Techniken der Gesprächsführung bei schwierigen Anlässen

Fiktive Darstellung einer Konfliktsituation in einem außerschulischen Elterngespräch


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fiktives Elterngespräch mit Konfliktsituation

3. Problembeschreibung

4. Möglichkeiten zur Konfliktprävention
4.1. Die Gesprächsvorbereitung
4.1.1. Die Einladung zum Gespräch
4.1.2. Räumliche und zeitliche Voraussetzungen
4.1.3. Emotionale und mentale Voraussetzungen
4.2. Gesprächsdurchführung
4.2.1. Gesprächsstile
4.2.2. Gesprächsphasen
4.2.3. Gesprächstechniken
4.2.3.1. Verbale Kommunikation
4.2.3.2. Nonverbale Kommunikation
4.2.3.3. Paraverbale Kommunikation

4.3. Gesprächsnachbereitung

5. Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Beispielhafte Tischvorlage für ein Elterngespräch

Tabelle 1: Ursache und Wirkung ausgewählter nonverbaler Mittel

Abkürzungsverzeichnis

Abb. Abbildung

bzw. beziehungsweise

ebd. ebenda

o. J. ohne Jahresangabe

S. Seite

Tab. Tabelle

vgl. vergleiche

1.Einleitung

Individuelle Elterngespräche stellen einen wichtigen Baustein der Bildungs- und Erziehungsarbeit an Kindertagesstätten und Schulen dar, da in solchen Gesprächen sowohl die Pädagogen als auch die Eltern die Möglichkeit bekommen, sich detailliert über die Bildung, die Erziehung und die Entwicklung des Kindes auszutauschen (vgl. Textor, 2010). Für einen möglichst konstruktiven und erfolgreichen Ablauf eines Gespräches ist es jedoch wichtig, dass zwischen den Gesprächsteilnehmern kein Konflikt entsteht, welcher insbesondere dann auftreten kann, wenn es um die Rückmeldung von Defiziten in Bezug auf eine bestimmte Leistung oder ein bestimmtes Verhalten geht (vgl. Stadtler, 2008).

Vor diesem Hintergrund behandelt die vorliegende Hausarbeit die Thematik, durch welche Maßnahmen und Methoden Konflikte innerhalb eines Elterngespräches möglichst verhindert werden können. Dazu wird nach der Einleitung zunächst ein fiktives Elterngespräch dargestellt, in welchem ein Konflikt zwischen einer Pädagogin und einem Elternteil entsteht. Im Anschluss daran folgt eine kurze Problembeschreibung, bevor im vierten Kapitel schließlich die Möglichkeiten zur Prävention beleuchtet und diese jeweils mit dem Verhalten der Protagonisten in der dargestellten Konfliktsituation gegenübergestellt werden.

2. Fiktives Elterngespräch mit Konfliktsituation

Zwei Tage lang war Jonas S. im Rahmen einer schulischen Berufsorientierung zu einer sogenannten Potenzialanalyse. Es wurden verschiedene Testungen durchgeführt, um die Stärken und Schwächen des 8.-Klässlers in unterschiedlichen Berufsfeldern herauszufinden. Die Auswertung findet dabei mit Hilfe von Normwerttabellen statt. Die Ergebnisse der Testungen sowie zusätzliche Eindrücke vom Sozialverhalten des Schülers wurden in einem Abschlussbericht von der Testleitung Frau Mirja Meyer schriftlich festgehalten.

Der Bericht wird in einem ergänzenden Gespräch, welches zumeist an einem Freitag in der Schule stattfindet, dem Schüler und seinen Erziehungsberechtigten vorgelegt und ausführlich erklärt. Einladungen zu diesem Gespräch werden in Form von kleinen Karten am ersten Tag der Potenzialanalyse an die Schüler verteilt, welche diese an die Erziehungsberechtigten weiterleiten sollen. Auf der Karte findet sich folgender Text wieder: „Sehr geehrte Erziehungsberechtigte von Jonas, am 08.12.2017 um 09:30 Uhr findet in der Aula des Nikolaus-Ehlen-Gymnasiums das Abschlussgespräch im Rahmen der Potenzialanalyse statt.“

Auf Grund dieser Einladung hat sich der Vater von Jonas an diesem Freitag einen Tag Urlaub genommen und erscheint pünktlich vor der Aula. Gemeinsam mit seinem Sohn betritt er den verhältnismäßig großen Raum. In jenem führen insgesamt zehn Testleitungen zeitgleich ihre Gespräche mit Schülern und Elternteilen. Es ist unübersichtlich, relativ laut und die Luft stickig. Es vergehen einige Sekunden, bis Jonas und sein Vater Frau Meyer hinten links in der Ecke an einem rechteckigen Gruppentisch mit vier Stühlen erblicken. Als auch Frau Meyer die beiden entdeckt, steht sie auf und geht auf die beiden zu. Sie lächelt freundlich. „Hallo Jonas. Schön, dass du so pünktlich bist. Sie sind der Vater?“ Herr S. nickt kurz. „Ähm, okay. Es freut mich, dass Sie heute dabei sind. Mein Name ist Mirja Meyer. Ich bin eine von zehn Testleitungen der Potenzialanalyse und habe Ihren Sohn die zwei Tage in unserem Haus begleitet. Ich werde das Gespräch mit Ihnen führen. Bitte nehmen Sie Platz.“

Nachdem sich die drei gesetzt haben, steigt Frau Meyer direkt ins Gespräch ein. „Also Jonas, deine Testergebnisse lagen insgesamt leider im unterdurchschnittlichen Bereich. Besonders bei den Testungen des räumlichen Vorstellungsvermögens und der handwerklich-technischen Fähigkeiten hast du schlecht abgeschnitten. Da besteht definitiv Förderbedarf. Am besten wäre es wohl, wenn...“ Herr S. reagiert empört über diese Ergebnisse und fällt Frau Meyer laut ins Wort. „Frau Meyer, ist das Ihr Ernst? Mein Junge ist doch nicht blöd! Und Schwächen beim Handwerk? Ist doch scheiß egal, mein Sohn macht Abi und wird kein dreckiger Handwerker. Was glauben Sie, wer Sie sind? Sie kennen meinen Sohn doch überhaupt nicht.“ Frau Meyer wirkt sichtlich verunsichert. Anhand der Testergebnisse konnte sie bereits schon vorher einschätzen, dass es kein einfaches Abschlussgespräch werden wird, aber eine Vorbereitung des Termins war ihrer Meinung nach nicht notwendig. Es wird ohnehin kein Erziehungsberechtigter zu dem Termin erscheinen, war noch ihr Gedanke am Vorabend. Sie gestikuliert etwas wilder mit den Händen und versucht, sich in leisem Ton zu erklären. „Herr S., verstehen Sie das jetzt bitte nicht falsch.“ „Nein, Frau Meyer, sie verstehen mich gerade wohl nicht: Ich hatte gehofft, bei diesem Termin heute etwas Sinnvolles über die Zukunft meines Sohnes erfahren zu können. Was er beispielsweise später studieren kann. Dafür habe ich mir extra einen Urlaubstag genommen, mit welchem ich definitiv was Besseres hätte anfangen...“ Das Handy von Frau Meyer schellt und unterbricht Herr S. im Gespräch, schnell versucht sie das Handy lautlos zu stellen. Herr S. jedoch schüttelt kurz den Kopf, erhebt sich und verlässt mit seinem Sohn die Aula.

3. Problembeschreibung

Im vorigen Kapitel wurde ein fiktives Gespräch dargestellt, in welchem es zu einer Konfliktsituation zwischen einer Lehrperson und einem Elternteil gekommen ist. Folgend werden nochmals die Faktoren, welche letztendlich zu der Konfliktsituation und dem Abbruch des Gespräches führten, kurz zusammengefasst.

Frau Meyer muss einige Schwächen aufzeigen und versuchen den Schüler dennoch zu motivieren. Bei schwierigen Schülern oder schlechten Ergebnissen hofft sie, dass keine Erziehungsberechtigten zu dem Gespräch erscheinen. Dementsprechend überrascht und unvorbereitet ist sie bei dem Erscheinen von Herrn S., da ihn Jonas im Vorfeld nicht angekündigt hatte. Frau Meyer hatte jedoch auch zuvor nicht gefragt, ob Eltern an dem Gespräch teilnehmen werden.

Jonas‘ Vater fehlten im Vorfeld sämtliche Informationen, wofür das Gespräch angesetzt wurde. Lediglich Uhrzeit, Ort und Name des Projektes wurden ihm mitgeteilt. So erhofft er sich bei dem Termin insbesondere Klarheit über die schulische und berufliche Zukunft seines Sohnes zu bekommen und nimmt sich für den Termin einen Urlaubstag. Als er schließlich zu Beginn des Gespräches direkt mit negativen Ergebnissen seines Sohnes konfrontiert wird, die für ihn zudem nicht von Belang sind, fühlt sich Herr S. persönlich angegriffen und will seinen Sohn in Schutz nehmen.

Den Höhepunkt bildet gegen Ende das schellende Handy von Frau Meyer, welches das Gespräch stört. Da Herr S. mit dem Gesprächsinhalten und dem Gesprächsverlauf ohnehin schon unzufrieden ist, beendet er an dieser Stelle das Gespräch abrupt ohne eine Verabschiedung.

4. Möglichkeiten zur Konfliktprävention

Das folgende Kapitel bildet den theoretischen Teil der vorliegenden Hausarbeit, indem verschiedene Möglichkeiten zur Prävention eines wie in Kapitel zwei dargestellten Konfliktes beleuchtet und jeweils mit der beschriebenen Konfliktsituation und der erläuterten Problembeschreibung gegenübergestellt werden.

4.1. Die Gesprächsvorbereitung

Eine gute Vorbereitung stellt das Fundament für einen erfolgreichen Ablauf eines Elterngespräches dar und kann die Sicherheit von Lehrkräften bei der Gesprächsdurchführung erheblich erhöhen (vgl. Hennig & Ehinger, 2006, S. 84). Zur Vorbereitung können dabei sowohl die Gesprächseinladung, die räumlichen und zeitlichen Voraussetzungen als auch die emotionalen und mentalen Voraussetzungen gezählt werden.

4.1.1. Die Einladung zum Gespräch

Mit dem Erhalt einer Einladung wird den Eltern grundsätzlich die Möglichkeit gegeben, sich bereits im Vorfeld Gedanken über die für sie wichtigen Gesprächsinhalte zu machen. Eine Einladung zu einem Gespräch ist Eltern jedoch meistens nur in den Fällen bekannt, in welchen sie mit einem unangenehmen Ereignis konfrontiert werden. Dies führt häufig zu unangenehmen Gefühlen oder gar zu Ängsten bei den Eltern, welche einen Gesprächsverlauf negativ beeinflussen können. Um solche negativen Gefühlslagen oder Ängste zu vermeiden, sollten die Eltern daher nach Möglichkeit früh auf einem möglichst einfachen Weg1 darüber informiert werden, dass der gegenseitige Austausch einen ganz normalen Teil der pädagogischen Arbeit darstellt und nicht zwangsweise mit unangenehmen Ereignissen verbunden ist (vgl. Dusolt, 2001, S.26).

Ebenso wichtig wie der Zeitpunkt und die Form der Einladung ist der Inhalt der Einladung. Mit einer vorzugsweise wertschätzenden und freundlichen Sprache sollte deutlich gemacht werden, um was sich das Gespräch thematisch handeln wird und, dass es sich nicht um eine Vorladung zu einem Gespräch handelt. Bei einer vorangegangenen Konfliktsituation ist es darüber hinaus hilfreich, Kompromissbereitschaft und ein Interesse an einer gemeinsamen Lösung zu signalisieren (vgl. Hennig & Ehinger, 2006, S. 124).

Bezug zur Konfliktsituation Jonas hatte am ersten Tag der Potenzialanalyse eine Einladung mit nach Hause bekommen, welche lediglich den kurzen Inhalt enthielt:

„Sehr geehrte Erziehungsberechtigte von Jonas, am 08.12..2017 um 09:30 Uhr findet in der Aula des Nikolaus-Ehlen-Gymnasiums das Abschlussgespräch im Rahmen der Potenzialanalyse statt.“

Besser wäre jedoch eine ausführlichere Einladung gewesen. Ein passender Beispielstext wäre etwa:

„Liebe Erziehungsberechtigte, liebe Eltern,

Jonas hat in unserem Haus eine 2tägige Potentialanalyse im Rahmen der Berufsorientierung absolviert. Da wir das Kind in verschiedenen Berufsfeldern getestet sowie sein Sozialverhalten schriftlich erfasst haben, möchten wir dem Kind seine Ergebnisse gerne in einem individuellen Gespräch mitteilen. Über die Teilnahme interessierter Eltern / Erziehungsberechtigter freuen wir uns sehr, sie ist aber nicht zwingend erforderlich. Das Erscheinen des Kindes ist hingegen verpflichtend, da es sich bei dem Termin um eine Schulveranstaltung handelt.

Das Gespräch findet am 08.12.2017 um 9:30 in Raum 08 des Nikolaus-Ehlen-Gymnasiums statt. Der Termin ist auf 30 Minuten angesetzt, die Gesprächsleitung übernimmt Frau M. Meyer.

Sofern Sie Zeit und Interesse haben, an dem Gespräch teilzunehmen, würden wir zur besseren Planung um eine telefonische Anmeldung bis zum 06.12.2017 bitten. Zur Anmeldung und für weitere Informationen erreichen Sie uns telefonisch unter 0208/123456789.

Es grüßt Sie herzlich, das Team des Bildungsträgers XY.“

In diesem Beispiel werden nicht nur Zeit und Ort des Gespräches angesprochen, sondern auch eine genauere Beschreibung der Maßnahme sowie die Absicht hinter dem Termin erläutert. Diese Ausführlichkeit würde es den Erziehungsberechtigten erleichtern, sich mit den Gesprächsinhalten im Voraus auseinanderzusetzen und sich auf diese vorzubereiten. Ebenso würden die Eltern weniger ängstlich und verunsichert zu dem Termin erscheinen.

Des Weiteren wird darauf hingewiesen, dass die Teilnahme der Erziehungsberechtigten nicht unbedingt erforderlich ist. Diese Information wäre für den Vater von Jonas wichtig gewesen, um besser einschätzen zu können, ob er sich den Tag frei nehmen sollte. Eine noch persönlichere und herzliche Ansprache erleichtert zudem die Kontaktherstellung zu den Erziehungsberechtigten.

Der letzte Abschnitt der Einladung, sich bei Interesse für das Gespräch anzumelden, hätte es hingegen Frau Meyer vereinfacht, sich auf das Gespräch mit Eltern-Beteiligung vorzubereiten. Darüber hinaus wird den Erziehungsberechtigten mit der Angabe der Kontaktdaten des Bildungsträgers die Möglichkeit gegeben, eventuelle Fragen telefonisch im Vorfeld klären zu können.

4.1.2. Räumliche und zeitliche Voraussetzungen

Als eine erste, wichtige und räumliche Voraussetzung für die Durchführung eines Elterngespräches sollte es gewährleistet sein, dass dieses in einem möglichst abschließbaren, als besetzt gekennzeichneten und somit störungsfreien Raum stattfinden kann. Auch Mobiltelefone sollten lautlos geschaltet werden, um eine potenzielle Unterbrechung des Gesprächs durch einen Anruf zu vermeiden. Des Weiteren sollte das Gespräch in einem möglichst hellen, nicht zu groß und nicht zu klein geratenen sowie nach Möglichkeit mit Möbeln (um)gestalteten Raum stattfinden. Dies schafft eine angenehme Gesprächsatmosphäre, die sich positiv auf die Teilnehmer auswirkt (vgl. Dusolt, 2001, S. 23-24).

Sofern vorhanden, sollten Gespräche zudem möglichst an einem runden Tisch stattfinden. Runde Tische schaffen eine entspanntere Atmosphäre als rechteckige, indem die Gesprächsteilnehmer nebeneinander und nicht durch den Tisch getrennt in einer gewissen Distanz gegenüber sitzen (vgl. ebd.).

Neben den räumlichen Gegebenheiten ist die zur Verfügung stehende Zeit eine zweite wichtige Voraussetzung zum Führen eines Elterngespräches. Nur wenn genug Zeit eingeplant ist, können die wesentlichen Inhalte des Gespräches und mögliche Rückfragen ohne Druck geklärt werden. Je nach Inhalt und Grund des Elterngespräches sollten hierbei bis zu 30 Minuten pro Gespräch eingeplant werden (vgl. ebd.).

[...]


1 Als einfachsten Weg empfiehlt sich zumeist eine schriftliche Einladung, da in jener genauer auf die Wortwahl und die Formulierung geachtet werden kann (vgl. Dusolt, 2001, S.26).

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Techniken der Gesprächsführung bei schwierigen Anlässen
Untertitel
Fiktive Darstellung einer Konfliktsituation in einem außerschulischen Elterngespräch
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V986900
ISBN (eBook)
9783346349255
ISBN (Buch)
9783346349262
Sprache
Deutsch
Schlagworte
techniken, gesprächsführung, anlässen, fiktive, darstellung, konfliktsituation, elterngespräch
Arbeit zitieren
Anne Osterhoff (Autor:in), 2017, Techniken der Gesprächsführung bei schwierigen Anlässen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/986900

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