Prävention von Suizidalität. Möglichkeiten durch Diagnostik und Therapieformen


Hausarbeit, 2020

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinitionen
2.1 Suizid
2.2 Suizidalität

3 Statistiken zu Suizidfällen

4 Risikogruppen und Ablauf von suizidalen Handlungen
4.1 Suizidgefährdete Risikogruppen
4.2 Ablauf von suizidalen Handlungen

5 Diagnostik und begleitende Maßnahmen bei Suizidalität
5.1 Grundlagen der Diagnostik bei Suizidalität
5.2 Begleitende Maßnahmen und Erfolgsfaktoren

6 Therapieformen bei Suizidalität
6.1 Kognitive Verhaltenstherapie
6.2 Dialektisch Behaviorale Therapie
6.3 Schemafokussierte Therapie

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Fragestellung dieser Hausarbeit leitet sich aus dem Themenfeld der Suizidalität ab, die Bestandteil der klinischen Psychologie II ist. Der inhaltliche Schwerpunkt der Arbeit konzentriert sich auf die Grundlagen und die verschiedenen Dimensionen des Suizids sowie auf ausgewählte Interventionsansätze.

Suizidhandlungen von Menschen1 ^ werden in der Geschichte der Menschheit meist kritisch gesehen, jedoch auch durchaus unterschiedlich bewertet. Dabei ist die Bandbreite von starker Ablehnung und Verurteilung bis hin zu heroischer Begeisterung groß. Neben der Psychologie befassen sich auch andere wissenschaftliche Bereiche mit dieser Thematik, so zum Beispiel die Genetik und die Soziologie. Gemäß dem bisherigen Stand der Forschung kann für wahrscheinlich 90 % aller suizidgefährdeten Personen eine psychische Vorerkrankung als Ursache gesehen werden (Deisenhammer, 2012, S. 395).

Aus der Sicht des Verfassers sollte das Thema Suizid in unserer Gesellschaft nicht mehr so stark als Tabuthema betrachtet werden. Wenn man innerhalb des Familien-, Kollegen- und Bekanntenkreises sowie in Politik und Gesellschaft offener und empathischer über die Bereiche Suizid und Suizidgefahr sprechen würde und diesem Thema grundsätzlich mehr Aufmerksamkeit schenken würde, könnte man dadurch häufiger Wege und Maßnahmen finden, um suizidgefährdeten Menschen das Leben zu retten. Im Folgenden soll untersucht werden, welche Faktoren Suizidhandlungen begünstigen und wie es zu Suizidhandlungen kommen kann. Daran anschließend soll die Leitfrage beantwortet werden: Wie kann man der Suizidgefahr durch geeignete Vorgehensweisen bei der Diagnostik und der Therapie entgegenwirken oder den Suizid sogar verhindern?

2 Begriffsdefinitionen

Um eine Basis für die nachfolgenden Betrachtungen zu bilden, sollen hier kurz einige Begriffserklärungen zu dem Themenbereich Suizid erfolgen.

2.1 Suizid

Der Ursprung des Begriffs „Suizid“ leitet sich aus der lateinischen Bezeichnung ,,sui cidium“ (Selbsttötung) ab. Umgangssprachlich wird dafür häufig der Begriff „Selbstmord“ verwendet. Das Wort „Mord“ wurde im 18. Jahrhundert durch die katholische und evangelische Kirche eingeführt, um zu verdeutlichen, dass ein „Selbstmord“ eine unmoralische und verwerfliche Tat ist (u. a. Hadinger, 1994, S. 21). Im juristischen Sprachgebrauch wird Suizid im Allgemeinen als „Freitod“ bezeichnet, um damit auszudrücken, dass der Mensch eine freie Entscheidung trifft, wenn er sich das Leben nimmt (Améry, 1976, S. 79). Ein Suizid wird im klinischen Bereich als „nicht human“ und als unwürdig betrachtet, weil es eine absichtliche Tötung der eigenen Person und damit eine absichtliche Selbstschädigung wäre (Laux, 2001, S. 306 ff.; Wolfersdorf, 2000, S. 16 f.).

2.2 Suizidalität

Suizidalität ist keine Krankheit, sondern ein psychischer Zustand, in der der betroffene Mensch eine wiederkehrende und anhaltende Lebensmüdigkeit, Mutlosigkeit und Aussichtslosigkeit spürt, wodurch seine Gedanken und Vorstellungen sich mit dem Tod der eigenen Person befassen. Diese Gedanken und Impulse können so intensiv und nachdrücklich sein, dass der Betroffene einen sehr starken Antrieb erhalten kann, eine Suizidhandlung zu begehen. Die Suizidalität ist demnach eine Gefährdung, die zu einem „Suizid“ führen kann (Wolfersdorf, 2007, S. 17 ff.). Sie ist ein Signal (Symptom) für einen psychisch labilen und depressiven Zustand, in dem der Betroffene suizidale Denk- und Verhaltensweisen zeigt, mit denen er seinen eigenen Tod anstrebt. Dabei können psychische Faktoren (z. B. Depression) und soziale Faktoren (z. B. Beziehungsprobleme in der Partnerschaft) eine große Rolle spielen (Möller, 2001, S. 386).

Es gibt verschiedene Arten der Suizidgefährdung bzw. Suizidalität mit unterschiedlichen Ausprägungen. Hier werden die folgenden Interaktionsformen der Suizidalität nach Kind (1992, S. 178) kurz erläutert:

1. Interaktionsreiche Form der Suizidalität: Diese führt nicht unbedingt zum Suizid. Es geht hier eher nur um die Gedanken an die Selbsttötung und nicht um die „zum Tod“ führenden Handlungen. Der Betroffene spürt, z. B. Wut, Rache, Enttäuschung und hat Angstzustände, die meistens handhabbar sind.
2. Interaktionsarme Form der Suizidalität: Der Betroffene spürt eine Leere und eine Resignation, die ihn tatsächlich in Richtung Selbsttötung führen kann.
3. Pseudostabile Form der Suizidalität: Diese Form führt gezielt zu einer absichtlichen Selbsttötung. Bei dieser Art der Suizidgefährdung geht es nicht nur um die Gedanken über einen Suizid, sondern um die tatsächlichen Suizidhandlungen. Bei dieser Form ist es schwer bis unmöglich, den Betroffenen von seinem Vorhaben, sich zu töten, abzuwenden (Kind, 1992, S. 178 ff.).

3 Statistiken zu Suizidfällen

Die Suizidrate ist im 20. Jahrhundert tendenziell gestiegen. Dies könnte mehrere Gründe haben. Einerseits hat die „Selbstbestimmtheit“ der Menschen mehr an Bedeutung gewonnen und viele Personen sehen einen Suizid nicht mehr als „Todsünde“ an, wodurch sie einem Suizid von ihrer inneren Einstellung her weniger abgeneigt sein könnten als dies in früheren Jahrhunderten der Fall war. Da es kein absolutes Tabuthema mehr ist, könnte es auch sein, dass die mit Aufzeichnung der Todesursache beauftragten Personen häufiger wahrheitsgemäße Untersuchungen und Aufzeichnungen durchführen als in früheren Zeiten, in denen es als sehr große „Schande“ galt, wenn ein Angehöriger sich umgebracht hat. Darüber hinaus könnten präzisere Vorschriften und Vorgehensweisen der statistischen Erhebung sowie bessere Verarbeitungsmethoden im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung zu einer höheren Gesamtzahl bezüglich der festgestellten Suizidrate geführt haben (Alvarez, 1999; Felber, 2000, S. 49 ff.).

Um einen Überblick über die weltweite Verteilung von Suizidfällen zu erhalten, eignen sich die statistischen Auswertungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Nach einer globalen Erhebung der WHO konnten im Jahr 2012 weltweit rund 804.000 Suizide identifiziert werden (WHO, 2014, S. 18). Dies entspricht einer Suizidrate von 11,4 Fällenje 100.000 Einwohner, wobei die Rate bei Männern mit 15,0 deutlich höher ist als die Suizidrate bei Frauen, die 8,0 beträgt. Laut WHO scheinen sowohl das Alter der Menschen, die Lokalisation als auch das Einkommen eine entscheidende Rolle zu spielen. Von den 804.000 Fällen waren 24,5 % (197.000) in Ländern mit höherem Einkommen registriert und 75,5 % (607.000) in Ländern mit geringem bis mittlerem Einkommen. Gemäß dieser Studie liegt der Anteil der Bevölkerung von Mitgliedsstaaten mit hohem Einkommen insgesamt bei 18,3 % im Vergleich zur Gesamtbevölkerung der Welt, bei Mitgliedsstaaten mit geringem bis mittlerem Einkommen liegt dieser Wert bei 81,7 %. Daraus könnte man schließen, dass Menschen in reicheren Ländern eher durch Suizid sterben als dies bei Ländern der Fall ist, die bezüglich ihres Reichtums eher im mittleren oder unteren Bereich liegen (WHO, 2014, S. 17). Andererseits könnte es nach der Meinung des Verfassers der hier vorliegenden Arbeit auch sein, dass Suizidfälle in ärmeren Ländern im Vergleich zu reicheren Ländern weniger genau erfasst werden.

Wenn man die Suizidfälle in Deutschland genauer betrachten möchte, kann z. B. ein aktuelles Dossier herangezogen werden, das im Mai 2020 von Statista veröffentlicht wurde (Statista, 2020, S. 87 ff.). Einige der dort enthaltenen Kennzahlen, die in dieser Veröffentlichung aus verschiedenen Datenquellen für den Erhebungszeitraum 2018 zusammengetragen wurden, werden im Folgenden zusammengefasst.

Die häufigste Suizid-Methode ist in Deutschland das Erhängen. Mit 4.256 Fällen von 9.395 Fällen entspricht dies einem Anteil von über 45 %. Der häufigste Sterbeort bei Suiziden ist zu Hause. Mit 4.227 von 9.395 Fällen, ebenfalls fast 45 %. Das durchschnittliche Sterbealter beträgt bei Frauen 59,1 Jahre und bei Männern 57,9 Jahre.

Seit dem Jahr 1980 ist die Anzahl der Suizidfälle in Deutschland von 18.451 Suiziden auf 9.396 Fälle im Jahr 2018 zurückgegangen, was fast einer Halbierung entspricht. Allerdings entwickelt sich die Zahl der Suizide in den letzten Jahren auf diesem Niveau nahezu konstant, wie man in Abbildung 1 erkennen kann. Dort ist ebenfalls ersichtlich, dass im Jahr 2018 die Anzahl der Suizidtoten fast 3 mal höher war als die Anzahl der Verkehrstoten und über 7 mal höher als die Anzahl der Drogentoten usw. Zu weiteren Einzelheiten bzw. Kennzahlen, beispielsweise im Hinblick auf die regionale Verteilung der Suizide, sei auf die Studie verwiesen (Statista, 2020, S. 87 ff.).

Diese Abbildung wurde aus urheberrechtlichen Gründen entfernt

Abb. 1: Anzahl der Suizide in Deutschland im Vergleich zu ausgewählten Todesursachen in den Jahren 2012 bis 2018 (Statista, 2020, S.87)

Insgesamt kann mit Hilfe dieser aktuellen Vergleiche festgestellt werden, dass die Suizidproblematik in unserer Gesellschaft in einem wesentlich größeren Umfang vorhanden ist, als dies üblicherweise wahrgenommen und diskutiert wird. Dies wird auch daraus ersichtlich, dass etwa 8 Prozent der Bevölkerung zu irgendeinem Zeitpunkt im Laufe des Lebens Suizidgedanken haben und 2 Prozent sich mit Sui- zidversuchenbefassen (Möller, 2001, S. 386).

4 Risikogruppen und Ablauf von suizidalen Handlungen

4.1 Suizidgefährdete Risikogruppen

Suizidgefährdete Personen können in verschiedene Risikogruppen eingeteilt werden. Im Folgenden wird eine Klassifizierung der Risikogruppen nach Wolfersdorf (2019) dargestellt (Abbildung 2). Dabei werden Aspekte der Soziopsychologie und psychischer Erkrankungen berücksichtigt. Die Suizidgefährdeten werden in drei Hauptgruppen eingeteilt, wobei eine Person zugleich Merkmale aus mehreren Gruppen aufweisen kann (Wolfersdorf, 2019, S. 740).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Drei große Risikogruppen suizidgefährdeter Personen (Eigene Abbildung, zu den Inhalten siehe Wolfersdorf 2019, S. 740)

Um eine Entscheidung darüber zu treffen, welche interventiven oder therapeutischen Maßnahmen bei dem jeweiligen Patienten durchgeführt werden sollen, müsste man gemäß dieser Klassifizierung zunächst feststellen, zu welcher HauptRisikogruppe der zu behandelnde Suizident gehört und welche weiteren Merkmale er aus den anderen Gruppen aufweist (Kombinationsmöglichkeiten). Auf entsprechende Diagnose- und Therapiemaßnahmen für suizidgefährdete Personen wird in Kapitel 5 und 6 dieser Arbeit eingegangen.

4.2 Ablauf von suizidalen Handlungen

Ein Suizid kann spontan ausgeführt werden, aber er kann auch im Voraus detailliert geplant werden. Die letztere Art der Suizidausführung verläuft wie ein Prozess mit vier aufeinanderfolgenden Phasen (Pöldinger, 1968):

1. Todesgedanken, Ideenentstehung
2. Planung, wie, wo und wann der Suizid stattfmden soll
3. Suizidversuch
4. Erfolgreich durchgeführte Suizidhandlung, die zum Tod führt

Die Zusammenhänge zwischen der Prädisposition des betroffenen Menschen, den möglichen aktivierenden Ereignissen und seinem Suizidmodus sind in Abbildung 3 dargestellt. Da die Abbildung weitestgehend selbsterklärend ist, soll an dieser Stelle auf eine weitere textliche Erläuterung verzichtet werden. Für den Fall, dass weitere Vertiefungen dazu gewünscht sind, sei auf die hier angegebene Literatur verweisen (Rudd, Joiner, & Rajab, 2001, S. 31; Bryan & Rudd, 2011, S. 45; Scherr, 2016, S. 105).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Zusammenhänge zwischen Prädisposition, auslösenden Ereignissen und Suizidmodus (Eigene Abbildung in teilweiser Anlehnung an Rudd, Joiner, & Rajab, 2001, S. 31; Bryan & Rudd, 2011, S. 45; Scherr, 2016, S. 105).

Personen, die sich in einer suizidalen Krise befinden, wenden sich häufig an die Telefonseelsorge oder kündigen ihre suizidalen Absichten oder Handlungen bei anderen Personen an (Hilferuf, cry for help). Häufig gehen sie in der Zeit vor den suizidalen Handlungen zum Arzt, wobei nur ein Teil der Patienten dort ihre suizidalen Gedanken von sich aus äußert (Wolfersdorf, 2008, S. 1321 ff.).

[...]


1 Um die Lesbarkeit dieser Arbeit zu vereinfachen wird im Text i. d. R. die männliche Form gewählt (geschlechtsunabhängig). Die Leserinnen bitte ich um Verständnis für dieses Konstrukt.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Prävention von Suizidalität. Möglichkeiten durch Diagnostik und Therapieformen
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V990421
ISBN (eBook)
9783346352910
ISBN (Buch)
9783346352927
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prävention, suizidalität, möglichkeiten, diagnostik, therapieformen
Arbeit zitieren
Menua Soleimani (Autor), 2020, Prävention von Suizidalität. Möglichkeiten durch Diagnostik und Therapieformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990421

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