Welche Faktoren beeinflussten das selbstregulierte Lernen der Schülerinnen und Schüler aus Perspektivschulklassen in der Zeit des Homeschoolings? Auf welche Kompetenzen hinsichtlich des selbstregulierten Lernens konnte die genannte Schülerschaft zurückgreifen? War diesbezüglich eine vertrauensstiftende Lehrer-Schüler-Beziehung in der Zeit des Homeschoolings aufrechtzuerhalten? Und hatten Lehrer oder weitere Personen einen Einfluss auf das Lernverhalten, aber auch auf Unsicherheiten, Ängste sowie auf das Fähigkeitsselbstkonzept der Schülerinnen und Schüler? Zur Beantwortung der aufgeführten Fragestellungen wurde für den empirischen Teil eine qualitative Schülerbefragung in den Abschlussklassen 9 und 10 in den insgesamt fünf Perspektivschulen im Bereich der Sekundarstufe 1 in Lübeck im Mai 2020 unmittelbar nach den zentralen Abschlussarbeiten vorgenommen.
Im Frühjahr 2020 wurde das Lehren und Lernen mit dem (Homeschooling) Virus zum geflügelten Begriff im Bildungssektor Schule und zugleich zur neuen, unerwarteten Herausforderung für alle Beteiligten. Von heute auf morgen waren die Schulen geschlossen und ganze Jahrgänge von Schülerinnen und Schülern vom Bildungsort Schule abgeschnitten, fortan im häuslichen Bereich auf ein überwiegend unbekanntes Lernformat, dem längerfristig angelegten Homeschooling, im Lernprozess insbesondere in der Aneignung neuen Wissens im Kontext von schulischem Wissensaufbau überwiegend auf sich allein gestellt.
Ängste und Unsicherheiten, aber auch klare Überforderungstendenzen auf Seiten der Schülerinnen und Schüler wurden aus schulischer Sicht bemerkt und so gut es möglich war durch geeignetes Lehrerhandeln versucht zu kompensieren. Hier wurden sehr schnell größere Diskrepanzen innerhalb unterschiedlicher Schularten hinsichtlich digitaler Ressourcennutzung und Erfahrungswerten im Blended Learning deutlich. Sichtbar wurde aber auch zum wiederholten Male, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler nun insbesondere im Hoomeschooling vergleichbare Zugriffe auf Lernangebote der Schulen für sich nutzbar machen konnten. Diese Erkenntnis wurde in der vorliegenden Arbeit mit dem Blick auf die Schülerschaft sogenannter Brennpunktschulen (Perspektivschulen in Schleswig-Holstein) gelenkt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Bedeutung des Themas und Problemstellung
1.2 Ziele dieser Arbeit
1.3 Inhalte und Gliederung der Arbeit
2. Theorieteil 1: Selbstreguliertes Lernen
2.1 Definition
2.2 Bedeutsamkeit von Lernstrategien und Metakognitiver Regulation für das selbstregulierte Lernen
2.3 Was sind Lernstrategien?
2.3.1 Klassifikation von Lernstrategien
2.3.2 Wie werden Lernstrategien erworben?
2.3.3 Kognitive Strategien
2.3.4 Metakognitive Strategien
2.3.5 Stützstrategien des internen und externen Ressourcenmanagements
2.4 Voraussetzungen für gelingendes selbstreguliertes Lernen
3. Theorieteil 2: Konsequenzen der Motivation für den Lernprozess
3.1 Wie Lern- und Leistungsmotivation entsteht
3.2 Wirkungsweisen und zentrale Kompetenzen der Motivation beim selbstregulierten Lernen
3.3 Möglichkeiten der motivationsbezogenen Kompetenzförderung in der Lehrer-Schüler-Interaktion
3.4 Erfolgsmotivierte vs. Misserfolgsängstliche
3.5 Attribuierungsstile
4. Theorieteil 3: Lernen mit dem (Homeschooling) Virus - Wie lernbegleitende Emotionen und Volition auf den selbstregulierten Lernprozess wirken
4.1 Volitionale Aspekte beim selbstregulierten Lernprozess
4.2 Welche Relevanz haben Emotionen für die Lernleistung?
4.3 Ich kann das nicht! - Schülerinnen und Schüler aus Schulen in kritischer Lage lernen im coronabedingten Homeschooling
5. Empirischer Teil
5.1 Hypothesen
5.1.1 Inhaltliche Hypothesen
5.1.2 Statistische Hypothesen
5.2 Methode/Untersuchungsansatz
5.2.1 Forschungsmethode
5.2.2 Operationalisierung der Variablen
5.2.3 Stichprobe
5.2.4 Durchführung
5.2.5 Auswertung
6. Ergebnisse
6.1 Anmerkungen
6.2 Ergebnisse Hypothese a): Tabelle 1 – 4
6.3 Ergebnisse Hypothese b): Tabelle 5
6.4 Ergebnisse Hypothese c): Tabelle 6
7. Interpretationen und Schlussfolgerungen
8. Fazit
9. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Schülerinnen und Schüler aus sogenannten Perspektivschulen (Brennpunktschulen) in Lübeck ihr selbstreguliertes Lernen während der Phase des coronabedingten Homeschoolings im Vorfeld ihrer Abschlussprüfungen bewerteten. Im Fokus steht dabei die Analyse des Einflusses von Lehrkräften, sozialen Unterstützungsnetzwerken sowie die Rolle von Ängsten und motivationalen Dispositionen auf den Lernerfolg in dieser außergewöhnlichen Lernsituation.
- Selbstreguliertes Lernen und Lernstrategien im Homeschooling
- Die Rolle von Lernmotivation und Volition unter Krisenbedingungen
- Einfluss von Lehrer-Schüler-Interaktion und emotionaler Unterstützung
- Analyse von Attribuierungsstilen und Fähigkeitsselbstkonzepten bei Prüflingen
- Herausforderungen für Schülerinnen und Schüler an Schulen in kritischer Lage
Auszug aus dem Buch
1.1 Bedeutung des Themas und Problemstellung
Selbstgesteuertes und selbstreguliertes Lernen bilden die Basis des lebenslangen Lernens und sind aus diesem Grund eines der Hauptinteressen- und ziele der Bildungssysteme. Ziel ist es dabei, die Schülerinnen und Schüler zu möglichst unabhängigen, selbstbestimmten und intrinsisch motivierten Gesellschaftsteilnehmern zu erziehen und zu bilden. Gerade auch hinsichtlich des aufstrebenden E-learnings in Schulen (vgl. Malyska, Renz und Meinel 2018, S.75 ff. in Scheiter und Riecke-Baulecke 2018) nimmt der Stellenwert von selbstgesteuertem und selbstreguliertem Lernen (vgl. Hasselhorn und Gold 2009, S.299 ff.) zu, da die Schülerinnen und Schüler nur dann auch von diesen Formen des Lernens profitieren können, wenn auf spezifische Fähigkeiten und Kompetenzen des selbstregulierten Lernens auch zurückgegriffen werden kann.
Grundlage allen Lernerfolgs bildet hier der angemessene Gebrauch von Lernstrategien (vgl. Brünken, Seufert u.a.2005; 27 ff.), die die Ausbildung von der Selbststeuerung und Regulierung im Lernprozess unterstützen. Die Studie der vorliegenden Arbeit wurde nun aber bewusst mit einer Schülerschaft aus Perspektivschulklassen durchgeführt. Es ist zu vermuten, dass ein Großteil der Schülerinnen und Schüler nicht zur Gruppe der sogenannten „guten Lerner“ zu zählen ist, sondern möglicherweise mit unzureichenden funktionalen Lernvoraussetzungen, metakognitiven Lernaktivitäten und unzureichenden Wissensvoraussetzungen im Lernprozess konfrontiert ist (vgl. Lauth 2004, 56/57 in Lauth, Grünke und Brunstein 2004).
Wirklich effektives Lernen ist hingegen nur zu erzielen, wenn die Lernenden auch hinreichend für die Lernhandlungen motiviert sind (vgl. Götz 2017, S.128 ff.). Es ist aus Lehrersicht davon auszugehen, dass nicht alle Lernenden in gleichem Maße für Lernaktivitäten jederzeit zu motivieren sind oder Interesse an Kompetenzzuwachs besteht. Möglicherweise hemmt auch das eigene Fähigkeitsselbstkonzept die Lernenden, überhaupt eine Lernhandlung vornehmen zu wollen, weil die Angst vor einem Scheitern zu groß erscheint.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik des selbstregulierten Lernens während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 ein und formuliert die zentralen Forschungsfragen.
2. Theorieteil 1: Selbstreguliertes Lernen: Es werden grundlegende Modelle und Lernstrategien vorgestellt, die für die Definition und Messung des selbstregulierten Lernens essenziell sind.
3. Theorieteil 2: Konsequenzen der Motivation für den Lernprozess: Dieser Abschnitt beleuchtet, wie Lernmotivation entsteht, welche Rolle das Erwartungs-Wert-Modell spielt und wie Lehrkräfte durch Interaktion die Motivationsentwicklung fördern können.
4. Theorieteil 3: Lernen mit dem (Homeschooling) Virus - Wie lernbegleitende Emotionen und Volition auf den selbstregulierten Lernprozess wirken: Der Fokus liegt hier auf den volitionalen Aspekten und dem Einfluss von Emotionen wie Angst auf die kognitive Leistung unter den Bedingungen der Pandemie.
5. Empirischer Teil: Dieses Kapitel erläutert die Hypothesenbildung, das methodische Vorgehen der Querschnittstudie sowie die Datenerhebung unter den Lübecker Perspektivschülern.
6. Ergebnisse: Die Ergebnisse der quantitativen Korrelationsanalysen zwischen Lehrereinfluss, Attribuierungsstilen und Ängsten werden übersichtlich in Tabellenform dargestellt.
7. Interpretationen und Schlussfolgerungen: Hier werden die Ergebnisse mit den theoretischen Grundlagen verknüpft und die statistisch signifikanten Zusammenhänge kritisch bewertet.
8. Fazit: Das Fazit resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und gibt Ausblicke auf ein zukünftiges Krisenmanagement in der Schule.
Schlüsselwörter
Selbstreguliertes Lernen, Homeschooling, Lernmotivation, Lehrer-Schüler-Interaktion, Prüfungsangst, Lernstrategien, Metakognition, Attribuierungsstile, Fähigkeitsselbstkonzept, Volition, Perspektivschulen, Coronapandemie, schulischer Lernerfolg, Bildungsgerechtigkeit, Krisenmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedingungen und Herausforderungen des selbstregulierten Lernens von Schülerinnen und Schülern an sogenannten Perspektivschulen während der Zeit des coronabedingten Homeschoolings.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen selbstreguliertes Lernen, Motivationspsychologie, Volition, Emotionen im Lernprozess sowie den Einfluss des sozialen und schulischen Umfelds auf die Prüfungsvorbereitung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuklären, wie Schülerinnen und Schüler aus Schulen in kritischer Lage ihre Prüfungsvorbereitung unter Pandemiebedingungen wahrnahmen und welche Rolle Lehrer, soziales Umfeld und eigene psychische Kompetenzen dabei spielten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Querschnittstudie mit einer standardisierten Befragung von Prüflingen der 9. und 10. Klassen an fünf Lübecker Perspektivschulen durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei theoretische Abschnitte zu selbstreguliertem Lernen, Motivation und Volition sowie Emotionen, gefolgt vom empirischen Teil mit Hypothesenprüfung und statistischer Auswertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Selbstreguliertes Lernen, Homeschooling, Motivation, Lehrer-Schüler-Interaktion, Prüfungsangst und Bildungsgerechtigkeit.
Wie wirkt sich die Lehrkraft auf den Lernprozess im Homeschooling aus?
Die Arbeit belegt, dass die Unterstützung durch Lehrkräfte (Feedback, Instruktion, Ermutigung) eine entscheidende Rolle für den Erfolg und die emotionale Stabilität der Schüler spielte, deren Fehlen sich negativ auswirkte.
Welche Rolle spielen Attribuierungsstile bei der Prüfungsvorbereitung?
Die Art und Weise, wie Schüler Erfolge oder Misserfolge auf eigene Anstrengung, Fähigkeit oder äußere Umstände (wie die Pandemie) zurückführen, korreliert stark mit ihrer Zuversicht und Lernmotivation.
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- Tina Matthiesen (Author), 2020, Selbstreguliertes Lernen während der Zeit des Homeschoolings. Prüfungsvorbereitung in den Abschlussklassen der Sekundarstufe 1 in Lübecks Perspektivschulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990344