Ziel dieser Arbeit soll es sein, anhand einer beispielhaft ausgewählten Kampagne der Church of Euthanasia – die Abtreibungskampagne im September 1996 – den Choreographie-Begriff innerhalb der religiös und politisch motivierten Aktivität dieser Glaubensgemeinschaft zu definieren und zu befragen.
Vor allem sollen die theoretischen Ausarbeitungen von Andrew Hewitt zum Begriff der Social Choreography zunächst Aufschluss darüber geben, inwiefern es sich bei den Demonstrationen und Aktivitäten der CoE überhaupt um (soziale) Choreographien handeln kann. Ebenfalls sollen hierbei die Untersuchungen von Bojana Cvejic und Ana Vujanović zur Politischen Sphäre (public sphere) zur Bearbeitung dieser Fragestellung herangezogen werden.
Anschließend soll dann im zweiten Teil die Frage des Politischen im Vordergrund der Betrachtung stehen. Dazu werden die Ausführungen von Oliver Marchart unter dem Titel "Dancing Politics – Political Reflections on Choreography, Dance and Protest" und die von André Lepecki definierten Begriffe Choreopolice und Choeopolitics einen Ausgangspunkt für die Untersuchung der Frage bereitstellen, inwiefern die betrachteten Aktionen der CoE als ein gemeinschaftliches politisches Handeln auf der Basis von Glaubensinhalten – also als eine Art choreographierter Glaube – verstanden werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Abtreibungs-Kampagne der Church of Euthanasia
2.1 Die Frage nach dem Choreographischen
2.2 Die Frage nach dem Politischen
3. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, anhand der Abtreibungskampagne der Church of Euthanasia (CoE) im Jahr 1996 den Begriff der Choreographie im Kontext religiös und politisch motivierter Aktivitäten zu definieren und kritisch zu hinterfragen.
- Anwendung der Theorie der "Social Choreography" nach Andrew Hewitt auf die Aktionen der CoE.
- Untersuchung der Demonstrationen als "choreographierter Glaube" und performatives Ritual.
- Analyse des Politischen durch die Konzepte von Oliver Marchart (Dancing Politics) und André Lepecki (Choreopolice/Choreopolitics).
- Deutung der Rolle von Provokation, Humor und symbolischer Gewalt im aktivistischen Kontext.
- Beleuchtung der Wechselwirkung zwischen den Demonstranten und der regulierenden staatlichen Gewalt (Polizei).
Auszug aus dem Buch
2. Die Abtreibungs-Kampagne der Church of Euthanasia
Um die Vollständigkeit zu gewährleisten und um einseitige Berichterstattung zu vermeiden, habe ich mich dazu entschieden, die ideologisch motivierte Kampagne der CoE auszuwählen, bei der ihre Einstellung zum Thema Abtreibung im Vordergrund steht, da es dazu nicht nur Material auf der Webseite der Kirche selbst gibt, sondern sich auch die vom Thema unabhängige, neutrale Zeitung Der Spiegel mit zwei dieser Aktionen beschäftigte. Die insgesamt drei zu untersuchenden Demonstrationen der Kampagne fanden im September und Oktober 1996 in Brookline, Massachusetts und Los Angeles, Kalifornien statt.
Bevor die verschiedenen Aspekte und Fragen zum Choreographie-Begriff und zur Politik der Demonstrationen untersucht werden, soll im Folgenden der Fokus auf einer kurzen Zusammenfassung der Aktionen liegen, um einen Überblick über die Situationen zu erhalten, die vor den Abtreibungskliniken entstanden sind. Auf der Webseite der CoE kann man im Interviewformat (Lydia Eccles, Mitglied der CoE interviewt Chris Korda) nachlesen, wie die drei Tage dort von den beiden Mitgliedern der Kirche wahrgenommen wurden. Auf die Frage von Eccles, wie diese Aktionen überhaupt angefangen haben, erinnert sich Korda, dass Der Spiegel für eine Reportage über die Kirche nach Boston kommen wollte, um sie in Aktion zu sehen. Daraus sei dann der Plan für die Aktion erst entstanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Geschichte der Church of Euthanasia und Darlegung der Zielsetzung, ihre Aktionen theoretisch als soziale Choreographien zu untersuchen.
2. Die Abtreibungs-Kampagne der Church of Euthanasia: Detaillierte Betrachtung der Demonstrationen von 1996 unter Einbeziehung von Quellen der Kirche und Berichten der Presse.
2.1 Die Frage nach dem Choreographischen: Untersuchung der Demonstrationen mittels der Theorie der "Social Choreography" und der Erweiterung des Tanzbegriffs auf organisierte Körperbewegungen.
2.2 Die Frage nach dem Politischen: Analyse der politischen Dimensionen des Protests, insbesondere der Konzepte von Strategie, Kollektivität und der Interaktion mit der Polizei.
3. Fazit: Zusammenfassung der Erkenntnisse, dass religiös motivierter Aktivismus als "choreographierter Glaube" performativ und politisch wirksam verstanden werden kann.
Schlüsselwörter
Church of Euthanasia, Social Choreography, Choreographie, Politischer Protest, Demonstration, Performativität, Religiöser Aktivismus, Abtreibungskampagne, Chris Korda, Choreopolice, Choreopolitics, Symbolische Gewalt, Körperbewegung, Öffentliche Sphäre, Performatives Ritual.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Abtreibungskampagne der Glaubensgemeinschaft "Church of Euthanasia" aus dem Jahr 1996 und untersucht deren öffentliche Auftritte als politisch motivierte, soziale Choreographien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Verbindung von Ästhetik und Politik, die Bedeutung von öffentlichem Protest als choreographiertes Ereignis sowie die Rolle von religiös motivierten Gemeinschaften im politischen Raum.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Begriff der Choreographie auf nicht-tänzerische, politisch-aktivistische Handlungen zu übertragen und zu prüfen, ob die Aktionen der CoE als solche "soziale Choreographien" eingestuft werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Untersuchung verwendet?
Es werden theoretische Ansätze aus der Theaterwissenschaft und Tanztheorie, insbesondere von Andrew Hewitt, Bojana Cvejic, Ana Vujanović, Oliver Marchart und André Lepecki, auf empirisches Material (Interviews, Presseberichte) angewendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Kampagne, die choreographische Analyse nach Hewitt und die politische Analyse unter Berücksichtigung der Begriffe Choreopolice und Choreopolitics.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Social Choreography, Choreopolice, Performativität, öffentlicher Raum, strategischer Protest und die spezifische Rhetorik der Church of Euthanasia.
Wie spielt Humor eine Rolle in den Aktionen der Church of Euthanasia?
Humor und Provokation dienen der Kirche als Taktik, um ideologische Gegner (wie "Operation Rescue") zu destabilisieren und deren Glaubwürdigkeit durch gezielte Absurdität und symbolische Gewalt zu untergraben.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Polizei von der eines Choreographen im Kontext dieser Arbeit?
Nach André Lepeckis Konzept der "Choreopolice" fungiert die Polizei als ordnende Macht, die Bewegungen vorschreibt, während die Aktivisten durch "choreopolitisches Handeln" versuchen, diese Ordnung zu durchbrechen.
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- Celina Schneider (Author), 2020, Die Church of Euthanasia. Die Frage nach dem choreographierten Glauben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990593