Diese Arbeit befasst sich mit den Besonderheiten der (post-)modernen Gesellschaft sowie mit der Frage, welche Auswirkungen die gesellschaftlichen Veränderungen und die damit einhergehenden Herausforderungen auf die Individuen, insbesondere die Eltern, haben. Um dieses Thema zu beleuchten, wird Ulrich Beck und seine Individualisierungsthese sowie seine Feststellungen über die Risikogesellschaft betrachtet. Im Fokus steht die Fragestellung: Welche Herausforderungen ergeben sich im Zuge der Individualisierung für Eltern und wie gehen sie damit um?
Die moderne Gesellschaft scheint unbegrenzte Möglichkeiten und Freiheiten zu bieten. Vieles, was in traditionellen Gesellschaften undenkbar war, ist heutzutage möglich. Die Akzeptanz gegenüber verschiedensten Lebensformen ist gestiegen und der Einheitsgedanke verblasst. All dies klingt durchweg positiv, doch diese gesellschaftlichen Veränderungen haben auch Schattenseiten. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Die Individuen stehen immer wieder vor der Herausforderung, Entscheidungen zu treffen, ohne zu wissen, welche Folgen sich daraus ergeben.
Unter dem Begriff der Individualisierung versteht Ulrich Beck eine Vielzahl an Entwicklungen und Erfahrungen der Gesellschaft. Damit ist einerseits die Auflösung vorgegebener Lebensformen und andererseits die, auf den Einzelnen zukommenden, neuen institutionellen Anforderungen, Kontrollen und Zwänge gemeint. Diese entstehen aus den Anforderungen, Reglungen und Maßgaben des Arbeitsmarktes, des Wohlfahrtsstaates und der Bürokratie. All diese sind individuelle Vorgaben mit besonderem Aufforderungscharakter, ein eigenes Leben zu führen. Die moderne Gesellschaft ist daher kein Ort mit unbegrenzten Freiheiten, sondern in der Summe der Anforderungen ein höchst differenziertes Kunstwerk mit labyrinthischen Anlagen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Individualisierungsthese von Ulrich Beck
2.1. Der Individualisierungsbegriff
2.2. Auflösung vorgegebener Lebensformen
2.3. Institutionelle Anforderungen
2.4. Von der Normalbiographie zur Wahlbiographie
2.5. Pluralisierung der Lebensformen
3. Risikogesellschaft von Ulrich Beck
3.1. Die postmoderne Gesellschaft als Risikogesellschaft
3.2. Geschlechterrollen in der Risikogesellschaft
3.3. Die Familie in der Risikogesellschaft
4. Herausforderungen der Individualisierung für Eltern
4.1. Lebensformen der Eltern
4.2. Der Spagat zwischen Elternschaft und Berufsleben
4.3. Besonderheiten bei Alleinerziehende
4.4. Besonderheiten bei Patchwork-Familien
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen, die sich für Eltern durch den Prozess der Individualisierung in der (post-)modernen Gesellschaft ergeben, und analysiert, wie diese mit den Anforderungen an ein selbstbestimmtes Leben umgehen.
- Die Individualisierungsthese nach Ulrich Beck
- Die Risikogesellschaft und ihre Auswirkungen auf Familien
- Konflikte zwischen Elternschaft und Erwerbstätigkeit
- Besonderheiten verschiedener Familienformen wie Alleinerziehende und Patchwork-Familien
- Anforderungen an die Bewältigung des modernen Alltags
Auszug aus dem Buch
4.2. Der Spagat zwischen Elternschaft und Berufsleben
„Familie wird zu einem dauernden jonglieren mit auseinanderstrebenden Mehrfachambitionen zwischen Berufen und ihren Mobilitätserfordernissen, Bildungszwängen, querliegenden Kinderverpflichtungen und dem hausarbeitlichen Einerlei.“ (Beck 2016, S.184) Auf der einen Seite liegt also die finanzielle Absicherung und die berufliche Selbstverwirklichung und auf der anderen Seite die Versorgung der Kinder und die Haushaltsführung. Beides miteinander zu vereinbaren erfordert aber Verzicht auf je einer Seite pro Elternteil. Hier stellt sich die Frage wer der Elternteile verzichtet auf die finanzielle Absicherung im Falle einer Trennung. Meist steht das Risiko auf der Seite der Frau, sie bekommt normalerweise das Sorgerecht für die Kinder. Denn sie ist Diejenige, die die Kinder zur Welt bringt und die, der die Rolle der Hausfrau und Mutter zufällt, auch bei einer Doppelbelastung durch zusätzliche Berufstätigkeit. Dieser Spagat zwischen Mutterrolle und Berufstätigkeit ist jedoch eine große Herausforderung und Belastung.
So „[…] bleiben Kinder gewollte >>Hindernisse<< im beruflichen Konkurrenzkampf und Verlockung für eine bewusste Entscheidung gegen ökonomische Eigenständigkeit und Karriere.“ (Beck 2016, S.184) Elternschaft bedeutet also auf die ein oder andere Weise Verzicht auf berufliche Selbstverwirklichung und finanzielle Sicherheit. Daher ist schon die Entscheidung für das Wagnis Elternschaft eine erste Herausforderung. Ist die Entscheidung dann getroffen, folgen weitere Entscheidungen die individuell und im Diskurs mit dem Partner getroffen werden. Da die Kindererziehung Zeit beansprucht, bedeutet sie auch wenn in verschiedenen Formen immer Einschränkungen auf der beruflichen Ebene. Ein Balanceakt der gleich mehrere Herausforderungen bedeutet. (vgl. Beck 2016, S.184)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Individualisierung ein und definiert die zentrale Fragestellung bezüglich der Herausforderungen für Eltern in der modernen Gesellschaft.
2. Individualisierungsthese von Ulrich Beck: Das Kapitel erläutert den Individualisierungsbegriff sowie den Wandel von der Normal- zur Wahlbiographie und die damit verbundenen institutionellen Anforderungen.
3. Risikogesellschaft von Ulrich Beck: Hier wird die postmoderne Gesellschaft als Risikogesellschaft analysiert, wobei besonders Geschlechterrollen und der Zusammenhalt der Familie im Fokus stehen.
4. Herausforderungen der Individualisierung für Eltern: Dieses Hauptkapitel beleuchtet die konkreten Probleme von Eltern, insbesondere den Spagat zwischen Beruf und Familie sowie die Lebenslagen von Alleinerziehenden und Patchwork-Familien.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und reflektiert die Chancen und Risiken der Individualisierung für moderne Eltern.
Schlüsselwörter
Individualisierung, Risikogesellschaft, Ulrich Beck, Elternschaft, Berufstätigkeit, Wahlbiographie, Familienformen, Alleinerziehende, Patchwork-Familien, Work-Life-Balance, Sozialisation, Geschlechterrollen, Moderne Gesellschaft, Vereinbarkeit, Selbstbestimmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen, mit denen Eltern in der durch Individualisierung geprägten, postmodernen Gesellschaft konfrontiert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Individualisierungsthese von Ulrich Beck, das Konzept der Risikogesellschaft, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die verschiedenen Lebensformen von Eltern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Herausforderungen zu identifizieren, die sich für Eltern durch den gesellschaftlichen Wandel ergeben, und zu verstehen, wie sie diese bewältigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis soziologischer Fachliteratur, insbesondere der Werke von Ulrich Beck und Karin Jurczyk.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Risikogesellschaft, die Geschlechterrollen und geht detailliert auf die Schwierigkeiten bei der Alltagsplanung, Alleinerziehung und Patchwork-Familien ein.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch die Begriffe Individualisierung, Risikogesellschaft, Vereinbarkeit, Wahlbiographie und Familienmanagement charakterisieren.
Welche Rolle spielt der Begriff der "Wahlbiographie" für Eltern?
Die Wahlbiographie bedeutet, dass Lebensentwürfe nicht mehr starr vorgegeben sind, was Eltern vor die ständige Herausforderung stellt, komplexe Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen.
Wie unterscheidet sich die Situation von alleinerziehenden Müttern und Vätern?
Alleinerziehende Mütter sind laut Arbeit häufiger von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht, während Alleinerziehende Väter finanziell meist besser gestellt sind und ein höheres gesellschaftliches Ansehen genießen.
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- Alina We (Author), 2018, Individualisierung der Eltern in der postmodernen Gesellschaft. Individualisierungsthese nach Ulrich Beck, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/986864