Exegese der Perikope Mk 2,23. Ährenraufen am Sabbat


Quellenexegese, 2019

35 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Vorüberlegung und Textsicherung
1.1 Persönlicher Zugang zum Text
1.2 Wirkungsgeschichtliche Reflexion
1.3 Abgrenzung der Perikope
1.4 Vergleich deutscher Übersetzungen

2. Sprachlich-sachliche Analyse
2.1 Sozialgeschichtliche und historische Fragen, Realien
2.2 Textlinguistische Fragestellungen

3. Frage nach der Aussageabsicht
3.1 Formkritik
3.2 Textpragmatik

4. Kontextuelle Analyse
4.1 Traditionsgeschichte
4.2 Religionsgeschichtlicher Vergleich
4.3 Synoptischer Vergleich

5. Der Text als Teil eines theologischen Gesamtkonzepts
5.1 Kompositionskritik
5.2 Redaktionskritik

6. Ergebnissicherung und Ausblick
6.1 Ergebnis, Fazit

Literaturverzeichnis

Literaturquellen

Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Vorüberlegung und Textsicherung

1.1 Persönlicher Zugang zum Text

Diese Exegese zu der Textstelle Markus 2,23-28 ‚Das Ährenraufen am Sabbat´ schreibe ich im Rahmen des Seminares ‚Grundwissen NT‘. Vor meinem Studium der Evangelischen Theologie bin ich zuletzt im Rahmen meiner Konfirmation mit der Bibel in Kontakt gekommen. Den zu bearbeitenden Text habe ich mit Beginn des Seminares zum ersten Mal bewusst gelesen und wahrgenommen. Beim mehrfachen Lesen warf der Text immer wieder neue Fragen meinerseits auf. Zwar habe ich zuvor bereits den Begriff des Sabbats gehört, konnte mir darunter aber nichts vorstellen. Also galt es für mich grundlegend erst einmal zu klären, was der Sabbat überhaupt ist und welche Regeln an ihm gelten, die offenbar missachtet wurden, damit ich die Textstelle analysieren kann. Auch die Taten Davids waren mir bis dato unbekannt, ebenso die Gründe Jesu mit seinem Bezug auf David. Nicht zuletzt stolperte ich über die Begrifflichkeit des Menschensohns.

Ich werde in meiner Exegese nun so vorgehen, dass ich mich zuerst mit der wirkungsgeschichtlichen Reflexion befasse, dann die Perikope abgrenze und folgend verschiedene Bibelübersetzungen miteinander vergleiche. Danach befasse ich mich mit Aspekten der synchronen Textanalyse (Sozialgeschichtliche und historische Fragen/ Realien, Textlinguistische Fragestellungen), folge den Fragen der Aussageabsicht und komme zu der diachronen Textanalyse (Traditionsgeschichte, Religionsgeschichtlicher Vergleich, Synoptischer Vergleich). Schließlich befasse ich mich wieder mit Teilaspekten der synchronen Textanalyse (Kompositions- und Redaktionskritik) und beende die vorliegende Exegese mit meinem Ergebnis bzw. Fazit.

Als grundlegende Bibelübersetzung für die Exegese werde ich die revidierte Fassung der Lutherübersetzung aus dem Jahre 2017 heranziehen.

1.2 Wirkungsgeschichtliche Reflexion

Der Sabbat ist der siebte Tag der Woche und der Tag der Arbeitsruhe. Er ist etwas ganz Besonderes, da es – soweit man es heute weiß – in der antiken Welt keinen Ruhetag gab und dieser erst durch das Judentum eingeführt wurde (vgl. Smith 2013). Ohne ihn gäbe es möglichweise keinen Sonntag, der sogar im deutschen Grundgesetz als Tag der ‘Arbeitsruhe’ und der ‘seelischen Erhebung’ als Grundrecht definiert ist (vgl. Art. 140 GG).

In der Textstelle Mk 2,23-28 geht es um das Ausraufen der Ähren am Sabbat, also das Abreißen von Weizen am Ruhetag. Die zentrale Fragestellung ist, warum die Jünger etwas tun, was nicht erlaubt ist bzw. warum die Jünger das Gebot des Sabbats übertreten und was die Folgen dessen sind. Im Folgenden werden dazu drei verschiedene Interpretationen dargestellt und miteinander verglichen.

Als erste Interpretation möchte ich auf eine Predigt zum Thema ‘Ohne falsche Gewissheiten’ der Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler aus dem Jahr 2014 eingehen, welche im ZDF übertragen wurde. Sie ist der Meinung, dass die Pharisäer grundsätzlich erstmal Recht haben, dass die Sabbatruhe umgestoßen wird – allerdings geht es Jesus nicht darum, den Sabbat und das Gebot der Ruhe aufzulösen. Für Jesus ist es eine Grundsatzentscheidung zwischen Leben und Tod und er zeigt sich in seiner Haltung geradlinig, konsequent und ernsthaft. Das Bestreben Jesu ziele vielmehr darauf ab, in den Sabbat eine neue Interpretationsstruktur hineinzulegen, sodass er nicht mehr als eine Institution zu verstehen, sondern als ein Geschenk Gottes an den Menschen, das mit keinerlei Forderungen verbunden ist (vgl. predigten.evangelisch.de 2014): „Der Sabbat ist für den Menschen da […]. Gott hat sich diesen Feiertag ausgedacht, damit wir einmal unsere Freiheit genießen können und nicht fremdbestimmt sind. […].“ (ebd.).

Die zweite Interpretation basiert auf dem theologischen Handkommentar von Walter Grundmann, in dem ebenfalls das Nichteinhalten der Sabbatruhe der Jünger Jesu und das Verhalten Jesu in dieser Situation Thema ist. Walter Grundmann bezeichnet das Verhalten der Jünger als ein von Jesus gedecktes Verhalten. Jesus wird als Lehrer für das Verhalten seiner Jünger verantwortlich gemacht, gleichgültig ob er daran beteiligt war oder nicht – er hat es geduldet und somit seine Zustimmung zu erkennen gegeben. Jesus und seine Jünger brechen den Wortlaut des Gesetzes. Wie David in seiner Situation für sich und seine Begleiter ein Sonderrecht gegenüber dem Gesetz beansprucht, so auch Jesus: In manchen Situationen ist es möglich, Ausnahmezustände zu schaffen und die Gültigkeit eines Wortlautes oder Gebotes einzuschränken. (vgl. Grundmann 1977, S.)

Als in dieser Arbeit letzte Quelle zur Interpretation wird der evangelisch-katholische Kommentar zum Neuen Testament von Joachim Gnilka herangezogen. In diesem heißt es, dass der Sabbat für den Menschen ein Tag der Ruhe und Freude sei, welcher durch essen und trinken, das Segnen des Allschöpfers sowie durch das Tragen schöner Kleider zu ehren ist. In eigentümlichen Kontrast hierzu steht das Verhalten der Jünger, die auf der Wanderung durch die Saatfelder an einem Sabbat Ähren rupfen, um die Körner zu essen. Das Verwerfliche dabei ist nach Meinung der Pharisäer nicht der Mundraub, sondern der Bruch der Sabbatruhe. Allerdings kommt für das Verhalten der Jünger nur der Hunger als Motiv in Frage, was zwar namentlich nicht benannt wird, sich aber aus dem Vergleich mit David ergibt. Die Gültigkeit des Sabbats bleibt grundsätzlich bestehen, neu ist lediglich das Verhältnis, das der Mensch zum Sabbat gewinnt und, dass die Gültigkeit des Sabbats nun in das Ermessen Jesu gestellt wird. (vgl. Gnilka 2008, S. 123)

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich Susanne Breit-Keßler und Walter Grundmann in ihrer Haltung und Sicht gegenüber dem Sabbat inhaltlich etwas unterscheiden. Für Frau Breit-Keßler ist der Sabbattag ein Geschenk, welches wir mit Leben füllen sollen, ohne zu sehr von den Traditionen abzuweichen. Für Herrn Grundmann ist der Sabbat hingegen ein Gesetz, das man nur in Ausnahmesituationen brechen darf, da der Mensch die Macht über die Gesetze hat und nicht umgekehrt. Wobei sich beide einig zu sein scheinen, ist, dass auch der Sabbattag die Freiheit des Menschen nicht einschränken soll. Auch im Evangelisch-Katholischen Kommentar wird die Situation so interpretiert, dass die Tradition bzw. das Gesetz(te) fallengelassen werden kann, wenn eine höhere Notwendigkeit dies erfordert.

Alle drei Interpretationen haben auch in der heutigen Zeit noch Gültigkeit: Erstens besteht ein Zusammenhang zu unserem heutigen Sonntag, an dem es in der Regel (noch) eine Tradition ist, dass die Geschäfte geschlossen sind und man nicht (normal) arbeitet. Der Tag soll grundlegend eine Chance bieten, einen festen freien Tag für sich und/oder die Familie zu nutzen, ohne ein bestimmtes alltägliches Regelwerk. Zweitens darf bzw. soll ein Gebot nur im Notfall als Ausnahme übertreten werden. In Bezug auf die moderne Arbeitswelt steht dies allerdings mehr denn je in Frage – der Schutz des Sonntags wird viel diskutiert. Will bzw. kann man sich den Luxus eines freien Tages in der Woche angesichts der fortschreitenden Globalisierung und Kapitalisierung überhaupt (noch) leisten? Oder sollte man ihn – gerade deswegen – nicht doch lieber (wieder) verstärkt verteidigen?

1.3 Abgrenzung der Perikope

Die Perikope Mk 2,23-28 ist eingebettet in eine Sammlung von Streitgesprächen, die sich von Mk 2,1-3,6 (Mk 2,1-12: Heilung des Gelähmten; Mk 2,13-17: Berufung des Levi/Gastmahl; Mk 2,18-22: Fastenfrage; Mk 2,23-28: Ährenraufen am Sabbat; Mk 3,1-6: Heilung am Sabbat) erstrecken: Es handelt sich um Jesu Reise von Galiläa zu den Pharisäern und Schriftgelehrten – jeweils streng gläubige jüdische Gruppierungen.

Die Geschichte des ‚Ährenraufen am Sabbat‘ in Mk 2,23-28 hebt sich von der vorhergehenden Perikope über die ‚Frage nach dem Fasten‘ (Vers 18-22) durch die Veränderung der Zeit- und der Ortsangabe (Vers 23: ‚am Sabbat durch ein Kornfeld‘) sowie durch eine völlig neue Thematik ab. Mit ‚Und es begab sich‘ (Vers 23) weist die Perikope einen typischen Perikopen-Anfang auf. Zeitlich spielt sich die geschilderte Situation wie bereits zuvor erwähnt am Sabbat ab, der in der vorherigen Perikope nicht genannt wird. Somit ist dieser Zeitwechsel als Zeichen für den Anfang einer neuen Perikope zu sehen. Darüber hinaus wird der Ort des Geschehens präzise geschildert: die Protagonisten befinden sich in den Kornfeldern während als Schauplatz der vorherigen Situation in Mk 2,15 das Haus Jesu genannt wird. Zur nachgehenden Perikope grenzt sich Mk 2,23-28 ebenfalls durch einen Ortswechsel ab, weil Jesus in Mk 3,1 abermals in die Synagoge geht. Der Neueinsatz in Mk 3,1 wird durch eine eingeleitete Ortsveränderung (Synagoge, Vers 1) und die wiederum veränderte Thematik, die Heiligung eines Mannes am Sabbat, deutlich.

Ergänzend zu den Zeit- und Ortsmarkern ist auch das ‚Gehen‘ als semantischer Marker zu erwähnen: In Mk 2,23 ‚ging‘ Jesus durch die Kornfelder, im darauffolgenden Vers 3,1 ‚ging‘ er in die Synagoge. Das Verb kennzeichnet jeweils einen Schauplatzwechsel, was die Perikope gegenüber den vor- und nachstehenden Textstellen abgrenzt.

Alle drei Abschnitte weisen einen apologetischen Charakter auf und bilden eine Einheit, welche erst durch die Gleichnisreden ab Mk 4,1 durchbrochen wird (vgl. Gruber 2010, S. 7).

1.4 Vergleich deutscher Übersetzungen

Die deutschen Übersetzungen der Erzählung vom Ährenraufen am Sabbat (Mk 2,23-28) weisen nur wenige Unterschiede auf, insbesondere, wenn man die Übersetzung der Lutherbibel (LB) und der Schlachterbibel (SB) miteinander vergleicht – lediglich einige Sätze wurden umgestellt oder Synonyme für Begrifflichkeiten genommen. In der Gute Nachricht Bibel (GNB) lassen sich im Vergleich zu den beiden zuvor beschriebenen hingegen größere Unterscheide und teils Ergänzungen erkennen.

Es folgt zunächst ein tabellarischer Vergleich der Übersetzungen, wobei Gemeinsam- keiten, Unterschiede und Ergänzungen entsprechend farblich markiert sind. Im Anschluss wird auf diese nochmals in inhaltlicher Form eingegangen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Vers 23: Die Übersetzungen unterscheiden sich teils formal wie durch kleinere Übersetzungsunterschiede. In der GNB ist die Rede von ‚Jesus‘, wohingegen die anderen beiden Übersetzungen nur von ‚er‘ sprechen und davon ausgehen, dass der Leser weiß, von wem gesprochen wird. In der LB und in der SB ist die Rede von Kornfeldern, in der GNB wird das Synonym Getreidefelder benutzt. Weiterführend heißt es in der LB ‚Ähren auszuraufen‘, in der SB ‚Ähren abzustreifen‘ und in der GNB ‚Ähren abzureißen‘. In der GNB wurden zudem die Worte ‚und die Körner zu essen‘ ergänzend eingefügt, was möglicherweise zum Textverständnis eingefügt worden sein kann, um das Handeln der Jünger in direkten Zusammenhang mit dem im weiteren Verlauf thematisierten Hunger zu stellen.

Vers 24: In der LB und der SB werden neutrale, nicht wertende Begriffe wie ‚sprachen‘ benutzt, in der GNB ist vom negativ wertenden ‚beschwerten‘ die Rede. Möglicherweise ist dies der Übersetzung geschuldet oder aber absichtlich negativ interpretiert. Durch die besondere Betonung des für die Pharisäer aufständischen Verhaltens Jesu und seiner Jünger wird der Konflikt bzw. das Unverständnis besonders hervorgehoben. Auch in diesem Vers nennt die GNB wieder ‚Jesus‘, in der LB und der SB ist von ‚ihm‘ die Rede. Alle drei Übersetzungen sprechen vom Sabbat und vom Tun, welches ‚nicht erlaubt‘ ist.

Vers 25: Auch hier sind LB und SB im Wesentlichen sehr ähnlich. Wiederum wird in der GNB zu Beginn ‚Aber Jesus‘ geschrieben, während in den anderen Texten nur ‚und er [sprach/spricht]‘ steht. Zudem wird David hier als König tituliert und es wird von ‚Not‘ und nicht, wie bei den anderen, von einem ‚Mangel‘ berichtet.Die Not drückt klarer und verständlicher aus, dass es ihnen wirklich schlecht ging. Den Vers mit der Präposition ‚aber‘ einzuleiten, untermauert die oppositionelle Haltung Jesu und seiner Jünger.Die weiteren Unterschiede in der GNB sind vermutlich lediglich zum besseren Verständnis umformuliert worden.

Vers 26: In allen Übersetzungen gibt es syntaktische Unterschiede, welche jedoch keine Sinnänderungen erzeugen. Allerdings wird in der GNB der Begriff ‚Schaubrote‘ durch ‚Brot, das Gott geweiht war‘ ersetzt.Da der Begriff ‚Schaubrote‘ vielen Menschen nicht geläufig ist, wurde hier sicher für ein besseres Textverständnis stellvertretend die Definition des Begriffs verwendet – es wird jedoch kein neuer Interpretationsspielraum eröffnet.

Vers 27: In der LB ist von ‚der Menschensohn‘ die Rede, in der SB vom ‚Sohn des Menschen‘. Während ‚der Menschensohn‘ einen festen Titel darstellt, bezeichnet ‚der Sohn des Menschen‘ hingegen keinen eindeutigen Begriff und könnte willkürlich jeden Sohn eines Menschen meinen. Zudem sind in Vers 27 in der LB und der SB kleinere formale Unterschiede vorzufinden, wohingegen man in der GNB eine modernere Formulierung auffindet.Das wiederholen von ‚Jesus‘ und die vereinfachte Grammatik erleichtern den Lesefluss, es ergeben sich aber erneut keine neuen Interpretationsspielräume. Ein weiterer Unterschied ergibt sich aus den Zeilen ‚Um des Menschen Willen‘ in der LB und SB bzw. ‚Für den Menschen‘ in der GNB. Erstere Aussage beinhaltet, dass der Sabbat wegen des Menschen geschaffen wurde, ihm aber nicht gehört, während zweitere darauf deutet, dass der Sabbat dem Menschen geschenkt wurde.

Vers 28: In der LB und der GNB ist wieder vom ‚Menschensohn‘ die Rede, in der SB vom ‚Sohn des Menschen‘.In der GNB wird zum besseren Verständnis zudem eine Definition hinzugefügt (‚er hat zu bestimmen, was an diesem Tag getan werden darf‘), welche aber nicht zu einem anderen Interpretationsansatz führt.

Grundtendenzen der Übersetzungsarbeit

Die Lutherbibel ist eine der bekanntesten deutschen Bibelübersetzungen, deren Übersetzung nicht auf der lateinischen Version basiert, sondern auf den Urtexten in Hebräisch und Griechisch. In den letzten Jahrhunderten war sie insbesondere in den protestantisch geprägten Regionen Deutschlands sehr verbreitet. Vor allem aufgrund des fortwährenden Sprachwandels und aufgrund neuer Erkenntnisse in der biblischen Textforschung wurde die Lutherbibel seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach überarbeitet. Unter Berücksichtigung der Ausdrucksstärke Luthers lag der Fokus dabei besonders auf der sprachlichen und sachlichen Richtigkeit sowie der allgemeinen Verständlichkeit. Zum heutigen Stand liegt die revidierte Fassung aus dem Jahr 2017 vor, welche zudem auch die offizielle Version der evangelischen Kirche in Deutschland darstellt. (vgl. bibleserver.com 2020a)

Mitte der 1960er Jahre wurde eine neue Bibelübersetzung mit einem alternativen Übersetzungsansatz herausgegeben, indem das Neue Testament – in Zusammenarbeit mit und unter Prüfung von Theologen diverser Konfessionen und in Kooperation der katholischen und evangelischen Bibelwerke in Deutschland, Österreich und der Schweiz Theologen – von Journalisten und Schriftsteller aus den griechischen Urtexten in ein gut verständliches, modernes Deutsch übersetzt bzw. umgeschrieben wurde: Die *Gute Nachricht Bibel‘. Sie ist bis heute die einzige durchgehend interkonfessionelle Bibelübersetzung im deutschsprachigen Raum, welche zudem nicht wörtlich, sondern vermehrt im inhaltlichen Sinn der Textstellen übersetzt und wiedergegeben wurde bzw. wird. Im Oktober 2018 erschien die Gute Nachricht Bibel in einer neuen Gestaltung. (vgl. bibleserver.com 2020b)

Franz Eugen Schlachters komplette Bibelübersetzung erschien 1905 als erste deutsche Bibel des 20. Jahrhunderts. Schlachter gelang es, der Übersetzung eine besondere sprachliche Ausdruckskraft und seelsorgerliche Ausrichtung zu verleihen. Diese und ebenso nachfolgende Ausgaben wurden mit der Zeit weiterbearbeitet – die aktuelle Version aus dem Jahr 2000 ist in der neuen Rechtschreibung verfasst und verfolgt insbesondere den Ansatz, das Wort Gottes möglichst wortgetreu und zudem für den Leser verständlich wiederzugeben. Schlachters Übersetzung liegt im Alten Testament der überlieferte masoretische Text und im Neuen Testament der überlieferte griechische Text zugrunde. (vgl. bibleserver.com 2020c)

Ausblick auf die künftige Arbeit

Im Wesentlichen können wir feststellen, dass sich die gängigen und wissenschaftlich anerkannten Bibelübersetzungen keine wesentlichen Unterschiede bzw. Veränderungen in Bezug auf die Bedeutung und den Inhalt ergeben haben. Daraus kann man schließen, dass über die Interpretation des Textes weitestgehend Einigkeit herrscht. Wir können uns im Kontext der weiteren Arbeit also hauptsächlich mit einer Bibelübersetzung auseinandersetzen.

2. Sprachlich-sachliche Analyse

2.1 Sozialgeschichtliche und historische Fragen, Realien

Als Schlüsselwörter der Perikope sind die insbesondere die Begrifflichkeiten ‚Sabbat‘, ‚David‘ und ‚Menschensohn‘ aufzuzählen, denen jeweils eine erhebliche religiöse und gesellschaftliche Bedeutung in der Entstehungszeit des Textes zukommt.

Der Sabbat ist im Judentum ein heiliger, von Freitagabend bis Samstagabend andauernder Ruhetag, der mit bestimmten Ritualen verknüpft ist bzw. begangen wird (vgl. duden.de 2020a). Wie man sich am Sabbat zu verhalten hat, war Gegenstand vieler Debatten zwischen jüdischen Glaubensgemeinschaften wie etwa den Pharisäern – Angehörige einer altjüdischen, die religiösen Gesetze streng einhaltenden Bewegung (vgl. Görg & Lang 1991, S.390). Der Sabbat ist der Tag der Arbeitsruhe, wobei die Begründung für jene in verschiedenen Texten variiert; während einige beispielsweise auf die Schöpferruhe Gottes verweisen, erinnern andere an die Erfahrungen aus Sklavendiensten in der Geschichte. Mit dem Sabbat wurde quasi eine Begrenzung in Bezug auf eine ausbeuterische Arbeitsmoral eingeführt, sodass Arbeit und Arbeitsruhe in einem bestimmten Verhältnis zueinanderstehen. Erzählungen wie das Ährenraufen am Sabbat zeigen Grenzen der Arbeitsruhe bzw. Möglichkeiten zur Ausnahmeregelung in Bezug auf die Arbeitsruhe auf (vgl. Crüsemann et al. 2009, S. 21-22).

In Vers 25 wird ein Bezug zu David hergestellt und von seinem Handeln unter Mangel und Hunger gesprochen. In der in dieser Arbeit behandelten Perikope wird der Verweis auf den Hunger der Jüngerschaft ausdrücklich biblisch begründet (vgl. ebd., S.492). David ist ein biblischer Gott (vgl. duden.de 2020b), unter dessen Führung die Gründung des Staates Israel und seine innere und äußere Konsolidierung gelang (vgl. ebd., S.262). Der Verweis auf David ist deshalb von Bedeutung, da er – ebenfalls getrieben von Hunger – in das Haus Gottes – dies bezeichnetet in der Regel einen Tempel (vgl. ebd. 2009, S.254) – ging und die Schaubrote – eine Art Opferbrot, welches auf einem Tisch präsentiert wurde (vgl. Görg & Lang 1991, S.467) – aß und diese mit seinen Anhängern teilte, welche eigentlich niemand außer die Priester selbst essen darf.

Im letzten Vers der Perikope ist die Rede vom ‚Menschensohn’, der pragmatisch über den Sabbat gestellt wird. Mit dem Begriff ist die Selbstbezeichnung Jesu Christi – dies nimmt vor allem Bezug auf seine Menschengestalt, sein menschliches Leiden und sein Sterben (vgl. duden.de 2020c) – und die Gestalt der prophetischen Überlieferung als Repräsentationsfigur gemeint (vgl. Crüsemann et al. 2009, S.262).

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Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Exegese der Perikope Mk 2,23. Ährenraufen am Sabbat
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
35
Katalognummer
V986865
ISBN (eBook)
9783346352187
ISBN (Buch)
9783346352194
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegese, perikope, ährenraufen, sabbat
Arbeit zitieren
Anne Osterhoff (Autor), 2019, Exegese der Perikope Mk 2,23. Ährenraufen am Sabbat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/986865

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