In den 1970er und 1980er Jahren beruht der entwicklungspolitische Konsens noch auf der Annahme, Armut ließe sich langfristig allein mit ökonomischen Zielgrößen bekämpfen. Demzufolge wird die aktive Rolle des Staates radikal zurückgestellt, denn „die unsichtbaren Hände des Marktes sollten es richten“. Vor allem bei den afrikanischen Ländern im speziellen Subsahara-Afrika führt dieser entwicklungspolitische Kurs zur erheblichen Verschlechterung der Lage. Als Antwort auf die desillusionierende Entwicklungsbilanz findet in den 1990er Jahren ein Umdenken statt - das „Jahrzehnt der Weltkonferenzen“ - und der sogenannte „post-Washington-consensus“ wird gefunden. Ausdruck dieses Paradigmenwechsels ist unter anderem die Weiterentwicklung der passiven Entwicklungshilfe hin zur partnerschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit6. Der Millenniumsgipfel 2000 und die daraus resultierenden Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) lassen die einseitige Entwicklungspolitik hinter sich und fassen konkrete Absichten, um die Situation der Entwicklungsländer und die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit zu verbessern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Millennium Development Goals (MDGs)
2.1 Die Millenniums-Erklärung der Vereinten Nationen und ihre Kritik
2.2 Die Millenniums-Entwicklungsziele
3. Ein Resümee der Millennium Development Goals mit Fokus auf Afrika
3.1 Die erreichten Ziele
3.2 Analyse der Ergebnisse der MDGs
4. Entwicklungspolitische Herausforderungen hinsichtlich des afrikanischen Kontinents
4.1 Rolle, Einfluss und Verantwortung der Industrieländer
4.2 Interne Probleme Afrikas
4.2.1 Konflikte
4.2.2 Korruption, Ressourcen und governance
5. Perspektive – Post-2015: Agenda 2030
6. Vorläufiges Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Erfolge und Problematiken der Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) mit einem spezifischen Fokus auf den afrikanischen Kontinent, insbesondere die Subsahara-Region, um die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit zu bewerten und Erkenntnisse für die Post-2015-Agenda abzuleiten.
- Historische Einordnung und Kritik der MDG-Agenda
- Differenzierte Analyse der Fortschritte und Defizite in afrikanischen Ländern
- Rolle und Verantwortung der Industrieländer in der Entwicklungszusammenarbeit
- Interne Herausforderungen Afrikas: Konflikte, Korruption und Ressourcenmanagement
- Prognostischer Ausblick auf die Agenda 2030
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Millenniums-Erklärung der Vereinten Nationen und ihre Kritik
Der Millenniumsgipfel 2000 steht für einen historischen Schritt in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit der internationalen Staatengemeinschaft, für den 189 Mitgliedstaaten zusammenkamen. Die Teilnehmer konferierten über zentrale entwicklungspolitische Maßnahmen zur Bekämpfung der globalen Herausforderungen mit einer zeitlich konkreten und verpflichtenden Zielsetzung. Sie einigten sich auf einen Aktionsplan, die Millenniums-Erklärung. Aus dieser wurden die MDGs abgeleitet, mit dem Schwerpunkt der weltweiten Armutshalbierung bis 2015.
Auf der internationalen, entwicklungspolitischen Akteursebene definiert die Millenniums-Erklärung erstmalig einen „übergreifende[n] Handlungsrahmen für die internationale Entwicklungspolitik“. Loewe fasst den durch die Millenniums-Erklärung ausgedrückten Paradigmenwechsel unter sechs Stichpunkten zusammen: (1) „Herstellung eines neuen Entwicklungskonsenses“, (2) „Nachhaltige menschliche Entwicklung an Stelle von Wachstumsfokussierung“, (3) „Ergebnisorientierung“, (4) „Kohärenzgebot“, (5) „Leitbild einer globalen Entwicklungspartnerschaft“, (6) „Wachsende Beachtung der Zivilgesellschaft als Akteur der Entwicklungspolitik“.
Eine weitere Qualität der Millenniums-Erklärung ist die „Institutionalisierung des follow up“. Auf nationaler Ebene sind die länderspezifischen MDG country reports und auf internationaler Ebene die jährlichen Umsetzungsberichte des VN-Generalsekretärs, die Öffentlichkeitsarbeit der Millennium Campaign und das wissenschaftliche, dem VN-Generalsekretär unterstellte Millenium Project Ausdruck dieses follow up- Systems.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Wandel der Entwicklungspolitik von rein ökonomischen Zielgrößen hin zur partnerschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit und formuliert die zentrale Forschungsfrage zur Wirksamkeit der MDGs in der Subsahara-Region.
2. Die Millennium Development Goals (MDGs): Dieses Kapitel stellt die Millenniums-Erklärung als neuen Handlungsrahmen vor, erläutert die daraus resultierenden Ziele und diskutiert kritische Stimmen hinsichtlich der Intransparenz und einseitigen Agenda-Festlegung.
3. Ein Resümee der Millennium Development Goals mit Fokus auf Afrika: Hier werden die realen Fortschritte sowie die ungleichmäßige Umsetzung der MDGs auf dem afrikanischen Kontinent analysiert, wobei mangelnde Datenerhebung und ein problematisches Quantifizierungsdesign hervorgehoben werden.
4. Entwicklungspolitische Herausforderungen hinsichtlich des afrikanischen Kontinents: Das Kapitel untersucht sowohl die externe Verantwortung der Industrieländer als auch interne Faktoren wie Konflikte, Korruption und Ressourcenmanagement, die den Entwicklungsfortschritt in Afrika maßgeblich beeinflussen.
5. Perspektive – Post-2015: Agenda 2030: Die Agenda 2030 wird als notwendige Weiterentwicklung präsentiert, die auf einer stärkeren Inklusion des Globalen Südens sowie einem integrativen und nachhaltigen Entwicklungsansatz basiert.
6. Vorläufiges Fazit: Das Fazit fasst die MDGs als Meilenstein der globalen Kooperation zusammen und plädiert für eine dynamischere, praxisorientierte Entwicklungszusammenarbeit, die über rein finanzielle Unterstützung hinausgeht.
Schlüsselwörter
Millennium-Entwicklungsziele, MDGs, Entwicklungszusammenarbeit, Subsahara-Afrika, Armutsbekämpfung, Industrieländer, Good Governance, Korruption, Ressourcenfluch, Konfliktprävention, Agenda 2030, Post-2015, Nachhaltigkeit, Entwicklungspolitik, Strukturwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) im Hinblick auf ihre Wirksamkeit und die damit verbundenen Herausforderungen, insbesondere im Kontext der afrikanischen Subsahara-Region.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Bewertung der MDG-Umsetzung, die Verantwortung der Industrieländer, afrikanische Binnenprobleme wie Korruption und Konflikte sowie den Übergang zur Agenda 2030.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, welche Erfolge und Probleme bei der Umsetzung der MDGs auftraten und welche Faktoren – strukturell oder individuell – den Entwicklungsfortschritt in Afrika maßgeblich beeinflussten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte Analyse, die auf einer umfassenden Literaturrecherche, der Auswertung von Indikatoren und Berichten (wie MDG Reports) sowie einer kritischen Reflexion entwicklungspolitischer Strategien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der MDGs, die Bilanzierung der erreichten Ziele in Afrika, die Untersuchung von strukturellen Hindernissen sowie die Diskussion über die Post-2015-Agenda.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Millennium-Entwicklungsziele, Subsahara-Afrika, Good Governance, Ressourcenfluch, Armutsbekämpfung und nachhaltige Entwicklung.
Inwiefern beeinflussen interne afrikanische Probleme laut der Arbeit den MDG-Erfolg?
Die Arbeit identifiziert insbesondere bewaffnete Konflikte, korrupte Eliten und Missmanagement öffentlicher Gelder als kritische Faktoren, die den effektiven Einsatz von Entwicklungsgeldern behindern.
Welche Rolle spielen Industrieländer in der dargestellten Problematik?
Neben der unzureichenden Erfüllung von ODA-Verpflichtungen kritisiert die Autorin die ungleiche Verteilung von Investitionen und die indirekte Mitverantwortung durch Waffenexporte oder eine tendenziell westlich-zentrierte Agenda.
Was unterscheidet die Agenda 2030 laut dem Text von den vorangegangenen MDGs?
Die Agenda 2030 zeichnet sich durch einen universellen Anspruch aus, der den Globalen Norden und Süden gleichermaßen einbezieht, und setzt verstärkt auf Mitsprache und Teilhabe der afrikanischen Länder.
- Arbeit zitieren
- Sophie Koch Feoranzo (Autor:in), 2019, Die Bedeutung der Millennium Development Goals für den afrikanischen Kontinent, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/987907