Die vorliegende Arbeit will die Mainstadt Frankfurt im Mittelalter in ihrer Funktion als Handelsknoten vorstellen, wobei im Rahmen des Hauptseminares der Schwerpunkt auf dem Handelsgut Wein liegt.
Zunächst soll zur Einführung kurz dargestellt werden, wie die Stadt Frankfurt zu ihrer politischen und wirtschaftlichen Bedeutung gelangte, um ein Bild von der gehobenen Stellung der Stadt zu geben. Auch der Weinbau in und um Frankfurt wird kurz skizziert.
Verbindet man heute mit Frankfurt als Messestadt hauptsächlich die Buchmesse, so waren es im Hochmittelalter - vor Erfindung des Buchdrucks - die landwirtschaftlichen Güter, die Dinge für den alltäglichen Bedarf und natürlich auch die Luxusgüter aus fernen Ländern, mit denen auf den Messen zweimal im Jahr gehandelt wurde.
Durch die überaus günstige Verkehrslage war Frankfurt geradezu dafür geschaffen, dass dort Waren von Süden nach Norden und von Osten nach Westen und umgekehrt zwischengelagert und zwischengehandelt wurden.
Dass der Wein mit zu den wichtigsten Handelsgütern gehörte, bezeugen schon die vielen Verordnungen, die hauptsächlich den Weinhandel von Fremden, die Abgaben und die Berufsgruppen, die in den Weinhandel involviert waren, betrafen. Diese Aspekte sollten im Laufe der Arbeit ebenfalls behandelt werden.
Hauptquelle der Informationen war für einen Großteil der Arbeit der Aufsatz von Michael Rothmann, der, nach seinen Fußnoten zu urteilen, viel im Frankfurter Stadtarchiv recherchiert hat. Da mir eine so intensive Suche nicht möglich war und die Kieler Universitätsbibliothek äußerst schlecht mit Literatur über die Frankfurter Handelsgeschichte, noch schlechter mit detaillierten Werken über den Frankfurter Weinhandel bestückt ist, verlasse ich mich meist unreflektiert auf Rothmanns Thesen, gestützt auf Wolfs Gesetzessammlung, die einige interessante Quellen zu diesem Thema bietet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Stadt Frankfurt
2.2. Politische und wirtschaftliche Bedeutung
2.2. Der Weinbau in und um Frankfurt
3. Die Frankfurter Messe
3.1. Entstehung
3.2. Messewesen
3.3. Einzugsgebiete
4. Der städtische Weinhandel und Weinausschank
4.1. Die Umstände und Träger des Weinhandels
4.2. Die Weinsorten
4.3. Der Weg des Weines vom Anbieter zum Käufer und Verbraucher
4.3.1. Die in den Weinhandel eingebundenen Berufsgruppen
4.3.2. Die Abgaben
4.3.2.1. Auf den Wein beschränkte Abgaben
4.3.2.2. Andere städtische Abgaben
5. Schlußbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Funktion Frankfurts als mittelalterlicher Handelsknoten, wobei der Schwerpunkt gezielt auf den Handel mit dem Gut Wein gelegt wird. Ziel ist es, die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt sowie die komplexen bürokratischen und infrastrukturellen Bedingungen des Weinhandels darzustellen.
- Entwicklung Frankfurts zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum
- Bedeutung des Weinanbaus und Weinhandels im mittelalterlichen Frankfurt
- Struktur und rechtliche Rahmenbedingungen der Frankfurter Messen
- Rolle städtischer Beamter und Berufsgruppen im Weinhandel
- Systematik der städtischen Abgaben und Zölle auf den Wein
Auszug aus dem Buch
4.3.1. Die in den Weinhandel eingebundenen Berufsgruppen
Schon auf dem Weg nach Frankfurt - sei es zu Wasser oder zu Land - mußte der Händler für seinen Wein an zahlreichen Zoll- und Geleitstellen, die sich in der näheren Umgebung Frankfurts befanden, Zoll- und Geleitsabgaben an die herrschaftlichen Zolleinnehmer entrichten. Der zu Land Reisende erhielt dann militärischen Schutz auf seinem Weg in die Messestadt durch städtische Geleitsreiter an der Landwehr, die ihn vor Räubern auf den Wegen schützten. Zu Wasser konnte der Händler mit dem täglich verkehrenden Frankfurt-Mainzer-Marktschiff nach Frankfurt gelangen.
Die Ankunft des Händlers wurde durch den Tagwächter vom Turm von St. Nikolai durch einen Trompetenstoß verkündet. Danach ging der Wein durch die Hände vieler städtischer Beauftragter.
Nach der Ankunft rief der Zöllner nach Entrichtung des Zolles - zu Messezeiten hatte man den Doppelzoll, auch Messezoll genannt, zu bezahlen - den Visierer herbei, der die Fässer ausmaß, sie zählte und mit seinem Zeichen versah. Diese Zahlen übermittelte er den Ratsfreunden, die bei der Rentkiste auf dem Fahrtor saßen und diese Angaben in das Pfortenbuch eintrugen. Nach dem Verkauf nahm der Visierer wiederum den Bestand auf und ließ diesen abermals eintragen. Im Anschluß daran hatte der Händler die Niederlage und das Ungeld zu entrichten. Im 14. Jahrhunderts gab es zwei bis drei Visierer, im 15. Jahrhundert vier in Frankfurt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Fokus der Arbeit auf den Weinhandel im mittelalterlichen Frankfurt und erläutert die methodische Vorgehensweise sowie die Quellengrundlage.
2. Zur Stadt Frankfurt: Dieses Kapitel skizziert den Aufstieg Frankfurts zu einem bedeutenden politischen und wirtschaftlichen Zentrum und beleuchtet kurz den Weinbau im Stadtgebiet.
3. Die Frankfurter Messe: Hier wird die Entwicklung der Messen, ihre rechtliche Stellung sowie die geographische Bedeutung Frankfurts als Handelsknotenpunkt analysiert.
4. Der städtische Weinhandel und Weinausschank: Das Kernkapitel untersucht die Akteure, die verschiedenen Weinsorten sowie die detaillierten Handelswege und städtischen Abgabensysteme.
5. Schlußbetrachtung: Das Fazit fasst die Bedeutung der städtischen Organisation und Reglementierung für die florierende Handelsstadt zusammen.
Schlüsselwörter
Frankfurt, Mittelalter, Weinhandel, Messewesen, Handelsgeschichte, Zollwesen, Ungeld, Niederlage, Messefreiheit, Handelsknoten, Berufsgruppen, Stadtökonomie, Weinbau, Wirtschaftsgeschichte, Fernhandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle Frankfurts als bedeutenden mittelalterlichen Handelsknotenpunkt mit einem spezifischen Fokus auf den Weinhandel und die damit verbundenen städtischen Strukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die Entwicklung des Frankfurter Messewesens, die bürokratische Organisation des Weinhandels, die Beteiligung verschiedener Berufsgruppen sowie das komplexe System der städtischen Abgaben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das hochgradig organisierte Abgabensystem und den administrativen Handelsablauf in Frankfurt zu dokumentieren, um die wirtschaftliche Bedeutung des Weines für die Stadt im Mittelalter zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Arbeit angewandt?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, insbesondere der Auswertung von Fachaufsätzen (z.B. von Michael Rothmann) sowie der Analyse historischer Gesetzestexte und Quellen zur Handelsgeschichte.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Messeorganisation, den Einzugsgebieten, den agierenden Berufsgruppen (wie Visierer und Weinschröter) und der steuerlichen Erfassung durch Ungeld und Niederlage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt am besten?
Die zentralen Begriffe umfassen Frankfurt, Weinhandel, Messewesen, Handelsgeschichte, Zollwesen und städtische Wirtschaftsorganisation.
Warum war das Ungeld die wichtigste Einnahmequelle der Stadt?
Das Ungeld als Getränkesteuer betraf das wichtigste Grundnahrungsmittel und Handelsgut der Zeit; da der Konsum von Wein hoch war und die Stadt jeden Schritt des Handels streng regulierte, generierte diese Abgabe einen Großteil der städtischen Einnahmen.
Welche Bedeutung hatten die Visierer im Handelsablauf?
Die Visierer waren städtische Beamte, die die Weinfässer ausmaßen, zählten, mit Siegeln versahen und die Einhaltung der Vorschriften sowie die ordnungsgemäße Abführung des Ungelds in den Herbergen und Handelsplätzen kontrollierten.
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- Wiebke Timm (Author), 1995, Handelsknoten Frankfurt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/987