Sind wir bereit für die Kreislaufwirtschaft?

Internationaler Vergleich von Sharing-Angeboten am Beispiel von Deutschland und Frankreich


Bachelorarbeit, 2018

67 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

I. Einleitung
1. Hintergrund und Fragestellung
2. Aufbau und Vorgehensweise

II. Hauptteil
3. Die Sharing Economy
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Sharing Economy und Kreislaufwirtschaft
3.3 Entstehung
3.3.1 Voraussetzungen
3.3.2 Ursachen
3.4 Chancen und Risiken
3.4.1 negative Auswirkungen
3.4.2 positive Auswirkungen
4. Entwicklung der Sharing Economy in den Vergleichsländern
4.1 Sharing Economy in Deutschland
4.1.1 Entwicklung des Marktes
4.1.2 Gesetzeslage
4.2 Sharing Economy in Frankreich
4.2.1 Entwicklung des Marktes
4.2.2 Gesetzeslage
5. Vergleichsstudie Deutschland – Frankreich
5.1 Französische Vergleichsstudien
5.2 Aufbau und Stichprobe der Umfrage
5.3 Auswertung und Vergleich mit Frankreich
5.3.1 Nutzungsbereitschaft
5.3.2 Motivation
5.3.3 Einnahmen und Ausgaben
5.3.4 Umgang mit der Sharing Economy
5.3.5 Meinungen und Zukunftseinschätzung

III. Fazit
6. Ursachen für länderspezifische Unterschiede
7. Handlungsempfehlungen

IV. Literaturverzeichnis

V. Anhang

Danksagung

Mein Dank geht an alle, die mich beim Verfassen meiner Bachelorarbeit 1 unterstützt haben. Vielen Dank an meine Betreuerin Laura Ackermann, für viele hilfreiche Anregungen und ihre engagierte Unterstützung während des Semesters sowie für die Begutachtung dieser Arbeit. Außerdem möchte ich mich bei meiner Familie bedanken, die mich während des ganzen Studiums und auch während meiner Bachelorarbeit immer unterstützt hat.

Kurzzusammenfassung

Vor- und Zuname: Bettina Maier

Institution: Fachhochschule Salzburg

Studiengang: Design und Produktmanagement

Titel der Bachelorarbeit: Sind wir bereit für die Kreislaufwirtschaft? Internationaler Vergleich von Sharing-Angeboten am Beispiel von Deutschland und Frankreich

Schlagwörter: Sharing Economy, Online-Plattformen, Akzeptanz, Vergleichsstudie, Kreislaufwirtschaft

Bereits 2015 hat die Europäische Kommission die Umstellung der linearen Wirtschaft auf die Kreislaufwirtschaft als allgemeines Ziel ausgerufen. Die Sharing Economy könnte hinsichtlich der Umsetzung dieses Ziels ein enormes Potential darstellen, ist jedoch in Deutschland, verglichen mit anderen europäischen Ländern, noch weit im Rückstand. Die vorliegende Arbeit enthält sowohl einen theoretischen Teil, welcher sich mit der Entstehung, den Chancen und den Risiken der Sharing Economy befasst, als auch einen empirischen Teil, der aus einer Online-Befragung und einem anschließenden, direkten Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich besteht. Die in Deutschland durchgeführte Umfrage orientiert sich bezüglich der gestellten Fragen an bereits bestehenden Studien aus Frankreich. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Sharing Economy in Deutschland zwar noch in einem früheren Stadium befindet als in Frankreich, sich jedoch ebenfalls in positiver Richtung entwickelt. Wichtig ist nun, dass die deutsche Regierung die Initiative ergreift und damit beginnt, Unternehmen der Sharing Economy stärker zu fördern, wie es beispielsweise in Frankreich bereits der Fall ist. So kann die Sharing Economy in Zukunft einen wichtigen Teil zur Kreislaufwirtschaft in Europa beitragen.

Abstract

First name and surname: Bettina Maier

Institution: University of Applied Sciences Salzburg

Study program: Design and Product Management

Title of Bachelor Thesis: Are we ready for the circular economy? International comparison of sharing offers using the example of Germany and France

Keywords: Sharing Economy, online platforms, acceptance, comparative study, Circular Economy

In 2015, the European Commission has proclaimed the conversion of the linear economy to the circular economy as a general objective. The sharing economy could represent enormous potential in terms of implementing this goal but compared to other European countries, the Sharing Economy is still far behind in Germany. The present work contains a theoretical part, which deals with the emergence, the chances and the risks of the sharing economy, as well as an empirical part, which consists of an online survey and a subsequent, direct comparison between Germany and France. The survey conducted in Germany is based on questions used in existing studies from France. The results show that the sharing economy in Germany is still at an earlier stage than in France but is also developing in a positive direction. What is important now is for the German government to take the initiative and start promoting companies in the sharing economy more, like the French government already does. In this way, the sharing economy can contribute an important part to the future circular economy in Europe.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Teilnahme an der Sharing Economy nach Ländern

Abbildung 2: Linearwirtschaft und Kreislaufwirtschaft

Abbildung 3: weltweite Verwendung des Suchbegriffes "Sharing Economy" bei Google

Abbildung 4: Gründe und Häufigkeit von Beschwerden über Taxifahrten in Chicago

Abbildung 5: Bekanntheit und Nutzung von Sharing-Angeboten in Deutschland, 2015

Abbildung 6: Anzahl aktiver P2P-Plattformen in Deutschland, 5/2016 und 11/2017

Abbildung 7: Anteil der Sharing Economy am Bruttoinlandsprodukt der Staaten, 2016

Abbildung 8: Investitionen und Beschäftigte der in Deutschland tätigen Unternehmen der Sharing Economy

Abbildung 9: Entwicklung des Car-Sharing in Deutschland, Stand 1/2018

Abbildung 10: Verteilung der Unternehmen der Sharing Economy in Frankreich, 2014

Abbildung 11: Investitionen und Beschäftigte der in Frankreich tätigen Unternehmen der Sharing Economy

Abbildung 12: Geschlechts- und Altersverteilung der Teilnehmer

Abbildung 13: Bisherige Nutzung von Sharing-Angeboten in Deutschland

Abbildung 14: Gründe für Nutzung von Sharing-Angeboten in DE und FR

Abbildung 15: Gründe gegen die Teilnahme an der Sharing Economy in DE und FR

Abbildung 16: Einnahmen und Ausgaben pro Person in den vergangenen 12 Monaten

Abbildung 17: Geforderter Umgang der Regierung mit der Sharing Economy

Abbildung 18: Meinungen zur Sharing Economy in Deutschland

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: weitere deutsche Umfrageergebnisse

Anhang 2: österreichische Umfrageergebnisse

Abkürzungsverzeichnis

B2B business to business

B2C business to customer

BIP Bruttoinlandsprodukt

BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

EuGH Europäischer Gerichtshof

EU-Kommission Europäische Kommission

GfK Gesellschaft für Konsumforschung

Ifop Institut francais d'opinion publique

P2P peer to peer

PwC Pricewaterhouse Cooper

Lesetechnischer Hinweis

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in der vorliegenden Arbeit auf geschlechterspezifische Differenzierung von personenbezogenen Substantiven und Pronomen verzichtet. Entsprechende Begriffe sind im Sinne der Gleichberechtigung für beide Geschlechter gültig und enthalten keinerlei Wertung. Von Diskriminierung jeglicher Art distanziert sich die Autorin ausdrücklich.

I. Einleitung

1. Hintergrund und Fragestellung

Airbnb1, Uber2 und unzählige andere Plattformen werden heute unter dem Begriff der sogenannten „Sharing Economy“ zusammengefasst. Dabei handelt es sich um ein auf Online-Plattformen basierendes Netzwerk, in dem (private) Anbieter und Nutzer verschiedener Güter und Leistungen zueinander gebracht werden. Airbnb und Uber haben es in der Bevölkerung zu einem hohen Bekanntheitsgrad gebracht, was nicht zuletzt auch an kritischen Betrachtungen in den Medien lag, die vermehrt in den vergangenen Monaten laut wurden. Die gesellschaftliche Relevanz der Sharing Economy wächst also und auch in politischer Hinsicht spielt sie eine immer größere Rolle. Die Europäische Kommission (EU-Kommission) veröffentlichte im Oktober 2017 im Rahmen des Programmes Horizon 2020 mehrere Studien zur bisherigen und zukünftigen Entwicklung der Sharing Economy in Europa.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Teilnahme an der Sharing Economy nach Ländern, eigene Darstellung (nach Andreotti, et al., 2017)

Die Abbildung 1 aus der Studie P s2Share: Participation, Privacy, and Power in the Sharing Economy zeigt, dass Deutschland im Jahr 2016 bezüglich der Gesamtteilnahme der Bevölkerung an der Sharing Economy mit 24 % weit hinter führenden Nationen wie Frankreich (41 %) und Großbritannien (33 %) und auch unter dem Durchschnittswert der Nationen (28 %) liegt. Hinsichtlich der Anzahl an Providern3 liegt Deutschland mit 9 % zwar im EU-Durchschnitt und sogar vor Großbritannien und Irland, die insgesamt an zweiter und dritter Stelle im Nationenvergleich stehen, es gibt in Deutschland jedoch mit nur 15 % an Consumern4 deutlich weniger Menschen, die Sharing-Dienste in Anspruch nehmen, als in den meisten anderen Ländern (Andreotti, et al., 2017).

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der Sharing Economy und deren Rolle im System der Kreislaufwirtschaft. Außerdem wird untersucht, auf welchem Stand sich Deutschland hinsichtlich der Sharing Economy befindet. Dabei soll anhand von Frankreich als Vergleichsreferenz herausgefunden werden, wo sich die größten Unterschiede zum Spitzenreiter des Nationenvergleichs befinden und wie diese begründet werden können.

2. Aufbau und Vorgehensweise

Die vorliegende Arbeit stellt zuerst in einem theoretischen Teil einen Überblick über mögliche Begriffsdefinitionen der Sharing Economy bereit und erklärt deren Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaft, welche ebenfalls kurz beschrieben wird. Anschließend werden die Entstehung sowie die Auswirkungen der Sharing Economy behandelt, um dem Leser einen möglichst weitreichenden Überblick über das Themengebiet zu gewähren, auf dem im Anschluss der empirische Teil der Arbeit aufbaut.

Diesen zweiten Teil stellt eine Vergleichsstudie zwischen den Ländern Deutschland und Frankreich dar. Zuerst werden in einem quellengestützten Teil die bisherige Entwicklung beider Länder und die jeweils aktuelle Situation hinsichtlich Verbreitung, Nutzung und politischem Umgang mit der Sharing Economy in beiden Nationen behandelt.

Anschließend wird, in Anlehnung an relevante Studien aus Frankreich, eine Umfrage zur Sharing Economy in Deutschland erstellt. Anhand eines Vergleiches der Ergebnisse sollen Gründe für die unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Sharing Economy in Deutschland und Frankreich aufgedeckt und ausführlich diskutiert werden.

Abschließend werden in einem Fazit zum einen die Gründe für die unterschiedlichen Entwicklungsstände der Sharing Economy zusammengefasst, während zum anderen einige Handlungsempfehlungen für den zukünftigen Umgang mit Unternehmen der Sharing Economy aufgezeigt werden.

II. Hauptteil

3. Die Sharing Economy

Bisher existieren in der einschlägigen Literatur viele, unterschiedlich weitreichende Definitionen des Begriffes Sharing Economy und als Synonyme tauchen auch andere Bezeichnungen, wie beispielsweise Collaborative Economy, On-demand Economy, Peer Economy, Crowd-based Capitalism oder Collaborative Consumption auf. In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff Sharing Economy verwendet, da dieser sich aktuell auch über die Fachliteratur hinaus durchsetzt und häufig in öffentlichen Diskussionen verwendet wird.

3.1 Begriffsdefinition

Bei der Sharing Economy handelt es sich laut wörtlicher Übersetzung des Begriffes grundsätzlich um eine Wirtschaft des Teilens. Laut Peitz / Schwalbe geht es in einer ersten Definition dabei darum, Güter oder Dienstleistungen bereitzustellen, welche dann (entgeltlich oder unentgeltlich) von anderen Personen genutzt werden können. Unter diese Definition fallen auch traditionelle Unternehmen, welche schon seit langem nach diesem Prinzip existieren und beispielsweise in der Hotelbranche oder dem Taxigewerbe Leistungen an ihre Kunden vermieten (business-to-customer, B2C) (Peitz & Schwalbe, 2016). Was die Sharing Economy jedoch zu einer Neuheit macht, ist die Tatsache, dass sie auf Online-Plattformen im Internet basiert, auf denen gleichrangige, private Nutzer in dezentralen Netzwerken einander Dienstleistungen und Güter anbieten können5 (peer-to-peer, P2P). Es gibt keine hierarchischen Strukturen, in denen das Angebot von zentralen Institutionen ausgeht, sondern Plattformen, die als eine Art Marktplatz Angebot und Nachfrage zusammenbringen (Sundararajan, 2016). Häufig wird auch der Austausch bzw. das Teilen von Gütern zwischen mehreren Unternehmen zur Sharing Economy gezählt6 (business-to-business, B2B) (Demary, 2014).

Die Vielfalt der Geschäftsmodelle hängt auch mit den vielen Aktivitäten zusammen, die in der Sharing Economy getätigt werden. Neben der Vermietung oder dem entgeltlosen Verleih von Gebrauchsgütern, Wohnräumen oder Verkehrsmitteln können auch Gruppenkäufe, die Finanzierung von Projekten durch Privatpersonen (Crowdfunding), gemeinsames Essen, die Weitergabe von Lebensmitteln (Foodsharing) oder der Austausch von sozialen Dienstleistungen (Babysitten, gemeinsame Reparatur oder Fertigung von Objekten) zur Sharing Economy gezählt werden (Barthe, 2017). Häufig wird die Definition der Sharing Economy hinsichtlich enthaltener Geschäftsmodelle und getätigter Aktivitäten unterschiedlich weit gefasst, weshalb vergleichenden Aussagen diesbezüglich immer eine Berücksichtigung der jeweiligen Definition erfordern.

3.2 Sharing Economy und Kreislaufwirtschaft

Die Sharing Economy spielt auch in der Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle. Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft ist seit 2015 Ziel der Europäischen Kommission und bedeutet die Abwendung von der linearen Wirtschaft, welche umgangssprachlich auch als Wegwerf-Gesellschaft bezeichnet wird. Während die lineare Wirtschaft nach der Nutzung eines Produktes zur Entsorgung desselben führt, stellt die Kreislaufwirtschaft eine Zirkulation der Stoffe in verschiedenen Kreisläufen dar. Wie in Abbildung 2 dargestellt, fließen möglichst alle Rohstoffe, welche für die Produktion eines Produktes verwendet werden, nach dessen Nutzungsende in einem Kreislauf wieder in die Produktion eines neuen Produktes ein. Durch Recycling, Aufbereitung und Umverteilung zirkulieren die Materialien entweder im technologischen oder im biologischen Kreislauf (Walcher & Leube, 2017). Alle Materialien, die keine ständig in der Natur nachwachsenden Rohstoffe sind, zirkulieren im technologischen Kreislauf. Dazu gehören Kunststoffe, Metalle oder andere künstlich hergestellte Materialien, aus denen im System der Circular Economy Gebrauchsgüter hergestellt werden sollen, die nach Nutzungsende wieder in ihre Bestandteile zerlegt und dem technologischen Kreislauf für die Produktion neuer Güter zugeführt werden. Biologische Stoffe, die nicht giftig und leicht kompostierbar sind, gehören dem biologischen Kreislauf an. Sie sollen zur Herstellung von Gebrauchsgütern verwendet werden, die konsumiert und im Anschluss kompostiert werden (MacArthur, 2013). Müll, Energie- und Materialverluste werden in der Circular Economy so weit wie möglich vermieden (Walcher & Leube, 2017). Die Sharing Economy könnte in Zukunft durch ihre Funktionsweise und deren positive Auswirkungen, welche im Laufe dieser Arbeit beschrieben werden, einen wesentlichen Teil zur Realisierung der Kreislaufwirtschaft in Europa beitragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Linearwirtschaft und Kreislaufwirtschaft (Walcher & Leube, 2017)

3.3 Entstehung

Die Anfänge der Sharing Economy liegen in der Zeit zwischen 2005 und 2010, als erste Unternehmen gegründet wurden, die auf dem Prinzip des Verleihens oder Vermietens von Privatgütern basieren. Dazu gehörten beispielsweise die heute populären Unternehmen Couchsurfing7, Blablacar8, Airbnb9 oder Uber10 (IÖW/IZT/IFEU b), 2017). Grundlage für diese Unternehmensgründungen sind verschiedene Entwicklungen, die im Folgenden erklärt werden.

3.3.1 Voraussetzungen

Die Präsenz der Sharing Economy stieg ab Anfang 2013 erst langsam an und wuchs ab Mitte des Jahres 2014 immer stärker. So zeigt Abbildung 3, dass ab diesem Zeitpunkt weltweit immer häufiger bei Google nach dem Begriff Sharing Economy gesucht wurde, bis Anfang 2016 der bisherige Höhepunkt dieser Entwicklung erreicht wurde. Seither sind die Suchanfragen wieder leicht rückläufig, mit jährlichen stärkeren Einbrüchen in den Sommermonaten Juni und Juli und um die Weihnachtszeit, wobei sich der Kurvenverlauf danach meist wieder etwas erholt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: weltweite Verwendung des Suchbegriffes "Sharing Economy" bei Google11, eigene Darstellung (nach Google Trends, Stand 6.12.2018)

Im letzten Jahrzehnt haben sich die technologischen Gegebenheiten stark verändert. Die Internetinfrastruktur wurde ausgebaut und Social Media Plattformen entstanden, welche der Sharing Economy den Weg ebneten (Sundararajan, 2016). Smartphones entwickelten sich zum Standard in der Bevölkerung und bilden heute ein wichtiges Medium für die Sharing Economy, ohne welchem diese in vielen Bereichen nicht funktionieren würde. Smartphones ermöglichen jederzeit einen mobilen Internetzugang und andere Dienste wie hochauflösende Kameras, GPS, mobile Bezahlsysteme, etc. So hat nahezu jeder Zugang zu den Plattformen der Sharing Economy und verfügt über die nötigen Werkzeuge, um die angebotenen Dienste nutzen zu können (Peitz & Schwalbe, 2016). Per GPS kann so beispielsweise der Aufenthaltsort der nächsten verfügbaren Mitfahrgelegenheit ausfindig gemacht werden, Fotos eines angebotenen Gegenstandes lassen sich über das Smartphone direkt zum Angebot hochladen und Onlinebanking ermöglicht eine problemlose Bezahlung der genutzten Dienste auf den Plattformen.

Der gesellschaftliche Wertewandel, der in Zeiten des Klimawandels im Gange ist, sorgt außerdem dafür, dass sich das Konsumverhalten der Menschen ändert. Der Trend geht hin zu nachhaltigeren Produkten (Levering & Icks, 2016), während sich die Menschheit zunehmend vom Besitzdenken abwendet (Peitz & Schwalbe, 2016). Diese neuen Strukturen bilden die optimale Grundlage für das Wachsen der Sharing Economy.

3.3.2 Ursachen

Für die Entwicklung der Sharing Economy auf Grundlage der eben erläuterten Voraussetzungen gibt es mehrere Gründe. Einen Teil trägt, wie bereits erwähnt, das wachsende Umweltbewusstsein der Bevölkerung in Zeiten des Klimawandels dazu bei. Walcher und Leube beschreiben dieses Phänomen allerdings nicht primär als philanthropisches Verhalten, um die Umwelt zu retten, sondern vielmehr als Möglichkeit, Nutzen in verschiedener Hinsicht für sich selbst zu erzielen. So haben beispielsweise Maßnahmen zur Energieeinsparung den funktionellen Nutzen, Geld zu sparen, während sich zusätzlich die positiven emotionalen sowie sozialen Nutzen ergeben, sich danach selbst gut zu fühlen und auch von Mitmenschen Anerkennung zu erhalten (Walcher & Leube, 2017). Diese nachhaltigere Einstellung kann zumindest prinzipiell dazu führen, dass Menschen auch vermehrt die Dienste der Sharing Economy nutzen.

Als weitere Ursache kann die im letzten Jahrzehnt zunehmende Individualisierung der Menschen gesehen werden, was dazu führt, dass sie sich immer mehr aus ihren historisch bedingten, sozialen Umfeldern herauslösen (Beck, 2015). Soziale Beziehungen verlieren so an Bedeutung und was früher bei Bedarf von Familienmitgliedern oder Nachbarn geliehen wurde, kann heute über Online-Plattformen schnell und unkompliziert von Fremden in der Umgebung geliehen bzw. gemietet werden. Es ist außerdem denkbar, dass sich die Wirtschaftskrise 2008, welche unter anderem zu geringerem Einkommen in der Bevölkerung führte, positiv auf die Entwicklung der Sharing Economy auswirkte (Peitz & Schwalbe, 2016). Um keine größeren Anschaffungen tätigen zu müssen, konnte man damals auf erste Plattformen zugreifen, die Güter zur temporären Nutzung anboten. Diese Möglichkeit blieb auch nach der Wirtschaftskrise erhalten und stellt bis heute eine Alternative zum Kauf nur selten genutzter Güter dar.

3.4 Chancen und Risiken

Die Sharing Economy ist ein Phänomen, das sich parallel zu bestehenden, geordneten Wirtschafts- und Sozialsystemen entwickelt und diese zunehmend beeinflusst. Dies bringt sowohl positive, als auch negative Auswirkungen mit sich, die jeweils in den folgenden Kapiteln genauer behandelt werden.

3.4.1 negative Auswirkungen

Einer der größten Kritikpunkte von Skeptikern gegenüber der Sharing Economy ist die befürchtete Schwächung bestehender, traditioneller Unternehmen und Branchen durch fehlende Regularien für Sharing-Unternehmen. Für Branchen wie das Hotel- oder Taxigewerbe gelten strikte Vorschriften, denen Fahrvermittlungsdienste wie Uber oder die Wohnungsvermietung über Airbnb nicht oder nur in unklarem Ausmaß unterliegen. Traditionelle Unternehmen können durch strenge Regeln in ihrer Branche nicht angemessen auf die neue Art von Konkurrenz reagieren und es kommt zu einem unfairen Wettbewerb (Peitz & Schwalbe, 2016). Das Problem liegt darin, dass sich die Wirtschaft und ihre Unternehmensformen über die Jahrzehnte weiterentwickelten, während viele Gesetze unverändert blieben und nun in Teilen nicht mehr dem Stand der Zeit entsprechen.

Beispiele für nicht ausreichende Regelungen stellen unter anderem das Steuerrecht sowie das Arbeitsrecht dar: Transaktionen auf vielen Plattformen der Sharing Economy werden in Deutschland nicht oder nur teilweise versteuert, da sich viele Nutzer ihrer Steuerpflicht gar nicht erst bewusst sind und ihr Einkommen aus Sharing-Plattformen nicht in der Steuererklärung anführen. Dies erschwert eine Gewährleistung korrekter Steuerzahlungen erheblich und ermöglicht es Anbietern auf Sharing-Plattformen möglicherweise, ihre Leistungen durch unzulässige Steuerfreiheit günstiger anzubieten, als traditionelle Anbieter (Haucap, 2015). Darüber hinaus ist es in arbeitsrechtlicher und sozialer Hinsicht problematisch, dass diese Plattformen meist nicht als Arbeitgeber, sondern nur als Vermittler zwischen Anbieter und Nutzer agieren. Dadurch gibt es keine verbindlichen Arbeitsverträge, Arbeitnehmerschutzrechte können untergraben werden und der Erwerbstätige trägt selbst das finanzielle Risiko sowie mögliche Folgen fehlender Renten und Versicherungsleistungen (Levering & Icks, 2016).

Als weiterer negativer Gesichtspunkt wird speziell im Zusammenhang mit Airbnb häufig diskutiert, dass vor allem in Großstädten durch über diese Plattform vermietete Wohnungen das oft ohnehin schon knappe Wohnungsangebot noch zusätzlich verringert wird. Dieser Effekt entsteht durch Anbieter, die Airbnb für Geschäfte im großen Stil nutzen, indem sie ganze Häuser und Wohnungskomplexe zur Kurzzeitmiete auf der Plattform anbieten und sie so dem Wohnungsmarkt der Stadteinwohner entziehen (Sundararajan, 2016). Diese Großanbieter stellen zwar nicht die Mehrheit der Gastgeber auf Airbnb dar, eine auf den Großraum New York begrenzte Studie zeigt jedoch, dass die oberen 10 % der Vermieter auf der Plattform rund 48 % des Gesamtertrages im Jahr 2017 im Großraum New York erwirtschafteten. Hinzu kommt, dass es in New York grundsätzlich verboten ist, Wohnungen für eine Dauer von weniger als 90 Tagen zu vermieten, während man selbst nicht anwesend ist. Demnach waren laut eben genannter Studie etwa 45 % der New Yorker Angebote im Jahr 2017 auf Airbnb illegal (Wachsmuth, et al., 2018). Dies verdeutlicht die Ausmaße der Probleme, die auch durch mangelnde Regulierung in manchen schnell wachsenden Teilen der Sharing Economy entstehen können.

Bezüglich der Einflüsse der Sharing Economy auf die Umwelt stellt diese in großen Teilen der Wissenschaft einen Hoffnungsträger dar, wobei langfristige Auswirkungen bisher noch nicht ausreichend abgeschätzt werden können. Wie im Folgenden erklärt, warnen jedoch bereits einige Forscher vor negativen Auswirkungen der Sharing Economy auf die Umwelt.

Hinsichtlich Nachhaltigkeit spielt unter anderem der Bereich der Mobilität mit Mitfahrdiensten wie Blablacar eine tragende Rolle. Hier könnte beispielsweise ein Rebound-Effekt eintreten: Der Effizienzgrad eines Autos steigt, wenn sich mehrere Menschen ein Auto teilen. Infolgedessen sinkt die Anzahl an Autos auf den Straßen, was sich positiv auf die Abgaswerte auswirken müsste. Jedoch sinkt dadurch der Preis pro Kilometer durch das Teilen des Autos für jeden Mitfahrer, was Autofahrten wiederum attraktiver werden lässt, als beispielsweise teure Bahnfahrten oder andere Möglichkeiten des öffentlichen Personenverkehrs. Die Anzahl an Autos auf den Straßen steigt somit wieder an und belastet die Umwelt möglicherweise stärker, als zuvor (Eichhorst & Spermann, 2016).

Schließlich könnte sogar eine tatsächlich wachsende Nachhaltigkeit für die Wirtschaft selbst negative Folgen haben, wenn durch eine längere Nutzungsdauer verschiedener Güter die Weiterentwicklung hinsichtlich ihrer Effizienzsteigerung verhindert bzw. verlangsamt wird und so dem Fortschritt im Wege steht (Demary, 2014).

Die langfristigen Folgen der Sharing Economy hängen jedoch von einer Vielzahl an Faktoren ab. Ausschlaggebend sind unter anderem die zukünftige Entwicklung des Konsumverhaltens der Menschen, der Art und Nutzungsintensität langlebiger Konsumgüter sowie der Nutzung von Substitutions- und Komplementärgütern, die damit zusammenhängen (Peitz & Schwalbe, 2016). Wie sich die Sharing Economy auf lange Sicht tatsächlich auf die Umwelt auswirkt, ist deshalb nicht eindeutig vorhersehbar und bleibt vorerst abzuwarten.

3.4.2 positive Auswirkungen

Den eben erläuterten Kritikpunkten an der Sharing Economy kann jedoch auch eine Reihe an positiven Auswirkungen entgegengestellt werden. Denn beispielsweise besteht der grundsätzliche Wert der Sharing Economy darin, wenig genutzte Güter einer Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen, was dazu führt, dass der Nutzungsgrad der Güter steigt (Stephany, 2015). Die Prioritäten verschieben sich vom Privileg des Besitzens hin zum Vorteil, Zugang zu etwas zu haben und es bei Bedarf benutzen zu können (Rifkin, 2000). Daraus ergeben sich sowohl aus ökonomischer, als auch sozialer und gegebenenfalls ökologischer Sicht eine Vielzahl an Vorteilen für die Beteiligten.

Aus ökonomischer Sicht sehen diese beispielsweise folgendermaßen aus: Dadurch, dass das Internet für eine weltweite Vernetzung sorgt, sind auch die Plattformen der Sharing Economy fast immer und überall erreichbar. Dies führt für alle Beteiligten zu relativ geringen Transaktionskosten, also all jene Kosten, die mit dem Abschluss eines Geschäftes verbunden sind (Levering & Icks, 2016). Dadurch wird es fast jedem, unabhängig vom Standort einer Person, der Uhrzeit oder der Größe des vorhandenen Startkapitals ermöglicht, als Provider an Sharing-Plattformen teilzunehmen oder sogar ein eigenes kleines Unternehmen aufzubauen (Sundararajan, 2016). Letzteres wird beispielsweise auf der Plattform Etsy.com möglich, auf der Nutzer selbstgemachte Produkte in ihrem eigenen kleinen Onlineshop verkaufen können. Gegen eine geringe Einstellungsgebühr von 17ct pro Artikel (Stand 10/2018) stellt Etsy die Benutzeroberfläche des Onlineshops, Analysetools sowie ein Verkäuferschutzprogramm zur Verfügung und kümmert sich im Falle einer Bestellung gegen eine Bearbeitungsgebühr um die Zahlungsabwicklung.12

Durch Plattformen wie diese wird es Einzelpersonen möglich, sich komplett selbständig zu machen, oder aber Sharing-Plattformen dafür zu nutzen, sich zeitlich flexibel einen kleinen Nebenverdienst zu erwirtschaften (Baker, 2015). So entstehen anstelle einiger weniger, großer Unternehmen viele kleine Betriebe, was wiederum zu einer größeren Vielfalt des Angebotes führt (Levering & Icks, 2016). In weiterer Folge könnte diese Vielseitigkeit einen gesteigerten Konsum zufolge haben, was sich wiederum positiv auf die (lokale) Wirtschaft auswirkt (Sundararajan, 2016).

Kritiker befürchten, dass neue Unternehmensformen der Sharing Economy traditionelle Unternehmen verdrängen könnten. Entwicklungen in diese Richtung sehen Verfechter der Sharing Economy jedoch als Chance: es soll sich vielmehr um eine Ergänzung als eine Verdrängung bestehender Branchen handeln, was dazu führt, dass sich das Angebot der traditionellen Betriebe durch die wachsende Konkurrenz verbessert (Peitz & Schwalbe, 2016). Ergebnisse einer Studie zur Auswirkung von Uber auf die Taxibranchen in New York und Chicago belegen, dass die Qualität angebotener Taxifahrten mit wachsender Konkurrenz von Uber in beiden Städten angestiegen ist. Wie Abbildung 4 zeigt, sind Beschwerden über rücksichtslos fahrende, unfreundliche oder telefonierende Taxifahrer sowie nicht funktionierende Kartenlesegeräte oder Klimaanlagen in den Taxis zwischen Mitte 2012 und 2015 gesunken. Die Einführung eines Aufklebers in allen Taxis, welcher die Fahrgäste zu einer Bewertung der Fahrt aufrief, führte im Jahr 2012 zuerst zu einem sprunghaften Anstieg an Beschwerden, da vielen Fahrgästen die Möglichkeit einer Bewertung offenbar vorher nicht bekannt war. Danach sank die Häufigkeit der Beschwerden langsam ab, während Uber sich gleichzeitig immer weiter ausbreitete und den Konkurrenzdruck auf das Taxigewerbe verstärkte. Der Rückgang an Beschwerden jeweils zum Jahreswechsel hängt vermutlich damit zusammen, dass die Menschen Urlaub hatten, zu Hause bei ihren Familien blieben und das Verkehrsaufkommen während der Feiertage generell niedriger ist (Wallsten, 2015).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Gründe und Häufigkeit von Beschwerden über Taxifahrten in Chicago (Wallsten, 2015)

Große Chancen der Sharing Economy sehen Wissenschaftler auch in der Ausweitung sozialer Netzwerke. Damit sind nicht Social Media Plattformen wie Facebook gemeint, sondern zwischenmenschliche Beziehungen, die durch die Nutzung von Sharing-Plattformen entstehen können (Sundararajan, 2016). Die Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen entsteht bei allen Sharing-Angeboten, bei denen sich Anbieter und Nutzer persönlich treffen und oft als Nebeneffekt des eigentlichen Ziels (etwa einer Autofahrt, Übernachtung oder beim Babysitten) etwas Zeit miteinander verbringen. Bei einigen Sharing-Plattformen ist es ein wesentlicher Aspekt, von der Offenheit anderer zu profitieren und durch die Bereitstellung eigener Güter oder Dienste anderen behilflich zu sein (Sundararajan, 2016). Eine der führenden Plattformen ist in dieser Hinsicht die Plattform Couchsurfing.com. Dort finden Reisende auf der ganzen Welt mit Menschen zusammen, die einen Schlafplatz in ihrer Wohnung zur Verfügung stellen. Übernachtungen sind kostenlos, denn die Teilnehmer haben keine monetären Absichten, sondern das Ziel, Einheimische bzw. Reisende kennenzulernen, gemeinsame Unternehmungen zu machen und die Kultur und Lebensweise anderer Menschen zu erleben (Couchsurfing, 2018, online).

Einen positiven sozialen Aspekt bringen Sharing-Angebote im Unterkunftssektor auch in der Hinsicht mit sich, dass Stadtviertel, die arm an touristischer Infrastruktur und damit wenig populär bei Reisenden sind, belebt werden können. Wohnungen, die dort ansonsten leer stehen würden, können so durch Angebote über Airbnb o.ä. genutzt werden (Peitz & Schwalbe, 2016). Die Bewohner eines Stadtviertels selbst haben die Möglichkeit, beispielsweise über geteilte Gärten (garten-sharing.de), gemeinsame Mahlzeiten (Eatwith.com), die Weitergabe nicht benötigter Lebensmittel (food-sharing.de) oder das (Ver-)Leihen von Gegenständen in der Nachbarschaft (fairleihen.de) Bekanntschaften zu schließen und Gemeinschaften zu bilden, von denen jedes Mitglied profitieren kann.

Hinsichtlich der positiven ökologischen Auswirkungen der Sharing Economy kann, wie oben bereits erwähnt, noch keine klare Aussage getroffen werden. Allerdings wurden einige mögliche Szenarien beschrieben, die die Nachhaltigkeit unserer Wirtschaft durchaus steigern könnten. Eine Studie des Forschungsprojektes Peer-Sharing13 kam Ende des Jahres 2017 zu dem Ergebnis, dass Sharing-Angebote keinesfalls automatisch eine positive Auswirkung auf die Umwelt haben. Es stecke jedoch ein großes Potential darin, sofern Sharing auf sinnvolle Art und Weise betrieben wird. Ökologisch sinnvolles Sharing soll die Konsumkultur grundsätzlich verändern und diese auf mehr Nachhaltigkeit ausrichten. Dazu gehört, dass beispielsweise ein erhöhtes Angebot an Mobilität durch Car-Sharing die Anzahl an Privatautos minimiert, anstelle auf Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel noch mehr Menschen zu einem eigenen Auto zu motivieren, in dem sie Mitfahrdienste anbieten können. Selbes gilt im Unterkunftssektor, in dem ein Umweltnutzen nur entsteht, solange privat genutzte Wohnungen zusätzlich temporär vermietet werden, anstatt extra für die Vermietung über Sharing-Plattformen neue Ferienwohnungen einzurichten. Nötig sei dem Forschungsteam zufolge ein Regulationsrahmen, demzufolge die Geschäftsmodelle der Plattformanbieter gewissen Nachhaltigkeitsanforderungen entsprechen müssen (Peer-Sharing, 2017). Peitz & Schwalbe betrachten sowohl die kurzfristige, als auch die langfristige Perspektive hinsichtlich der ökologischen Auswirkungen der Sharing Economy. Da kurzfristig gesehen die Menge an Konsumgütern und die für deren Herstellung benötigten Rohstoffe feststehen, kann die Sharing Economy durch das Bereitstellen der Güter auf Plattformen deren Nutzungsintensität steigern. Auf lange Sicht wäre es für die einzelne Person nicht mehr nötig, bestimmte Güter käuflich zu erwerben, da sie über Plattformen temporär zugänglich sind. Das führt dazu, dass die Menge an benötigten, langfristigen Gütern und infolge dessen auch die Menge der für die Produktion benötigten Rohstoffe sinken würde. Damit würde wiederum die Umwelt entlastet (Peitz & Schwalbe, 2016). Ob die Sharing Economy einen positiven Beitrag zur Nachhaltigkeit der Wirtschaft beiträgt, hängt folglich von der Art der Angebote ab. Werden diese in Zukunft durch sinnvolle Vorschriften reguliert, stellen sie eine große Chance zur Entlastung der Umwelt dar.

4. Entwicklung der Sharing Economy in den Vergleichsländern

Um den aktuellen Stand der Sharing Economy in Frankreich und Deutschland besser vergleichen zu können, wird zunächst die bisherige Entwicklung im jeweiligen Land beleuchtet. Dabei spielen sowohl die Marktentwicklung und die Nutzung der Angebote als auch die Gesetzeslage und bisherige Konflikte in Bezug auf die Sharing Economy eine Rolle.

Wie anfangs erwähnt, liegen vielen Studien zu diesem Thema unterschiedliche Definitionen der Sharing Economy zugrunde, weshalb für einen sinnvollen Vergleich immer alle Rahmenbedingungen der einzelnen Studien beachtet werden müssen, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten.

4.1 Sharing Economy in Deutschland

Wie Abbildung 3 (vgl. S. 5) zu Beginn dieser Arbeit zeigt, wurde der Sharing Economy weltweit erst ab etwa 2014 immer mehr Aufmerksamkeit zuteil, weshalb aus den Jahren zuvor nur wenig aussagekräftige Daten zur Nutzung der Angebote erhoben wurden. Folglich gibt es auch für Deutschland erst ab diesem Zeitpunkt umfassendere Untersuchungen, die über eine Erfassung der Anzahl von Sharing-Unternehmen hinausgeht. Wie sich deren Nutzung sowie die gesetzliche Lage bezüglich dieser Unternehmen über die Jahre entwickelt hat, wird in den folgenden Kapiteln beschrieben.

4.1.1 Entwicklung des Marktes

Die Anzahl an neu gegründeten Sharing-Plattformen in Deutschland wuchs zwischen 2010 (8 Neugründungen) und 2012 (23 Neugründungen) rasant an, seit 2013 ist die Zahl der Neugründungen im Gegensatz zur wachsenden Bekanntheit der Sharing Economy jedoch wieder rückläufig (Bröse, et al., 2016). Hinsichtlich der Bekanntheit geht aus einer in Deutschland durchgeführten Umfrage des Vereins der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hervor, dass im Oktober 2014 nur 16 % der Befragten in Deutschland den Begriff Sharing Economy schon einmal gehört hatten (GfK, 2015). Im Jahr darauf war die Bekanntheit einzelner Sharing-Aktivitäten bereits relativ groß. So zeigt Abbildung 5, dass laut einer Studie des Forschungsinstitutes TNS Emnid 94 % der Befragten schon einmal von Mitfahrgelegenheiten gehört hatten, knapp 80 % die Möglichkeit kannten, mit Kleidung auf Tauschbörsen zu handeln und 73 % angegeben hatten, schon einmal von Carsharing gehört zu haben. Mit Ausnahme des Crowdfunding-Sektors waren alle genannten Sharing-Aktivitäten bereits bei mehr als der Hälfte der Befragten bekannt, wenn auch noch meist wenig genutzt. Einzig der Bereich der Mitfahrgelegenheiten kann hier ausgenommen werden, denn bereits mehr als jeder Dritte hatte 2015 schon einmal eine Mitfahrgelegenheit genutzt, während die Nutzung in anderen Bereichen noch in den Grundzügen steckte. Außer beim Teilen von Werkzeugen (18 %) an zweiter Stelle gaben in jedem Bereich weniger als 15 % der Befragten an, Sharing Angebote zu nutzen. Die Daten dieser Studie beziehen sich jedoch nicht ausschließlich auf Angebote von Online-Plattformen, sondern schließen auch Sharing-Aktivitäten mit ein, die nicht über das Internet vereinbart wurden (TNS Emnid, 2015).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Bekanntheit und Nutzung von Sharing-Angeboten in Deutschland, 2015 (eigene Darstellung, nach TNS Emnid, 2015)

Die Abbildung 6 zeigt, wie sich die Anzahl der in Deutschland aktiven Sharing-Plattformen in den einzelnen Sektoren von Mai 2016 bis November 2017 verändert hat. Wie daraus hervorgeht, waren im Jahr 2016 gut 100 Plattformen in Deutschland tätig, von denen über zwei Drittel den Sektoren Mobilität und Gebrauchsgegenstände zuzuordnen waren. Dort waren laut Emnid-Studie bereits 2015 auch die meisten Nutzer zu finden (Bröse, et al., 2016; Emnid, 2015). Ende des Jahres 2017 waren in Deutschland schließlich 110 P2P-Plattformen aktiv, die sich auf die ebenfalls in Abbildung 6 dargestellten Sektoren verteilten. Wie im Jahr zuvor waren 2017 noch immer die meisten Plattformen in den Bereichen Mobilität und Gebrauchsgegenstände vertreten. Die größten Veränderungen weist der Übernachtungssektor auf, der sich von 10 auf 20 aktive Plattformen in Deutschland verdoppelte, während die Anzahl der Plattformen in den restlichen Sektoren meist leicht zurück ging (IÖW/IZT/IFEU a), 2017, online).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Anzahl aktiver P2P-Plattformen in Deutschland im Mai 2016 und im November 2017, eigene Darstellung (nach Bröse, et al., 2016 und IÖW/IZT/IFEU a), 2017)

Für die Zukunft wird ein weiteres Gesamtwachstum der Sharing Economy erwartet, wie beispielsweise eine Bevölkerungsbefragung der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Cooper (PwC) ergab. Laut dieser Befragung gaben 64 % der Teilnehmer in Deutschland an, in den nächsten zwei Jahren Sharing-Angebote nutzen zu wollen und 50 % der Befragten planten, in diesem Zeitraum selbst Sharing-Dienste anbieten zu wollen (PwC, 2015).

Die aktuellste und umfangreichste Studie zur Entwicklung der Sharing Economy in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten wurde im Februar 2018 von der EU-Kommission veröffentlicht14. Der Studie zufolge umfasste der geschätzte Marktumsatz der Sharing Economy in der EU im Jahr 2016 rund 26,5 Milliarden Euro (EU Kommission, 2018). Deutschlands Sharing-Unternehmen generierten laut eben dieser Studie im Jahr 2016 rund 2,6 Milliarden Euro Marktumsatz, also knapp 10 % des Gesamtumsatzes in der EU. Obwohl Deutschland damit zum oberen Mittelfeld in der EU gehört, lagen andere Werte, wie der Anteil am bundesweiten Beschäftigungsgrad mit 0,1 % und der Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2016 mit ebenfalls 0,1 % jeweils unter dem EU-Durchschnitt (EU Kommission, 2018). In Abbildung 7 wird die Höhe des Anteils der Sharing Economy am jeweiligen BIP der EU-Staaten gezeigt. Aus der Abbildung geht hervor, dass Deutschland als eines der wirtschaftlich stärksten Länder Europas zu den Staaten mit dem vergleichbar kleinsten Anteil der Sharing Economy am jeweiligen BIP zählt, während andere Staaten mit vergleichbarem BIP je Einwohner, wie Schweden oder Frankreich15, besser abschneiden (EU Kommission, 2018).

[...]


1 Vermittlung von Zimmern und Wohnungen von und an Privatpersonen (IÖW/IZT/IFEU b), 2017)

2 Vermittlung von privaten Taxifahrten (IÖW/IZT/IFEU b), 2017)

3 Anbieter von Gütern oder Diensten auf Onlineplattformen

4 Nutzer von angebotenen Gütern oder Diensten auf Onlineplattformen

5 Beispiel: die Plattform Kleiderkreisel.de, auf der neue und gebrauchte Kleidung getauscht und gekauft und verkauft wird (Kleiderkreisel GmbH, 2018, online).

6 Beispiel: die Plattform liquidspace.com, auf der Büroflächen und Arbeitsräume angeboten und gemietet werden können (LiquidSpace Inc., 2018, online).

7 aus den USA, Vermittlung von privaten Schlafplätzen für Reisende, 2004 (IÖW/IZT/IFEU b), 2017)

8 französische Plattform zur Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten, 2006 (IÖW/IZT/IFEU b), 2017)

9 USA, 2008 (IÖW/IZT/IFEU b), 2017)

10 USA, 2009 (IÖW/IZT/IFEU b), 2017)

11 Die Zahlen repräsentieren das Suchinteresse relativ zum höchsten Punkt im Diagramm für die angegebene Zeit. Ein Wert von 100 ist die höchste Beliebtheit für den Begriff. Ein Wert von 50 bedeutet, dass der Begriff nur halb so beliebt ist. Ein Wert von 0 bedeutet, dass für diesen Begriff nicht genügend Daten vorhanden waren (Google Trends, Stand 6.12.18).

12 Etsy verlangt zwar Gebühren von seinen Nutzern und erscheint auf den ersten Blick möglicherweise nicht anders als gewöhnliche Onlineshops. Die Plattform kann jedoch als Teil der Sharing Economy angesehen werden, da nur selbstgemachte Produkte oder Vintage-Artikel angeboten werden, die mindestens 20 Jahre alt sind. So wird der Fokus von der in der Wirtschaft üblichen Massenproduktion umgelenkt auf hochwertige Einzelstücke und die Wiederverwendung von Gebrauchtem (Godelnik, 2015).

13 Das deutsche Bundesforschungsministerium fördert das Projekt Peer-Sharing, bei dem Zukunftsforscher von IÖW, IZT und IFEU gemeinsam die sozial-ökologischen Potenziale und nachhaltigen Entwicklungsperspektiven der Sharing Economy untersuchen. Alle Erkenntnisse werden auf www.peer-sharing.de veröffentlicht.

14 Die auf Deutschland bezogenen Zahlen dieser Studie weichen etwas von denen der Studie des IÖW ab. Dies liegt an unterschiedlichen Definitionen der Merkmale, die eine Plattform erfüllen muss, um zur Sharing Economy zu zählen. Es werden beide Studien in dieser Arbeit verwendet, da erstere die zeitliche Entwicklung in Deutschland darstellt, während sich die Ergebnisse der EU-Kommission dafür eignen, die Situation in Frankreich und Deutschland miteinander zu vergleichen.

15 BIP je Einwohner in KKS (Kaufkraftstandards): Deutschland 37.000, Schweden 36.400, Frankreich 31.200 (Statistisches Bundesamt, 2018)

Ende der Leseprobe aus 67 Seiten

Details

Titel
Sind wir bereit für die Kreislaufwirtschaft?
Untertitel
Internationaler Vergleich von Sharing-Angeboten am Beispiel von Deutschland und Frankreich
Hochschule
Fachhochschule Salzburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
67
Katalognummer
V986021
ISBN (eBook)
9783346344274
ISBN (Buch)
9783346344281
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sharing Economy, Akzeptanz, Vergleichsstudie, Kreislaufwirtschaft, Online-Plattformen, Sharing, Konsumverhalten, Circular Economy
Arbeit zitieren
Bettina Maier (Autor), 2018, Sind wir bereit für die Kreislaufwirtschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/986021

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