Die vorliegende Arbeit soll die Machnovščina Bewegung ins Zentrum der Betrachtung stellen. Ziel ist es zu untersuchen, ob die Partisanengruppe der Machnowzy anarchistisch, sozialrevolutionär oder einfach nur kriminell war. Damit dies möglich ist, soll nach einer kurzen thematischen Einführung zuerst in Form eines Überblickes chronologisch die Entstehungsbedingungen, der weitere Verlauf sowie das Scheitern der Machno-Bewegung aufgeführt werden. Anschließend soll das ideologische Programm der Bewegung dargestellt werden, damit im anknüpfenden Kapitel beurteilt werden kann, inwieweit diese als anarchistisch gelten kann. Ferner soll auf die Rezeption der Machnovščina in der heutigen Ukraine Bezug genommen werden. Zum Schluss soll in einem abschließenden Fazit die aufgezeigten Ergebnisse zusammengefasst werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung und Verlauf der Machno-Bewegung
2.1 Entstehungsbedingungen
2.2 Verlauf
2.3 Scheitern
3. Das ideologische Programm der Bewegung
4. Machnovščina und der Anarchismus
5. Rezeption
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Machnovščina-Bewegung und analysiert, ob es sich bei der Partisanengruppe der Machnowzy um eine anarchistische, sozialrevolutionäre oder kriminelle Gruppierung handelte, wobei die historische Einordnung in den ukrainischen Bürgerkrieg im Vordergrund steht.
- Chronologische Analyse der Entstehung und Entwicklung der Machno-Bewegung.
- Untersuchung des ideologischen Programms und dessen Praxisbezug.
- Vergleich der Bewegung mit theoretischen Konzepten des Anarchismus.
- Betrachtung der historischen und aktuellen Rezeption von Nestor Machno.
- Evaluation des Charakters der Bewegung zwischen revolutionärer Ideologie und militärischem Pragmatismus.
Auszug aus dem Buch
2.2 Verlauf
Die Bewegung „Machnovščina“ unter Führung Nestor Machnos nahm ihren Ausgangspunkt in der 80 km östlich von Aleksandrowvsk gelegenen kleinen Stadt oder Dorf „Guljaj-Pole“ (Regierungsbezirk Jekaterinoslaw). Nach der Februarrevolution lag die Macht in den Händen eines kommunalen Komitees, das sich aus militärischen und zivilen Kräften zusammensetzte. Um die Aktion mit den Bauern besser koordinieren zu können, gründete Machno mit den lokalen anarchistischen Kräften am 29. März 1917 eine Bauernunion und übernahm deren Vorsitz. In dieser Funktion nahm er an verschiedenen Versammlungen und Kongressen teil. Machno und seine Gefolgsmänner nannten sich „schwarze Garde“, sie beschäftigten sich regelmäßig mit Raub und Erpressung in der Umgebung seiner Heimatstadt. Mit einer Mischung aus Gewalt und politischer Autorität konnte Machno die lokale Macht gegenüber seinen Konkurrenten ergreifen– er festigte seine Stellung und baute sie weiter aus.
Ende 1917 war er bereits eine regionale Größe. Er war zwar kein Bolschewik, aber es kam in den folgenden Jahren immer wieder zur Zusammenarbeit mit den Bolschewiki gegen die Truppen der Mittelmächte. Der Friede von Brest-Litowsk hatte nämlich den Deutschen und Österreichern die Tore in der Ukraine geöffnet, derart dass sie nicht nur ihre Hand auf das militärische, sondern auch auf das politische und wirtschaftliche Leben des Landes gelegt haben. In anderen Worten: ihr Ziel war es die Lebensmittel des Landes zu rauben. Um dies durchzuführen ließen sie die gestürzte Regierung von Gutsbesitzern wieder erstehen, an deren Spitze sie den Otaman Skoropadski setzten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung bettet die historische Untersuchung der Machnovščina in den Kontext des ukrainischen Bürgerkriegs 1917-1921 ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Charakters der Bewegung.
2. Entstehung und Verlauf der Machno-Bewegung: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung der Bewegung von ihren Anfängen in Guljaj-Pole über die militärischen Erfolge bis hin zum exilbedingten Scheitern nach.
2.1 Entstehungsbedingungen: Hier werden die sozialen Erschütterungen in der Ukraine zwischen 1917 und 1921 sowie die bäuerlichen Interessen als Ausgangspunkt der Partisanenbewegung analysiert.
2.2 Verlauf: Dieses Kapitel beschreibt die militärische und politische Entwicklung der Machno-Bewegung sowie deren strategische Allianzen und Konflikte zwischen 1917 und 1919.
2.3 Scheitern: Der Abschnitt behandelt die Phase des Guerillakrieges 1920-1921, den gesundheitlichen und organisatorischen Niedergang der Bewegung sowie die Flucht Machnos.
3. Das ideologische Programm der Bewegung: Dieses Kapitel untersucht die angestrebten sozialen Ziele der Machnowzy und die Versuche, diese unter kriegsbedingten Bedingungen umzusetzen.
4. Machnovščina und der Anarchismus: Hier wird das Verhältnis der Bewegung zur anarchistischen Lehre beleuchtet und diskutiert, inwieweit die Praxis mit der Theorie übereinstimmte.
5. Rezeption: Dieser Teil widmet sich der Wahrnehmung Nestor Machnos in der sowjetischen Geschichtsschreibung und der modernen ukrainischen Identitätsbildung.
6. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Machnovščina als agrarische Freiheitsbewegung mit anarchistischen Einflüssen.
Schlüsselwörter
Machnovščina, Nestor Machno, Ukraine, Anarchismus, Bürgerkrieg, Bauernbewegung, Partisanen, soziale Revolution, Bolschewiki, Guljaj-Pole, Otamanščina, Landfrage, Freiheitsbewegung, ukrainische Identität, Historie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische Rolle der Machno-Bewegung während des ukrainischen Bürgerkriegs und untersucht deren ideologische Einordnung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Entstehung der Bewegung, ihr militärischer Verlauf, ihre anarchistischen Ambitionen sowie ihre spätere Rezeption in der Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Ziel ist es zu klären, ob die Machnowzy primär als anarchistische Bewegung, als sozialrevolutionäre Kraft oder als kriminelle Bandenstruktur zu betrachten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung zeitgenössischer Quellen und einschlägiger wissenschaftlicher Literatur basiert.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil beleuchtet chronologisch die Entwicklung der Bewegung, die inhaltlichen Programmpunkte und setzt diese in Beziehung zu den Grundsätzen des Anarchismus.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Machnovščina, Anarchismus, Bauernrevolution, Bürgerkrieg und die ambivalente Person Nestor Machno.
Inwieweit lässt sich die Machno-Bewegung als rein anarchistisch definieren?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Bewegung nicht als rein anarchistisch in ideologischer Hinsicht gelten kann, da ihr das theoretische Fundament und die Unterstützung durch anarchistische Intellektuelle weitgehend fehlten.
Wie unterscheidet sich die sowjetische Rezeption von der modernen ukrainischen Betrachtung?
Während die sowjetische Historiographie Machno als Banditen oder Konterrevolutionär diffamierte, wird er heute in der Ukraine teilweise als Nationalheld und Schirmherr der Bauern wahrgenommen.
Warum spielt der Begriff "Otamanščina" eine wichtige Rolle?
Er dient als historischer Kontextbegriff für soziale Formationen in der Ukraine, die von einer starken Führerfigur (Ataman) und deren militärischer Schlagkraft geprägt waren.
Was war der Hauptgrund für das Scheitern der Bewegung?
Laut der Arbeit scheiterte die Bewegung weniger an einem Mangel an Waffen, sondern vielmehr an der allgemeinen Kriegsmüdigkeit und dem ständigen Druck durch gegnerische Kriegsparteien.
- Arbeit zitieren
- Master of Arts Rosanna Meier (Autor:in), 2014, Machnovščina und Otamanščina. Entstehung und Verlauf der Machno-Bewegung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992516