Der Einfluss von Tätowierungen auf die Persönlichkeitsbeurteilung. Eine Untersuchung


Hausarbeit, 2018

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1. Theoretischer und empirischer Hintergrund

2. Methode
2.1 Stichprobe
2.2 Material
2.3 Versuchsdurchführung
2.4 Versuchsplan

3. Ergebnisse

4. Diskussion

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

Zusammenfassung

In der folgenden Studie wird untersucht, ob das Vorhandensein einer Tätowierung die Beurteilung der Persönlichkeit beeinflusst. Dem Stereotypen-Ansatz (vgl. Degner, Meiser & Rothermund, 2009) zufolge sollten tätowierte Personen hinsichtlich bestimmter Persönlichkeitsmerkmale negativer beurteilt werden als nicht-tätowierte Personen. Diese Effekte werden vor allem bei der Beurteilung von tätowierten Frauen erwartet, da Tattoos historisch bedingt stärker mit Männern assoziiert werden. Dem Ingroup Bias (vgl. Sommers & Ellsworth, 2000) folgend sollten Versuchsteilnehmer, die selbst ein Tattoo besitzen, tätowierte Fotomodelle positiver beurteilen als nicht-tätowierte Versuchsteilnehmer.

285 Personen nahmen an einer Online-Befragung teil. Sie sollten eines von acht möglichen Fotomodellen hinsichtlich verschiedener Persönlichkeitsmerkmale beurteilen, wobei zwischen allgemeinen und geschlechtsspezifischen Eigenschaften unterschieden wurde. Als Fotomodelle dienten zwei Frauen und zwei Männer, die je einmal mit Arm- oder Brust-Tattoo und einmal ohne Tattoo abgebildet wurden.

Wie sich nach Auswertung der Ergebnisse zeigte, gab es keine signifikanten Unterschiede bei der Bewertung von tätowierten und nicht-tätowierten Personen. Auch geschlechterspezifische Unterschiede konnten nicht nachgewiesen werden. Einzig für den Ingroup Bias zeigte sich, dass tätowierte Teilnehmer tätowierte Modelle für sympathischer hielten als Nicht-Tätowierte. Mögliche Gründe für diese Ergebnisse werden diskutiert.

1. Theoretischer und empirischer Hintergrund

Laut einer Umfrage der Online-Plattform statista.com im Jahr 2017 ist jeder vierte deutsche Erwachsene tätowiert. 21 Prozent der Bevölkerung denken darüber nach, sich in Zukunft ein Tattoo zuzulegen (Nier, 2017). Man kann aufgrund ihrer zunehmenden Verbreitung also behaupten, dass die Beliebtheit von Tattoos in den letzten Jahren enorm zugenommen hat. Der Körperschmuck ist zum Trend und Ausdruck der eigenen Individualität geworden. In den westlichen Ländern sind besonders junge Menschen häufig tätowiert (Stieger, Pietschnig, Kastner, Voracek & Swami, 2010).

Einst jedoch waren Tätowierungen nach den Darstellungen von Burgess und Clark (2010) ausschließlich negativ konnotiert: Als Captain James Cook Mitte des 18. Jahrhunderts von den Pazifischen Inseln mit tätowierten Einheimischen nach England zurückkehrte, wurden diese in öffentlichen Ausstellungen zur Schau gestellt. Ihre Tattoos, die in der westlichen Welt zuvor nicht bekannt waren, galten als unzivilisiert und primitiv. Im Verlauf der Geschichte eigneten sich auch Kriminelle der Unterschicht Tattoos an, um damit ihre begangenen Straftaten wie zum Beispiel Morde darzustellen. Auch gesellschaftliche, vor allem männliche Randgruppen wie Gefängnisinsassen und Gangmitglieder ließen sich tätowieren, weshalb Tattoos als Zeichen von abweichendem Verhalten angesehen wurden und ein neues Stereotyp entstand (vgl. Burgess et al., 2010). Unter Stereotypen „sind die mentalen Repräsentationen sozialer Gruppen im Gedächtnis [zu verstehen], die Wissen, Überzeugungen und Erwartungen bezüglich sozialer Kategorien und ihrer Mitglieder beinhalten.“ (Degner et al., 2009, S. 76). Im Alltag seien diese erlernbaren Gedächtnisrepräsentationen, die das menschliche „Denken, Fühlen und Handeln“ (Degner et al., 2009, S. 76) beeinflussen, laut Degner et al. (2009) hilfreich, da sie komplexe Sachverhalte in Kategorien ordnen und Reaktionen vorhersehbar machen. Die Kategorisierung von Personen erfolge nach äußerlichen Merkmalen wie der ethnischen Zugehörigkeit, dem Geschlecht und dem Alter. Den so entstandenen Gruppen würden soziale Merkmale zugeschrieben werden, wobei diese zunächst rein deskriptiv und ohne Wertung sein können. Ob ein Stereotyp aktiviert werde oder nicht, entscheide die spezifische Situation, in der sich eine Person befindet (vgl. Degner et al., 2009). Das Stereotyp, das Tätowierungen mit abweichendem Verhalten gleichsetzt, konnte in einigen Forschungen nachgewiesen werden. So zeigte eine Studie von Houghton, Durkin und Carroll (1995), dass sogar sechsjährige Kinder Tätowierte eher mit illegalen Aktivitäten und sozial weniger angesehenen Berufen in Verbindung brachten als Menschen ohne Tattoo. Darüber hinaus ergab die Forschung von Burgess et al. (2010), welche unter anderem untersuchte, ob das Vorhandensein eines Tattoos Nachteile für die Bewerbung um einen Arbeitsplatz hat, dass Teilnehmer mit einem „tribal tattoo“ als weniger geeignet für die Stelle eingeschätzt wurden als ihre nicht-tätowierten Konkurrenten. Als Tribal gilt das beim polynesischen Volk (vgl. Duden online, 2018) übliche „Stammesmotiv als Tätowierung“ (Spiegel Online, 2012). Im Gegensatz zu den negativen Assoziierungen mit Tattoos stehen die Erkenntnisse einer Studie von Stieger et. al (2010), der zufolge Tätowierungen im südlichen deutschsprachigen Gebiet von Zentraleuropa vor allem bei jüngeren Leuten zwischen 21 und 30 Jahren weit verbreitet sind. 15,2 Prozent der 440 Teilnehmer waren demnach unabhängig von Geschlecht, politischer Orientierung und Religionszugehörigkeit tätowiert. Es gab darüber hinaus auch die Tendenz, Tattoos vor allem bei höher gebildeten Personen zu finden, was beweist, dass Tattoos in allen gesellschaftlichen Bereichen angekommen sind und nicht mehr nur mit der kriminellen Unterschicht in Verbindung gebracht werden. Außerdem zeigten die Ergebnisse, dass viele nicht-tätowierte Befragte es nicht ausschlossen, sich in Zukunft tätowieren zu lassen.

Angesichts der neuen gesellschaftlichen Entwicklung untersuchte diese Forschung, ob das Vorhandensein einer Tätowierung weiterhin die Beurteilung der Persönlichkeit beeinflusst. Dafür sollten die Versuchspersonen in einer Online-Befragung Fotos von Modellen mit und ohne Tattoos hinsichtlich verschiedener Persönlichkeitsmerkmale bewerten. Aus den vorher skizzierten Untersuchungen von Houghton et al. (1995) und Burgess et al. (2010) über negative Beurteilungen von Tätowierten leitete sich für die vorliegende Studie folgende zentrale Hypothese ab: Tätowierte Personen werden hinsichtlich bestimmter Persönlichkeitsmerkmale negativer beurteilt als nicht-tätowierte Personen. Außerdem war die Frage nach geschlechtsspezifischen Unterschieden für die Untersuchung zentral. Nachteilige Effekte für die Bewertung weiblicher Tätowierten konnten in einer Studie von Swami und Furnham (2007) nachgewiesen werden. Frauen mit Tattoos wurden signifikant negativer wahrgenommen als Frauen ohne Tattoos. Mit steigender Anzahl an Tätowierungen wurden sie als zunehmend unattraktiver, sexuell offener und mit einer Vorliebe zum Alkoholkonsum eingeschätzt. Das beweist, dass die Effekte von Tätowierungen für die Beurteilung von Frauen deutlich stärker ausfallen als für Männern. Somit lautete die zweite Hypothese: Die Beurteilung von Frauen sollte stärker durch Tattoos beeinflusst werden als die von Männern. Für die Beurteilung von Männern hingegen gilt Gegenteiliges. Aufgrund des oben beschriebenen, historisch bedingten Umstands nach Burgess et al. (2010), werden Tätowierungen stärker mit Männern assoziiert, weswegen tätowierte Männer eher dem Idealbild ihres Geschlechts entsprechen sollten. Tätowierte Frauen hingegen sollten weniger dem Idealbild ihres Geschlechts entsprechen. Daraus resultierte folgende dritte Hypothese: Tätowierten Personen werden stärker Persönlichkeitseigenschaften zugeschrieben, die typisch für Männer sind. Darüber hinaus stellte sich die Frage, ob Unterschiede in der Bewertung von tätowierten Personen auftreten, wenn die Versuchsperson selbst tätowiert ist. Es sollte überprüft werden, ob die Neigung, die eigene Gruppe zu bevorzugen, wie es der Ingroup Bias nahelegt, auch in Bezug auf tätowierte und nicht-tätowierte Personen auftritt. Sommers und Ellsworth (2000) orientierten sich an den Ergebnissen Pettigrews (1979) zum Attributionsfehler, als sie das psychologische Phänomen des Ingroup/Outgroup Bias beschrieben. Demnach werden Ursachen für positives Verhalten von Mitgliedern der Ingroup auf ihre Persönlichkeitsmerkmale zurückgeführt, wohingegen positives Verhalten von Mitgliedern der Outgroup durch externe Faktoren und situative Umstände bedingt ist. Gegenteilig verhält es sich bei negativem Verhalten, wonach die Ursache für schlechte Handlungen von Menschen aus der eigenen Ingroup in externen Faktoren und von Menschen der Outgroup in Persönlichkeitsmerkmalen gesehen wird (vgl. Sommers et al., 2000). Bezogen auf die zwei Gruppen „tätowierte Modelle und Versuchspersonen“ und „nicht-tätowierte Modelle und Versuchspersonen“ erschließt sich die vierte Hypothese: Tätowierte Versuchspersonen beurteilen tätowierte Modelle positiver als nicht-tätowierte Versuchspersonen dies tun.

Darüber hinaus wurden zwei weitere explorative Fragestellungen behandelt. Es sollte getestet werden, ob die Art der Tätowierung, unterschieden wurden Brust- und Arm-Tattoos, einen Unterschied auf die Beurteilung der Person macht und ob unechte Tätowierungen auch als solche erkannt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Tätowierungen auf die Persönlichkeitsbeurteilung. Eine Untersuchung
Hochschule
Universität Passau
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V989232
ISBN (eBook)
9783346348418
ISBN (Buch)
9783346348425
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, tätowierungen, persönlichkeitsbeurteilung, eine, untersuchung
Arbeit zitieren
Julia Kleis (Autor), 2018, Der Einfluss von Tätowierungen auf die Persönlichkeitsbeurteilung. Eine Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/989232

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