Diese Arbeit hat das Ziel zu untersuchen, ob Patienten mit Schlafstörungen sich hinsichtlich ihres Traumverhaltens von gesunden Personen unterscheiden. Hierbei werden Patienten bezüglich spezifischer Traumvariablen mit gesunden Personen verglichen. Die Traumforschung gehört noch nicht zu den am intensivsten erforschten Gebieten und hat definitiv noch Forschungsbedarf, dennoch gibt es bereits zahlreiche Befunde und Studien, die interessante Einblicke in dieses Forschungsthema gewähren und dazu motivieren, weiter zu forschen. Auch zu dem Thema, mit dem sich diese Ausarbeitung beschäftigt, gibt es vielversprechende Studien, die als Basis und Ausgangspunkt für die folgenden Seiten dienen.
Vor ca. 100 Jahren hat Sigmund Freud mit der Veröffentlichung seines Buches den Weg für die moderne Traumforschung entscheidend geprägt. Freud hat die Träume als Botschaft unseres Unterbewusstseins erkannt. Er sah in diesen Botschaften einen Weg, verdrängte und nicht ausgelebte Triebe, Wünsche und Gefühle zu identifizieren. Also ein Weg zu all dem, was der Mensch sich aufgrund sozialer und kultureller Regeln im Wachleben nicht auszuleben traut. Der Traum scheint ein Weg für uns zu sein, in verschlüsselten Symbolen und ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, diese Triebe auszuleben. Freud (1900) betonte die Wichtigkeit vom Deuten der Träume, da Menschen Entscheidungen größtenteils anhand von Vorgängen treffen, die vom Unterbewusstsein geleitet werden und ebenso von unterdrückten Wünschen, welche sogar zu einer Erkrankung der Seele führen können. Durch das Entschlüsseln des Inhalts, sei es möglich, die verborgene Thematik und somit tiefgründige Konflikte zu erkennen. Deshalb sah Freud die Traumdeutung als den Königsweg zum Unbewussten. Seit den Tagen Freuds hat sich in der Welt der Traumforschung vieles weiterentwickelt. Dank intensiver Forschung weiß man heute vor allem mehr über die physiologischen Vorgänge die mit dem Traum einhergehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1. Grundlagen des Schlafes
1.2. Definition Traum
2. Traumverhalten
2.1. Traumerinnerungshäufigkeit
2.2. Alpträume
2.3. Umgang mit Träumen
2.4. Kontinuitätshypothese
2.5. Geschlechtsunterschiede
3. Schlafstörungen
3.1. Schlafbezogene Atmungsstörung (Schlafapnoe-Syndrom)
3.2. Insomnie
3.3. Restless-Legs-Syndrom
3.4. Andere Störungen
4. Träume bei Schlafstörungen
4.1. Traum bei Schlafbezogener Atmungsstörung
4.2. Traum bei Insomnie
4.3. Traum bei anderen Störungen
4.4. Bewertung des aktuellen Forschungsstandes
5. Hypothesen
6. Methode
6.1. Messinstrument
6.2. Stichprobe und Prozedur
7. Ergebnisse
8. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht, ob und inwiefern sich das Traumverhalten von Patienten mit verschiedenen Schlafstörungen von dem gesunder Personen unterscheidet. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse spezifischer Traumvariablen unter Berücksichtigung von psychophysiologischen und soziodemographischen Faktoren.
- Vergleich des Traumerlebens zwischen Patienten und gesunden Probanden
- Einfluss von Schlafstörungen auf Alptraumhäufigkeit und Trauminhalte
- Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Traumerinnerung und -erzählung
- Anwendung des Mannheimer Traumfragebogens (MADRE) zur empirischen Datenerhebung
- Überprüfung der Kontinuitätshypothese und des Veranlagungs-Stress-Modells im klinischen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.1. Traumerinnerungshäufigkeit
Obwohl man davon ausgehen kann, dass jeder Mensch nächtlich träumt, existieren gravierende interindividuelle Unterschiede bezüglich der Traumerinnerung (Stuck et al., 2009). Manche Menschen wachen allmorgendlich mit ausführlicher Erinnerung an Träume der vergangenen Nacht auf. Manch andere dagegen, erinnern sich nur selten an ihre Träume oder haben gar den Eindruck, nie zu Träumen. Es bestehen folglich Unterschiede in der Traumerinnerungshäufigkeit (Schredl 2008).
Neben der Verdrängungshypothese von Freud (1900) stellt Schredl (2008) fünf weitere Erklärungsmodelle vor: die Life-style-Hypothese (Schonbar, 1965), die Interferenz-Hypothese (Cohen & Wolfe, 1973), die Salience-Hypothese (Cohen & MacNeilage, 1974), das Arousal-Retrieval-Modell (Koulack & Goodenough, 1976) und das Zustands-Wechsel-Modell (Koukkou & Kehmann, 1980). Mithilfe dieser Modelle wird versucht, die Unterschiede in der Traumerinnerungshäufigkeit zu erklären. Das Arousal-Retrieval-Modell (Koulack & Goodenough, 1976) ist eines der komplexeren Modelle (Schredl, 2008) und versucht anhand von zwei wichtigen Schritten den Prozess der Traumerinnerung zu erklären. Demnach muss zunächst ein bestimmter Grad von Wachheit vorhanden sein (durch Erwachen während oder direkt nach dem Traum), damit der Traum im Gedächtnis abgespeichert werden kann.
Wenn der Traum hohe Wichtigkeit besitzt und wenige Störeinflüsse vorhanden sind, wird der Traum aus dem Zwischenspeicher vollständig abgerufen (Schredl, 2008). Welche Einflussfaktoren jedoch genau diese Unterschiede in der Traumerinnerung verursachen, ist bis heute zwar nicht vollständig geklärt (Stuck et al., 2009), dennoch gibt es bereits zahlreiche Studien, die Einflussfaktoren untersucht haben (Schredl, 2008). Schredl (2008) fasst diese Faktoren zusammen und unterteilt sie in State-Faktoren (kurzfristig wirksam) und Trait-Faktoren (über die Zeit stabil). Die wichtigsten Trait-Faktoren sind demnach: soziodemographische Variablen (Alter, Geschlecht, soziökonomischer Status), genetische Faktoren, Persönlichkeitsfaktoren, kognitive Faktoren, Schlafverhalten und Einstellung zu Träumen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Hinführung zur Traumforschung unter Berücksichtigung historischer Aspekte wie Freud, sowie Definition des Schlafes und der Traumphasen.
2. Traumverhalten: Erläuterung relevanter psychologischer Konzepte des Träumens, wie der Traumerinnerung, der Alptraumthematik und der geschlechtsspezifischen Unterschiede.
3. Schlafstörungen: Medizinische Klassifikation und Darstellung der wichtigsten Schlafstörungen, darunter Schlafapnoe, Insomnie und Restless-Legs-Syndrom.
4. Träume bei Schlafstörungen: Zusammenfassung der empirischen Studienlage zum Einfluss spezifischer Schlafstörungen auf die Traumqualität und -frequenz.
5. Hypothesen: Deduktion der wissenschaftlichen Annahmen für die vorliegende Untersuchung auf Basis der theoretischen Modelle.
6. Methode: Detaillierte Beschreibung des verwendeten Messinstruments (MADRE) sowie der Stichprobenzusammensetzung und des Datenerhebungsprozesses.
7. Ergebnisse: Darstellung der statistischen Auswertung und der Vergleichsdaten zwischen der Patienten- und Kontrollstichprobe.
8. Diskussion: Interpretation der Ergebnisse im Hinblick auf die aufgestellten Hypothesen sowie Einordnung in den aktuellen Forschungsstand.
Schlüsselwörter
Traumforschung, Schlafstörungen, Traumerinnerung, Alpträume, Kontinuitätshypothese, Mannheimer Traumfragebogen, MADRE, Schlafapnoe, Insomnie, Restless-Legs-Syndrom, Schlafphysiologie, Traumsozialisation, Geschlechtsunterschiede.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Traumverhalten von Patienten, die unter klinisch diagnostizierten Schlafstörungen leiden, im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Traumerinnerungshäufigkeit, das Vorkommen von Alpträumen, den Umgang mit Träumen sowie den Einfluss von Wachzustand und Geschlecht auf das Traumerleben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Unterschiede zwischen Patienten mit Schlafstörungen und gesunden Personen hinsichtlich der Traumstimmung und Alptraumhäufigkeit aufzudecken sowie geschlechtsspezifische Unterschiede innerhalb der Patientengruppe zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quantitative Analyse auf Basis des "Mannheimer Traumfragebogens" (MADRE) durchgeführt, wobei statistische Verfahren wie die ordinale und lineare Regression zur Anwendung kamen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung der Traum- und Schlafforschung, gefolgt von einer detaillierten statistischen Auswertung und Diskussion der empirischen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Traumforschung, Schlafstörungen, MADRE, Traumerinnerung, Alptraumhäufigkeit und die Kontinuitätshypothese.
Welche Rolle spielt die Kontinuitätshypothese?
Sie bildet das theoretische Fundament, das postuliert, dass sich die emotionale Komponente und die Inhalte des Wachlebens im Traum widerspiegeln.
Bestätigen sich die Vermutungen zu Alpträumen bei Patienten?
Ja, die Arbeit konnte signifikant bestätigen, dass Patienten mit Schlafstörungen häufiger an Alpträumen leiden als gesunde Personen.
Welcher Geschlechterunterschied wurde beim Erzählen von Träumen festgestellt?
Die Analyse zeigt, dass weibliche Patienten signifikant häufiger von ihren Träumen berichten als männliche Patienten, was mit dem Konzept der Traumsozialisation erklärt wird.
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- Anonym (Author), 2018, Das Traumverhalten von Patienten mit Schlafstörungen. Ein Vergleich zu gesunden Personen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/991959