Sexueller Missbrauch gegenüber Kindern und Jugendlichen. Ein Überblick


Einsendeaufgabe, 2020

22 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklungsphasen

3. Sexueller Missbrauch gegenüber Kindern und Jugendlichen
3.1. Sexueller Missbrauch- Begriffsbestimmung
3.2 Sexueller Missbrauch- Präventionsmaßnahmen

4. Fazit

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Im Rahmen der „Speziellen Sozialpolitik für Kinder" und in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, beschäftigt sich diese Arbeit mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen und dessen Auswirkungen auf die Entwicklung. Dazu wird ein fundiertes Konzept vorgestellt, das wissenschaftliche Ratschläge zur Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch aufzeigt.

In den ersten Kapiteln der Arbeit werden unterschiedliche Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen aufgeführt. Diese Phasen werden in Altersabschnitten sortiert, wobei speziell auf die Teilbereiche „Bildung",„Soziales" und „Selbst" eingegangen wird. In den nachfolgenden Kapiteln wird das sozialpolitische Thema des Kindesmissbrauchs thematisiert, dazu wird eine kurze Einleitung und Begriffsbestimmung zum Thema hergestellt. Im Anschluss daran folgen Präventionsmaßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Abschluss der Arbeit bildet das Fazit zum Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen, die aus den Erkenntnissen der Arbeit gezogen werden.

2. Entwicklungsphasen

Unter dem Begriff der Entwicklung versteht man eine Veränderung des Organismus, bei der etwas Neues entsteht, um eine andere Qualität des Verhaltens zu erreichen. Von Beginn des Embryos an bis zum Erwachsenenalter entwickelt sich der Organismus mit Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Funktionen hin zu einem Individuum. Diese Entwicklung muss nicht nur quantitative sondern auch qualitative Veränderungen mit sich bringen.1

Von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter ist das Leben eines Menschen durch unterschiedliche soziale, emotionale, kognitive und selbstbezogene Entwicklungsphasen geprägt. In den Altersabschnitten, die jedes Kind durchläuft, kann der Entwicklungsprozess unterschiedlich schnell ablaufen.2

In dieser Zeit entwickeln Kinder eigene und individuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten. Einige davon sind ausschließlich in bestimmten Zeitfenstern möglich.3 Wird dieser Entwicklungsprozess jedoch gestört, können sich entsprechende Defizite entwickeln, die weitgehende Folgen auf das Jugend- und Erwachsenenalter haben können.

Säuglingsalter Besonders die ersten Jahre eines Kindes können sehr prägend sein, denn diese Jahre entscheiden über die Einstellungen und das Verhalten gegenüber anderen Menschen.4

Dieser Lebensabschnitt gehört zum entwicklungsdynamischsten Zeitraum eines Menschen.5 Bereits unmittelbar nach der Geburt zeigen Babys erste Ver- trautheits- und Wiedererkennungsreaktionen. Sie sind in der Lage, Erfahrungen zu speichern und diese im Verhalten zu nutzen.6 Bereits wenige Stunden nach der Geburt können sie das Gesicht der Mutter wiedererkennen und verschiedene Gesichtsgesten imitieren.7 Bereits das erste Lächeln des Kindes wird als soziale Handlung verstanden, dieses tritt meist zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat auf. Es wird durch die Bezugsperson beeinflusst, was bedeutet, dass sich das Kind zunehmend auf sie fokussiert. Ab dem achten Lebensmonat zeigen sich erste Anzeichen einer Bindung zu den Eltern oder der Bezugsperson. In diesem Alter können Kinder fremde Personen von ihrer Vertrauensperson unterscheiden. Das zeigen Kinder durch deutlich abwehrendes Verhalten gegenüber fremden Personen, wenn die Bezugsperson bspw. den Raum verlässt. Je stärker die Verbindung, desto ausgeprägter die Reaktion des Kindes. Aus diesen Gründen wird diese Phase auch als „Zuwendungsphase“ bezeichnet.8

Die körperliche Entwicklung eines Babys ist ebenfalls eine sehr dynamische Phase, denn bereits kurz nach der Geburt zeigen sich die ersten Reflexe des Säuglings. Dazu gehören das Saugen, das Greifen, das Schlucken usw.

Die Entwicklung der Motorik verläuft vom Kopf beginnend über den Oberkörper zu den Füßen. Diese Bewegungen sind hauptsächlich durch die Reflexe bestimmt. Es entwickeln sich die Wahrnehmung und die Sinne in Form des Tastsinns, des Geruchs- und Geschmackssinns, des Sehens, Hörens, des Gleichgewichts und der Gestaltwahrnehmung.9 Säuglinge sind in der Lage, Objekte, die sich im Gesichtsfeld befinden, mit den Augen zu verfolgen.10 Ab dem ersten Lebensjahr zeigen sich erste Rangordnungsmomente, wie die der Dominanz, der Unterwerfung und der Rivalität. Gegen Ende des ersten Lebensjahres interagiert das Kind bereits mit anderen Kindern.11 Zu den kognitiven Fähigkeiten stellte Jean Piaget, ein berühmter Entwicklungspsychologe, unterschiedliche Phasen der Denkentwicklung des Säuglings vor:

Die erste Phase ist die bereits erwähnte Reflexhandlung, also das Saugen, Greifen, Blinzeln, Schreien usw.

Phase zwei ist die primäre Kreisreaktion, das bedeutet durch wiederholte Verhaltensmuster entwickelt sich eine Stabilität. Dadurch werden Assimilationsschemata miteinander verbunden.

Phase drei ist die sekundäre Kreisreaktion, das heißt eigene Aktivitäten und dessen Effekte werden mit der Umwelt entdeckt. Das Mittel- Zweck- Schema wird erworben.

Die vierte Phase ist die Koordinierung und Anwendung der sekundären Kreisreaktion, in der nun eine Zielhandlung erfolgt, bevor eine Mittelhandlung realisiert werden kann.

Phase fünf ist die tertiäre Kreisreaktion, die das Verhalten zwischen verschiedenen Schemata variieren lässt.

Die letzte Stufe ist die Erfindung neuer Handlungsmuster durch verinnerlichtes Handeln, in der bestimmte Handlungen auch im Kopf ausgeführt werden können.12

Kleinkindalter Im Kleinkindalter verfügen Kinder über grundlegende kognitive und sozial- emotionale Kompetenzen. Die Motorik und die Wahrnehmung können aufeinander abgestimmt werden. Sie lernen mit symbolischen Repräsentationen umzugehen, Sätze können gesprochen werden und sie verfügen über die Fähigkeit eigene Emotionen zu kontrollieren und Beziehungen zu anderen Kindern aufzunehmen.13 Dabei steht das Alleine spielen und das Parallelspiel im Vordergrund, denn ab dem Kleinkindalter entstehen durch zufällige Treffen und gemeinsame Interessen an Gegenständen oder Tätigkeiten die ersten gemeinsamen Spiele. Diese laufen aber häufig parallel nebeneinander ab, ohne Kontakt zum Gegenüber aufzunehmen. Zwischenzeitlich kann man aber auch das Zuschauen der Kinder bei anderen Kindern beobachten, ohne dass sie jedoch Kontakt zueinander aufnehmen. Diese Phase der Beobachtung ist besonders wichtig für das Kind, um sich Kenntnisse und Handlungsverfahren der Spielgegenstände anzueignen.14

Ab dem vierten Lebensjahr ist es in der Lage aktiv mit anderen zu spielen, dabei lernt es das Geben und das Nehmen, aber auch das Nachahmen und Nachverfolgen.

Ab dem fünften Lebensjahr kann es bereits mit mehreren Kindern zusammen spielen. Dabei entwickelt sich zielgerichtetes und organisiertes Spielen mit Regeln.15

Die Selbständigkeit des Kindes entwickelt sich immer mehr und die Beziehung zur Umwelt wird immer stärker durch Gebote der Erwachsenen geleitet. Dadurch steht das Kind häufiger zwischen Wahl- oder Entscheidungssituatio- nen. Besonders das Spielen mit anderen erfordert entweder das Einordnen oder das Durchsetzen um sich individuell von der Gruppe abzuheben. Ab Mitte des zweiten Lebensjahres reagiert das Kind häufiger mit Trotzreaktionen. In dieser Zeit ist es oft unausgeglichen, was sich durch Wutausbrüche, Schreien, Treten, Schlagen usw. bemerkbar machen kann. Diese Phase nennt man auch „Erregungsphase“, in der ein Spannungsfeld zwischen der Autonomie und der Trotzphase entsteht. Gekennzeichnet ist sie durch starke Ambivalenz der Gefühle. Diese Verhaltensweisen sind häufig Ausdruck von Widerstand gegenüber den Eingriffen und Forderungen der Erwachsenen. Ab dem dritten Lebensjahr lässt sich das Sozialverhalten wie das Streicheln, Helfen, Küssen, Trösten, Verteidigen, Bemuttern, Teilen, Schimpfen oder Stoßen erkennen. Bei den prosozialen Aktivitäten lassen sich allerdings Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen erkennen. Auffallend ist dabei, dass 40% der Jungen und 60% der Mädchen prosoziale Aktivitäten aufzeigten. Die Bindung zu Gleichaltrigen nimmt ab diesem Alter zu, erste Freundschaften werden geschlossen. Dabei wechseln die Freunde in diesem Alter besonders schnell, denn Freundschaften werden häufig innerhalb kürzester Zeit wieder aufgelöst.

In dieser Lebensphase ist die eigene Persönlichkeitserkennung durch die Verwendung des eigenen Namens oder der „ich“- Bezeichnung zu erkennen. Das Kind ist in der Lage sich bewusst auf sich zu beziehen. Das Wollen wird ausprobiert.16

Ab dem zweiten Lebensjahr entwickelt das Kind ein Selbstbewusstsein. Es erkennt sich selbst als handelndes Subjekt in der Gesellschaft. Es erkennt, dass eigenes Handeln Auswirkungen auf Menschen und Objekte haben können.17

In diesem Alter sind sie in der Lage ihr eigenes Geschlecht zu bestimmen.18 Die Gedächtnisleistung nimmt mit zunehmendem Alter rapide zu19 und das symbolische Denken entwickelt sich.

Kleinkinder sind in der Lage Gegenstände zwischen Symbolen und Objekten zu unterscheiden, so dass ein Bauklotz zu einem Auto und ein Stück Papier zu einem Flugzeug werden kann.20

Mit zwei Jahren sind sie in der sogenannten Benennungsexplosion. Ihr Wortschatz umfasst ca. 200 Wörter und sie lernen ungefähr fünf neue Wörter pro Tag dazu. Ab diesem Alter kommt erstmals die aktive Grammatik beim Sprechen zum Einsatz.21

Die Gedächtnisleistung und die Leistungsfähigkeit sind bereits ab dem zweiten Lebensjahr in vollem Umfang gegeben.22

Kindergartenalter /Vorschulalter Mit der Erreichung des Vorschulalters begreifen Kinder den Unterschied zwischen dem Geist und der Welt. Sie können zwischen mentalen Phänomenen wie den Gedanken, Träumen und den physikalischen Phänomenen unterscheiden.

In diesem Alter tauchen Kinder zunehmend in die Fantasiewelt ein, erzählen und erfinden Geschichten und Märchen.23 Dabei fällt auf, dass sich drei bis vierjährige Kinder meistens Eigenschaften zuschreiben, die eher Wunschvorstellungen sind und nicht immer der Wahrheit entsprechen.24 Die Ablösung der Eltern ist im Kindergartenalter ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung. Neue Beziehungserfahrungen mit Gleichaltrigen werden gesammelt und das Aushalten von Trennungen von den Eltern wird entwickelt.25 Ab dem Vorschulalter gewinnen motorische Leistungen zunehmend an Sicherheit. In dieser Phase besteht ein großes Bewegungsbedürfnis. Eng mit der Entwicklung der motorischen Fähigkeiten ist das Erlernen des Schreibens verbun- den. Durch das Schreiben müssen visuelle Wahrnehmungen mit motorischen Abläufen koordiniert werden.26

In der Zeit der frühen Kindheit, also mit ca. drei bis sechs Jahren, weist das Gehirn bereits 90% des Gewichts eines Erwachsenen auf. In dieser Phase werden Impulse schneller im Gehirn weitergeleitet. Die Koordination der Finger und Hände nimmt zu und der Gleichgewichtssinn entwickelt sich.27 Ab dem vierten Lebensjahr sind Kinder in der Lage eigene und auch andere mentale Zustände zu erkennen und zu verstehen. Sie begreifen, dass es unterschiedliche Weltanschauungen geben kann. Das Kind lernt eine exekutive Kontrolle über sich, also eigene Handlungen zu planen und auf Regelwechsel zu reagieren. Sie sind in der Lage Arbeitsgedächtnisprozesse zu überwachen und bestimmtes Verhalten zu unterdrücken. Besonders im Bereich des Lernens werden Basisemotionen deutlich, denn vor allem Ärger, Stolz, Furcht, Scham und Verachtung zeigen sich in dieser Phase besonders stark. Dabei entwickelt das Kind Strategien zur Emotionsregulation. Hier hängt das Ausmaß der erlebten eigenen Tüchtigkeit vom Schweregrad der Aufgabe ab.28 Im Vorschulalter misst das Kind seine Selbstbeurteilung an den Rückmeldungen der Umgebung und passt sich dieser an.29

Es entwickelt syntaktische und morphologische Grundstrukturen seiner Muttersprache. Diese Grundstrukturen werden in der Schule verfeinert. Es lernt Buchstaben und Laute zu verstehen und sie in Wörtern und Sätzen aneinander zu reihen.30

Im Vorschulalter ist die Geschlechtstypisierung relativ gut entwickelt. Kinder suchen sich zunehmend gleichgeschlechtliche Freunde und entwickeln geschlechtstypische Verhaltensweisen.31

[...]


1 Vgl. Metzinger, A. (2014), S. 10

2 Vgl. Borke, J. et al (2013), S. 4

3 Vgl. Braun, A. K. (2012), S. 17

4 Vgl. Berk, L. E. (2005), S. 135ff.

5 Vgl. Hasselhorn, M. & Schneider, W. (Hrsg.) (2007), S. 143

6 Vgl. Hasselhorn, M. & Schneider, W. (Hrsg.) (2007), S. 148

7 Vgl. Hasselhorn, M. & Schneider, W. (Hrsg.) (2007), S. 150

8 Vgl. Metzinger, A. (2014), S. 63ff.

9 Vgl. Berk, L. E. (2005), S. 135ff.

10 Vgl. Rossmann, P (2012), S. 66

11 Vgl. Metzinger, A. (2014), S. 63ff.

12 Vgl. Steinebach, C. (2000), S. 102

13 Vgl. Hasselhorn, M. & Schneider, W. (Hrsg.) (2007), S. 153ff.

14 Vgl. Metzinger, A. (2014), S. 55

15 Vgl. Hasselhorn, M. & Schneider, W. (Hrsg.) (2007), S. 153ff.

16 Vgl. Metzinger, A. (2014), S. 55

17 Vgl. Berk, L. E. (2005), S. 272

18 Vgl. Rossmann, P. (2012), S. 109

19 Vgl. Hasselhorn, M. & Schneider, W. (Hrsg.) (2007), S. 153ff.

20 Vgl. Metzinger, A. (2014), S. 55

21 Vgl. Hasselhorn, M. & Schneider, W. (Hrsg.) (2007), S. 153ff.

22 Vgl. Rieder, K. (2002), S. 225f

23 Vgl. Hasselhorn, M. & Schneider, W. (Hrsg.) (2007), S. 168ff.

24 Vgl. Rossi, G. & Hauser, D. (2015)

25 Vgl. Hasselhorn, M. & Schneider, W. (Hrsg.) (2007), S. 168ff.

26 Vgl. Rieder, K. (2002), S. 218

27 Vgl. Rossi, G. & Hauser, D. (2015)

28 Vgl. Rossi, G. & Hauser, D. (2015)

29 Vgl. Berk, L. E. (2005), S. 467

30 Vgl. Rossi, G. & Hauser, D. (2015)

31 Vgl. Berk, L. E. (2005), S. 371

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Sexueller Missbrauch gegenüber Kindern und Jugendlichen. Ein Überblick
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V987173
ISBN (eBook)
9783346345707
ISBN (Buch)
9783346345714
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sexueller, missbrauch, kindern, jugendlichen, überblick
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Sexueller Missbrauch gegenüber Kindern und Jugendlichen. Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/987173

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