNV: Untersuchung der konkreten Maßnahmen zur Verdrängung sowie die Darstellung der subjektiven Erfahrungen betroffener Personen durch qualitative Interviews.
Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Exklusionsmechanismen im ÖPNV und Aufzeigen von Handlungsbedarfen in der Stadtplanung und Politik.
Schlüsselwörter
Obdachlosigkeit, Wohnungslosigkeit, Berliner ÖPNV, räumliche Exklusion, Verdrängung, politische Geographie, soziale Exklusion, öffentliche Räume, Sicherheitsempfinden, Hausverbot, Stadtraum, Kommodifizierung, qualitative Forschung, Marginalisierung, soziale Teilhabe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von obdachlosen Menschen in Berlin und der Art und Weise, wie sie durch verschiedene Maßnahmen aus dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verdrängt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziale und räumliche Exklusion, die Auswirkungen der zunehmenden Privatisierung öffentlicher Räume sowie der Umgang von Verkehrsbetrieben mit marginalisierten Gruppen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Welche Maßnahmen zur Verdrängung obdachloser Menschen finden im Berliner ÖPNV Anwendung?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturrecherche und einer qualitativen empirischen Komponente durch freie Interviews mit Betroffenen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Konzepte der räumlichen Exklusion und wendet diese auf das Fallbeispiel Berlin an, ergänzt durch die Perspektive der Betroffenen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Obdachlosigkeit, räumliche Exklusion, Berliner ÖPNV, Verdrängung und soziale Ausgrenzung.
Wie definiert die Arbeit den Begriff der Obdachlosigkeit?
Die Arbeit stützt sich auf die ETHOS-Typologie von 2005 und definiert Obdachlosigkeit als die prekärste Form der Wohnungslosigkeit, bei der Betroffene ohne festen Wohnsitz auf öffentlichen Raum angewiesen sind.
Welche Rolle spielt das Sicherheitspersonal bei der Verdrängung?
Das Sicherheitspersonal fungiert als ausführendes Organ für betriebliche Hausordnungen, die durch Platzverweise oder Hausverbote die Anwesenheit von Obdachlosen an Bahnhöfen sanktionieren.
Wird zwischen "harten" und "weichen" Exklusionsformen unterschieden?
Ja, in Anlehnung an M. Teuscher werden Reglementierung, Sanktionierung und latente Hinderung als Exklusionsformen analysiert, wobei zwischen harten und weichen Maßnahmen differenziert wird.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor für die Zukunft?
Es wird gefordert, dass Stadtplanung und Politik dringend Alternativen zum Aufenthalt schaffen müssen, um den steigenden Zahlen wohnungsloser Menschen gerecht zu werden, da aktuelle exklusive Gestaltungstrends keine Lösung bieten.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2017, Obdachlosigkeit und Stadt. Sozialräumliche Exklusionsprozesse am Beispiel des Berliner ÖPNV, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/986015