Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, das Thema Compliance im Rahmen eines Compliance-Management-Systems wirksam in ein Unternehmen zu integrieren, um eine nachhaltige Compliance-Kultur zu schaffen.
Ziel ist es, bei den Unternehmen ein Bewusstsein dafür herzustellen, wie wichtig der Wandel in der Compliance-Kultur für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg ist.
Der angelsächsische Begriff ´Corporate Governance´ bedeutet Unternehmensführung und ist die Gesamtheit aller Prozesse, Richtlinien und Vorschriften, die die Art, wie das Unternehmen geführt wird, beeinflussen. Dazu gehört beispielsweise die Beziehung zwischen einem Unternehmen und seinen Aktionären, den Vorstandsmitgliedern, Managern und Angestellten. Seit Mitte der 90er Jahre werden in Deutschland verschiedene Elemente eines Systems der Unternehmensüberwachung diskutiert. Die ´Regierungskommission Deutscher Governance Kodex´ formulierte im Jahre 2002 eine Handlungsempfehlung.
Das Ziel von Corporate Governance ist u.a. die Schaffung von Vertrauen zu potenzielle Investoren, indem vorhandene asymmetrisch verteilte Informationen, die sogenannten Prinzipal-Agent Konflikte, aufgehoben oder zumindest reduziert werden. Der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) zielt auch auf die Vertrauensschaffung und -förderung, beispielsweise von Kunden, Mitarbeitern und Öffentlichkeit in die Leitung und Überwachung von deutschen börsennotierten Gesellschaften, ab.
Letztendlich kann gute Corporate Governance erreichen, dass potenzielle Konflikte zwischen den Stakeholdern eines börsennotierten Unternehmens minimiert werden. In Bezug auf Versicherungsunternehmen liegt eine besondere Corporate Governance-Struktur vor, da hier neben der Eigentümer-Manager-Beziehung zusätzlich eine Beziehung zwischen Managern und Versicherten vorliegt. Dabei stellen die Versicherten eine Gemeinschaft dar, die zu großen Teilen den tatsächlichen kollektiven Risikoausgleich repräsentieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung und Vorgehensweise
2 Grundlagendefinitionen im Rahmen der Arbeit
2.1 Corporate Governance
2.2 Compliance als Spezifikation von Corporate Governance
2.2.1 Definition
2.2.2 Ziele
2.2.3 Ursprung
2.2.4 Rechtlicher Hintergrund
2.2.5 Die Organisation der Compliance-Abteilung
3 Das Compliance-Management-System (CMS)
3.1 Die Bestandteile eines Compliance-Management-Systems nach IDW PS 980
3.1.1 Compliance-Kultur
3.1.2 Compliance-Ziele
3.1.3 Compliance-Risiko
3.1.4 Compliance-Programm
3.1.5 Compliance-Organisation
3.1.6 Compliance-Kommunikation
3.1.7 Compliance-Überwachung/-Verbesserung
4 Die Schaffung einer Compliance-Kultur
5 Abschließende Betrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit eines effektiven Compliance-Management-Systems (CMS) zur Sicherung des Unternehmenserfolgs und zur Vermeidung von Reputationsschäden. Dabei wird analysiert, wie durch den gezielten Wandel der Compliance-Kultur – insbesondere ausgehend vom Management – verloren gegangenes Vertrauen, beispielsweise in der Finanzdienstleistungsbranche, zurückgewonnen und langfristig ein werteorientiertes Verhalten im Unternehmen verankert werden kann.
- Grundlagen von Corporate Governance und Compliance
- Struktur und Bestandteile eines CMS nach IDW PS 980
- Die Rolle der Compliance-Kultur und des „Tone from the Top“
- Organisatorische Anforderungen und rechtliche Rahmenbedingungen
- Strategien zur Implementierung und nachhaltigen Stärkung der Compliance-Kultur
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Compliance-Kultur
Ein wesentlicher Bestandteil und die Grundvoraussetzung für ein funktionsfähiges und adäquates CMS ist die Schaffung einer wahrnehmbaren Compliance-Kultur. Weiterhin ist die Compliance-Kultur ein Ausgangspunkt und ein elementarer Bestandteil des Verhaltenskodex, sofern er im Unternehmen praktiziert wird und einen echten Wertekanon enthält.46
Gesetzliche Regelungen wie die des AktG oder der zuvor beschriebenen Deutschen Corporate Governance Kodex geben einschlägige Normen vor, die eingehalten werden müssen. Infolgedessen sollte eine ordnungsgemäße Compliance-Kultur in jedem Fall im Unternehmen implementiert sein.47
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Compliance-Kultur ein gemeinsames Verständnis der Mitarbeiter darstellt, welches aus der Unternehmenskultur der Organisation beruht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung und Vorgehensweise: Die Einleitung beleuchtet anhand des VW-Skandals die existenzielle Bedeutung eines funktionierenden Compliance-Management-Systems für den Erhalt des Unternehmensrufes.
2 Grundlagendefinitionen im Rahmen der Arbeit: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Corporate Governance und Compliance sowie deren Abgrenzung und rechtliche Einbettung.
3 Das Compliance-Management-System (CMS): Es werden die notwendigen Bestandteile eines CMS gemäß dem Prüfungsstandard IDW PS 980 detailliert aufgeschlüsselt, von der Kultur bis zur kontinuierlichen Verbesserung.
4 Die Schaffung einer Compliance-Kultur: Hier wird der Fokus auf die Vorbildfunktion des Managements und die Notwendigkeit des „Tone from the Top“ zur Vermittlung ethischer Werte gelegt.
5 Abschließende Betrachtung und Ausblick: Das Fazit unterstreicht, dass Compliance weit über bloße Rechtskonformität hinausgeht und als ganzheitlicher Erfolgsfaktor für eine positive Unternehmenskultur zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Compliance, Corporate Governance, Compliance-Management-System, CMS, IDW PS 980, Compliance-Kultur, Unternehmensführung, Risikomanagement, Unternehmenserhalt, Reputationsschaden, Tone from the Top, Verhaltenskodex, Compliance-Beauftragter, Solvency II, Kulturwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die wachsende Relevanz einer gelebten Compliance-Kultur innerhalb von Unternehmen, um Risiken zu minimieren und den langfristigen Unternehmenserfolg zu sichern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit konzentriert sich auf die theoretischen Grundlagen von Compliance, die strukturellen Elemente eines CMS nach IDW PS 980 sowie die Bedeutung der kulturellen Einbettung von Werten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines Wandels in der Compliance-Kultur zu schärfen, damit Unternehmen nicht nur gesetzliche Vorgaben einhalten, sondern auch Vertrauen bei Stakeholdern aufbauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenanalyse, die aktuelle Standards (IDW PS 980) und gesetzliche Rahmenbedingungen zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Definitionen, die detaillierten Bestandteile eines CMS nach IDW PS 980 sowie die Rolle des Managements bei der Schaffung einer Compliance-Kultur erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Compliance, Corporate Governance, CMS, Compliance-Kultur, Risikomanagement und der „Tone from the Top“.
Wie unterscheidet sich Compliance von Corporate Governance?
Während Corporate Governance primär die Sichtweise der Regulierer und die generelle Unternehmensführung umfasst, bezieht sich Compliance speziell auf das Einhalten von Gesetzen, Richtlinien und ethischen Standards aus der Sicht des regulierten Unternehmens.
Was versteht man unter dem „Tone from the Top“?
Dieser Begriff beschreibt die Vorbildfunktion der Geschäftsführung, die durch ihr eigenes Verhalten und moralisches Handeln die Compliance-Werte an die gesamte Belegschaft vermittelt.
Welche Rolle spielt die IDW PS 980 für die Arbeit?
Der Prüfungsstandard IDW PS 980 dient als methodische Grundlage, um die wesentlichen Bausteine eines funktionsfähigen Compliance-Management-Systems zu strukturieren.
Warum wird der VW-Skandal als Beispiel angeführt?
Der VW-Skandal dient als mahnendes Praxisbeispiel dafür, wie das Fehlen einer gelebten Compliance-Kultur zu massiven Reputationsschäden und dem Verlust von Stakeholder-Vertrauen führen kann.
- Quote paper
- Bachelor of Arts (B.A.) Nadine Reimer (Author), 2016, Die zunehmende Bedeutung des Wandels in der Compliance-Kultur in Finanzdienstleistungsunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/990687