In meiner Hausarbeit befasse ich mich mit dem Thema: Kontroverse um Nutzen und Zweck der Ehe im Epos „Der Ring“ von Heinrich Wittenwiler. Der Kern meiner Arbeit drückt sich in den Worten: „Ob einem man zu nehmen sey ein eelichs weyb“ (Eyb) aus. Dieses Thema war eingebunden in das Seminarthema: Der Ring von Heinrich Wittenwiler.
Heinrich Wittenwiler lebte in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Er zählt zu den spätmittelhochdeutschen Satirikern und Lehrdichtern, die sich in ihren Werken durch ernste Weltklugheit und derbe Komik auszeichnen. Damit steht er in der Nachfolge Neidharts von Reuental, den er auch handelnd einführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ehe als Institution im Mittelalter
3. Inhaltliche Positionen der Ehedebattenteilnehmer
4. Formale rhetorische Regeln für den Gesprächstypus der Debatte
5. Die Ehedebatte als Logik-Persiflage?
6. Zusammenfassung
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die in Wittenwilers Epos "Der Ring" dargestellte Ehedebatte zu analysieren und zu hinterfragen, inwieweit es sich dabei um eine ernsthafte Auseinandersetzung oder eine rhetorische bzw. logische Persiflage handelt. Dabei soll insbesondere untersucht werden, wie sich die mittelalterlichen Eheauffassungen in der Debatte widerspiegeln und ob der Autor eine explizite Position zur Ehe einnimmt.
- Die Ehe als soziale Institution im spätmittelalterlichen Kontext.
- Analyse der inhaltlichen Positionen der verschiedenen Ehedebattenteilnehmer.
- Untersuchung der formalen rhetorischen Regeln und deren bewusster Verletzung.
- Kritische Hinterfragung der Logik in der Ehedebatte als Persiflage.
- Die Autorenintention und die Deutung der ambivalenten Darstellung.
Auszug aus dem Buch
3. Die inhaltlichen Positionen der Ehedebattenteilnehmer
Um nun eine Verbindung zu schaffen, zu den vorhergehenden Informationen zur Ehe im Mittelalter und diese auf mein konkretes Beispiel anzuwenden, beziehe ich nun konkret die Verse 2623-3524 in diesen dritten Abschnitt meiner Hausarbeit mit ein. Mir ist es zum einen wichtig dem Leser ein Gesamtbild der Ehedebatte zu vermitteln, indem ich verschiedene Positionen aufzeige und gegenüberstelle und zum anderen leite ich damit schon hinweisend auf meinen vierten Abschnitt über, der sich mit den Gründen des Scheiterns und Nichteinhalten von Regeln dieser Debatte befassen soll. Ich werde einzelne Standpunkte interpretieren und es wird sichtbar werden, daß die Mann-Frau-Konfrontationen in einem Gegenüberstellen von Qualitätsurteilen enden.
Haupsächlich werden bei der Diskussion um Ehe praktische und rechtliche Probleme traktiert, keine emotionalen. Wie schon aus dem vorhergehenden Kapitel sichtbar, vollzog sich gerade ein Wandel der Funktion von Ehe im Mittelalter und dies mag ein Grund sein, für die Ausklammerung der emotionalen Probleme auf der Artikulationsebene.
Die Eheberatung (V. 2623-3534) ist Angelegenheit der Familie, der Leser erfährt jedoch nichts über Bertschis Eltern. Es nehmen elf Männer und sieben Frauen an dieser Beratung teil, die in der Reihenfolge ihres Auftretens genannt werden. Allerdings werden die beiden Ältesten entgegen den üblichen Regeln am Schluß genannt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Thema der Hausarbeit vorgestellt und die Forschungsfrage zur Kontroverse um die Ehe im Epos "Der Ring" definiert.
2. Die Ehe als Institution im Mittelalter: Dieses Kapitel beleuchtet den gesellschaftlichen und kirchlichen Hintergrund der Ehe im Mittelalter und stellt den Bezug zum Text von Wittenwiler her.
3. Inhaltliche Positionen der Ehedebattenteilnehmer: Eine detaillierte Untersuchung der verschiedenen Standpunkte der Figuren innerhalb der Ehedebatte sowie deren Gegenüberstellung.
4. Formale rhetorische Regeln für den Gesprächstypus der Debatte: Analyse der rhetorischen Strukturen und der bewussten Verstöße gegen die Regeln eines Streitgedichts.
5. Die Ehedebatte als Logik-Persiflage?: Hinterfragung der Logik und Argumentationsweisen in der Debatte sowie Deutung als satirische Persiflage.
6. Zusammenfassung: Abschließende Reflexion der Ergebnisse und Diskussion der Autorenmeinung zu den behandelten Eheauffassungen.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Heinrich Wittenwiler, Der Ring, Ehe, Mittelalter, Ehedebatte, Persiflage, Rhetorik, Logik, Streitgedicht, Bertschi Triefnas, Mätzli Rüerenzumpf, Sozialgeschichte, Kirchendichtung, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Ehedebatte im Epos "Der Ring" von Heinrich Wittenwiler und untersucht die kontroversen Ansichten der Teilnehmer über den Nutzen und Zweck der Ehe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Wandel des Eheverständnisses im Mittelalter, die Rolle der Kirche bei der Eheschließung sowie die Diskrepanz zwischen idealisierten Vorstellungen und der praktischen, teils satirisch dargestellten Realität der Ehe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Überprüfung der These, dass die Auseinandersetzungen im Werk in einem bloßen Gegenüberstellen von Qualitätsurteilen enden und die Debatte selbst als Logik-Persiflage zu verstehen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Epos unter Einbeziehung zeitgenössischer theologischer und rechtsgeschichtlicher Quellen sowie der einschlägigen Sekundärliteratur durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des mittelalterlichen Eheinstituts, die Analyse der spezifischen Positionen der Debattenteilnehmer sowie die formale und inhaltliche Dekonstruktion der Debatte als Logik-Persiflage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie "Ehedebatte", "Logik-Persiflage", "Mittelalterliche Ehe" und "Wittenwilers Ring" beschreiben.
Warum ist die Abfolge der Sprecher in der Debatte relevant?
Die Abfolge ist deshalb relevant, weil Wittenwiler bewusst gegen rhetorische Regeln verstößt, indem er beispielsweise die Ältesten erst am Ende zu Wort kommen lässt, was den Charakter der Debatte als bewusste Persiflage unterstreicht.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Autors Wittenwiler?
Die Autorin sieht Wittenwiler als Satiriker und Lehrdichter, der zwar die Ehe befürwortet, den Lesern aber durch die ambivalente Darstellung ein eigenes Urteil überlassen möchte.
- Quote paper
- Bianka Rademacher (Author), 1998, Ob einem man zu nehmen sey ein eelichs weyb - Kontroverse um Nutzen und Zweck der Ehe im Epos 'Der Ring' von Heinrich Wittenwiler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9875