Übergänge in der Lebensphase der Kindheit. Eine Darstellung nach Phasen


Hausarbeit, 2020

32 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Essay

III. Vertiefung des Seminars: Übergänge in der Lebensphase der Kindheit

1. Statement und Kriterienliste
1.1. Statement
1.2. Kriterienkatalog

2. Screenshots von eigenen Einträgen im Forum zu anderen Statements/Kriterien
2.1. Kommentierung der Lerngruppe 1 zum Text von Hanke Petra (2010) „Gestaltung von Übergängen“
2.2. Kommentierung der Lerngruppe 5 zum Text von Inge Johansson (2007) „What can it mean for children in the early years?“
2.3. Kommentierung der Lerngruppe 18 zum Text von Siebholz (2013) „Adressat/-innen, Schüler/-innen, Familienkinder? Institutionalisierung von Kindheit im Spiegel der Biographien von Kindern in Heimen und zum Text von Lattschar (2012) „Biographiearbeit in der Jugendhilfe“

3. Analyse und Weiterentwicklung der pädagogischen Konzeption von dem Pflegekinderdienst des Landeskreis Peine
3.1. Kommentierung in Bezug auf die Analyse der pädagogischen Konzeption „Kinderheim Eiderhaus“ der Lerngruppe 19

IV. Reflexion

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Der Begriff Übergänge wird durch unterschiedliche Definitionen definiert. Im Alltag werden Übergänge als Bewegung zwischen zwei festen Punkten beschrieben, wie zum Beispiel einen Ortswechsel. In der Sozialwissenschaft werden Übergänge als Rollen- und Statuswechsel in subjektiven Sozialisationsverläufe sowie Entwicklungsschritte innerhalb der Lebensspanne definiert, wie zum Beispiel den Übergang zwischen Arbeit und Arbeitslosigkeit (Walther 2015, S.34ff.). Jede Person wird in seinem Leben mit Übergängen konfrontiert, somit finden die ersten Übergänge in der frühen Kindheitsphase statt, aber auch die folgenden Lebensjahre durchlaufen Übergänge. Zu diesen Übergängen gehören zum Beispiel der Schulbeginn, der Berufseinstieg sowie die Pensionierung. Übergänge existieren auch außerhalb der Schullaufbahn und des Berufslebens, diese bestehen aus der Ebene der Freundschaft, der Heirat, dem Umzug sowie der Familienplanung. Die verschiedenen Übergänge können unterschiedlich wahrgenommen werden, sie können als schmerzhaft oder als angenehm bewertet werden und somit als Chancen oder Risiken gelten. Übergänge können ebenfalls geplant oder spontan im Leben einer Person auftreten.

„Übergänge sind Schnittstellenindividueller biographischer Verläufe und sozialer Strukturen, Verzweigungen gesellschaftlich vorgeformter Entwicklungsbahnen. Sie markieren Brüche, die es zu überbrücken gilt, sie sind das Nadelöhr für gesellschaftlichen Erfolg, aber auch Stationen des Scheiterns und Misserfolgs“ (Kutscha 1991, S.113).

Im Studienfach Erziehungswissenschaft besteht das Modul X „Sozialpädagogik der Übergänge" aus einer Vorlesung und einem darauffolgenden Seminar. In der Vorlesung, welche im Wintersemester 2019/2020 bei Dr. Caroline Schmidt stattfand, wurden drei große Themengebiete behandelt. Das erste Themengebiet bestand aus den Grundlagen, welches die Institutionalisierung des Lebenslaufs beinhaltete. Das zweite Themengebiet bestand aus den Übergängen im Lebenslauf, welches die Agency und Vulnerabilität in Übergängen, die Kindheiten und Übergänge, die Übergänge ins Erwachsenenalter und das Altern als Übergang thematisiert. Das dritte Themengebiet bestand aus der Bewältigung im Übergang sowie Institutionen, dieses Themengebiet beinhaltete Migration und Übergänge; Integrativen Familienhilfe; Lebensbewältigung als sozialpädagogisches Konzept; „Careleaver" und Biographiearbeit.

Im darauffolgenden Seminar wurden die Übergänge in der Lebensphase Kindheit thematisiert. Übergänge, wie oben schon erwähnt, finden in unterschiedlichen Lebensphasen statt, somit auch in der Lebensphase der Kindheit, welche sehr entscheidend für die spätere Entwicklung sein können. Das bedeutet, wenn die ersten Übergänge erfolgreich verlaufen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass zukünftige Übergänge gelingen sehr hoch. Die Kinder erleben vielfältige Übergänge in der Kindheit, wie zum Beispiel den Übergang von der Familie in den Kindergarten sowie den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule und den Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule (Weingard, 2012, S.1ff.). Darüber hinaus können auch familiäre Veränderung, wie zum Beispiel die Scheidung der Eltern, zu einer Übergangserfahrung der Kinder führen. Jede Übergangssituation bedeutet demnach, dass die Kinder sich in kurzer Zeit anpassen und neustrukturieren müssen. Damit die vielfältigen Übergänge in den jungen Jahren gelingen können, müssen die Kinder angemessen vorbereitet, begleitet sowie unterstützt werden. Darüber hinaus sind auch die Eltern sowie die Pädagogen am Übergangsprozess beteiligt und müssen durch eine aktive Zusammenarbeit den Übergangsprozess gestalten, damit der Übergang erfolgreich stattfinden kann.

Im folgenden Portfolio werden Inputs aus der Vorlesung sowie aus dem Seminar herausgearbeitet. Der erste Teil des Portfolios besteht aus einem Essay, welches den Übergang aus der Herkunftsfamilie in eine Pflegefamilie. Dieses Essay gestaltet sich entlang der institutionellen und organisationalen Rahmung; der subjektiven Deutungsund Handlungsmuster der Akteure im Übergang sowie entlang der möglichen sozialpädagogischen Handlungsmöglichkeiten. Der zweite Teil des Portfolios basiert auf dem Seminar „Übergänge in der Lebensphase der Kindheit" und beinhaltet ein Statement sowie eine Kriterienliste in Bezug auf den Text „Übergänge in der Kinder- und Jugendhilfe" (vgl. Zeller & Köngeter 2013). Im weiteren Verlauf des Portfolios werden die Screenshots von den eigenen Einträgen im Forum zu anderen Statements & Kriterien veranschaulicht. Darauffolgend wird die Analyse und Weiterentwicklung einer pädagogischen Konzeption aus dem Bereich des Pflegekinderdienstes des Landeskreis Peine dargestellt und abschließend wird die Reflexion der erörterten Themen erläutert.

II. Essay

Übergang aus der Herkunftsfamilie in eine Pflegefamilie

Das Pflegekinderwesen hat einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft, denn oftmals müssen Kinder aufgrund bestimmter Situationen aus der Herkunftsfamilie herausgenommen werden oder werden von den Erziehungsberechtigten abgegeben. In diesem Sinne stellt der Übergang von der Herkunftsfamilie in eine Heimeinrichtung, sowie der Übergang von der Heimeinrichtung zu einer Pflegefamilie, eine sehr große Bedeutung dar, zum einen für das Kind, aber auch für alle anderen Beteiligten. Darüber hinaus spielt die Pflegefamilie eine sehr wichtige Rolle, in Bezug darauf, welchen Umgang sie mit dem Kind entwickeln, vor allem in schwierigen Situationen der Übergangsphase. Deswegen besteht ein Angebot aus unterschiedlichen Maßnahmen und Unterstützungen, auf welche die Pflegefamilie in den jeweiligen Situationen zurückgreifen kann. In diesem Sinne stellt sich die Frage, inwiefern die Biographiearbeit die Bewältigung des Überganges, von der Herkunftsfamilie in eine Pflegefamilie, unterstützen kann. Das Essay beinhaltet die institutionelle und organisationale Rahmung des gewählten Übergangs sowie die subjektive Handlungs- und Deutungsmuster der Pflegekinder und die sozialpädagogischen Handlungsmöglichkeiten.

Pflegeeltern übernehmen die Verantwortung, Betreuung sowie die Erziehung und die Versorgungen ihres Pflegekindes in der Zeit, in der die Pflegekinder nicht bei ihren leiblichen Eltern wohnen können oder dürfen. Wie schon erwähnt stellen die Übergänge in der Kindheit eine große Bedeutung für die Kinder dar, demnach auch der Übergang von der Herkunftsfamilie in eine Pflegefamilie. Es gibt unterschiedliche Gründe warum ein Kind in eine Pflegefamilie untergebracht werden muss, oftmals wird eine Gefährdung des Kindeswohls festgestellt. In dem Zusammenhang werden Kinder in einer Pflegefamilie untergebracht, wenn sie in der Herkunftsfamilie zum Beispiel vernachlässig werden, unzureichend versorgt werden, unzureichend gefördert werden oder auch wenn sie durch Konflikte innerhalb der Herkunftsfamilie belastet werden. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Kinder in Pflegefamilien untergebracht werden, wenn die leiblichen Eltern mit der Erziehung, der Versorgung oder auch der Betreuung überfordert sind und die Eltern diese nicht mehr ausreichend garantieren können (Reimer 2008, S. 13ff.). Die Pflegehilfen werden in unterschiedlichen Gesetzteilen erwähnt, demnach unterstreicht das SGB VIII, sowie das Kinder- und Jugendhilfegesetz, die wichtigen gesetzlichen Regelungen des Pflegekinderwesen. In diesen Gesetzen wird zum einen die Gestaltung des Pflegeverhältnisses deutlich und zum anderen widmen sie sich der Organisation des Pflegekinderwesen. Die Hilfen zur Erziehung nach § 27 SGB VIII können die leiblichen Eltern der Kinder in Anspruch nehmen, wenn sie das Kindeswohl dauerhaft oder zeitweise nicht ausreichend gewährleisten können, wie zum Beispiel, wenn die Erziehung oder die Betreuung der Kinder vernachlässigt wird1. Die Hilfen zur Erziehung bestehen aus ambulanten Maßnahmen oder stationäre Maßnahmen. Eine stationäre Maßnahme beinhaltet die Unterbringung in eine Pflegefamilie, diese Unterbringung wird im § 33 SGB VIII als Vollzeitpflege beschrieben, in diesem Absatz sind demnach die Grundlagen der Unterbringung eines Pflegekindes festgelegt2.

Durch die Vollzeitpflege kann also das Wohl des Kindes wieder gewährgeleistet werden, damit werden die Eltern sowie die Kinder in schwierigen Situationen unterstützt (Sandmeir et al 2011, S. 480ff.). Die Hilfen zur Erziehung haben somit die Aufgabe, der Herkunftsfamilie entlastend und unterstützend zur Seite zu stehen und dadurch ihre Erziehungsfähigkeiten zu verbessern, aber auch die Entwicklung der Kinder soll durch diese Hilfen verstärkt werden (Sandmeir et al 2011, S. 344ff.).

Die Fremdunterbringung besteht aus verschiedenen Maßnahmen, sie kann aus der Kurzzeitpflege, aus der Bereitschaftspflege oder aus der Dauerpflege bestehen. Die Dauerpflege besteht aus der langfristigen Pflege, welche sich bis zur Volljährigkeit der Kinder erstreckt, im Gegensatz dazu, besteht die Bereitschaftspflege aus einem kurzen Zeitraum der Pflege. Die Pflegefamilien können aus den Verwandten, aber auch aus fremden Individuen bestehen. Die Familien bedürfen keinen gewissen pädagogischen Hintergrund um ein Pflegekind zu übernehmen. Die Familienkonstellationen können auch unterschiedlich zusammengesetzt sein, das bedeutet verheirate Paare, sowie unverheiratete Paare können ein Pflegekind übernehmen. Dazu gehören auch gleichgeschlechtliche Paare sowie Einzelpersonen (Sandmeir et al 2011, S. 262ff.). Die Fachdienste begleiten die Pflegefamilien, die Auswahl von den Pflegefamilien und alle andere Entscheidung im Pflegeverhältnis, in diesem Kontext bedürfen die Jugendämter professionelle Pflegekinderdienste. Die Pflegedienste stehen auch nach der Inobhutnahme eines Pflegekindes zur Verfügung (Sandmeir 2011, S. 450ff.).

In diesem Absatz geht es um die Deutungs- und Handlungsmuster von Kindern im Übergang von der Herkunftsfamilie in die Pflegefamilie.

Der Wechsel von der Herkunftsfamilie in eine Pflegefamilie wird nicht als „normalen" Übergang beschrieben im Gegensatz zu dem Wechsel von dem Kindergarten in die Grundschule. In diesem Sinne müssen Pflegekinder ungewöhnliche Übergänge meistern, das bedeutet aber auch, dass die Pflegekinder eine entscheidende Veränderung durchleben und diese Veränderung den Prozess ihrer Entwicklung beeinträchtigen können. Demnach kann dieser Einschnitt als ein kritisches Lebensereignis beurteilt werden, dieser Einschnitt stellt die Beteiligten vor schwierigen Herausforderungen, die sie dementsprechend versuchen müssen zu bewältigen. Diese Veränderung kann man als einen Wechsel der unterschiedlichen Lebenswelten der Kinder definieren, denn die Kinder Wechsel von ihrer gewohnten Lebenswelt in eine ungewohnte Lebenswelt. Eine der erwähnten Herausforderungen kann sein, dass die Kinder die Normen, Erfahrungen und Fähigkeiten mit in diesen Wechsel hineinbringen, dennoch treffen sie in der Pflegefamilie auf andere Individuen sowie auf andere Normen, Erfahrungen oder Regeln. Die Unterschiede der zwei Welten können zur Fremdheit und Verwirrungen führen. Ein Beispiel dafür ist, wenn das Kind nie gewohnt war, dass die ganze Familie am Tisch zu Mittag isst und in der Pflegefamilie dies aber der Fall ist, kann das zu Verwirrung des Pflegekindes führen. Diese Veränderung die zur Verwirrung geführt hat kann sich aber im späteren Verlauf zu einer positiven Erfahrung wenden, wenn das Pflegekind sich darüber erfreut, dass alle zusammen am Tisch essen. Das bedeutet der Wechsel von den Lebenswelten der Pflegekinder erstreckt sich über deutliche Veränderungen sowie Neuorientierungen, somit werden die Pflegeeltern als die Vermittler von Handlungswissen für die Bewältigung des Alltags angesehen (Sandmeir et al. 2011, S.492ff.).

Ein anderes Merkmal der Deutungs- und Handlungsmuster von Pflegekindern ist die Partizipation der Kinder, denn oftmals ist nicht genau abgeklärt, wie lange die Kinder in der Pflegefamilie bleiben. Das bereitet den Beteiligten unzählige Ungewissheiten, dies ist eine Herausforderung, welche die Pflegekinder bewältigen müssen, aber auch kann die mangelnde Information sowie die fehlende Partizipation der Pflegekinder eine zusätzliche Belastung für die Pflegekinder erzeugen. In diesem Sinne ist die Partizipation der Pflegekinder ein essentielles Merkmal, um den Übergang in die Pflegefamilie bewältigen zu können und verstehen zu können. Deswegen sollen die Pflegekinder an Entscheidungen beteiligt werden, dies kann durch einen Ansprechpartner des Pflegekinderdienstes oder auch durch eine Vertrauensperson erreicht werden. Bei diesem Ansprechpartner können die Kinder ihre Gefühle oder ihre Ängste ansprechen und fühlen sich somit nicht mehr allein gelassen in ihrem Gedankenkreis. Dadurch, dass den Kindern vermittelt wird, warum sie in der Pflegefamilie sind oder was das für sie bedeutet, kann ihnen ihre Situation erleichtert werden und sie können bestenfalls besser mit der Situation umgehen und besser in dieser Situation agieren. Durch diese Gespräche können die Wünsche der Pflegekinder besser ermittelt werden und die Betreuung kann an Bedürfnisse der Kinder angepasst werden (Sandmeir et al. 2011, S. 506ff.).

Ein letztes Beispiel der Deutungs- und Handlungsmuster von Pflegekindern ist die Rolle der Beziehung zur Herkunftsfamilie. Auch wenn die Kinder ihre Pflegefamilie „akzeptieren“, besteht immer noch der emotionale Bezug zur Herkunftsfamilie. Diese Herausforderung wird unterschiedlich behandelt, es gibt unterschiedliche Maßnahmen um den Kontakt zur Herkunftsfamilie aufrecht zu erhalten zum Beispiel durch Besuchskontakte, Briefe sowie durch einen begleitenden Umgang der Beteiligten. Diese Maßnahmen können von den Pflegeeltern unterstützt und begleitet werden, indem sie zum Beispiel keine Briefe von den leiblichen Eltern den Kindern vorenthalten. Im Gegenzug gibt es auch Pflegekinder die keinen Kontakt zu den leiblichen Eltern haben können. Dies entsteht zum Beispiel, wenn die leiblichen Eltern keinen Kontakt haben wollen. Dadurch stehen die Pflegekinder wieder vor neuen Herausforderungen, dieses Verhalten der Eltern kann zu negativen Gefühlen bei den Pflegekindern führen, wie zum Beispiel Sehnsucht oder Machtlosigkeit (Sandmeir et al. 2011, S. 500ff.).

Die Sozialpädagogik ermittelt unterschiedliche Maßnahmen zur Begleitung und Unterstützung sowie zur Bewältigung der unterschiedlichen Übergänge der Individuen. Diese Unterstützung kann durch Biographiearbeit geleistet werden, denn Biographiearbeit wird oft in sozialpädagogischen, beraterischen sowie in pflegerischen Bereichen verwendet. Zuerst muss der Begriff der Biographie von dem Begriff Lebenslauf unterscheiden, wie der Autor Tillmann in seinem Text „Bewältigung von Übergängen im Lebenslauf“, bereits erwähnt hat. Nach Tillmann sind Biographien ein individuell „gelebtes Leben“ und beschäftigen sich somit mit der subjektiven Verarbeitung und die damit verbundenen psychischen Prozesse (Tillmann 2013, S. 15f.).

Der Lebenslauf hingegen stellt nach Tillmann normierte Stationen dar, welche ein Individuum, abhängig von seinem Alter, durchlaufen soll. Das bedeutet, dass der Lebenslauf eines Individuums als Standard angesehen wird, welcher in der Gesellschaft als „normal“ empfunden wird (Tillmann 2013, S. 17ff.). Zusammenfassend kann man sagen, dass der Lebenslauf die gesellschaftlich vorgeschriebene und kollektive Abfolge von Lebensereignissen darstellt und die Biografie die individuelle Bewältigung dieser Lebensereignissen ist. Miethe definiert Biographiearbeit als eine Form der Selbstreflektion in einem professionellen Rahmen, denn dadurch, dass das Individuum seine Lebensgeschichte versteht und wahrnimmt, kann das Individuum sich selbst sehen und sich somit weiterentwickeln und an den Herausforderungen wachsen (Miethe 2014, S. 20ff.).

Die Psychoanalyse unterscheidet zwischen unbewussten und bewussten Handlungen der Adressat*innen, dies soll die unbewussten und unverarbeiteten Erfahrungen und Ereignisse hervorzeigen, damit diese bearbeitet werden können (Miethe 2014, S. 40ff.). Die Erfahrungen und Erlebnisse, die ein Individuum in seinem Leben erfahren hat, speichern sich im Unterbewusstsein ab und ohne es zu wissen kann diese Abspeicherung das Leben desjenigen ständig beeinflussen. Diese These spielt eine wichtige Rolle in der Biographiearbeit, denn in der Biographiearbeit ist es wichtig sich auch mit den negativen Erfahrungen, die auch teilweise schmerzhaft für die Klientinnen sein können, auseinander zu setzen. Diese Auseinandersetzung ist wichtig vor allem mit der Arbeit von Pflegekindern, denn oftmals ist ihr Leben von schmerzhaften Erfahrungen geprägt (Miethe 2014, S. 45ff.).

Ein zusätzlicher Aspekt in der Psychoanalyse sind die Abwehrmechanismen. Bei den Pflegekindern zeigt sich oft das Bild, dass sie, trotz negativen Erfahrungen, der Herkunftsfamilie loyal bleiben und stattdessen sich selbst die Schuld geben, dass sie nicht mehr bei ihren leiblichen Familien bleiben dürfen. In der Biographiearbeit stellt die Berücksichtigung der Gegenübertragung eine wichtige Rolle dar, denn Pflegekinder übermitteln erlebte Beziehungsmuster und Verhaltungsmuster oft an die Pflegefamilie. Dieser Aspekt muss in der Biographiearbeit ständig betrachtet werden (Miethe 2014 50ff.). Biographiearbeit leistet in der sozialpädagogischen Arbeit Hilfe zur Bewältigung der schwierigen Lebensereignisse bei Pflegekindern sowie Unterstützung bei Umbruchsituationen. Durch diese Unterstützung, soll den Adressat*innen ermöglicht werden, schwierige Ereignisse zu bewältigen, sie aber auch anzunehmen und sie in ihre Lebensgeschichte zu integrieren, dies soll auch Ziel der Biographiearbeit sein (Hölzl 2011, S. 20ff.). Die Biographiearbeit nutzt die Lebensgeschichte als Ressource der Pflegekinder, die Pflegekinder sollen in dem Zusammenhang an die positiven Erlebnisse und Erfahrungen erinnert werden. Das bedeutet die Biographiearbeit arbeitet mit den positiven Erfahrungen, damit die Pflegekinder ihre Lebensgeschichte als Kraftquelle ansehen, um somit ihre Potenziale zu entdecken und Ziele zu entwickeln, welche die Pflegekinder mental stärken können (Hölzel 2011, S. 42ff.).

Die Biographiearbeit soll den Pflegekindern ihre Lebenserfahrungen sinnvoller und verstehbarer darstellen zum Ziel, dass diese lebenswerter wahrgenommen werden (Hölzel 2011, S. 49ff.). Die Angebote der Biographie können unterschiedlich ausfallen, je nachdem in welcher Altersgruppe sich die Pflegekinder befinden. In diesem Sinne variiert die Arbeit mit den Pflegekindern auch in ihrer Intensität sowie in der Auswahl der Methoden. Zu der Berücksichtigung gehört auch der Entwicklungsstand der Pflegekinder sowie die Bedürfnisse der Pflegekinder. Die Biographiearbeit bei Säuglingen zum Beispiel, besteht aus dem Sammeln der Erinnerungsstücke, diese Erinnerungsstücke können aus einem Spielzeug bestehen, welche den Pflegekindern einen emotionalen Bezug zur Vergangenheit verschaffen soll. In diesem Zusammenhang und unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Kriterien kann die Biographie aus der Einzelarbeit, aber auch aus der Gruppenarbeit bestehen. Darüber hinaus kann die Hilfe aber auch im Alltag der Pflegefamilie, ambulant sowie in einer Beratungsstelle stattfinden. Vor allem geht es darum, den Kindern die Hintergründe ihrer Situation zu erklären, dies setzt eine vertrauensvolle Beziehung voraus. Deswegen ist es wichtig, dass die Biographiearbeit unter der Kooperation aller Akteur*innen erfolgt (Jugendamt, Pflegeeltern). Durch die Biographiearbeit wird die Kommunikation mit den betroffenen Pflegekindern verbessert, oftmals öffnen sich Pflegekinder erst nach langer Zeit und sprechen über ihre Gefühle.

Darüber hinaus sollten Pflegekinder ins Vorgehen des Übergangs miteinbezogen und über das Geschehen informiert werden um nicht das Gefühl zu haben, dass andere Menschen über ihren Kopf entscheiden und um die neue Situation zu verstehen und wahrnehmen zu können. Diese Beteiligung der Pflegekinder kann zu einer höheren Bereitschaft führen, die Hilfsangeboten anzunehmen. Die Biographiearbeit erfordert Zeit und Vorbereitung, das bedeutet auch, dass die Pflegeeltern Vorbereitung, Begleitung und Unterstützung von professionellen Fachkräften benötigen. Dadurch sollen die Pflegeeltern lernen die Bedürfnisse ihre Pflegekinder ernst zunehmen sowie einen vertrauensvollen Umgang mit der Lebensgeschichte der Pflegekinder zu pflegen. Diese kann durch die Vorbereitung sowie durch Fortbildungen erzeugt werden, damit sie relevante Informationen zu ihrem Pflegekind erfahren. Die Pflegeeltern sind oftmals die ersten Ansprechpartner der Pflegekinder und gelten als wichtigste Personen in der Biographiearbeit (Lattschar 2011, S. 1ff.).

Unterschiedliche Familiensituationen können dazu führen, dass eine Fremdunterbringung der Kinder in eine Pflegefamilie unausweichlich ist. Diese Fremdunterbringung resultiert aus einer Kindeswohlgefährdung. Durch die Kindeswohlgefährdung können elementare Grundbedürfnisse der Kinder nicht erfüllt werden. Die unterschiedlichen Erfahrungen der Kinder in der Herkunftsfamilie können dazu führen, dass oftmals das Vertrauen der Kinder in sich selbst und in andere Personen nicht mehr existiert. In diesem Sinne, besteht die Aufgabe der Pflegeeltern und den professionellen Fachkräften die Kinder in ihrer Entwicklung und in ihrer Identitätsbildung zu unterstützen. Eine sozialpädagogische Handlungsmöglichkeit ist die Biographiearbeit und besteht aus einer vertrauensvollen Beziehung zum Heranwachsenden. Es geht um den einfühlsamen und altersgerechten Umgang mit den Kindern um sie zu befähigen mit schweren und nicht verständlichen Ereignissen ihrerseits umzugehen, sowie den Heranwachsenden von den eignen Schuldzuweisungen zu entlasten. Durch eine vertrauensvolle Beziehung, in Bezug auf die Biographiearbeit, soll den Heranwachsenden Mut zu gesprochen werden, sich emotional zu öffnen. Darüber hinaus sollen durch Gruppenarbeit Gleichaltriger erzielt werden, dass sich die Heranwachsenden nicht „alleine" in ihrer Situation befinden, sondern auch andere Kinder diese Erfahrung durchleben oder durchlebt haben. Dadurch können sie sich untereinander verstehen, stärken und ermutigen.

Es ist wichtig in der Biographiearbeit empathisch und wertschätzend zu handeln und die Signale sowie die Bedürfnisse der Kinder wahrzunehmen und ebenfalls ernst zu nehmen. Dennoch kann die Biographiearbeit nicht alle Probleme lösen und stellt nur eine mögliche sozialpädagogische Handlungsmöglichkeit dar, in diesem Sinne müssen sich die Beteiligten über die Grenzen der Biographiearbeit bewusst sein und diese auch erkennen. In diesem Kontext können sie dann auf andere Angebote zurückgreifen, wie zum Beispiel therapeutischen Maßnahmen in Anspruch nehmen.

III. Vertiefung des Seminars: Übergänge in der Lebensphase der Kindheit

1. Statement und Kriterienliste

Statement und Kommentierung der Lerngruppe 9: Zeller, M. & Köngeter S. (2013): Übergänge in der Kinder- und Jugendhilfe. In: Schröer, W. et al. (Hrsg.): Handbuch Übergänge. Weinheim: Beltz Juventa, S.568-588.

1.1. Statement

Die Publikation von M. Zeller und S. Köngeter, welche im Handbuch „Übergänge" von dem Herausgeber W. Schröer 2013 erschienen ist, befasst sich mit der Thematik der Übergänge in der Kinder- und Jugendhilfe. Mittels der Handlungsfelder der Erziehungshilfe und der Kinder- und Jugendarbeit schlagen die Autoren eine übergangstheoretische Perspektive auf die Kinder- und Jugendhilfeforschung vor. Durch das Einbeziehen diverser empirischer Studien verdeutlichen die Autoren dem Leser, dass die Problematiken des Übergangs in Abhängigkeit zu den jeweiligen Handlungsfeldern stehen.

Heranführend an die Thematik werden einleitend die Aufgaben und Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe beschrieben. Weiter wird durch die Autoren herausgearbeitet, dass innerhalb der Kinder- und Jugendforschung die Thematik des Übergangs nicht als eigenständiger Gegenstandsbereich existent ist. Dies zeigt deutlich, dass die Wichtigkeit bezüglich des systematischen Zusammenhangs zwischen der Kinder- und Jugendhilfeforschung und der Übergangsforschung nicht manifestiert ist (vgl. Zeller & Köngeter 2013, S.568f). Die zentrale Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe ist die Gestaltung und Begleitung im Lebenslauf der Adressat*innen. Insbesondere der Übergang ins Erwachsenendasein, der sich durch Offenheit und Ungewissheit definiert ist, bildet den Mittelpunkt der subjektorientierten Übergangsforschung. Laut Zeller und Köngeter ist es indessen problematisch, dass lebenslauf- und lebensweltrelevante Übergänge vergleichsweise geringe Berücksichtigung in empirischen Studien finden.

[...]


1 https://www.gesetze-im-internet.de/sgb 8/ 27.html

2 https://www.gesetze-im-internet.de/sgb 8/ 33.html

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Übergänge in der Lebensphase der Kindheit. Eine Darstellung nach Phasen
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
übergänge der Kindheit
Note
2.0
Autor
Jahr
2020
Seiten
32
Katalognummer
V991931
ISBN (eBook)
9783346355584
Sprache
Deutsch
Schlagworte
übergänge, lebensphase, kindheit, eine, darstellung, phasen
Arbeit zitieren
Tammy Recht (Autor), 2020, Übergänge in der Lebensphase der Kindheit. Eine Darstellung nach Phasen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/991931

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