Störungen im Kindes- und Jugendalter

Verschiedene Entwicklungsstörungen als Grundlage zur praktischen Betrachtung von Ursachen, Folgen und Prävention von Essstörungen


Einsendeaufgabe, 2020

31 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Störungsbilder im Kindes- und Jugendalter
2.1 Störungen im Säuglings- und Kleinkindalter
2.1.1 Regulationsstörungen
2.1.2 Bindungsstörungen
2.1.3 Tiefgreifende Entwicklungsstörungen
2.1.4 Enuresis und Enkopresis
2.2 Störungsbilder mit Beginn im Kindesalter
2.2.1 Angststörungen
2.2.2 Zwangsstörungen
2.2.3 Ticstörung
2.2.4 Hyperkinetische und Aufmerksamkeitsstörungen
2.2.5 Störungen des Sozialverhaltens
2.2.6 Umschriebene Entwicklungsstörung
2.3 Störungen bei Jugendlichen
2.3.1 Depression
2.3.2 Essstörungen
2.3.3 Substanzmissbrauch

3. Vergleich mit Störungen im Erwachsenenalter

4. Konzept zum Umgang mit der aktuellen Thematik „Essstörung“
4.1 Überblick zu theoretischen Grundlagen
4.2 Ursachen und Folgen
4.3 Prävention
4.4 Diskussion des Konzepts

5. Fazit

6. Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

In einem Quartal im Jahr 2017 konnten anhand der vertragsärztlichen Abrechnungsdaten 62.380 Diagnosen von Essstörungen bei Kindern- und Jugendlichen bis zu einem Alter von einschließlich 17 Jahren festgestellt werden. Wodurch diese aktuell zu den häufigsten Störungen im Kinder- und Jugendalter gelten. (vgl. Bätzing, Holstiege, Manas & Steffen, 2018, S. 28)

Auch wenn durch stetige Fortschritte in der Behandlung und Diagnostik und durch frühes Erkennen einer Essstörung, die Therapie oftmals erfolgreich sein kann, so ist sie doch eine lebensbedrohliche und oft folgenschwere Erkrankung.

Als wissenschaftliche Beraterin für das Arbeitsfeld „Störungen im Kindes- und Jugendalter“ beauftragt mich, aufgrund der eben genannten Entwicklungen, das Bundesministerium für Gesundheit ein Konzept zu entwerfen, welches die Problematik Essstörungen im Kindes- und Jugendalter genauer beleuchten soll.

1.2 Aufbau der Arbeit

Im Rahmen des theoretischen Teils dieser Arbeit sollen verschiedene Störungsbilder aufgeführt werden, welche in den verschiedenen Entwicklungsstufen von Säuglings- und Kleinkindalter, über die gesamte Kindheit bis hin ins Jugendalter auftreten können.

Diese Störungen werden jeweils hinsichtlich ihrer Merkmale, Entstehung, sowie Therapiemöglichkeiten erläutert. Im Anschluss werden die Störungsbilder von Kindern und Jugendlichen mit den im Erwachsenenalter auftretenden Störungen verglichen und hinsichtlich der Unterschiede und Parallelen betrachtet.

Die theoretischen Grundlagen werden schließlich zum Ziel dieser Arbeit führen: Einem fundierten Konzept mit Lösungsmöglichkeiten und Ratschlägen für das aktuelle Problemfeld der Essstörungen im Bereich der Entwicklungspsychologie.

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Konzept erfolgt dann im Diskussionsteil der Arbeit, bevor diese mit einem kurzen Fazit abschließt.

2. Störungsbilder im Kindes- und Jugendalter

Die Bandbreite psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen erfordert eine Einteilung der möglichen Störungsbilder. Laut der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10, Version 2020) werden diese in die Kategorien Entwicklungsstörungen und Verhaltens- und emotionale Störungen unterteilt. (vgl. Pro Psychotherapie e.V., 2020)

Dabei liegt der Beginn der Entwicklungsstörungen im Säuglings- und Kleinkindalter oder in der Kindheit. Sie beeinflussen Funktionen, wie die Motorik, visuell räumliche Fähigkeiten oder die sprachlichen Fertigkeiten. (vgl. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte [BfArM], 2020, F80-F89)

Die Verhaltens- und emotionalen Störungen werden dagegen beschrieben als Störungen, welche meist in der Kindheit und Jugend ihren Beginn finden und die verstärkt die soziale Entwicklung beeinflussen und nicht die Fertigkeiten, welche durch Entwicklung des Nervensystems zustande kommen, so wie die genannten Entwicklungsstörungen. (vgl. BfArM, 2020, F90-F98)

Diese Arbeit soll nun zum besseren Verständnis die einzelnen Störungsbilder genauer erläutern, wobei diese in den folgenden Unterkapiteln entsprechend der jeweiligen Entwicklungsstufen sortiert sind, in welchen sie in der Regel entstehen und am häufigsten auftreten.

Eine solche Sortierung soll jedoch nicht ausschließen, dass die Störungen nicht auch zu anderen Zeitpunkten auftreten oder darüber hinaus andauern können.

2.1 Störungen im Säuglings- und Kleinkindalter

2.1.1 Regulationsstörungen

Eine Regulationsstörung liegt vor, wenn der Säugling oder das Kleinkind das eigene Verhalten nicht selbstständig regulieren kann (vgl. Heinrichs & Lohaus, 2011, S. 84). Dabei handelst es sich am häufigsten um die Entwicklungsbereiche Schreien, Schlafen und Füttern.

Dabei können drei Entwicklungsbereiche betroffen sein. Es handelt sich dabei um exzessives Weinen, Ein- und Durchschlafstörungen oder Fütterungsprobleme. Die Ein- und Durchschlafstörungen gelten als die häufigste Regulationsstörung im Kleinkindalter. (vgl. Barth, Belzer, Buchholz, Kleiner & Mall, 2015, S. 316-317)

Neben den drei genannten Entwicklungsbereichen kann sich eine Regulationsstörung aber auch bei der Verarbeitung von Reizen und der darauffolgenden Regulation von Emotionen, Motorik und Verhalten zeigen. Die Reize rufen bei dem Kind dann eine überempfindlich-überschießende, unterempfindlich-unterreagie- rende oder stimulationssuchend-impulsive Reaktion hervor. (vgl. Rank, 2020, S. 60)

Als Entstehungsmöglichkeiten für frühkindliche Regulationsstörungen gelten nicht nur anlagebedingte Defizite, sondern auch die besonders prägenden Erfahrungen in der Beziehung und Interaktion mit den Bezugspersonen. Wird von diesen die Kommunikation des Kindes fehlinterpretiert oder grundlegende Bedürfnisse werden nicht oder zu spät erkannt, so wird das Kind die Bezugspersonen nicht als verlässlich wahrnehmen. (vgl. Rank, 2020, S. 61)

Eine Behandlung der Störungsbilder ist nach eingehender Diagnostik und nach Ausschluss von physischen bzw. organischen Ursachen (z.B. Schmerzen, Verdauungsprobleme) nötig. (vgl. Thiel-Bonney, 2009, S. 582).

Die Maßnahmen sollten sowohl Psychoedukation und Beratung der Eltern, Therapieformen (wie Ergotherapie oder Eltern-Kind-Psychotherapie) als auch individuelle Frühförderung entsprechend dem Entwicklungsstand des Kindes und der Symptomatik der Störung umfassen. (vgl. Rank, 2020, S. 62-63)

In vielen Fällen können sich Regulationsstörungen aber auch von selbst lösen, wenn entsprechende Entwicklungsprozesse des Kindes eintreten. (vgl. Knoke, 2017, S. 74). Die Bereiche sollten dennoch von Bezugspersonen und Kinderärzten ernst genommen werden, um eventuelle Störungen rechtzeitig zu erkennen, da sie zu langfristigen Problemen des Entwicklungsverlaufs oder zu Beeinträchtigungen innerhalb des Familiensystems führen können. (vgl. Wurmser, 2009, S. 577)

2.1.2 Bindungsstörungen

Eine Bindungsstörung liegt vor, wenn keine sichere Beziehung zu anderen Menschen aufgebaut werden kann. Sowohl Kontaktaufnahmen als auch Interaktionen des Kindes sind problematisch und auffällig. (vgl. Knoke, 2017, S. 75)

Man unterscheidet im Allgemeinen zwischen der reaktiven Bindungsstörung des Kindesalters und der Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung. (vgl. BfArM, 2020, F94) Diese Unterscheidung wird auch im Rahmen dieser Arbeit vorgenommen, jedoch soll erwähnt werden, dass zur Erweiterung der Diagnostikmöglichkeiten das Konzept durch Karl Heinz Brisch erweitert wurde. (vgl. Brisch, 2002, S. 144)

Die reaktive Bindungsstörung ist dabei gekennzeichnet von widersprüchlichen Handlungen bestehend aus Annäherung, Vermeidung und Widerstand. Dieses Verhalten und ihre Gefühle können sich die Betroffenen dabei meist selbst nicht erklären. Einhergehend kann man oftmals Rückzug, Auto- und Fremdaggression oder eingeschränkte Ansprechbarkeit beobachten. (vgl. Sendera & Sendera, 2011b, S. 143-144)

Im Vergleich dazu ist die Bindungsstörung des Kindesalters mit Enthemmung erst später beobachtbar, nämlich erst ab dem Schulalter und nicht bereits vor dem 5. Lebensjahr (vgl. Knoke, 2017, S. 76). Dieses zeigt sich durch diffuses Verhalten und anklammernde Bindung des Kindes. Dabei unterscheidet das Kind selbst nicht danach, ob es die Personen kennt oder ob es sich um Fremde handelt. (vgl. Kandale & Rugenstein, 2017, S. 193)

Meist entsteht ersteres Störungsbild durch Missbrauch, Misshandlung oder schwere Vernachlässigung. Wohingegen die zweite Form der Bindungsstörung „als Folge von vielfach wechselnden Betreuungssystemen in den ersten Lebensjahren gesehen" wird (Brisch, 2008, S. 836).

Durch Präventionsmaßnahmen können diese Ursachen bereits rechtzeitig abgewandt werden und das Entstehen solcher Störungsbilder bei den Kindern vermieden werden. So werden beispielsweise Hausbesuche bei besonders gefährdeten Personen durchgeführt (schwangere Teenager, psychisch kranke Eltern oder potenziell gewaltbereite Familien) oder durch Aufklärung und frühe Förderung von Eltern-Kind-Beziehung die Gefahr verringert. (vgl. Heinrichs & Lohaus, 2011, S. 94-95)

Wenn doch ein Eingreifen bei auftretenden Bindungsstörungen nötig wird, liegt die Lösung meist darin, dem Kind ein stabiles und sicheres Umfeld zu ermöglichen, in welchem es auch dauerhafte Bezugspersonen und zuverlässige Ansprechpartner vorfindet. Um dies auch für die Pflegefamilien oder andere Verantwortliche zu erleichtern, muss hier die Möglichkeit zur Supervision, Aufklärung und Unterstützung von Fachkräften gegeben sein. (vgl. Rank, 2020, S. 134-137)

2.1.3 Tiefgreifende Entwicklungsstörungen

Tiefgreifende Entwicklungsstörungen zeigen sich bereits in den ersten fünf Lebensjahren eines Kindes. Es handelt sich dabei um Störungen, welche die Entwicklung in mehreren Bereichen stark einschränken. Kennzeichen sind vor allem die Beeinträchtigung der Kommunikation und des Sozialverhaltens. Außerdem haben Betroffene oftmals Schwierigkeiten mit Veränderungen und widmen sich eher stereotypen Interessen. (vgl. Lohaus & Vierhaus, 2015, S. 319-320)

Zur Gruppe der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gehören unter anderem das Rett-Syndrom, überaktive Störungen mit Intelligenzminderung oder die verschiedenen Störungsbilder des Autismus-Spektrums, wie frühkindlicher Autismus oder das Asperger-Syndrom. (vgl. Sendera & Sendera, 2011a, S. 126-140)

Betroffene dieser Entwicklungsstörungen fallen durch ihr Verhalten auf, welches unnatürlich und unangemessen auf andere Personen wirkt. Die Betroffenen wiederrum können ihr Umfeld nur schlecht einschätzen oder sich nicht in sie hineinversetzen. Wie bei dem Asperger-Syndrom oder Autismus zu beobachten ist, sind Einsamkeit und Isolation eine häufige Folge. Stattdessen erfolgt häufig eine starke Fokussierung auf Objekte, Interessensgebiete und gleichbleibende Abläufe. (vgl. Knoke, 2017, S. 77-79)

Die Entstehung der Störungsbilder ist noch immer nicht final geklärt, obwohl sich in den letzten Jahren bereits vieles im Hinblick auf die Forschung zu diesem Thema getan hat. Inzwischen hat man so widerlegen können, dass der Erziehungsstil oder frühe Erfahrungen und Traumata solche Entwicklungsstörungen auslösen können. (vgl. Rank, 2020, S. 163-165) Inzwischen hat man herausgefunden, dass genetische Grundlagen die Störung verursachen können. So konnten beispielsweise Anzeichen eines Hirnschadens, erhöhte Anzahl epileptischer Anfälle, Hirnhautentzündungen oder veränderter Aufbau des Gehirns und Kleinhirns in Zusammenhang mit tiefgreifenden Entwicklungsstörungen, wie dem Autismus, gebracht werden. (vgl. Fischer, 2011)

Zwar werden immer mehr begleitende und unterstützende Therapiemöglichkeiten für Betroffene und deren Familien verbreitet, jedoch ist der Erfolg bei der Therapie der Kinder vergleichsweise gering. Eine Einbindung der Kinder in ein normales Umfeld und die Erwartungen altersentsprechender Leistungen sind oftmals nicht zu erreichen.

Auch hier gilt aber wieder, dass die Mischung aus Frühförderung, Aufklärung der Eltern, individuelles Training für soziale Verhaltensweisen und Aufbau kognitiver Strategien für das Kind das Leben mit der Störung bestmöglich ermöglichen kann. Hierfür sollte man Fachpersonal für die Unterstützung der Familien, sowie die frühzeitige Diagnostik und Beratung zu Rate ziehen. (vgl. Lempp, Tölle & Windgassen, 2009, S. 232-236)

2.1.4 Enuresis und Enkopresis

Als Enuresis wird eine Ausscheidungsstörung bezeichnet, bei welcher die vollständige Blasenentleerung zur falschen Zeit und am falschen Ort erfolgt. Dies passiert den meisten betroffenen Kindern überwiegend nachts und selten auch tagsüber. Betroffene der Enkopresis koten sich meist tagsüber ein oder der Stuhlgang erfolgt unkontrolliert an ebenfalls unpassenden Orten. (vgl. Margraf & Schneider, 2019, S. 382)

Erst ab mindestens 5 Jahren kommt eine Diagnose der Enuresis oder Enkopresis bei Kindern überhaupt in Frage, da zuvor eine Kontrolle über die Ausscheidungen sich sehr individuell entwickelt und somit regelmäßiges Einkoten und Einnässen bis zum Alter von 5 Jahren noch keine Verhaltensstörung aufzeigt. (vgl. Knoke, 2017, S. 80-81)

Nachdem organische und funktionelle Störungen mit Sicherheit ausgeschlossen werden können, kann im Anschluss an die Diagnose der Therapieverlauf begonnen werden. Dieser besteht je nach Leidensdruck und Alter des Kindes aus verschiedenen Stufen. (vgl. Kries, Schlack & Thyen, 2009, S. 371-372)

Bei beiden Störungen gilt bei den sehr jungen Kindern, dass es oft ausreichend ist, wenn die Familie aufgeklärt wird und nicht sinnvolle Therapieverfahren durch die Eltern unterlassen werden. So kann das Thema an Akzeptanz bei den Betroffenen und den Familien gewinnen. Bei Kindern im Vorschulalter, bei welchen auch der Leidensdruck bereits besonders hoch ist, kann auch eine Verhaltenstherapie mittels apparativer Hilfsmittel, wie der Klingelhose, oder ein Toilettentraining durchgeführt werden. Das Einführen eines Belohnungssystems ist ebenfalls ein hilfreicher Lösungsweg für viele Kinder. (vgl. Margraf & Schneider, 2019, S. 385-387)

Neben intensiven Verhaltenstherapien kann in manchen Fällen auch eine medikamentöse Therapie in Erwägung gezogen werden. Da Medikamente aber nur die Symptome mildern, kann dies zwar bei enormer Belastung der Betroffenen hilfreich sein, sollte aber nur in Kombination mit weiteren therapeutischen Maßnahmen angewandt werden, um auch langfristige Ergebnisse zu erzielen und die inneren Konflikte des Kindes zu lösen. (vgl. Knoke, 2017, S. 81)

Im Falle der Enkopresis kann zudem eine Ernährungsumstellung zur Symptomverringerung, sowie spezifische Therapien von psychiatrischen Konflikten des Kindes angewandt werden (vgl. Kries et al., 2009, S. 372).

2.2 Störungsbilder mit Beginn im Kindesalter

2.2.1 Angststörungen

In den verschiedenen Entwicklungsphasen, die Kinder durchlaufen, empfinden sie stets auch verschiedene Formen von Ängsten.

Sind die Ängste aber nicht mehr der aktuellen Entwicklungsstufe des Kindes angemessen, z.B. da sie sich auf nicht altersangemessene Gegenstände oder Themen richten, und wird dadurch die weitere Entwicklung des Kindes aufgehalten oder verlangsamt, so spricht man bei langanhaltenden und intensiven Ängsten von Angststörungen. (vgl. Knoke, 2017, S. 83-84)

Dabei wird laut Heinrichs & Lohaus (vgl. Heinrichs & Lohaus, 2011, S. 114-117) zwischen vier Typen der Angststörung unterschieden:

1. Bei einer emotionalen Störung und Trennungsangst lebt das Kind in der andauernden Angst davor eine primäre Bezugsperson, wie Mutter oder Vater, zu verlieren oder getrennt von ihnen zu sein.
2. Phobische Ängste liegen bei eigentlich ungefährlichen Situationen und Objekten vor. Logische Argumentationen oder kognitive Fähigkeiten zur Einschätzung der nicht vorhandenen Gefahr können die Angst nicht verringern.
3. Die Störung mit sozialer Ängstlichkeit zeigt sich durch unangemessen starke Hemmungen und Unsicherheiten im Verhalten des Kindes gegenüber Fremden.
4. Generalisierte Angststörung liegt bei langanhaltenden Ängsten und Sorgen in Bezug auf verschiedene Alltagsbereiche vor. In Folge dieser andauernden Verunsicherung leiden die Kinder z.B. unter Ruhelosigkeit oder Schlafstörungen.

Die Entstehung der Angststörungen kann sich auf verschiedene Faktoren zurückführen lassen. So spielen genetische Merkmale, Bindung zu den Eltern, sowie deren Erziehungsverhalten eine Rolle. Aber auch das Erlernen von Ängsten, bspw. durch Beobachten der Angstreaktionen von Bezugspersonen, ist möglich. (vgl. Knoke, 2017, S. 86-87)

Auch hier gilt es mit der Aufklärung der Eltern zu beginnen. Die Eltern-Kind-Bin- dung, sowie das Erziehungsverhalten der Eltern entsprechend neu zu gestalten ist ein wichtiger Schritt in der Therapie der Angststörungen. Außerdem werden verhaltenstherapeutische Maßnahmen, wie Konfrontation oder das Erlernen von Entspannung, angewandt. Auch die Stärkung des Selbstbewusstseins und die Förderung der Konfliktfähigkeit sind wichtige Elemente in der Behandlung. (vgl. Kries et al., 2009, S. 355-356)

2.2.2 Zwangsstörungen

Sich ständig wiederholende Gedanken oder Tätigkeiten, welche zwanghaft durchgeführt werden müssen, bezeichnet man als Zwangsstörungen. Zwangsgedanken sind dabei meist irrationale, sich immer wieder aufdrängende Impulse oder Zweifel, die die Betroffenen nicht kontrollieren können. Zwangshandlungen hingegen sind Handlungen, die immer wieder wiederholt ausgeführt werden müssen, da dies dem Betroffenen das Gefühl gibt Schlechtes verhindern zu können. (vgl. Koch, Prölß & Schnell, 2019b, S. 53)

Dabei kann ein betroffenes Kind sehr wohl spüren, dass die Zwangsstörung keine realistische Notwendigkeit ist, sondern fühlt sich mehr als hätte es keine Wahl als den Zwang auszuführen (vgl. Margraf & Schneider, 2019, S. 631-632).

Durch die starken Auswirkungen der Zwangssymptome auf den Alltag des Kindes ist eine besonders starke Belastung in diesem Fall nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für das gesamte soziale Umfeld vorhanden. (vgl. Davison, Hautzinger & Neale, 2016, S. 181-183)

Neben neurobiologischen Ursachen können Zwänge auch erlernt und durch Fehlverhalten seitens der Bezugspersonen verstärkt werden. Doch auch weitere Theorien, wie organische Untersuchungen oder psychodynamische Ansätze, bieten Erklärungswege für die Entstehung von Zwangserkrankungen. (vgl. Knoke, 2017, S. 87-88)

Eine Therapie erfolgt in den meisten Fällen durch psychotherapeutische Ansätze und medikamentöse Behandlung. Dabei werden vor allem die Zwänge kontrolliert und minimiert, sowie die daraus resultierenden Angstzustände behandelt durch verhaltenstherapeutische Schemata (vgl. Caspar, Pjanic & Westermann, 2018, S. 79-80). Die Kontrolle der Zwänge erfordert ein starkes Durchhaltevermögen seitens des Kindes, aber auch seitens der Familie, die meist bei jüngeren Betroffenen stark in die Zwangsrituale mit eingebunden wird. (vgl. Kries et al., 2009, S. 353-354)

2.2.3 Ticstörung

„Unter Tics versteht man plötzlich auftretende, sich stereotyp wiederholende motorische Bewegungen oder vokale Äußerungen" (Knoke, 2017, S. 88). Dabei können diese in der einfachen (z.B. Muskelzuckungen) oder komplexen Form (z.B. ganze Sätze oder sich im Kreis drehen) auftreten. Vokale und motorische Tics können auch im Rahmen des Tourette-Syndroms kombiniert auftreten (vgl. Margraf & Schneider, 2009, S. 648-649).

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Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Störungen im Kindes- und Jugendalter
Untertitel
Verschiedene Entwicklungsstörungen als Grundlage zur praktischen Betrachtung von Ursachen, Folgen und Prävention von Essstörungen
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
31
Katalognummer
V987880
ISBN (eBook)
9783346345356
ISBN (Buch)
9783346345363
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklungspsychologie, Entwicklungsstörungen, Störungen, Kinder, Jugendliche, Essstörung, Prävention, Entwicklung, Magersucht, Störungsbild, Angststörung, Zwangsstörung, Bindungsstörung, Regulationsstörung, Enuresis, Enkopresis, Aufmerksamkeitsstörung, Depression, Jugendalter, Sozialverhalten, Ticstörung
Arbeit zitieren
Naomi Binder (Autor:in), 2020, Störungen im Kindes- und Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/987880

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