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Die Mafia oder auch "ehrenwerte Gesellschaft". Vertrauen, Rituale und die Notwendigkeit von Gewalt

Titel: Die Mafia oder auch "ehrenwerte Gesellschaft". Vertrauen, Rituale und die Notwendigkeit von Gewalt

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2020 , 18 Seiten , Note: 1.0

Autor:in: Philipp S. Nehr (Autor:in)

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Was steckt hinter der Firma der Paten, welche Leistungen und welches Produkt bietet diese Firma an, wie sichert sie die Nachfrage und warum spielt Gewalt in dieser Welt eine so entscheidende Rolle? Diese Arbeit hat nicht den Anspruch, ein vollumfängliches Bild der Mafia darzulegen. Die Literatur zu Themen wie der Entstehung und Geschichte der Mafia ist ebenso umfassend und interessant wie die Verbindungen der ehrenwerten Gesellschaft zu Staat, Politik und Justiz.

Viel mehr wird sich auf drei Kernelemente konzentriert, die für das erfolgreiche Bestehen und Fortdauern von mafiosen Gruppierungen von großer Bedeutung sind. Im Kapitel über das Vertrauen beispielhaft dargelegt, wie es zu einem Handel zwischen zwei sich misstrauenden Akteuren kommt, welche Rolle der Mafioso dabei spielt und mit welcher Ressource er handelt, um Handel zu ermöglichen. Im darauffolgenden Abschnitt wird die Notwendigkeit und Besonderheit von Aufnahmeritualen beschrieben, um ein Verständnis dafür zu erlangen, wie einerseits innerhalb einer mafiosen Familie ein hohes Vertrauen und starke Loyalitätsbeziehungen entstehen und vorherrschen, andererseits wie grausame Gewalttaten gerechtfertigt werden können. Im abschließenden Kapitel wird es um die entscheidende Rolle der Reputation gehen, wobei deutlich wird, weshalb es innerhalb der Mafia so häufig zu Gewalttaten und Morden kommt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Vertrauen

2.1 Bestimmungsfaktoren

2.2 Handel unter Misstrauen

2.3 Misstrauen als Geschäftsgrundlage

2.4 Schutz bei legalen und illegalen Geschäften

3 Rituale

3.1 Voraussetzungen für die Aufnahme in die Mafia

3.2 Eintritt und Folgen

3.3 Sinn und Zweck des Initiationsritus

4 Macht durch Information

4.1 Information

4.2 Spionage und Verschwiegenheit

4.3 Konflikt und Aushandlung

5 Macht durch Reputation und die Notwendigkeit von Gewalt

5.1 Gewalt ist unerlässlich

5.2 (Aushandlungs-)Macht steigern

6 Schluss und Ausblick

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht die soziologischen Mechanismen, die das Bestehen und Fortbestehen mafioser Gruppierungen ermöglichen, wobei der Fokus auf den zentralen Elementen Vertrauen, Rituale, Information und Reputation liegt, um zu verstehen, wie Gewalt als notwendiges Instrument innerhalb dieses Wirtschaftssystems fungiert.

  • Die Entstehung von Vertrauen unter Bedingungen des Misstrauens
  • Die funktionale Rolle von Aufnahmeritualen innerhalb einer Mafia-Familie
  • Machtausübung durch Informationsvorsprung und Spionage
  • Die Bedeutung von Reputation als „Markenzeichen“ für Schutzdienstleistungen
  • Die Notwendigkeit von Gewalt zur Etablierung und Sicherung der Marktposition

Auszug aus dem Buch

2.2 Handel unter Misstrauen

Zu Beginn der Entstehung der Mafia zwischen 1860 und 1876 stand die gebirgige Insel Sizilien in dem Ruf, ein revolutionäres Pulverfass zu sein (vgl. Dickie 2006, 48), doch gleichzeitig war die Hauptstadt Palermo zu dieser Zeit die Drehscheibe für Groß- und Einzelhandel sowie der wichtigste Hafen (vgl. ebd., 54) und feierte große wirtschaftliche Erfolge, unter anderem mit dem Export von Zitronen und Schwefel (vgl. ebd., 112). Doch der Handel weißt dort einige kulturelle Besonderheiten auf. In Sizilien ist die Philosophie verbreitet, dass jeder bereit ist, den anderen auszunutzen und zu beweisen, dass er schlitzohriger ist als der andere (vgl. Gambetta 1994, 38). Kommt man also aus dieser Gegend, dann hat man schon von Kindesbeinen an gelernt, dass Vertrauen eine seltene Ressource ist und ihr Mangel das Leben schwer machen, sich andererseits aber auch als Einkommensquelle erweisen kann (vgl. ebd., 56). Das folgende Zitat verdeutlicht das vorhandene Misstrauen zwischen zwei einfachen Handelspartnern und zeigt auch die noch heute vorkommende Notwendigkeit der Absicherung bei Geschäften:

„Der Metzger, der zu mir kommt und mir ein Tier abkaufen will, weiß, daß ich ihn hereinlegen will. Andererseits weiß ich ebenfalls, daß er mich seinerseits hereinlegen will. Darum brauchen wir zur Einigung einen Peppe (einen dritten Mann); danach bezahlen wir beide ihm einen prozentualen Anteil am Geschäft.“ (Gambetta 1994, 29)

Demnach ist der dritte Mann ein Vermittler zwischen zwei sich misstrauenden Akteuren, ein Akteur auf dem Markt, der als Vertrauensperson fungiert. Ähnlich formuliert es Coleman (vgl. 1990, 175-196), wenn er bei dem Aufbau von Vertrauen auf die Wichtigkeit des Mittlers hinweist. Das Misstrauen wird also auch durch den Vermittler überbrückt und monetarisiert, soll heißen Käufer und Verkäufer investieren Vertrauen in den Mittler, um ihr eigenes Risiko in gewissen Grenzen zu halten (vgl. Münch 2003, 97).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Die Einleitung führt in die Thematik der Mafia als mafiöse Organisation ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Kernelemente Vertrauen, Rituale und Reputation zu beleuchten.

2 Vertrauen: Dieses Kapitel analysiert Vertrauen als essenzielle Ressource in einem Umfeld von Misstrauen und erklärt, warum Vermittler notwendig sind, um Handelsbeziehungen zu ermöglichen.

3 Rituale: Hier werden Rituale als stabilisierendes Element innerhalb der Mafia beschrieben, das durch gemeinsame Normen und den Initiationsritus Solidarität sowie Gruppenloyalität erzeugt.

4 Macht durch Information: Der Abschnitt erläutert die Bedeutung von Informationsvorsprüngen und Spionage sowie Aushandlungsprozesse im Kontext mafioser Konflikte.

5 Macht durch Reputation und die Notwendigkeit von Gewalt: Dieses Kapitel verdeutlicht, dass Reputation als Schutzgarantie dient und Gewalt ein notwendiges Mittel zur Sicherung der Reputation und Geschäftsgrundlage ist.

6 Schluss und Ausblick: Das Fazit fasst die Rolle der Mafia-Mechanismen zusammen und gibt einen Ausblick auf die Veränderung der Mafia-Strukturen im Zeitverlauf.

Schlüsselwörter

Mafia, Vertrauen, Misstrauen, Rituale, Initiation, Schutz, Information, Reputation, Gewalt, organisierte Kriminalität, Aushandlung, Loyalität, Soziologie, Wirtschaftssystem, Transaktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die soziologischen und ökonomischen Grundlagen, die es der Mafia ermöglichen, als „ehrenwerte Gesellschaft“ zu bestehen und ihre Macht durch spezifische Mechanismen zu festigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Management von Vertrauen, die funktionale Bedeutung von Aufnahmeritualen, die Nutzung von Informationen und die strategische Bedeutung von Reputation und Gewalt.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es, das „funktionale Bestehen“ der Mafia zu erklären, indem dargelegt wird, warum Schutzdienstleistungen in einem Umfeld von Misstrauen eine zentrale Rolle spielen und welche Rolle Gewalt dabei einnimmt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse soziologischer und ökonomischer Fachliteratur (u.a. Gambetta, Münch, Coleman), um das Verhalten mafioser Organisationen zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die einzelnen Mechanismen wie Vertrauensbildung durch Vermittler, die Bedeutung von Initiationsriten, die Rolle von Spionage zur Machtausübung und die ökonomische Logik hinter der Anwendung von Gewalt detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie organisierte Kriminalität, Schutzhandel, Reputation, Vertrauensressourcen und soziologische Machttheorie beschreiben.

Warum spielt der „dritte Mann“ oder Vermittler eine so wichtige Rolle?

In einem Markt, der von gegenseitigem Misstrauen geprägt ist, fungiert der Vermittler als Garant für die Vertragseinhaltung, wodurch Transaktionsunsicherheiten überwunden werden können.

Warum ist Gewalt laut der Arbeit keine bloße Grausamkeit, sondern ein ökonomisches Mittel?

Gewalt wird als ein strategisches Instrument der „Schutz-Industrie“ begriffen, das zur Etablierung von Glaubwürdigkeit und zum Schutz der eigenen Reputation sowie des Marktanteils unverzichtbar ist.

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Details

Titel
Die Mafia oder auch "ehrenwerte Gesellschaft". Vertrauen, Rituale und die Notwendigkeit von Gewalt
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Veranstaltung
Handlungstheorie
Note
1.0
Autor
Philipp S. Nehr (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V991900
ISBN (eBook)
9783346355669
ISBN (Buch)
9783346355676
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie ; Handlungstheorie ; Mafia ; Gewalt
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Philipp S. Nehr (Autor:in), 2020, Die Mafia oder auch "ehrenwerte Gesellschaft". Vertrauen, Rituale und die Notwendigkeit von Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/991900
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Leseprobe aus  18  Seiten
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