Evidence-based Nursing bei Wundliegen. Prophylaxe durch Weichlagerungs- und Wechseldrucksysteme


Akademische Arbeit, 2020

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodisches Vorgehen
2.1 Deutschsprachige Recherche
2.2 Englischsprachige Recherche

3. Dekubitus
3.1 Ätiologie, Pathogenese und Klassifikation
3.2 Dekubitusprophylaxe
3.3 Weichlagerungs- und Wechseldrucksysteme

4. Ergebnisse

5. Bewertung und Handlungsempfehlung

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Dekubitusklassifikation nach ICD 10 (WHO, 2016

Tabelle 2 Druckzonenkodierung Dekubitis (WHO, 2016)

1. Einleitung

Das deutsche Gesundheitssystem sieht sich aufgrund des demographischen Wandels in den letzten Jahren und auch zukünftig neuen Herausforderungen gegenübergestellt. Die Bevölkerung wird älter, womit der Pflegebedarf steigt. Der Anspruch der Pflegebedürftigen besteht im Alter häufig darin, weiter an dem Ort zu verweilen, an dem sie auch gelebt haben. Die ambulante pflegerische Versorgung wird diesen Bedürfnissen zufolge in Zukunft an Bedeutung zunehmen. Der Bedarf an professioneller Pflege muss in diesem Bereich gedeckt werden. Dabei ist die Einbeziehung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Planung und Durchführung der individuellen Gesundheitsversorgung ein wichtiger Aspekt der professionellen Pflege. Bisher werden Ergebnisse der Pflegeforschung nur selten von Seiten der Verantwortlichen der Gesundheitspolitik miteinbezogen.

In der vorliegenden Arbeit soll am Beispiel des Dekubitus die Notwendigkeit und der Nutzen der Einbeziehung pflegewissenschaftlicher Erkenntnisse aufgezeigt werden. Aufgrund der zunehmenden Multimorbidität wird die Entstehung von Druckgeschwüren begünstigt. Eine Prävalenzerhebung aus dem Jahr 2014 zeigt, dass die Dekubitusprävalenz in Kliniken, je nach Studie, zwischen 0,4% (AQUA-Institut, 2015) und 3,9%(Dassen & et al., 2014) liegt, in Pflegheimen zwischen 1,7%(Wingenfeld, 2015) und 3,9%(Klingelhöfer-Noe, Dassen, & Lahmann, 2015) liegt. Für den Sektor der ambulanten Pflege liegen die Prävalenzzahlen zwischen 2,3% (Klingelhöfer-Noe, Dassen, & Lahmann, 2015) und 3,2% (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen, 2012).

Vor dem Hintergrund der genannten Zahlen ist von grundlegender Bedeutung, eine professionelle Dekubitusprophylaxe durchzuführen, da die Entstehung und die dadurch notwendige Therapie eines Dekubitus oftmals ein sehr langwieriger und auch kostenintensiver Prozess ist. Die Entstehung von Dekubitalulcera wird in der öffentlichen, medizinischen, pflegerischen und juristischen Diskussion als Pflegefehler angesehen(Deutsche Stiftung für Patientenschutz für Schwerkranke, Pflegebedürftige und Sterbende, 2020). Daraus lässt sich ableiten, dass das Vorhandensein eines Dekubitus auch gleichzeitig dem guten Ruf und der gesellschaftlichen Anerkennung des Pflegeberufes schaden kann.

In der ambulanten Pflege werden zur Dekubitusprophylaxe verschiedenste Lagerungshilfsmittel von Patienten, Angehörigen und professionell Pflegenden genutzt. Auffällig ist dabei, dass den betroffenen Pflegebedürftigen eine Vielzahl von Schaumstoffmatratzen und anderen Weichlagerungshilfsmitteln, wie beispielweise Schaffelle, angeboten werden. Auch der Einsatz von Wechseldrucksystemen bei Risikopatienten konnte vermehrt beobachtet werden. Professionell Pflegende haben in der häuslichen Pflege nur punktuell täglich Kontakt mit ihren Patienten/ Klienten. Dies bedeutet, dass viele der prophylaktischen Pflegemaßnahmen von Angehörigen durchgeführt werden müssen. Diese werden von den Pflegefachkräften zwar entsprechend beraten und angeleitet, auszuschließen bleibt jedoch nicht, dass die Entstehung eines Dekubitus durch Immobilität begünstigt und von Laien oft als „normale“ Begleiterscheinung gesehen wird. Zur Vermeidung des Auftretens von Druckgeschwüren kommen insbesondere Lagerungssysteme in Betracht, die nach den Prinzipien der Weichlagerung und des Wechseldruckes wirken. In der ambulanten Pflege gehören diese Mittel zu den am häufigsten gebrauchten Gegenständen. Dabei werden Auflagen und Matratzen eingesetzt, die, so geben es die Hersteller an, druckreduzierende Wirkungen haben (Pflegezeitschrift, 2008). Durch die Maßnahmen entfallen häufig notwendige Pflegemaßnahmen im Rahmen der Dekubitusprophylaxe.

Aufgrund der dargestellten Beobachtungen in der eigenen Pflegepraxis, soll nun untersucht werden, inwieweit der Einsatz von Weichlagerungs- und Wechseldrucksystemen zur Dekubitusprophylaxe wissenschaftlich fundiert ist. Folgende Fragen sollen beantwortet werden: „Wie evident ist die Verwendung von speziellen Matratzen und Auflagen zur Druckreduzierung im Rahmen einer Dekubitusprophylaxe?“, „Reicht das Lagern auf Weichlagerungs- und Wechseldrucksystemen aus, damit andere Pflegemaßnahmen überflüssig werden?“

Um diesen Fragen nachgehen zu können, wird zunächst in der medizinischen und pflegewissenschaftlichen Fachliteratur recherchiert. In Kapitel 2 wird zunächst die Literaturrecherche dargestellt. Im Anschluss folgt die Beschreibung der zu untersuchenden Weichlagerungs- und Wechseldrucksysteme. Die Ergebnisse der Untersuchung werden folgend in Abschnitt 4 zusammenfassend vorgestellt. Abschließend werden in der Diskussion die beschriebenen Ergebnisse bewertet und die oben genannten Fragen werden anhand der betrachteten Literatur beantwortet. Letztendlich wird auf dieser Grundlage eine konkrete Handlungsempfehlung für die praktische professionelle (häusliche) Pflege bezüglich des Einsatzes von Weichlagerungs- und Wechseldrucksystemen formuliert.

2. Methodisches Vorgehen

Die Literaturrecherche erstreckte sich über bekannte und fachlich fundierte medizinische, sowie pflegerische Datenbanken. Genutzt wurden dabei die Datenbanken CareLit (Literaturdatenbank für Management und Pflege), GeroLit (Online- Katalog der DZA- Bibliothek), Cinahl (Cumulative Index to Nursing and Allied Health Literature), PubMed, sowie die des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). Außerdem wurden auch folgende Datenbanken zur Literaturrecherche genutzt: gms, gms- Meetings, Deutsches Ärtzeblatt, Medline, Thieme-Verlagsdatenbank, Thieme Preprint. Darüber hinaus wurde im PrInternet recherchiert, sowie online über Google/ Googlescholar gesucht, damit auch die Literatur, die nicht in medizinischen oder pflegerischen Datenbanken enthalten ist, abgedeckt wird. Als temporäre Limitierung wurde, wenn möglich, der Erscheinungszeitraum 2010- 2020 angegeben. Das Hauptaugenmerk der Recherche lag auf der vorhandenen deutschsprachigen Literatur, es wurde jedoch auch nach englischsprachigen Veröffentlichungen zum Vergleich der späteren Ergebnisse gesucht. Abschließend wurde per Handsuche in verschiedenen Pflegefachzeitschriften der Bibliothek der FH Hannover online recherchiert, jedoch wurden die gefundenen Artikel bereits durch die Onlinerecherche gefunden.

2.1 Deutschsprachige Recherche

Um einen Überblick über die deutschsprachige Studienlage zu bekommen wurde zu Anfang der Literaturrecherche der Suchbegriff „Dekubitus“ gewählt. Diese Suche ergab eine Vielzahl von Treffern, was eine Spezifizierung und Kombination von Suchoperatoren nötig machte. Die Termini „Dekubitus“, „Dekubitusprophylaxe“, „Ambulante Pflege“, „häusliche Pflege“, „Matratze“, „Weichlagerung“, „Wechseldruckmatratze“, „Schaffell“ , „Studie“, „Druckreduktion“ ergaben in verschiedenen Kombinationen einige zunächst vielversprechende Treffer, die zu späterer, genauerer Durchsicht in Frage kamen. Der Grundbegriff „Dekubitus“ wurde außerdem noch durch den Fachterminus „Dekubitalulcera“ ersetzt, was jedoch keine relevanten Ergebnisse lieferte.

Insgesamt zeigte sich, dass es zahlreiche deutschsprachige Publikationen zum Thema „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ gibt, die Fokussierungen und Ausrichtungen der Artikel jedoch sehr breit gefächert sind. Oft befassen sich diese mit Prävalenzerhebungen, dem Einsatz von Risikoskalen in der Dekubitusprophylaxe, der Wundversorgung oder operativen Therapie von bereits bestehenden Druckgeschwüren, sowie ökonomisch- gesellschaftlichen Aspekten, wie der Kosteneinsparung durch Prävention von Dekubitus. Die hier ausgewählten Artikel, die zur Beantwortung der eingangs gestellten Frage zum Nutzen von Weichlagerungs- und Wechseldruckmatratzen in Rahmen der Dekubitusprophylaxe, werden im Kapitel der Ergebnisdarstellung kritisch betrachtet und zusammenfassend dargestellt.

2.2 Englischsprachige Recherche

Ergänzend zur bisher gefunden Literatur wurde nach englischsprachigen Veröffentlichungen unter Einsatz der Suchoperatoren „decubitus“, „pressure“, „pressure ulcer“, „home care“, „mattress“, „effectiveness“, „prophylaxis“, „prevention“ und „sheepskin“ gesucht. Auch aus diesem Rechercheschritt resultierten verschiedene vielversprechende Treffer, auf die in Kapitel 3 genauer eingegangen wird.

Im Vergleich zur deutschsprachigen Literatur fällt hier auf, dass viele Veröffentlichungen vorhanden sind, die konkrete Pflegemaßnahmen bezüglich ihrer Evidenzbasierung betrachten.

3. Dekubitus

Ein Dekubitus wird definiert als eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunter liegenden Gewebes, typischerweise über knöchernen Vorsprüngen, infolge von Druck oder Druck in Verbindung mit Schwerkräften (National Pressure Ulcer Advisory Panel, European Pressure Ulcer Advisory Panel, Pan Pacific Pressure Injury Alliance, 2014). Nach dieser Definition lässt sich ableiten, dass der Dekubitus trotz oberflächlich intakter Haut entstehen kann. Dekubitus entstehen, wenn eine länger andauernde Verformung weichen Gewebes vorliegt. Die genauen Bedingungen die zu einem Dekubitus führen, sind wissenschaftlich bisweilen nur teilweise klar. Als Hauptursache zählt die länger andauernde Verformung wozu individuelle Risikofaktoren wie z.B. der Körperbau, die Körperstelle, die vorhandenen Grunderkrankungen und das Körpergewicht ausschlaggebend sein können(Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege, 2017).

Das folgende Kapitel definiert und klassifiziert den Dekubitus um im Anschluss eine Überblick über die Behandlung des Dekubitus mit Weichlagerungs- und Wechseldrucksystemen zu geben.

3.1 Ätiologie, Pathogenese und Klassifikation

Der National Pressure Ulcer Advisory Panel, European Pressure Ulcer Advisory Panel, Pan Pacific Pressure Injury Alliance (2014) nach, werden folgende Hauptmechanismen beschrieben, die zu druckbedingten Zelltod führen.

Werden Zellen über einen bestimmten Zeitraum und über ein bestimmtes Maß hinaus verformt, sterben sie ab und bilden Nekrosen (meist Muskelzellen betroffen). Wenn dies durch direkte Einwirkung von hohen Kräften über einen kurzen Zeitraum geschieht, wird von einer direkten mechanischen Deformation gesprochen. Wird weiches Gewebe deformiert, kommt es zur Minderversorgung des Gewebes mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen, so dass es zu einer lokalen Azidose kommt. Durch erneutes Durchbluten der Stelle können lokale Entzündungen auftreten, welche zur Schädigung des Gewebes führen. Beide aufgezeigten Mechanismen sind nicht unabhängig voneinander zu betrachten, sehr wahrscheinlich erfolgt eine gegenseitige negative Beeinflussung beider Mechanismen (Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege, 2017).

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich Dekubitus in besonders anfälligem Gewebe (meist Muskelgewebe) entwickeln. Dabei ist es möglich, dass einzig die unteren Gewebeschichten betroffen sind und es nicht zu einer offenen Wunde an der Hautoberfläche kommt(Krankenkassen, 2012). Die Weiterentwicklung von Dekubitus im betroffenen Gewebe hängt vom Ausmaß und Charakters der Schädigung ab (Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege, 2017).

Eine einheitliche Klassifikation für Dekubitus, der alle wissenschaftlichen, pflegerischen und juristischen Anforderung in gleicher Weise erfüllt, gibt es nicht. Daher wird sich in dieser Arbeit auf das Internationale statistische Klassifikationssystem der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) berufen. Mit diesem Klassifikationssystem werden in Deutschland und auch international, medizinische Diagnosen gestellt. Im ICD-10 werden Dekubitus wie folgt klassifiziert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 Dekubitusklassifikation nach ICD 10(WHO, 2016)

Zusätzlich wird das Dekubitalgeschwür, wie es im ICD-10 betitelt wird, nach Druckzonen kodiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 Druckzonenkodierung Dekubitus (WHO, 2016)

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Evidence-based Nursing bei Wundliegen. Prophylaxe durch Weichlagerungs- und Wechseldrucksysteme
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V991562
ISBN (eBook)
9783346357168
ISBN (Buch)
9783346357175
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pflege, Evidence-based nursing, Dekubitus, Weichlagerungssystem, Pflegepädagogik
Arbeit zitieren
Jennifer Wesemann (Autor), 2020, Evidence-based Nursing bei Wundliegen. Prophylaxe durch Weichlagerungs- und Wechseldrucksysteme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/991562

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