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Ethnologische Theorien im Alltag des Schulsozialarbeiters. Der Fremde in der Schule

Titel: Ethnologische Theorien im Alltag des Schulsozialarbeiters. Der Fremde in der Schule

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2019 , 19 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Kersten Kottnik (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Arbeit sollen ausführliche theoretische Überlegungen angestellt werden, welchen Einfluss ethnische Konzepte auf die Arbeit eines Sozialarbeiters haben. Diese werden dann mit konkreten Beispielen aus dem Alltag eines Schulsozialarbeiters belegt. Vor den Beispielen wird kurz auf die konkrete Arbeitssituation des Schulsozialarbeiters eingegangen werden – also auf dessen Träger, die Schule, an der er tätig war, mitsamt deren sozialem Umfeld im Wohngebiet.

Wie ein Ethnologe fremde Kulturen erforscht, muss ein Schulsozialarbeiter Jugendkulturen und die Lebenswelt seiner Schüler erforschen. Was eignet sich also besser, um Handlungsweisen für den Alltag des Schulsozialarbeiters abzuleiten, als in der Ethnologie entwickelte Konzepte? Sein professionelles Ich, seine Rolle und sein Verhältnis zu Schülern und Lehrern kann der Schulsozialarbeiter mit Hilfe ethnologischer Theorien besser verstehen und dadurch auch besser im Alltagsgeschäft bestehen.
Natürlich ist der Schulsozialarbeiter in seiner Funktion darauf ausgelegt, Einfluss zu nehmen. Er soll die Lebenswelt in der Schule nicht nur beobachten, er soll sie beeinflussen. In dem er Schüler und Lehrkräfte bei Problemen berät, die über das schulisch-fachliche hinaus gehen. Indem er Ansprechpartner ist, wenn jemand nicht weiterkommt. In dem er Mediator bei Konflikten ist.

Aber Basis für all das ist die Kenntnis der Lebenswelt von Schülern und Lehrern, des Schulalltags und der unterschiedlichen Jugendkulturen. Und genau das Erlangen dieser Kenntnis macht ihn auch zum Ethnologen. Wenn er die fremde "Kultur" nicht erforschen kann, kann er auch keinen Einfluss nehmen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Überlegungen

2.1 Der Fremde

2.1.1 Michel de Montaigne

2.1.2 Georg Simmel

2.1.3 Alfred Schütz

2.2 Die dichte Beschreibung und die künstliche Dummheit

2.2.1 Clifford Geertz

2.2.2 Ronald Hitzler

2.3 Theoretisches Handwerkszeug

3. Die Situation des Schulsozialarbeiters

3.1 Der Träger

3.2 Die Schule und das Wohngebiet

4. Der Fremde an der Schule

4.1 Der neue Lehrer und der Fremde

4.2 Das kleine Mädchen und der Fremde

4.3 Die lauten Jungs und der Fremde

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie ethnologische Konzepte über das Phänomen des "Fremden" dazu beitragen können, die professionelle Rolle und das Handeln von Schulsozialarbeitern im schulischen Alltag zu reflektieren und methodisch zu fundieren. Die zentrale Forschungsfrage liegt darin, wie eine distanzierte, ethnologische Perspektive genutzt werden kann, um in komplexen sozialen Situationen innerhalb der Schule handlungsfähig zu bleiben und "Alltagsblindheiten" zu vermeiden.

  • Einsatz ethnologischer Theorien (u.a. Montaigne, Simmel, Schütz) in der Sozialen Arbeit.
  • Analyse der spezifischen Rolle des Schulsozialarbeiters als "Fremder" im System Schule.
  • Methodische Konzepte wie "dichte Beschreibung" und "künstliche Dummheit" zur Reflexion.
  • Fallbeispiele aus dem Berufsalltag zur Veranschaulichung theoretischer Ansätze.
  • Bedeutung von Nähe und Distanz in der pädagogischen Beziehungsarbeit.

Auszug aus dem Buch

Der neue Lehrer und der Fremde

„Wir haben an der Schule einen neuen Lehrer bekommen. Sport und Deutsch. Ganz sympathischer Typ, bisschen laut und prollig vielleicht, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Wenn man ihn im Lehrerzimmer so reden hört, dann merkt man, ihm liegt das Wohl der Kinder ernsthaft am Herzen, er macht sich wirklich Gedanken über die Kinder. Trotzdem kamen im Laufe der nächsten Wochen zwei Jungs zu mir. Sie sagten, sie hätten Angst vor dem neuen Lehrer. Die beiden gelten im Lehrerkolleg als faule Zocker, die ihre Zeit am liebsten vor dem Bildschirm verbringen. Man hätte vorschnell denken können, sie suchten nur nach Möglichkeiten, sich dem Sportunterricht zu entziehen. Ich sagte ihnen jedoch zu, mir die Situation genauer anzuschauen.

Eine Woche später hatten wir einen erlebnispädagogischen Tag zusammen, sowohl der benannte Lehrer als auch die beiden Schüler nahmen daran teil. Während dieses Tages habe ich mir den Umgang des Lehrers mit den Schülern genau angesehen. Ich habe gesehen, dass er bei den erlebnispädagogischen Übungen sehr derb und leistungsbezogen auftrat, ähnlich wie ein ‚Drill-Sergeant‘ in Filmen. Ich wusste zwar, weil ich ihn auch aus dem Lehrerzimmer kannte, dass er den Jungs nicht böses wollte. Für die beiden, im Sport schwächeren und zusätzlich sensibleren Jungen, war dieses Verhalten jedoch nur schwer einzuordnen, es überforderte sie und beängstigte sie.

Am nächsten Tag suchte ich ein ruhiges Gespräch mit dem Lehrer. Als ich ihm konkret verdeutlichen konnte, dass für einige Jungs diese derbe Art überfordernd ist, war er sehr dankbar – jetzt wusste er, an welcher Stelle er sein Verhalten anpassen musste. Er erklärte, dass er lange als Trainer im Leistungssport gewesen war und deshalb im Sportunterricht nur zielorientiert auf Höchstleistung hinarbeiten würde. Dass es aber Kinder gibt, bei denen nicht Höchstleistung, sondern schon die Teilnahme am Sportunterricht sowie regelmäßige Bewegung das Ziel seien, habe er dabei außer Augen verloren.

In Zukunft spornte er die beiden Jungs positiv und mit Lob zur Teilnahme an, alle 3 haben bis heute ein gutes Verhältnis.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Motivation ein, ethnologische Theorien auf den Berufsalltag des Schulsozialarbeiters zu übertragen, um dessen Rolle und Handlungsweisen besser zu verstehen.

2. Theoretische Überlegungen: In diesem Kapitel werden grundlegende ethnologische Konzepte zum Verständnis des Fremden sowie Handlungskonzepte wie Dichte Beschreibung und künstliche Dummheit theoretisch erschlossen.

3. Die Situation des Schulsozialarbeiters: Es wird die spezifische berufliche Ausgangslage des Schulsozialarbeiters beschrieben, der als nicht systemzugehörige Person zwischen verschiedenen Gruppen (Lehrkräfte, Schüler, Verwaltung) vermittelt.

4. Der Fremde an der Schule: Anhand von drei Fallbeispielen aus dem Praxisalltag wird illustriert, wie die theoretischen Konzepte zur Analyse und Bewältigung von Problemen in der schulischen Sozialarbeit eingesetzt werden können.

5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die reflektierte Haltung des Fremden einen wertvollen Rahmen für das professionelle Handeln bietet und es ermöglicht, sowohl im Erfolg als auch bei Grenzen der Sozialarbeit professionelle Distanz und Handlungsfähigkeit zu wahren.

Schlüsselwörter

Schulsozialarbeit, Ethnologie, Der Fremde, Michel de Montaigne, Georg Simmel, Alfred Schütz, Dichte Beschreibung, Künstliche Dummheit, Alltagswissen, Reflexion, Nähe-Distanz-Verhältnis, Jugendkulturen, Soziale Arbeit, Handlungsleitfaden, System Schule

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet die Rolle des Schulsozialarbeiters durch die Brille der Ethnologie und untersucht, wie Konzepte über das Fremdsein helfen, den Schulalltag und die professionelle Identität zu verstehen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen sind das Verständnis von Fremdheit, die Anwendung ethnologischer Theorien auf die Sozialarbeit sowie die Reflexion von Praxisbeispielen aus dem Schulkontext.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, einen methodischen Leitfaden oder ein "theoretisches Handwerkszeug" zu destillieren, das es dem Schulsozialarbeiter ermöglicht, durch eine fremde, beobachtende Perspektive professioneller zu agieren.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung soziologischer und ethnologischer Literatur sowie eine qualitative Reflexion von Fallbeispielen aus der eigenen Berufspraxis des Autors.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Fremdheit, Geertz, Hitzler), eine Beschreibung der Rahmenbedingungen der Schulsozialarbeit und eine Analyse von drei spezifischen Alltagssituationen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Schulsozialarbeit, Ethnologie, das Konzept des Fremden, Dichte Beschreibung und die professionelle Reflexion durch künstliche Dummheit.

Welche Bedeutung hat das Konzept der "künstlichen Dummheit" nach Hitzler in diesem Kontext?

Es dient als methodisches Werkzeug, um dem Wissenschaftler bzw. Sozialarbeiter zu helfen, Wahrnehmungen nicht sofort mit vorschnellen Deutungen zu belegen, sondern das Wahrgenommene stets zu hinterfragen.

Warum wird der Schulsozialarbeiter im Buch als "Fremder" bezeichnet?

Weil er meist nicht direkt zum System Schule gehört, sondern über einen externen Träger agiert und somit eine Beobachterrolle einnimmt, die sowohl Distanz als auch eine besondere, objektive Teilnahme ermöglicht.

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Details

Titel
Ethnologische Theorien im Alltag des Schulsozialarbeiters. Der Fremde in der Schule
Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena  (Sozialwesen)
Veranstaltung
Soziale Arbeit und Kulturwissenschaften
Note
1,0
Autor
Kersten Kottnik (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
19
Katalognummer
V992323
ISBN (eBook)
9783346361325
ISBN (Buch)
9783346361332
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ethnologische theorien alltag schulsozialarbeiters fremde schule
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kersten Kottnik (Autor:in), 2019, Ethnologische Theorien im Alltag des Schulsozialarbeiters. Der Fremde in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992323
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Leseprobe aus  19  Seiten
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