Gesundheitspädagogische Ansätze und Strategien im Hinblick auf gesundheitliche Ungleichheit


Hausarbeit, 2020

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Aufgabe 1: Soziale Ungleichheit und Bourdieus Habitustheorie

Aufgabe 2: Der Zusammenhang zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit

Aufgabe 3: Gesundheitsförderliches Setting und das konzipierte Programm

Literaturverzeichnis

Aufgabe 1: Soziale Ungleichheit und Bourdieus Habitustheorie

Um eine Erklärung zum Begriff der sozialen Ungleichheit zu geben, bedarf es vorerst einer Auseinandersetzung mit dem Begriff der Sozialstruktur. Der Gegenstand der soziologischen Betrachtung sind gesellschaftliche Zusammenhänge und Beziehungen (vgl. Solga, Powell & Berger, 2009, S. 13). Es handelt sich „in der Soziologie um Menschen als Angehörige sozialere Kategorien oder Gruppen (zum Beispiel Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Alter, Bildungs- oder Berufsgruppen) und um die Beziehungen, die zwischen diesen sozialen Gruppen bzw. Menschen als Angehörige dieser Gruppen bestehen. Von einer Struktur wird in der Soziologie dann gesprochen, wenn es sich bei diesen sozialen Beziehungen um regelhafte und relativ dauerhafte Beziehungen handelt (Solga et al., 2009, S. 13)“ Dieser gleichmäßige und wiederkehrende Ablauf kann durch gesellschaftliche Regeln und Werte im sozialen und somit gesellschaftlichen Einvernehmen erzeugt werden (vgl. ebd.). „Wieder zusammengesetzt, bedeutet Sozialstruktur daher nichts anders als das relativ stabile System sozialer Beziehungen in einer Gesellschaft (ebd.)“ Um dieses System in den Wechselwirkungen und Zusammenhängen nachvollziehen zu können und somit soziale Ungleichheiten zu erkennen, bedarf es einer Analyse der Sozialstruktur (vgl. Solga et al., 2009, S. 13). „Wir sprechen immer dann von sozialer Ungleichheit, wenn Menschen (immer verstanden als Zugehörige sozialer Kategorien) einen ungleichen Zugang zu sozialen Positionen haben und diese sozialen Positionen systematisch mit vorteilhaften oder nachteiligen Handlungs- und Lebensbedingungen verbunden sind. Es geht also um gesellschaftlich verankerte, mithin, wie schon betont, um regelmäßige und dauerhafte Formen der Begünstigung und Benachteiligung (ebd. S. 15).“ Eine prägnante Definition findet sich in der Einführung in Hauptbegriffe der Soziologie: „Als soziale Ungleichheit bezeichnet man bestimmte vorteilhafte und nachhaltige Lebensbedingungen von Menschen, die ihnen aufgrund ihrer Position in gesellschaftlichen Beziehungsgefügen zukommen (Korte Schäfers, 2006, S. 206).“ Um soziale Ungleichheit nachzuvollziehen und darzustellen, werden folgende vier Strukturebenen differenziert (vgl. Solga et al., 2009, S. 16): „(1) Determinanten, (2) Dimensionen, (3) Ursachen und (4) Auswirkungen (Solga et al., 2009, S. 16).“ Für eine umfassendere Darstellung der sozialen Ungleichheit, wäre die Beschreibung der vier Strukturebenen wünschenswert. Dies würde allerdings den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen. Aus diesem Grund wird auf die Beschreibung verzichtet und auf die Quelle, Solga et. al 2009, verwiesen. Die soziale Ungleichheit hat einen Zusammenhang mit Kapitalverteilung sowie dem Habitus. Die Kapitalverteilung sowie der Habitus haben einen maßgebenden Einfluss darauf, wie die Menschen zu ihren sozialen Positionen gelangen. Bourdieu (1987) unterteilt in drei verschiedene Kapitalsorten, die jeweils in Wechselwirkung zueinanderstehen können. Die verschiedenen Kapitalsorten sind soziales Kapital, kulturelles Kapital und ökonomisches Kapital. Unter sozialem Kapital werden soziale Netzwerke verstanden, als Beispiele werden hierbei Vereine und Clubs aufgeführt, aber auch Netzwerke, die während der persönlichen Biographie zustande kommen. Das kulturelle Kapital kann des Weiteren in inkorporiertes, objektiviertes und institutionelles Kapital unterteilt werden. Dabei wird als Beispiel das inkorporierte Kapital in der Schule, in der Familie und während der gesamten Sozialisation erworben und äußert sich im Lebensstil, Gewohnheiten, Vorlieben, Kleidungsstil, Ausdrucksweise und im Geschmack wieder. Dies wird auch als die verinnerlichte Gesellschaft und somit als Habitus bezeichnet (vgl. Bourdieu, 1987, S. 277–285; Fröhlich & Rehbein, 2009). Zum objektivierten Kapital zählen Kulturgüter wie Bücher und Kunstwerke. Zeugnisse, Zertifikate und Titel werden als institutionelles Kapital bezeichnet. Die beschriebenen Kapitalsorten, sowie deren Besitz oder Abwesenheit bestimmen über die Stellung und Ansehen eines Individuums innerhalb einer Gesellschaft und hat somit einen Einfluss auf systematische Vor- bzw. Nachteile beim Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen (vgl. Fröhlich & Rehbein, 2009, S. 134– 40; Fuchs-Heinritz & König, 2014, S. 125–135). Der Habitus eines Individuums spiegelt die Gesellschaft in der Wahrnehmungs-, Handlungs- und Denkweisen wider. Der Habitus ist zwar standhaft, kann sich jedoch innerhalb eines Sozialisationsprozesses, zum Beispiel innerhalb einer neuen Struktur, ändern (vgl. Müller, 2014, S. 37–43).

Aufgabe 2: Der Zusammenhang zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit

Im zuvor gehenden Kapitel wurde auf den Begriff der sozialen Ungleichheit eingegangen. Dieses Kapitel handelt vom Zusammenhang zwischen der sozialen und gesundheitlichen Ungleichheit. Um sich diesem Zusammenhang zu nähern, folgt zunächst eine Erläuterung des Begriffs Gesundheit. Die World Health Organization definiert Gesundheit wie folgt: „Health is a state of complete physical, mental and social well-being anf not merely the absence of disease or infirmity (United Nations of World Health Organization, 1946, S. 100).“ Somit ist die Gesundheit ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit und Gebrechen (vgl. ebd.) An der Definition der WHO wird Kritik geübt, da diese Definition als unflexibel, starr und utopisch betrachtet wird und somit nahezu als unerreichbar scheint (vgl. Gangl, 015). Als eine Erweiterung der Definition von Gesundheit kann das Modell der International Classification of Functioning, Disability and Health herangezogen werden. Bei deren Sicht entwickelt sich das Individuum ein Leben lang in Interaktion mit sich selbst, sowie der sozialen und materiellen Umwelt (vgl. ICF, 2001). Es bestehen weitere Definition des Begriffes Gesundheit, z.B. Gesundheit aus systemtheoretischer Sicht oder individuelles Verständnis der Gesundheit etc. Auf die Definitionen wird allerdings nicht weiter eingegangen, um den Zusammenhang zwischen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit möglichst prägnant darzustellen. „Inzwischen ist in zahlreichen Studien – in verschiedenen Ländern und mit Blick auf die meisten Formen von Erkrankungen – nachgewiesen worden, dass geringerer sozialer Status zu schlechterer Gesundheit führt, und dies gilt nicht nur für die Menschen am unteren Ende der sozialen Hierarchie (Hehlmann, Schmidt-Semisch & Schorb, 2018; Lampert, Kroll, Kuntz & Hoebel, 2018; Wilkinson & Pickett, 2012).“ Die Gesundheit wird durch die gesellschaftliche Stellung beeinflusst. Hierbei spielen Faktoren wie die Stellung in der Hierarchiekette und somit die Möglichkeit zur Selbstbestimmung und dem daraus abzuleitenden positivem Gefühl eine Rolle (vgl. Wilkinson & Pickett, 2012, S. 94–95). „Unser psychisches Wohlbefinden wirkt sich unmittelbar auf die Gesundheit aus, und ein geringer sozialer Status trägt natürlich kaum dazu bei, sich glücklich, optimistisch und selbstbestimmt zu fühlen (Wilkinson & Pickett, 2012, S. 95).“ Des Weiteren haben soziale Beziehungen, die Einbindung in soziale Strukturen und der sozioökonomische Status einen Einfluss auf die Gesundheit (vgl. ebd.). „Die sozialepidemiologische Forschung und die Gesundheitsberichterstattung haben inzwischen überzeugend belegt, dass Personen mit niedrigem im Vergleich zu denjenigen mit höheren sozioökonomischen Status von vielen Krankheiten, Beschwerden und Funktionseinschränkungen verstärkt betroffen sind und zu einem größeren Anteil vorzeitig sterben. Als Gründe hierfür werden unter anderem stärkere Belastungen am Arbeitsplatz, in der Wohnumgebung und im familiären und sozialen Umfeld diskutiert. Daneben dürften soziale Unterschiede im Gesundheitsverhalten sowie in den verfügbaren sozialen und personalen Ressourcen, die zum Beispiel bei der Bewältigung von Anforderungen und Belastungen zum Tragen kommen, eine Rolle spielen. Aus Sicht von Public Health und Gesundheitspolitik stellt die Verringerung dieser gesundheitlichen Ungleichheit ein wichtiges Ziel dar (Lampert et al., 2018).“ Aus diesen Erkenntnissen lässt sich ein Zusammenhang zwischen dem Habitus, der sozialen Ungleichheit und der gesundheitlichen Ungleichheit herstellen. Die soziale Stellung innerhalb einer Gesellschaft wird durch den Sozialisationsprozess im Zusammenhang mit dem Habitus mitbestimmt und hat einen Einfluss auf die Vor- und Nachteile im Zugang zu Ressourcen, darunter auch zu gesundheitlichen Ressourcen innerhalb eins Systems (vgl. Hehlmann et al., S. 65–92). Gesellschaften, in denen das Einkommensmuster ausgeglichen ist, sind gesünder. Das Ausgleichen von sozialen Ungleichheiten könnte die gesundheitlichen Lebenschancen, die Lebensqualität, sowie den sozialen Umgang verschiedener sozialer Gruppen untereinander verbessern (vgl. Bauer, Bittlingmayer & Richter, 2008, S. 62–74; Wilkinson & Pickett, 2012).

Aufgabe 3: Gesundheitsförderliches Setting und das konzipierte Programm

Unter Gesundheitsförderung wird die Entfaltung von Möglichkeiten verstanden, die den Menschen mehr Autonomie über ihre Gesundheit verleiht und die Gesundheit verbessert bzw. stärkt (vgl. United Nations of World Health Organization, 1986). Im Wortlaut: „Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. […] In diesem Sinne ist die Gesundheit als ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangiges Lebensziel. Gesundheit steht für ein positives Konzept, das in gleicher Weise die Bedeutung sozialer und individueller Ressourcen für die Gesundheit betont wie die körperlichen Fähigkeiten. Die Verantwortung für Gesundheitsförderung liegt deshalb nicht nur bei dem Gesundheitssektor sondern bei allen Politikbereichen und zielt über die Entwicklung gesünderer Lebensweisen hinaus auf die Förderung von umfassendem Wohlbefinden hin (United Nations of World Health Organization, 1986).“ Gesundheitsförderung kann auf vielfältigen Ebenen stattfinden. Um gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen dort zu schaffen, wo Menschen leben, arbeiten, spielen und ihre Freizeit verbringen, sind Settings von Bedeutung. Settings sind soziale Strukturen, in denen sich Menschen ihr Gesundheitsverhalten aneignen und leben. Im Setting sollten bedeutende soziale, ökonomische und organisatorische Gegebenheiten berücksichtigt werden (vgl. Schneider, 017, S. 229–230). Ein Stadtteil, eine Schule, ein Betrieb oder eine Universität gehört als Beispiele zu einem Setting. Durch den Settingansatz wird das Ziel der Gesundheitsförderung konkreter, da die Gesundheitsförderung in Alltagssituation der Menschen greifen soll und eben da ansetzt. Dadurch können die Zielgruppen, das Umfeld, die Schlüsselfiguren sowie der Zutritt zu Zielgruppen klar definiert werden, um schlussendlich durch eine Systemintervention, an der die Zielgruppe mitbeteiligt ist, gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen zu ermöglichen. Damit soll ein gesundheitsförderliches Verhältnis und Verhalten geschaffen werden, in dem die Menschen dazu befähigt werden, die Verantwortung für ihre Gesundheit anzunehmen und die ihre Gesundheitskompetenzen zu erweitern. (vgl. Altgeld, 2004, S. 5–7; Schneider, 2017).

Programm: Gesundheitsförderung in Weingarten

Um ein gesundheitsförderliches Programm in Freiburg im Stadtteil Weingarten zu entwickeln, werden folgende Schritte beachtet:

1 Bedingungsanalyse: Was wird vorgefunden? Welcher Bedarf besteht?
2 Zielgruppe: Wer ist die Zielgruppe? Welche Interventionen braucht die Zielgruppe?
3 Support: Wer sind meine Gatekeeper? Welche Sponsoren kommen in Frage?
4 Infrastruktur: Was wird gebraucht um das Programm umzusetzen?
5 Zeitplan: Welche konkreten Maßnahmen sind zu welchem Zeitpunkt einzuleiten?

Bedingungsanalyse: Freiburg Weingarten gehört zu den bevölkerungsreichsten Stadtteilen, dabei ist der Anteil der unter 18-Jährigen bei 20,4% und der Anteil der über 0-Jährigen bei 24,8%. Der Stadtteil Weingarten weist die höchste Armutsgefährdungsquote auf. Etwa die Hälfte der Personen (50,7%) hat einen Migrationshintergrund. Der Anteil der Ausländerinnen und Ausländer beträgt 26,3%. Der Anteil der Spätaussiedlerinnen und -aussiedler liegt bei 8,2%. Freiburg Weingarten weist die meisten arbeitslosen Personen in Freiburg auf (vgl. Amt für Bürgerservice und Informationsmanagement der Stadt Freiburg im Breisgau, 2017). Bei der Betrachtung des Daten Reports 2017 lässt sich in Weingarten ein Ungleichgewicht erkennen. Vergleicht man die Daten mit denen der anderen Stadtteile und dem Freiburger Durchschnitt, deuten diese auf soziale Ungleichheiten hin. Wie im zuvor gehenden Kapitel dargestellt, hängt diese eng mit der gesundheitlichen Ungleichheit zusammen. Um diese Ungleichheiten in Balance zu bringen, können Programme zur Gesundheitsförderung von Vorteil sein. Es wurde entschieden, dass gesundheitsförderliche Programme im Setting Schule positioniert werden. Da die statistische Analyse nicht ausreicht, um den konkreten Bedarf zu ermitteln, werden Experten (Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter Ärztinnen und Ärzte, Lehrinnen und Lehrer) und Betroffene (Eltern und Kinder) stichprobenartig mit dem Ziel interviewt, einen konkreten Bedarf zu ermitteln.

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Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Gesundheitspädagogische Ansätze und Strategien im Hinblick auf gesundheitliche Ungleichheit
Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Veranstaltung
Soziologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
11
Katalognummer
V987457
ISBN (eBook)
9783346353788
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Ungleichheit, soziale und gesundheitliche Ungleichheit, gesundheitliche Ungleichheit, Gesundheitsförderung im Setting
Arbeit zitieren
Igor Samsonov (Autor:in), 2020, Gesundheitspädagogische Ansätze und Strategien im Hinblick auf gesundheitliche Ungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/987457

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