Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Exegese zur Textstelle Markus 2,23-28 "Das Ährenraufen am Sabbat". Hierzu wird zuerst die wirkungsgeschichtliche Reflexion behandelt. Anschließend wird die Perikope abgegrenzt und die verschiedenen Bibelübersetzungen miteinander verglichen. Des Weiteren befasst sich die Arbeit mit Aspekten der synchronen Textanalyse, wie sozialgeschichtlichen und historischen Fragen beziehungsweise Realien und textlinguistischen Fragestellungen. Darauf folgt eine diachrone Textanalyse, die sich mit der Traditionsgeschichte, dem religionsgeschichtlichen Vergleich sowie dem synoptischen Vergleich beschäftigt. Abschließend kommt es zu einer Kompositions- und Redaktionskritik.
Der Sabbat ist der siebte Tag der Woche und der Tag der Arbeitsruhe. Er ist etwas ganz Besonderes, da es – soweit man es heute weiß – in der antiken Welt keinen Ruhetag gab und dieser erst durch das Judentum eingeführt wurde. Ohne ihn gäbe es möglicherweise keinen Sonntag, der sogar im deutschen Grundgesetz als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung als Grundrecht definiert ist. In der Textstelle Mk 2,23-28 geht es um das Ausraufen der Ähren am Sabbat, also das Abreißen von Weizen am Ruhetag. Die zentrale Fragestellung ist, warum die Jünger etwas tun, was nicht erlaubt ist beziehungsweise warum die Jünger das Gebot des Sabbats übertreten und was die Folgen dessen sind.
Die Perikope Mk 2,23-28 ist eingebettet in eine Sammlung von Streitgesprächen, die sich von Mk 2,1-3,6 (Mk 2,1-12: Heilung des Gelähmten; Mk 2,13-17: Berufung des Levi/Gastmahl; Mk 2,18-22: Fastenfrage; Mk 2,23-28: Ährenraufen am Sabbat; Mk 3,1-6: Heilung am Sabbat) erstrecken: Es handelt sich um Jesu Reise von Galiläa zu den Pharisäern und Schriftgelehrten – jeweils streng gläubige jüdische Gruppierungen. Die Geschichte des "Ährenraufen am Sabbat" in Mk 2,23-28 hebt sich von der vorhergehenden Perikope über die Frage nach dem Fasten durch die Veränderung der Zeit- und der Ortsangabe sowie durch eine völlig neue Thematik ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorüberlegung und Textsicherung
1.1 Persönlicher Zugang zum Text
1.2 Wirkungsgeschichtliche Reflexion
1.3 Abgrenzung der Perikope
1.4 Vergleich deutscher Übersetzungen
2. Sprachlich-sachliche Analyse
2.1 Sozialgeschichtliche und historische Fragen, Realien
2.2 Textlinguistische Fragestellungen
3. Frage nach der Aussageabsicht
3.1 Formkritik
3.2 Textpragmatik
4. Kontextuelle Analyse
4.1 Traditionsgeschichte
4.2 Religionsgeschichtlicher Vergleich
4.3 Synoptischer Vergleich
5. Der Text als Teil eines theologischen Gesamtkonzepts
5.1 Kompositionskritik
5.2 Redaktionskritik
6. Ergebnissicherung und Ausblick
6.1 Ergebnis, Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Perikope vom "Ährenraufen am Sabbat" (Mk 2,23-28) durch eine detaillierte exegetische Analyse zu erschließen. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, wie die Jünger Jesu das Sabbatgebot interpretieren, welche Rolle das Bedürfnis des Menschen spielt und wie Jesus als "Menschensohn" durch seine Argumentation das Gesetz neu bewertet.
- Exegetische Untersuchung der Perikope Mk 2,23-28.
- Vergleich verschiedener deutscher Bibelübersetzungen.
- Analyse der religionsgeschichtlichen Hintergründe und des Sabbatkonflikts.
- Synoptischer Vergleich zwischen Markus, Matthäus und Lukas.
- Untersuchung des theologischen Gesamtkonzepts und der christologischen Bedeutung des Menschensohns.
Auszug aus dem Buch
2.2 Textlinguistische Fragestellungen
Im Kapitel der sprachlich-sachlichen Analyse – auch synchrone Textanalyse genannt – geht es insbesondere darum, den Text in seiner sprachlichen Struktur zu erfassen und die inhaltlichen Schwerpunkte zu bestimmen (VGL. ERLEMANN & WAGNER 2013, S. 43-44). Dabei wird folgend auf verschiedene Aspekte eingegangen.
Basisopposition und Gegensatzpaare
Folgende Basisopposition lässt sich in der Perikope feststellen: Die Veränderung von der Ausgangssituation ‚Die Jünger raufen am Sabbat Ähren aus, die Pharisäer sind verärgert und empören sich darüber‘ zur Situation ‚Jesus, der die Situation für sich gewinnt, indem er den Vorwurf auf seine Art und Weise entkräftet‘.
Die Gegensatzpaare, die sich in der Perikope feststellen lassen, sind:
• Hungern - Essen
• Jünger/David – Pharisäer/Priester
• Die strenge Auslegung der Sabbatregeln - Gottesgeschenk des Sabbats
• Sabbatruhe – Arbeiten bzw. Ährenraufen
• Menschliche Bedürfnisse – Gesetze
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorüberlegung und Textsicherung: Einführung in den persönlichen Zugang zum Text sowie Abgrenzung der Perikope und Vergleich der maßgeblichen Übersetzungen.
2. Sprachlich-sachliche Analyse: Untersuchung der historischen Kontexte sowie sprachlicher Strukturen und Schlüsselbegriffe der Textstelle.
3. Frage nach der Aussageabsicht: Analyse der Form und der pragmatischen Absicht des Textes im Hinblick auf die Leserlenkung.
4. Kontextuelle Analyse: Traditionsgeschichtlicher und synoptischer Vergleich mit anderen Evangelien zur Einordnung der Perikope.
5. Der Text als Teil eines theologischen Gesamtkonzepts: Einordnung der Perikope in das Markusevangelium unter kompositionskritischen und redaktionskritischen Gesichtspunkten.
6. Ergebnissicherung und Ausblick: Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und Reflexion der Sabbatthematik im Kontext der Arbeit.
Schlüsselwörter
Sabbat, Markus 2,23-28, Menschensohn, Ährenraufen, Exegese, Pharisäer, Gesetz, Sabbatruhe, David, christologische Rechtfertigung, Religionsgeschichte, synoptischer Vergleich, Bibelübersetzung, Grundbedürfnisse, Theologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einer exegetischen Analyse der Perikope vom "Ährenraufen am Sabbat" nach Markus 2,23-28.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Auslegung des Sabbatgebots, das Verhältnis von Mensch und Gesetz sowie die Bedeutung Jesu als Menschensohn.
Was ist das primäre Ziel der Exegese?
Das Ziel ist es, die Absicht hinter dem Verhalten der Jünger Jesu und der anschließenden Antwort Jesu vor dem Hintergrund historischer und exegetischer Analysen zu verstehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Autorin verwendet eine Kombination aus synchroner (sprachlich-sachlich) und diachroner (traditionsgeschichtlich, synoptisch) Analyse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine textlinguistische Untersuchung, die Frage nach der Aussageabsicht, kontextuelle Vergleiche sowie eine redaktionskritische Einordnung in das theologische Gesamtkonzept des Markusevangeliums.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sabbat, Menschensohn, Exegese, Gesetzeskritik und synoptischer Vergleich charakterisieren.
Wie legitimiert Jesus das Verhalten seiner Jünger?
Jesus legitimiert das Verhalten der Jünger durch den Rückgriff auf die biblische Geschichte von David, der in einer Notsituation ebenfalls das Gesetz übertrat.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Bedeutung des Sabbats?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Sabbat als Geschenk Gottes für den Menschen und nicht als einengendes, gegen den Menschen gerichtetes Gesetz zu verstehen ist.
- Citation du texte
- Anne Osterhoff (Auteur), 2019, Exegese der Perikope Mk 2,23. Ährenraufen am Sabbat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/986865