Wissenschaftliches Arbeiten. Attributionsprozess, Gruppenforschung, qualitative Fallauswahl


Einsendeaufgabe, 2020

22 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Attribution

2. Gruppenforschung

3. Qualitative Fallauswahl

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Attribution

Abbildung 2: Attributionstheorie und Attributionale Theorie

Abbildung 3: Attribution im Leistungssport

Abbildung 4: Phasen des Gruppeninterviews

Attribution

Einteilung der Attribution in Dimensionen, Kategorien und Indikatoren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Attribution Selbstgestaltung, in Anlehnung an:

https://www.researchgate.net/profile/Wulf_Uwe_Meyer/publication/324529439_Einige_grundlegende_Annah-

men_und_Konzepte_der_Attributionstheorie/links/5ad31b880f7e9b2859349bf3/Einige-grundlegende-Annahmen-

und-Konzepte-der-Attributionstheorie.pdf

Attributionsprozess

In einem Attributionsprozess steht das “Warum“ im Mittelpunkt. Es kommt zur Analyse, warum etwas passiert ist, wie es passiert ist (=Ursachenforschung). Essenziell dafür sind Kontrollkogniti- onen, das sind Gedanken und Handlungen von Personen deren Konzentration auf Kontrolle gerichtet ist. Auch der Einfluss von Attribution auf Emotion, Motivation und Verhalten ist Teil der Untersuchung.1 Die lateinische Bezeichnung für Attribution lautet „attribuere“ was im Deutschen mit „zuschreiben“ gleichgesetzt wird. Im Fokus dabei ist das Verhalten der Personen auf psychologische Ereignisse und Sachverhalte. Beispiel für ein Verhalten, auf das 2 unterschiedliche Reaktionen folgen: Eine Person erzählt von ihren Problemen. Person A reagiert darauf, indem er diese Person bemitleidet. Person B reagiert darauf, indem er der Person Lösungsvorschläge macht. Es gibt zwei unterschiedliche Theorien innerhalb der Attributionsforschung, nämlich die Attributionstheorie und die attributionalen Theorien. Der Schwerpunkt der Attributionstheorien liegt vordergründig auf das Zustandekommen von Attributionen. Dabei wird eruiert welche Voraussetzungen (Informationen, Mechanismen, Wissensbestände, Prozesse) es benötigt, um einen psychologischen Sachverhalt einer Ursache zu attestieren. Der Mittelpunkt der attributionalen Theorien befasst sich mit den Auswirkungen erfahrener Attributionen auf Motivation, Erleben und Verhalten.2 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Attributionstheorie und Attributionale Theorie

Quelle: https://www.researchgate.net/profile/Wulf_Uwe_Meyer/publication/324529439_Einige_grundlegende_Annahmen_ und_Konzepte_der_Attributionstheorie/links/5ad31b880f7e9b2859349bf3/Einige-grundlegende-Annahmen-und-Konzepte- der-Attributionstheorie.pdf

Die Attributionstheorie findet sowohl bei den Grundlagen- als auch bei den Anwendungsfächern der Psychologie Anwendung. Im Bereich der Klinischen Psychologie sind Theorien für die Entstehung von Depressionen entstanden. In der Pädagogischen Psychologie etwa Lern- bzw. Leistungsmotivationstheorien und in der Gesundheitspsychologie „gesundheitsbezogene Kausalattributionen''.

Kann eine Situation und das Ergebnis erklärt werden, kann dies Auswirkungen auf die Vorhersehbarkeit und Erklärbarkeit zukünftiger Ereignisse haben. Ein Beispiel dazu wäre, dass ein Junge von seiner Mutter aufgrund seines Verhaltens bestraft wird. Der Junge könnte aufgrund dieser Strafe vermuten, dass sich diese Situation in Zukunft wiederholen könnte, sollte es noch einmal zu einem Regelbruch kommen und wird eine ähnliche Vorgehensweise in Zukunft vielleicht vermeiden (=Kontrolle). Durch diese Vorhersehbarkeit bekommt er die Möglichkeit in einer ähnlichen zukünftigen Situation, mit der bereits erworbenen Erfahrung, angemessen (=nach individuellem Befinden) reagieren zu können. Nicht jede Situation bedarf diese Analyse, weil gewisse Schemen bereits im Gedächtnis abgespeichert sind und daher nicht mehr bewusst im Moment wahrgenommen werden. Bereits früher wurden Ursachen analysiert und zugeschrieben. Beispiel: Peter beobachtet wie ein Arbeitskollege, bevor er die Straße überquert, nach links und rechts blickt, um sicher zu gehen, dass kein Auto kommt. Hier ist die Notwendigkeit einer Analyse nicht mehr gegeben, da Peter bereits die Ursache für das Tun seines Arbeitskollegen kennt. Es wird daher zwischen aktiven (=bewussten) Prozessen und passiven (=unbewussten) Prozessen unterschieden. Bei den aktiven Prozessen wird ein unbekanntes Schema beobachtet und eine Ursache neu zugeschrieben. Bei den passiven Prozessen werden diese automatisch, aufgrund bereits abgespeicherter Abläufe abgerufen.4

Nach der Theorie von Weiner entsteht eine Emotion, weil ein Ereignis bewertet wird. Unterschieden werden nach Weiner 3 aufeinander folgende Arten von Bewertungen, nämlich die „Zielerreichung“, „Zurechnung eines Ursachenfaktors“ und „die Einordnung der Ursachen der Dimensionen“. Bei der Zielerreichung hängt die Emotion von einem Ergebnis ab. Beispiel: Ein Schüler möchte die Matura schaffen. Wird dieses Ziel erreicht, spürt der Schüler eine Zufriedenheit. Bei gegenteiligem Ergebnis kommt es zu einer Unzufriedenheit. Im nächsten Schritt kommt es zu einer Zurechnung der Ursache. Gerade bei negativen, essenziellen oder überraschenden Ereignissen wird in der Regel eine Zuordnung angewendet. Erfolg und Misserfolg sind nach Weiner vier unterschiedlichen Ursachen (Fähigkeit, Anstrengung, Aufgabenschwierigkeit oder Zufall) zugerechnet. Als nächstes werden die Ursachenkriterien auf Lokation, Stabilität und Kontrollierbarkeit geprüft. Die Person stellt sich dabei 3 Fragen. Die erste Frage umfasst die Ursachenklärung, und zwar ob die Ursache intern (=bei jemanden selbst) oder extern (=bei jemanden anderen) liegt. Auch wird geprüft ob die Ursache stabil, variabel und schlussendlich kontrollierbar ist.5

Die Attribution unterteilt sich (Siehe Abbildung 1) in 4 Dimensionen (Ort der Verursachung, zeitliche Stabilität, Stabilität über Situationen und die Kontrollierbarkeit). Der Ort der Verursachung teilt sich in „internal“ und „external“ auf. Internale Ursachen sind jene, bei denen eine Person frei entscheiden kann. Diese werden als dispositiv bezeichnet. Situationen die von außen vorgegeben werden hingegen als situativ. Die zeitliche Stabilität wird in „variable“ und „stabile“ Kausalfaktoren unterschieden. Stabile bleiben über einen längeren Zeitraum gleich (z.B. Wesensart). Im Gegensatz dazu unterliegen variable Faktoren (z.B. Gefühlslage) kurzfristigeren Veränderungen. Die Kontrollierbarkeit teilt sich in „kontrollierbar“ und „unkontrollierbar“. Als kontrollierbar zählen alle Dinge, auf die eine Person Einfluss nehmen kann. Unkontrollierbar sind alle nichtbeherrschbaren Dinge. Die Stabilität über Situationen gliedern sich in „globale“ und „spezifische“ auf. Globale Ursachen haben bereichsübergreifende Wirkungen (z.B. mangelnde Empathie). Spezifische Bereiche hingegen nur in bestimmten Teilbereichen.6

Glück beispielsweise, ist ein external verursachter Zustand, der nicht kontrollierbar ist. Im Gegensatz dazu sind Fähigkeiten internal (=im Körper selbst produziert worden) und stabil. Die Stabilität über Situationen umfasst zwei Kategorien, nämlich ob etwas global oder etwas spezifisch ist. Talent ist beispielsweise unkontrollierbar und spezifisch.7 Wird Misserfolg als mangelnde Fähigkeit (stabil, unkontrollierbar und internal) angesehen, kann dies zu einer negativen Lebensführung und Schwächung des Selbstwertes führen. Kategorisiert ein Mensch Misserfolg als Pech (unstabil, unkontrollierbar und external) kann dies zu einer positiveren Selbstbewertung beitragen. Personen die misserfolgsorientiert sind nehmen Erfolge auch eher als Zufall (internal, unkontrollierbar und variabel) wahr.8

Attributionen können zu wichtigen Indikatoren für zukünftiges Handeln oder Fühlen werden. Das kann nach Weiner Auswirkungen auf z.B. Selbstachtung, Stolz, Optimismus, Überraschung, Dankbarkeit oder auch Scham, Wut oder Mitleid haben. Auch werden Personen unterschiedlich bewertet ausgehend wie viel Kontrolle sie über die Situation ausüben können. Ein Mensch mit einer geistigen Beeinträchtigung wird normalerweise anders behandelt als ein fauler Mensch und so werden Lob oder Vorwürfe in der Regel je nach Person unterschiedlich verteilt. Personen, die die Kontrolle und Verantwortung über das eigene Leben bei sich selbst sehen, verfügen in der Regel über einen besseren Zugang zur Suche und Wahrnehmung nach positiven Erlebnissen und Ergebnissen. Kognitive Verzerrungen können oftmals zu Fehlidentifikationen führen (Korrespondenzverzerrung). Dies ist z.B. der Fall, wenn ein Mensch einen anderen Menschen nur aufgrund seines Wesens bewertet, aber nicht auf die Situation acht nimmt, in der sich der Mitmensch gerade befindet. Auch ein Beispiel sind Verzerrungen, die zur Erhaltung des Selbstwertes beitragen sollen. Dabei wird die Schuld bei einem Scheitern im außen gesucht, Erfolge hingegen werden für sich selbst verbucht. Das wäre der Fall, wenn z.B. ein Fahrschüler bei Nichtbestehen der Fahrprüfung die Schuld auf den unfairen Prüfer oder das Auto schiebt. Bei Bestehen der Fahrprüfung sieht er die Ursache hingegen aufgrund seiner guter Fahrfertigkeiten oder guten Prüfungsvorbereitung. Aronson et al. sieht in diesem Verhalten eine gewisse Schutzfunktion des Menschen, um eine Minderung des Selbstwertes verhindern zu können und nicht an den eigenen Fähigkeiten zweifeln zu müssen.9

Das Attributionsmodell nach Weiner zählt zu den Leistungsmotivations Theorien.10 Nach David McClelland umfasst die Leistungsmotivation die Erforschung eines Maßstabes für Tüchtigkeit (=Subjektive Vorstellung einzelner Leistungsmessungen). Nach McClelland gliedert sich die Motivation in 3 Teile, nämlich in Leistungsmotiv, Machtmotiv und soziale Anschlussmotiv. Die Leistungsmotivation ist für den Antrieb und das Streben nach Erfolg wesentlich. Das Machtmotiv für den Einfluss auf andere Personen, den eine Person ausüben kann. Beispiel: Das Ziel eines Sportlers könnte sein, möglichst viel Muskelmasse aufzubauen, um als Vorbild von anderen wahrgenommen zu werden. Hinzu kommt noch ein sozialer Aspekt, nämlich das Anschlussmotiv. Menschen mit einem hohen Bedürfnis nach Kommunikation und Bindungen mit anderen Personen verfügen über eine ausgeprägte Anschlussmotivation. Personen, die über eine hohe Leistungsmotivation verfügen, neigen dazu, schafbare, aber herausfordernde Ziele zu wählen.11

Kontrollierbare Ursachen sind im Leistungssport Indikatoren wie Training oder Anstrengung. Nicht kontrollierbar sind zufällige Ereignisse oder Aufgabenschwierigkeiten. Die Aufgabenschwierigkeit zählt als external, weil sie von außen vorgegeben wird, genauso wie etwa der Einfluss von Zuschauern. Als internal zählen etwa Dinge wie Fähigkeiten oder Begabungen. Ein stabiler Faktor im Spitzensport ist beispielsweise der Trainingszustand.12

Eine Triathlon Studie hat gezeigt, dass jüngere Männer im Spitzensport den Erfolg eher auf kontrollierbare Attribute zurückführen und Frauen eher auf unkontrollierbare. Auch berufen sich Männer mehr auf stabile Faktoren wie Fähigkeiten und Anstrengung, bzw. Frauen mehr auf unkontrollierbare und instabile Faktoren wie soziale Unterstützung und Glück. Diese Studie wurde unter 624 Triathleten (443 Männer und 181 Frauen) von einer amerikanischen Universität (Penn State University) durchgeführt. Der richtige Umgang mit Ursachen kann sich auf den Erfolg und die allgemeine Zufriedenheit mit den eigenen Leistungen auswirken. Männer zeigen ein allgemein positiveres Muster, da diese erfolgreichen Leistungen auf stabile und kontrollierbare Fähigkeiten zurückführen, Misserfolg hingegen als Unglück einordnen.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Attribution im Leistungssport (Selbstdarstellung in Anlehnung an https://www.sportbachelor.com/lexikon/attributions-moden-nach-weiner/, Hendy und Boyer 1993)

Leitfragen für Interview:

Frage 1: Sehen Sie Erfolg als eine kontrollierbare oder unkontrollierbare Ursache an? Begründen Sie Ihre Meinung.

Frage 2: Sehen Sie die Gründe von Misserfolgen eher als Ursache von inneren Faktoren oder als Ursache von äußeren Faktoren an? Begründen Sie Ihre Meinung.

Frage 3: Sehen Sie die Gründe von Erfolgen eher als Ursache von inneren Faktoren oder als Ursache von äußeren Faktoren an? Begründen Sie Ihre Meinung.

Frage 4: Halten Sie unbeständige (variable) Ursachen wie Unterstützung oder Glück als wichtiger für die Weiterentwicklung als beständige (stabile) Ursachen wie Fähigkeiten oder Anstrengung? Begründen Sie Ihre Meinung.

Frage 5: Sind Sie mit Ihrer derzeitigen sportlichen Gesamtsituation zufrieden? Bitte begründen Sie Ihre Meinung.

[...]


1 Heider 1977, Vgl.

2 Wulf-Uwe Meyer, Vgl.

3 Wulf-Uwe Meyer, Vgl.

4 Wulf-Uwe Meyer, Vgl.

5 Universität Heidelberg, Vgl.

6 Vgl. Neumann 2017, S. 76-79.

7 Vgl. BAK 2019, S. 104-105.

8 Vgl. BAK 2019, S. 104-105.

9 80-86Neumann 2017, Vgl.

10 Christian Haslbeck.

11 Florian Becker 2020.

12 Christian Haslbeck.

13 Hendy und Boyer 1993.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Wissenschaftliches Arbeiten. Attributionsprozess, Gruppenforschung, qualitative Fallauswahl
Hochschule
SRH Fernhochschule
Veranstaltung
Wissenschaftliches Arbeiten
Note
2,3
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V988481
ISBN (eBook)
9783346360731
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wissenschaftliches, arbeiten, attributionsprozess, gruppenforschung, fallauswahl
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Wissenschaftliches Arbeiten. Attributionsprozess, Gruppenforschung, qualitative Fallauswahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/988481

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