In dieser Arbeit soll betrachtet werden, wie sich Wörter komplett neu oder aus bereits bestehenden Wörtern zusammensetzen und durch welche Wortbildungsarten sie erst einmal entstanden sind.
Dazu wird sich die Hausarbeit in einem ersten theoretischen Teil den wichtigsten Wortbildungsarten im Deutschen, den Kompositionen, Derivationen und Konversionen, widmen, bevor im Anschluss in einem kurzen Exkurs Neologismen betrachtet werden. In einer praktischen Ausführung soll daraufhin die Verbreitung der neu entstandenen Wörter durch die Medien betrachtet werden, bevor ausgewählte Beispiele hinsichtlich ihrer Wortbildungsart untersucht werden. Abschließend soll damit die Frage beantwortet werden, inwiefern die aktuelle Corona-Pandemie zur Entstehung eines neuen Wortschatzes im Deutschen beiträgt.
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat der Wortschatz des Deutschen immer weiter zugenommen. Durch technische, wissenschaftliche sowie gesellschaftliche Entwicklungen oder auch generell die zunehmende Globalisierung der Welt, gelangten immer mehr neue Begriffe in die deutsche Sprache.
Auch im Zuge der Covid-19-Pandemie sind eine ganze Reihe neuer Wörter im Sprachgebrauch der Deutschen aufgetaucht, die ein Jahr zuvor noch keine Verwendung gefunden hätten. Das Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch (OWID) des Instituts für deutsche Sprache hat in seinem Neologismenwörterbuch mittlerweile einen neuen Wortschatz, rund um die gesamte Pandemie, angelegt. Darin lassen sich Bezeichnungen, wie „30-Sekunden-Regel“, „Anticoronademonstration“, „Lockdownchen“ oder „Wellenbrecherlockdown“ finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – Wie entstehen neue Wörter?
2. Überblick über die häufigsten Wortbildungsarten im Deutschen
2.1 Komposition
2.2 Derivation
2.3 Konversion
3. Theoretischer Exkurs – Neologismen
3.1 Begriffsklärung „Neologismus“
3.2 Merkmale von Neologismen und Abgrenzung von Okkasionalismen
4. Neologismen im Zusammenhang zur Covid-19 Pandemie
4.1 Verbreitung der Neologismen durch die Medien
4.2 Beispiele neu entstandener Wörter
4.3 Analyse ausgewählter Beispiele hinsichtlich ihrer Bildung
5. Fazit – Beitrag einer Pandemie zur Entstehung eines neuen Wortschatzes
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und Verbreitung von Wortneubildungen, die im Kontext der Covid-19-Pandemie im Deutschen entstanden sind, unter Anwendung linguistischer Wortbildungsanalysen.
- Grundlagen der deutschen Wortbildungsarten (Komposition, Derivation, Konversion)
- Theoretische Einordnung und Merkmale von Neologismen im Vergleich zu Okkasionalismen
- Die Rolle der Medien bei der Verbreitung und Prägung pandemiebedingter Wortschatzinnovationen
- Strukturelle Analyse ausgewählter Beispiele (z. B. "Abstandsregelung", "Spuckschutztrennscheibe")
Auszug aus dem Buch
4.3 Analyse ausgewählter Beispiele hinsichtlich ihrer Bildung
Ein weiteres solcher Beispiele ist das Wort „Abstandsregelung“, welches im Mai 2020 im Neologismenwörterbuch des Instituts für Deutsche Sprache erfasst wurde. Es bezeichnet die „Verordnung bzw. Empfehlung während der COVID-19-Pandemie, in der Öffentlichkeit eine bestimmte Distanz zwischen zwei Personen einzuhalten“ (OWID 2020a). Die folgende graphische Skizze soll zunächst einen Überblick über die Konstituentenstruktur des Wortes bieten:
Auf Ebene eins entsteht ein endozentrisches Determinativkompositum als Substantiv, bestehend aus den beiden unmittelbaren Konstituenten „Abstand“ und „Regelung“, die ebenfalls der Wortart Substantiv angehören. Es findet also eine Modifikation statt, bei der das Wort „Regelung“ genauer beschrieben wird, nämlich als „Regelung, die den Abstand regelt“. Dabei kommt es zu keiner Änderung der Wortart. Verbunden sind die beiden Wörter durch das paradigmatische Fugenelement - s -. Die Wortbildungsbedeutung ist thematisch, da der Abstand durch die Regelung hervorgebracht wird, beziehungsweise der Abstand von der Handlung im Zweitglied, also von der Regelung, betroffen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung – Wie entstehen neue Wörter?: Das Kapitel führt in die Dynamik des deutschen Wortschatzes ein und erläutert die Relevanz der Pandemie für das Entstehen neuer Begriffe.
2. Überblick über die häufigsten Wortbildungsarten im Deutschen: Es werden die zentralen morphologischen Prozesse der deutschen Sprache, nämlich Komposition, Derivation und Konversion, definiert und erläutert.
3. Theoretischer Exkurs – Neologismen: Dieser Teil beleuchtet die wissenschaftliche Definition von Neologismen und grenzt diese von spontanen Okkasionalismen ab.
4. Neologismen im Zusammenhang zur Covid-19 Pandemie: Der praktische Teil untersucht die mediale Verbreitung neuer Corona-Begriffe und führt detaillierte morphologische Analysen durch.
5. Fazit – Beitrag einer Pandemie zur Entstehung eines neuen Wortschatzes: Die Arbeit resümiert, dass die Pandemie einen signifikanten Einfluss auf die Erweiterung des Wortschatzes durch neue Kompositionen und Wortneubildungen hat.
Schlüsselwörter
Wortbildung, Neologismen, Covid-19-Pandemie, Komposition, Derivation, Konversion, Sprachwissenschaft, Lexikalisierung, Wortschatz, Medienlinguistik, Abstandsregelung, Spuckschutztrennscheibe, Okkasionalismen, Wortneubildungen, Morphologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Covid-19-Pandemie auf den Wortschatz der deutschen Sprache ausgewirkt hat und welche sprachlichen Mechanismen bei der Bildung neuer Wörter zum Einsatz kommen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die morphologischen Wortbildungsverfahren (Komposition, Derivation, Konversion) sowie die soziolinguistische Untersuchung von Neologismen im Kontext einer globalen Krise.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie neue Begriffe durch Pandemie-Ereignisse entstehen, wie sie durch Medien verbreitet werden und wie ihre strukturelle Zusammensetzung linguistisch zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die deskriptive linguistische Analyse, insbesondere die IC-Analyse (Konstituentenanalyse), um die innere Struktur von Komposita und Derivaten aufzuschlüsseln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung der Wortbildungslehre und Neologismus-Forschung sowie eine spezifische Fallstudie zu Pandemie-Vokabular.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Neologismus, Wortbildung, Pandemie, Komposition und morphologische Analyse charakterisiert.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Neologismen und Okkasionalismen?
Neologismen gelten als etablierte Lexikoneinheiten mit einer gewissen Belegdauer, während Okkasionalismen spontane Gelegenheitsbildungen ohne festen Lexemstatus sind.
Was zeigt die Analyse der „Spuckschutztrennscheibe“?
Die Analyse verdeutlicht, dass selbst komplexe, neu entstandene Begriffe durch die Kombination bereits bekannter Morpheme nach dem endozentrischen Determinativkompositions-Prinzip vollmotiviert gebildet werden können.
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- Cindy Schaarschmidt (Author), 2021, Wortneubildungen während der Coronakrise. Neologismen der deutschen Gegenwartssprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992667