Akute Vergiftungen


Referat (Handout), 1999

14 Seiten, Note: 2


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Akute Vergiftungen

Allgemeines

A. Definition

Gifte sind Substanzen, die durch physikalische oder chemische Eigenschaften im Körper schädliche Wirkungen und Reaktionen hervorrufen.

Alle Substanzen sind giftig, wenn sie nur in genügend großer Menge eingenommen werden.

Pathophysiologie

Inhalative, orale, perkutane und kombinierte Aufnahme von chemischen, pflanzlichen, tierischen, bakteriellen oder anderen Giften (Noxen) führt zu einer akuten, vitalen Bedrohung durch direkten Wirkmechanismus des Toxins oder seiner Metabolite, durch vergiftung bedingte Komplikation (Aspiration) und/oder es resultieren Organschädigung infolge der akut ebenfalls akut vitalen Organschädigungen (Leberausfall...). Die Wirkung ist abhängig von der Substanz (Noxe), Dosis, ggf. Konzentration, Aufnahmeweg, Resorptiongeschwindigkeit, Einwirkungsdauer, spezifische Sensitivitätn des Patienten und mögliche Vorerkrankungen.

Typische Krankheitszeichen

Die meisten Gifte greifen mehrere Organsysteme gleichzeitig an und verursachen neben wenigen spezifgischen auch zahlreiche unspezifische Symptome. Die erste Aufmerksamkeit muß den Vitalfunktionen wie Kreislauf (Puls, RR), Atmung, Temperatur und den zerebralen Funktionen (Koma) gelten. Einige Beispiele von typischen Intoxikationssymptomen, die für verschiedene Substanzen oder Substanzgruppen charakterisisch sind.

ZNS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei Atemdepression künstliche Beatmung mit der am bsten beheerschten Methode (Mund zu Mund oder Mund zu Nase) ; nie bei E 605 anwenden!!

Bei Herzstillstand Herzdruckmassage. Bei Krämpfen und Delierien Selbstschädigung vermeiden. Abkühlung der Überhitzung des Patienten vermeiden.

Bei kontaminierter Umgebung Patient rasch aus det GEfahrenzone bringen.

Spezielle Maßnahmen: Bei Cyanidvergiftzung muß sofort eine Inhalationtherapie mit Amylnitrit.

Allgemeine Richtlinien zur Therapie der akuten Vergiftung

Maßnahmen zur Hemmund des Giftresoprtion

Primäre Giftelemination

Die Entleerung des Magen durch eine Spülung oder Absaugen sit notwendig, dabie muiß eine Aspiration oder Magenperforation vermieden werden. Bei Bewußtlosen Pat. darf eine Magenspülung nur bei liegenden Trachealtubus durchgeführt werden.

Da Gifte und Überdosen an Arzneimitteln häufig die Magenentleerung verzögern, ist eine Magenspülung auch noch nach Stunden angezeigt. Der Spülflüssigkeit können Antidote und Aktivkohle schon zuu gesetzt werden. Ein Emetikum mit zentralen Angriffspunkt ist das Apomorphin(5-10 mg sc), ist wegen der Kollapsneigung möglichst zu vermeiden, bei Kleinkindern völlig abzulehnen.

Eine Beschleunigung der Magenpassage wird durch Zufuhr großer Dosen stark und schnell wirksamen Laxantien erzielt. Für diesen Zwech eignet sich Magnesiumsulfat, Mannit, Ricinusöl. Ricinuisöl sollte nicht bei fettlölichen Giften verwndet werden, da es die Gallensekrteion und Fettaufnahme steigert.

Die Absorption oral aufgenommener Gifte werden am besten mit Carbo medicinalis (50-100 g) 9n 5

-10 % Aufschwemmung behandelt; danach allle 4 Stunden 50 g.

Die Resorption fettlöslichen Giften kann durch orale Gabe von nicht resorbierbaren Fettlösungsmitteln vermindenn werden. Hierfür eignet sich Paraffinöl (100-300 ml), in dem sich Kohlenwasserstoffe lösen.

Die Zufuhr eines chemischen Antidots kann das Gift im Gastrointestialtrakt unschädlich machen.

Bei parenteraler Giftzufuhr (schlangenbiß, Insektenstich) kann evetuell durcj Anlegen eines Kompressionsverbandes erreicht werden, daß die Gifte verzögert in de Kreislauf gelangen und den Organismus schädigen.

Maßmahmen zur Beschleunigung der Elimination

- forcierte Diurese (Furosemid, Mannit,
- Veränderung des Urin pH-Wertes (z.B. Barbituratvergiftung Alkalisierung des Urins
- Dialyse, Hämoperfusion

Symptomatische Maßnahmen

- RR-Kontrolle
- Kontrolle der Atmung / ggf Beatmung
- Kontrolle des Elektrolythaushaltes, Leberfunktion, Säure-Basen-HH, Nierenfunk. Gerinnung, BB,
- Gefäßpermeabilität
- neurologischer Status
- Körpertemperatur
- Arrhythmieüberwachung

Spezielle Maßnahmen

- Feststellung des Giftes (Tablettenreste, Gläser, Flaschen...)
- Verwahrung des Mageninhaltes, Urin, Blut für mind. 10 Tage zur toxikologischen Untersuchung
- Vergiftungszentralen in Deutschland ( Rote Liste)
- Fachbücher
- Antidot-Schrank

Alkylphosphatintoxikationen

Sie finden Verwendung als Schädlingsbekämpfugsmittel (z.B. E 605, Parathion, Dimethoatek) Über Hautkontakt, Dämpfe oder suizidaler Absicht (hochkonzentrierte Vergiftung) wird durch reversible und irreversible Hemmung der Acetylcholinesterase und die Acetylcholinspaltung verzögert oder unterbunden. Es resultiert eine endogene Acetylcholinvergiftung (Übererregung des parasympatischen Nervensystem mit folgenden Symptomen:

- Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
- Miosis (Pupillenverengung)
- Akkomodationstörungen
- Hypersalivation (blauer Schaum)
- Darmkoliken, Diarrhoe, Inkontinenz
- Zyanose
- Bradykardie (ggf Tachykardie) AV-Block
- Schockzustand
- zerebrale Krämpfe
- Atem- und Kreislaufinsuffizienz

Diagnostik

- Eigen- oder Fremdanamnese
- Inspektion der Umgebug
- knnoblauchartige Ausatemluft
- blaue Farbe von Erbrochenem, Schaum
- Koma, Krämpfe, Miosis, Lungenödem
- Aufbewahren von 10 ml EDTA-Blut, Magenspülflüssigkeit

Therapie

- Selbstschutz (Kontaktgift), Gummihandschuhe, Raum lüften, kontaminierte Kleidung entfernen, Haut mit Wasser und Seife, ggf mit NaHCO3
- Seitenlagerung
- Absaugen des Mund- Rachenraumes
- SIMV-, CMV- Beatmung
- 1-2 sichere Venenzugänge, später ZVK
- Atropingabe Erw. 70 Kg = 70 mg alle 5-10 min
- Toxogoin, 1 Amp. = 250 mg langsam i.v.
- Absprache mit der Giftinformationzentrale
- Intubation und Magenspülung mit mind. 70 g Aktivkohle
- bei Krämpfen Diazepam, Rivotril, Phenhydan
- laufendes Monitorig, Pulsoximetrie

Cave:

- niemals Atemspende (Mund-zu-Mund- / Mund-zu-Nase-Beatmung)
- Effizienz der Atropintherapie anhannd der Bronchialsekretion, Miosis
- Toxogonin nie als Monotherapie immer in Kombination mit Atropin

Digitalis

Toxische Herzglykosidwirkung (geringe therapeutische Breite) können auftreten durch relative Überdosierung (Niereninsuffizienz, Hypothyreose), erhöhte Digitalisempfindlichkeit durch Hyperkalzämie.

Symptome

- AV-Block besonders Typ Wenckebach, bei AV-Block 3 Grades (pass. Schrittmacher), VES, Bigeminus, AV-Knotenarrhythmien, Überleitungsstörungen Kammerflattern
- Verwirrtheit, Kopfschmerzen, Halluzinationen, Farbsehen (Rot-Grün-Sehen) Flimmern vor den Augen
- Parästhesien
- Appetitlosigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen, plötzliches zentrales Erbrechen, Diarrhoe

Diagnose

- Anamnese
- Verschlechterung der Herzinsuffizienz unter Digitalis, DarmotilitätØ, Leberfunktionsstörungen, Einschränkung der renalen Elemination, Elyt'störungen (Hypokalzämie Hypokaliämie, Hypomagnesiämie )
- Hypoxie (Cor pulmonale -> akute Rechtsherzdekompensation bei Erhöhung des Pulmonalarteriendruckes)
- Azidose
- EKG ->AV-Block, verkürzte QT-Zeit, tiefe muldenförmige ST-Senkung präterminale T-Negativität, VES, paroxysmale Vorhoftachykardie mit AV-Block

Therapie

- venöser Zugang
- Infusionen (Ringer-Laktat, NaCl 0,9%
- symptomatische Therapie der Rhhythmusstörungen: Atropin bei Bradykardie (ggf Alupent)
- pass. Schrittmacher Phenytoin (Zentropil, Phenhydan) bei paroxysm. supraventrikulären Tachkardien Lidocain (Xylocain) bei VES
- Magenspülung (suizidale Absicht)
- Monitoring, Arrhythmieüberwachung
- Bereitschaft zur Intubation, Defibrilation, Reanimation, externer Schrittmacher
- dringende Kalium-Kontrolle ( K+Ø langsame Gabe von Kalium)
- Digitalisspiegel
- Antidot Digitalis-Antidot

Cave

- Volumenüberlastung bei Herzinsuffizienz

Drogenintoxikation

Umfaßt alle Stoffe die auf das ZNS wirken ( LSD, Crack...), Amphetamine, Kokain, Heroin, Opiate, Benzodiazepine (Rohypnol) in Verbindung mit Opiaten.

Die Notfallsituation kann eine Abstinez, akute Intoxikation oder Entzugssymptome sein.Es kommt zu akuten psychogenen Reaktionen z.B. Angstpsychosen, Autoaggression, selbst beigebrachte Verletzgen im Rauschzustand. Akute Intoxikationen können durch relative Überdosierung ( nach Entzugsbehandlung) oder durch eine absolute Überdosierung ( unterschhiedliche "Stoffqualität"), zufällig oder durch Wechselwirkungen mit gleichzeitig konsumierten Rauschmitteln oder zentral wirksamen Medikamenten (Polytoxikomanie).

Symptome

- Vergiftungsbilder in Abhängigkeit von Dosis, und zeitlich Differenz des Auffinnden
- charakteristische Symptomatik durch Mischintoxikationen verfälscht

Symptomatische Einteilung in 4 Hauptgruppen:

Psychodelika

- Intensivierung und Verzerrung der Wirklichkeit, Euphorie, Angst,

Psychosen, depressive Verstimmung, Suizidimpulse, Mydriasis, Lichtempfindlichkeit, Tränenfluß, Übelkeit, Tachykardie, Rhythhmusstörungen, Hypertonie, Hyperglykämie, Tremor, Muskelzuckungen, Reflexsteigerung, Krämpfe, zentrale Atemlähmung bei extrem hohen Dosen.

Amphetamine

- Euphorie, Enthemmung, Erregung, illusionäre Verkennung, optische und

akustische Halluzinationen, Psychosen, Suizidimpulse, Mydriasis, Nystagmus, Tachykardie, Hypertonie bis zur hypertensiven Krise, Hyperventilation, mottorische Unruhe, Bewußtseintrübung bis Koma, zentrale Krämpfe.

Kokain

- dosisabhängig, Übelkeit, Kopfschmerzen, starkes Schwitzen, Mydriasis,

Psychomotorische Unruhe, Atmung, von Erregungszentren außerhalb

der Reizleitung Tachkardien bis zur Kammerflattern und Myokardischämie, in hohen Dosen Bewußtseintrübung bis Koma, Reflexsteigerung, zentrale Krämpfe, exzessive Tachykardie und Hypertonie möglich; zuletzt RRØ, Herzinsuffizienz bis zum kardiogenen Schock, zentraler Atem- und Kreis- laufstillstand.

Opiate

- Blässe nach initialen Flush, trockene Haut, Hypothermie, Miosis (kann bei Scopolamin, Opiat-Derivate und / oder Mischintoxikationen fehlen) Bradykardie, Hypotonie, Atemdepression (Cheyne-Stok'sche Atmung)

bis zur Atemlähmung, Gefahr des Kungenödems,

Hypo- Areflexie, Bewußtseinsstörungen bis zum Koma, Gefahr eines Hirn- ödems.

Diagnostik

- Anamnese
- Fremdanamnese
- Notfallsituation in der Szene
- Einstichstellen (häufig verborgen z.B. in den Fuß, Leiste)
- schlechter Zahnstatus, klinische Symptomatik
- Aufbewahhrung von Blut, Urin, Erbrochenen für mind. 10 Tage

Therapie

- Versuch der verbalen Sedierung bei regressiven Patienten
- Atem- und Kreislaufmonitoring
- sichere venöser Zugang (erst Viggo dann ZVK) Elektrolyt-Substitution --> Ringerlaktat, Stero B G 5%
- Benzodiazepine (Dormicum, Diazepam) fraktioniert bei psychotischen Angstzuständen
- bei Erregung (Amphetamiüberdosierung) Neuroleptika (z.B. Haldol)
- bei hypertensiver Krisen -> Catapresan, Nitropräparate, Kalziumantagonisten (Adalat)
- bei akuter Kreislaufinsuffizienz --> Katecholamine
- bei ventrikulärer Tachykardie bis Kammerflimmern -> Kardioversion, Defibrillation, Xylocain
- O2 -Gabe 4-6 l
- ggf Intubation und Beatmung bis zu einem FiO von 1,0 2
- bei sicherer Opiatintoxikation spezielle Antidotgabe: Narcanti (Naloxon) 1 Amp. fraktioniert, alle 5 - 10 min 1 Amp. nach Bewußtsein, Pupillen, Atemfrequenz

Cave

- erwchende Patienten werden unter Umstännden aggressiv und verweigern die weitere Therapie
- infolge kurzer Eliminationszeit t½ von Naloxon Gefahr erneuter Atem- lähmung
- bei einem Drogennunfall strenge Beachtung der hygienischen Schutzvorschriften (HIV)

Kohlendioxidvergiftung

Das farb-, geruchs- und geschmacklose Kohlendioxid (CO2 ) entsteht bei Verbrennungs- und

Gärugsprozesse mit ausreichend O2 , sammelt sich am Boden (schwerer als Luft), v.a. Silus,

Gärkeller, Brunnen und Jauchgruben. Bei einem umbemerkten eintauchen in den CO2-See resultiert eine Hypoxie und eine Hyperkapnie,die rasch zu Bewußtlosigkeit unnd Apnoe führt (CO2 -Narkose),

mit Gefahr eines Hirnödems und zusätzlich zu einer respiratorschen / metabolischer Azidose.

Symptome

- Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindelgefühl, Sehstörungen, Ohrensausen
- motorische Unruhe, Bewußtseinstörungen bis zur Bewußtlosigkeit, zerebrale Krämpfe
- weite Pupillen
- Atemnot Cheyne-Stok'sche-Atmung, Zyanose
- Herzklopfen, Tachykardie, initialer RR­ dann Ø, Arrhythmien bei kardiovaskuläre Vorerkrankungen

Diagnostik

- Anamnese
- Umstände bei Auffinden (Silo, Gärkeller)
- Ausschluß von Zusatzverletzunngen (z.B. Sturz)

Therapie

- Lagerung mit erhöhten Oberkörper
- Inhalation von O2 4 - 8 l/min
- SIMV-Beatmung mit großen Atemhubvolumen und einen FiO2 1,0
- sicherer Venöser Zugang, Infusion kristalliner Lösungen ( Ri-Lac)
- kontinuierliches Monitoring, Pulsoximetrie
- bei zerebralen Krämpfen Diazepam i.v.

Kohlenmonoxidvergiftung CO

CO hat eine 300-fache höhere Affinität zu Hb als O2.

Das farb-, geruchs- und geschmacklose, explosive Kohlenmonoxid entsteht bei unvollständiger Verbrennung. Intoxikationen können zufällig beim Einatmenn von Rauchgasen (Schwelbränden) oder suizidal durch Inhalation von Motorabgasen (häufig Kombiniert mit Alkohol und Schlafmittel) auf.

Durch die hohe Affinität zum Hämoglobin resultiert eine Inaktivierung des Hämoglobin für den O2 Transport und eine Linksverschiebung der O2-Dissoziationskurve. Daraus entsteht eine durch Kompensationsmechanismen nicht ausgleichbare Hypoxie sowie eine durch CO ausgelöste metabolische Azidose mit direkter Myokardschädigung. Verminderung der HZV sowie ggf. zusätzliche pulmonale Funktionsbeeinträchtigung (Cor pulmonale) und ZNS-Schädigung (Krämpfe).

Symptome

in Abhängigkeit von der Menge des inhalierten CO:

- niedrige Konzentration (CO-Hb 10-20%): Sensorische Eintrübung, retrograde Amnesie, Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Übelkeit Rauschgefühle
- mittlere Konzentration (CO-Hb 30-50%): Eintrübung bis Bewußtlosigkeit, gesteigerte Reflexe, Erbrechen, Hyperventilation, Hypertonie
- hohe Konzentration (CO-Hb > 50%): Bewußtlosigkeit, tonisch-klonische Krampfanfälle, Streckkrämpfe, Hypoventilation, Zyanose, Schock mit Tachykardie und Hypotonie

Diagnose

- Anamnese (kardiovaskuläre Vorerkrankungen, u.U. Linksherzinsuffizienz
- führendes Symptom ist möglicherweise die charakteristische hellkirschrote Hautfarbe
- Ausschluß von zusätzlichen Verletzungen (Sturz) unnd weiteren Intoxikationen
Cave
- Pulsoximetrie bei CO-Vergiftung nicht verläßlich
- symptomlose Vergiftung bei zerebro-kardiovaskulären Vorerkrankungen

Therapie

- Frischluft
- keine körperliche Belastung des Patienten
- Inhalation von Sauerstoff 8-10 l/min (Steigerung der CO-Elimiation um das 6fache gegenüber Raumluft)
- Überdruckkammer mit 3 atm. Hyperbare O2-Therapie reduziert die Halbwertszeit auf 20-30 min
- SIMV-, CMV-Beatmung: FiO2 1,0
- bei Lungenödem PEEP zw. 5 - 10 mbar
- sicherer venöser Zugang
- Venenblut zur klinischen Carboxyhämoglobinbestimmung
- ggf. Volumenersatz (HAES 6% 500-1000)
- ggf. Sedierung und Krampfprophylaxe (Diazepam 5-10 mg)
- Schutz vor Wärmeverlust
- kontinuierliches Monitoring inkl. Blutentnahmen ...
- Rhythmusüberwachung

Methanolvergiftung

Meist perorale, versehentliche Intoxikatio mit Methanol (Lösungsmitteln, Defrostermittel). Durch Alkoholdehydrogenase Spaltung zu Formaldehyd, weiter zu Ameisensäure, renale Elimination. Schleimhhautreizungen im Magen-Darm-Kanal, zerebrale Wirkug wie Ethanol ohne ausgeprägten Rauschzustand. Die Metabolite sind eigentlich die toxischen Abbauprodukte, sie verursachen eine mtabolische Azidose und haben toxische Wirkung auf die Augen.

Symptome

- Auftreten der Nebenwirkungen ach einer Latenzzeit von 6-24 h
- Schhwindel, Kopfschmerzen
- Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
- Lichtscheu, Sehstörungen bis zur Blindheit, weite reaktionslose Pupillen (in schweren Fällen)
- Verwirrtheitzustände, Bewußtseinsstörungen bis zur Bewußtlosigkeit, zerebrale Krämpfe
- Atemnot, Tachypnoe bis zum Atemstillstand
- Tachykardie, später Bradykardie

Diagnostik

- Anamnese
- Auffinden entsprechender Behältnisse
- Kombination von Azidoseatmung und Augensymptomen

Differentialdiagnose

- komatöser Zustand anderer Genese
- Intoxikation mit Acetylsalicylsäure

Therapie

- Gewinnung von Magenspülflüssigkeit zur chemischen Untersuchung
- Sauerstoff 4-6 l/min
- Atemstillstand -> Intubation unnd CMV-Beatmung
- sicherer venöser Zugang und Infusion (Ri-Lac), später ZVK
- bei Hypovolämie Volumenersatz
- Erbrechen auslösen wenn Patientt och ansprechbar ist (Apomorphin)
- Magenspülung nur bis 4h nach Gifteinnnahme
- perorale oder i.v. Verabreichung von hochprozentigem Alkohol (kompetitive Verdrängung des Methanols von der Alkoholdehydrogenase)
- ständiges Atem- und Kreislaufmonitoring
- Blutwerte
- Hämodialyse zur Giftentfernung

Pilzvergiftung

Vergiftungen erfolgen meist durch Verzehr aufgrund Unkenntnis oder Verwechselung mit Speisepilzen, weiterhin durch fehlerhafte Zubereitung (Reizker) und individuelle Empfindlichkeit gegenüber an sich eßbaren Pilzen. Krankheitsbilder sind ferner möglich nach Genuß verdorbener Speisepilze (tox. Eiweißzersetzungsprodukte).

Symptome, Diagnose und Therapie orientieren sich an klinischer Einteilung in 4 Syndrome mit unterschiedlichen Latenzzeit zwischen Genuß und Vergiftungserscheinung.

Pantherina-Syndrom: Latenzzeit 1-2h durch Genuß von Panther- und Fliegenpilzen.

Muskarinsyndrom : Latenz in der Regel 1-2h, durch Genuß von Trichterlingen, Spei-

täublingen, Röhrlingen

Gastroenteritisches

Syndrom : Latenz 30 min -2h, durch Genuß von Riesenrötling, Birkenreizer,

Satanspilz

Phalloides-Syndrom : Hepato-renales-Syndrom; Latenz 5-48h! durch Genuß von Knollen- blätterpilzen

Symptome

Pantherina-Synd.

- atropinartige Symptomatik, Myadriasis, Schwindel, Benommenheit

Halluzinationen, Rauschzustände, Muskelzuckungen, gelegentl. Koma

Muskarin-Synd.

- Miosis, Sehstörung, Speichel- und Tränenfluß, Schweißausbruch bei

gleichzeitigem Frieren, Übelkeit, Erbrechen, beständiger Harn- und Stuhldrang, Diarrhoe, zuletzt asthmoide Atemnot, Bronchospasmus, Bradykardie, Schock, Lungenödem

Gastroenter.-

Syndrom - Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Koliken, ständiger Harn- und Stuhldrang

in schweren Fällen Schock, keine zentralen Symptome

Phalloides-

Syndrom - zunächst choleraartige gastrointestinale Symptome mit unstillbaren

Erbrechen, wässrige Darmentleerung, Koliken, Tenesmen, Wadenkrämpfe; Abklingen und scheinbare Besserung nach 18-24h; ab dem 3.-4. Tag

akute Leberdystrophie mit Ikterus, hämorrhagischer Diathese, Koma

zentralen Krämpfen, Atemlähmung, unbehandelt Exitus nach 5-7 Tagen Coma hepaticum

Diagnostik

- Hauptaufgabe ist die Abklärung der Latenzzeit ( > 5h ist mit einer akute Gafährdung zu rechnen, Ermittlung und aufbewhren der Pilze.

Therapie

Pantherina-Syndrom

- induziertes Erbrechen, ggf. Magenspülung
- rein symptomatische Thherapie
- Sedierung bei Erregung
- ggf. Intubation und Beatmung bei Koma
- Monitoring

Muskarin-Syndrom

- induziertes Erbrechen, Magenspülung
- sicherer venöser Zugang
- Volumensubstitution (HAES6% 500 ml)
- Atropin 0,5 - 2 mg i.v.
- forcierte Diurese mit Furosemid (20-40 mg)
- Monitoring

Gastroenteritisches Syndrom

- symptomatische Therapie
- venöser Zugang und Volumensubstitution
- Antiemetika (Paspertin i.v.)
- Carbo medicinalis
- in schweren Fällen stationäre Überwachung

Phalloides-Syndrom

- möglichst noch in der Latenzzeit induziertes Erbrechen, Magenspülung, Aktivkohle
- venöser Zugang, Elyt'Ausgleich mittels Vollelektrolytlsg.
- forcierte Diurese mi 40 mg Furosemid
- hochdosierte Kortikoide ( 100 mg Fortecortin) --> Hirnödem
- Monitoring
- Hämoperfusion innerhalb 24 h
- Silibinin als Leberschutz

Cave

Mitbehandlung auch beschwerdefreier Angehörige, wenn sie vom gleichen Pilzgericht gegessen haben.

Psychopharmaka-Intoxikation

Infolge der weiten Verbreitung der Psychopharmaka (Neuroleptika, Antidepressiva, Benzodiazepine) treten zunehmend Itoxikationen auf, in der Regel durch offensichtliche und verdeckte Suizide, selten durch ungewollte Überdosierung. Häufig handelt es sich um eine Mischintoxikatio mit unvorhersehbaren Arzneimittelinterferenzen. Die wirkweise und Symptomatik hängt von der Substanzklasse ab.

Symptome

Neuroleptika:

- extrapyramidale Dystoien, in hohen Dosen ggf. anticholinerges Bild:

"bizarre neurologische Syndrome" mit muskulären Dyskinsien im Gesicht

Augen (Blickkrämpfe), Mund (Schlundkrämpfe, an den Extremitäten im Wechsel mit schlaffen Lähmungen; Dyskinesien nicht dosisabhängig

- zusätzlich: Mundtrockenheit, Tachykardie, in hohen Dosen Atemlähmung Pupillen weit (anticholinerge Wirkung), Halluzinationen, Harnverhalt, Herzrhythmusstörungen, Herzstillstand

Trizyklische Antidepressiva

- Mydriasis, agitiertes Koma, generalisierte Krämpfe, myoklonische

Zuckungen, nervöse Übererregbarkeit, Halluzinationen, Herzrhythmus-

störungen(v.a. ventrikuläre und Vorhoftachykardien, AV-Block, Schenkelblock --> QRS-Breite korreliert mit dem Intoxikationsausmaß)

- in hohen Dosen antiadrenerge Wirkung mit Hypotonie
- finale Atemlähmung, Kreislaufstillstand

Benzodiazepine

- verwaschene Sprache, Unruhe, Halluzinationen
- "ruhiges Koma" mit zentraler Atemlähmung und Aspirationsgefahr ( s.a. Schlafmittelvergiftung), Hypotonie, Muskelerschlaffung, Ataxie
- in Kombination mit Alkohol letaler Ausgang möglich

Diagnostik

- Eigen- und Fremdanamnese
- Suche nach vollen oder leeren Medikamentenpackungen
- Versuch der Gewinnung und Aufbewahrung von Urin, Blut, Mageninhalt zur definitiven und quantitativen Wirkstoffeststellung
- Reaktionen auf Schmerzreize, Pupillenreaktion

Grad 1 : Benommenheit, Reaktion auf mündliche Befehle Grad 2 : Reaktion nur noch auf milde Schmerzreize Grad 3 : Minimale Reaktion auf maximale Schmerzreize, Pat. nicht mehr ansprechbar

Grad 4 : Keine Reaktion auf maximale Schmerzreize

Pat.sollte ab Grad 3 intubiert werden!

- Blutdruck, EKG- u. Pulsmonitoring
- Bewußtseinszustand mind. stdl. überprüfen auf Verschlechterung
- Atemkontrolle, Aspiration
- Blutzuckerkontrolle /Ausschluß einer Hypoglykämie

Differentialdiagnose

- Koma anderer Genese
- Stoffwechselstörungen
- Erregungszustände anderer Genes
- Psychosen

Therapie

- Seitenlage bei Bewußtlosigkeit, primäre Giftelemination mittels provozieretem Erbrechen ggf. Magenspülung
- Freihalten der Atemwege (Guedel-Tubus), ggf. Absaugen
- Sauerstoff 4-6 l/min
- ggf. Intubation und CMV- oder SIMV-Beatmung
- venöser Zugang, später ZVK
- kurzwirksame Barbiturate bei zerebralen Krampfanfällen ( z.B. Trapanal 200 - 300 mg)
- ggf. Benzodiazepine (außer bei Benzodiazepinintoxikation)
- laufendes Atem- und Kreislaufmonitoring

Spezifische Therapie:

- Neuroleptika: bei extrapyramidalen Symptomen (Akinton 1-2 Amp. i.v.) Physiostigmin (Anticholium 2 mg i.v.) unter EKG-Kontrolle

- trizyklische Antidepressiva: ggf. Physiostigmin (Anticholium 2 mg i.v.

titriert bis Hypersalivation (Antidot: Atropin) unter EKG-Überwachung, bei Kammerflimmern Defibrilation und zurückhaltende antarrhythmische Medikation

- Benzodiazepine: ggf. Flumacenil (Anexate 0,1-0,2 mg / min bis zum Erwachen) Cave: Oft kürzere Halbwertszeit, häufiges Nachspritzen ist notwendig

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Details

Titel
Akute Vergiftungen
Note
2
Autor
Jahr
1999
Seiten
14
Katalognummer
V98764
Dateigröße
360 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Akute, Vergiftungen
Arbeit zitieren
Armin Krause (Autor), 1999, Akute Vergiftungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98764

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