Für diese Arbeit wurde folgende Forschungsfrage formuliert: Wie nehmen Eltern die Kooperation von Elternhaus und Schule wahr? Ziel ist es, die elterliche Wahrnehmung bezüglich der Kooperation von Elternhaus und Schule aufzuzeigen und den Orientierungsrahmen, der der Wahrnehmung zugrundeliegende liegt, zu rekonstruieren.
"Sie nahm das Blatt und riss es vor meinen Augen in Schnipsel" mit diesem Titel in Schriftgröße 86 leitet die Zeit Campus ihren Artikel ein, der an Berufseinsteiger, sprich junge Lehramtsstudenten und Lehrkräfte, gerichtet ist. In dem Artikel wird behauptet, dass es die Schulgesetze verlangen würden, dass Eltern und Lehrkräfte miteinander kommunizieren, dieses Thema allerdings im Lehramtsstudium nicht behandelt werde. Danach folgen drei Erzählungen von jungen Lehrkräften über ihre Erfahrungen mit Eltern. In diesen finden sich ebenfalls groß hervorgehobene Zitate wie: "Ich fühlte mich machtlos", "Bis heute weiß ich nicht, wie ich mit so einer Situation umgehen soll" oder "Er fragte, ob ich seine Tochter schlagen könnte", welche unschwer erkennen lassen, dass die Autorin das Thema Beziehung zwischen Eltern und Lehrkräften als äußerst problembehaftet ansieht, besonders für junge Lehrkräfte die in ihrer Ausbildung nicht lernen "wie sie reagieren können, wenn Mütter ihre Kompetenz infrage stellen oder Väter ihren Erzählungen nicht glauben".
Von dieser Art gibt es einige Artikel, welche das Verhältnis von Eltern und Lehrkräften problematisch erscheinen lassen und dieses Verhältnis diskutieren oder "Tipps" für eine entsprechende Partei formulieren. So schrieb Susanne Gaschke in der Welt über "Die Wut der Lehrer auf nervige Eltern". Im Focus Online erscheint 2018 hingegen ein Artikel der verrate "Das können Eltern tun, wenn Lehrer nerven" und die Süddeutsche Zeitung schließt sich den beiden Artikeln an, indem sie den Elternabend als Hölle bezeichnet ("Die Hölle, das ist der Elternabend").
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Erhebungs- und Auswertungsmethode
4. Auswertungsergebnisse
5. Diskussion; Verknüpfung
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
8. Anhänge
Transkript
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive, wie Eltern die Kooperation zwischen dem Elternhaus und der Schule wahrnehmen und rekonstruiert die den elterlichen Sichtweisen zugrunde liegenden Orientierungsrahmen. Im Fokus steht dabei insbesondere der Übergang auf das Gymnasium und die damit verbundenen Herausforderungen.
- Elterliche Wahrnehmung der Kooperationsbeziehung zu Schulen
- Herausforderungen des Übergangs von der Grundschule zum Gymnasium
- Verteilung von Bildungs- und Erziehungsaufgaben zwischen Elternhaus und Schule
- Umgang mit Leistungsdruck und elterlicher Unterstützung (z.B. Hausaufgabenhilfe)
- Konfliktfelder zwischen eigenem Eingreifen und der Förderung der kindlichen Selbstständigkeit
Auszug aus dem Buch
Beispiel Hausaufgaben
Moroni untersucht 2014 in ihrer Arbeit elterliche Hausaufgabenhilfe und versucht zur Verbesserung der Kooperation zwischen Eltern und Schule im Bereich der Hausaufgaben konkrete Implikationen für die Praxis abzuleiten. Dadurch will Moroni die gemeinsame Zuständigkeit von Schule und Elternhaus stärker akzentuieren.
Hausaufgaben werden wie gezeigt immer wieder kritisch diskutiert, gerade in Punkto Belastung für das Elternhaus und, dass sie die Chancenungleichheit zwischen Schülerinnen und Schülern verstärken. Andererseits lässt sich den Hausaufgaben auch zu Gute schreiben, dass sie oft eine Brücke zwischen Schule und Elternhaus schlagen. Hausaufgaben befinden sich im Bereich der geteilten Zuständigkeit von Schule und Elternhaus und bieten sich nach Moroni somit insbesondere an, um die Kooperation zwischen den beiden Institutionen zu verbessern oder zu initiieren (vgl. Moroni 2014).
Die zentralen Ergebnisse sind folgende: Es zeigte sich, dass elterliche Hausaufgabenhilfe dann mit einer besseren schulischen Leistung des Kindes einhergeht, wenn sie sich durch ein höheres Maß an Unterstützung und durch ein geringeres Maß an Einmischung und Kontrolle auszeichne. Außerdem würden Herkunftseffekte eine wichtige Rolle spielen. Kinder aus sozioökonomisch privilegierteren Elternhäusern würden in der Tat von einer adäquateren elterlichen Hausaufgabenhilfe als Kinder aus weniger privilegierten Elternhäusern berichten (vgl. Moroni 2014).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Eltern-Lehrer-Beziehung ein, skizziert die Relevanz der Thematik anhand öffentlicher Debatten und formuliert die zentrale Forschungsfrage zur elterlichen Wahrnehmung der Kooperation.
2. Forschungsstand: Hier werden theoretische Grundlagen und relevante Studien zur Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus sowie zur elterlichen Perspektive auf Bildungsaufgaben und den Übergang auf weiterführende Schulen zusammengefasst.
3. Erhebungs- und Auswertungsmethode: Es wird die Entscheidung für das leitfadengestützte Interview als Erhebungsmethode und die dokumentarische Methode zur Auswertung der Orientierungen begründet und deren Anwendung im Rahmen der Untersuchung detailliert beschrieben.
4. Auswertungsergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse des Interviews, ordnet sie thematisch (z.B. Übergang, Eignung, Druck) und rekonstruiert die Orientierungsrahmen der Interviewten in Bezug auf die Schule.
5. Diskussion; Verknüpfung: Die gewonnenen Ergebnisse werden in den theoretischen Forschungsstand eingebettet, mit Modellen wie dem DELTA-Milieu diskutiert und auf die Praxis der Aufgabenverteilung hin reflektiert.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfrage zur ambivalenten Wahrnehmung der Kooperation durch die Eltern und zieht ein resümierendes Fazit zur Notwendigkeit transparenter Kooperationsstrukturen.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Quellen.
8. Anhänge: Enthält das vollständige Transkript des durchgeführten Interviews.
Schlüsselwörter
Kooperation, Elternhaus, Schule, elterliche Perspektive, Gymnasium, Bildungsbeteiligung, Erziehungspartnerschaft, Aufgabenverteilung, Hausaufgaben, Leistungsdruck, Schulerfolg, Übergangsphase, dokumentarische Methode, qualitative Forschung, soziale Milieus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Eltern und Schule aus elterlicher Sicht, insbesondere im Kontext des Übergangs eines Kindes von der Grundschule auf das Gymnasium.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Zusammenarbeit, die Aufgabenverteilung zwischen Elternhaus und Schule, elterliche Unterstützungsleistungen, die Wahrnehmung von Leistungsdruck und der Umgang mit Übergangsphasen im Bildungsweg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die elterliche Wahrnehmung bezüglich der Kooperation mit der Schule aufzuzeigen und die Orientierungsrahmen zu rekonstruieren, die diesem Handeln zugrunde liegen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde ein leitfadengestütztes Interview mit einem Elternteil geführt und die Auswertung erfolgte mittels der dokumentarischen Methode nach Nohl.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung des Forschungsstands, die methodische Vorgehensweise, die Präsentation der Auswertungsergebnisse eines exemplarischen Falls sowie deren anschließende Diskussion und Verknüpfung mit theoretischen Modellen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Kooperation, elterliche Perspektive, Gymnasium, Bildungsbeteiligung, Aufgabenverteilung, Leistungsdruck und Übergangsphase.
Welchen Einfluss hat der Übergang auf das Gymnasium auf die Sichtweise der Mutter?
Der Übergang wird als neugewonnenes und unsicheres Feld wahrgenommen, das zu einer veränderten Haltung führt, in der die Mutter stärker als bisher auf die Einschätzungen und Vorgaben der Schule vertraut, um den Erfolg des Kindes zu sichern.
Wie geht die Interviewte mit dem Thema Hausaufgabenhilfe um?
Obwohl die Schule dazu rät, sich zurückzuhalten, gerät die Mutter in einen Handlungskonflikt zwischen dem Wunsch nach Förderung der kindlichen Selbstständigkeit und dem eigenen Druck, Schulerfolg durch Kontrolle und Unterstützung (z.B. Vokabelabfragen) zu sichern.
Wie lässt sich die Interviewte im DELTA-Milieu einordnen?
Die Orientierungen der Mutter lassen sich in das DELTA-Milieu der „bürgerlichen Mitte“ einordnen, da sie schulische Strukturen akzeptiert und mit hohem persönlichen Engagement versucht, ihr Kind pragmatisch durch das Schulsystem zu navigieren.
- Citation du texte
- Patrick Winnewisser (Auteur), 2019, Kooperation zwischen Elternhaus und Schule aus elterlicher Perspektive. Ein Forschungsbericht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/987244