Mit dieser Bachelorarbeit soll untersucht werden, wie der Umgang mit nationalsozialistischer Propaganda im Geschichtsunterricht erfolgen kann und wie die Erkenntnisse durch die Anwendung von Gegenwarts- und Zukunftsbezügen zum Verständnis der Schüler und Schülerinnen beitragen kann, um so das historische Lernen erfolgreich zu fördern.
Aktuelle gesellschaftspolitische Diskussionen und Positionen werfen immer wieder Bezüge zur nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands auf, sowohl in positiver Weise, zum Beispiel durch Pflege der Erinnerungskultur, als auch in verleugnender Position zur Frage nach der Verantwortung Deutschlands bis in die heutige Zeit. Im allgemeinen gesellschaftlichen Diskurs steht immer wieder die Problematik nach der Bedeutung des Nationalsozialismus in der deutschen Geschichte im Vordergrund.
Die deutsche NS-Zeit und der Umgang mit ihr ist nach wie vor ein „hochaktuelles“ Thema des gesellschaftlichen Interesses und stößt dabei immer wieder neue Konfliktpunkte an. Dabei gelten Nationalsozialismus und Holocaust, sowohl in der Gesellschaft als auch im Geschichtsunterricht, als „schwierige und sensible“ Themen. Ein aktuelles Beispiel ist die Eröffnung eines Lehrer-Meldeportals durch die AfD Niedersachen und anderer Bundesverbände der Partei, bei dem Lehrer und Lehrerinnen, die angeblich gegen das Neutralitätsgebot verstoßen, durch ihre Schüler und Schülerinnen und deren Eltern gemeldet werden können. Das gilt neben wertenden Aussagen über die AfD Partei selbst, auch für eine wertende Vermittlung von Unterrichtsinhalten beispielsweise über den Nationalsozialismus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Propaganda
2.1 Forschungsstand
2.2 Definition
2.3 Staatliche Nutzung von Propaganda - Das Propagandaministerium
2.4 Die Propagandakonzeption der Nationalsozialisten
2.5 Heutige Auseinandersetzung mit Propaganda in der Geschichtskultur
3. Was bedeutet Gegenwarts- und Zukunftsbezug?
3.1 Funktionen im Geschichtsunterricht
3.2 Kritik zum Gegenwarts- und Zukunftsbezug
4. Plakate im Geschichtsunterricht
5. Aufgaben im Geschichtsunterricht
6. Entwurf eines unterrichtspraktischen Beispiels einer Schulbuchseite
6.1 Überlegungen zur Behandlung von Nationalsozialismus im Unterricht
6.2 Schulbuchseite Layout
6.3 Aufgabenstellungen zur Schulbuchseite
6.4 Didaktische Begründung
6.6 Methodische Begründung
7. Chancen und Risiken für den Geschichtsunterricht
8. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht, wie nationalsozialistische Propaganda effektiv und kritisch im Geschichtsunterricht thematisiert werden kann, indem sie durch Gegenwarts- und Zukunftsbezüge für Lernende anschlussfähig gemacht wird, um historisches Denken und Urteilskompetenz zu fördern.
- Theoretische Grundlagen und Definition des Propagandabegriffs
- Analyse des Gegenwarts- und Zukunftsbezugs im Geschichtsunterricht
- Didaktische Funktion von Plakaten und Aufgabenstellungen
- Entwurf eines praktischen Unterrichtsbeispiels einer Schulbuchseite
- Bewertung der Chancen und Risiken bei der Behandlung schwieriger historischer Themen
Auszug aus dem Buch
2.2 Definition
Eine große Schwierigkeit stellt die Abgrenzung des Propagandabegriffs von verwandten Begriffen wie Werbung, Public Relations, Öffentlichkeitsarbeit oder politischer Kommunikation dar. Zudem birgt der Begriff eine lange und wechselvolle Begriffsgeschichte mit unterschiedlichen Konnotationen und Deutungen. Der Begriff Propaganda leitet sich aus dem Lateinischen für „ausstreuen, ausbreiten und fortpflanzen“ ab. Die erste wörtliche Nennung findet sich in einer Schrift Papst Gregors von 1622 in der Beschreibung von Missionarstätigkeiten. Der Begriff ist in der katholischen Kirche zunächst positiv besetzt, in der evangelischen Kirche, aufgrund der Differenzen zum Vatikan, negativ konnotiert. Propaganda wird als kommunikationstechnischer Begriff über die Ausbreitung des Glaubens eingeführt.
In der Geschichte finden sich immer wieder neue Adaptionen und Nutzungen für den Propagandabegriff. In der französischen Revolution wandelte sich die Propagandathematik zum politischen Aktionsbegriff. Propaganda war gleichbedeutend mit dem selbstverständlich in Anspruch genommenen revolutionären Interventionsrecht. Während der Revolution 1848/49 wurde das Propagandaprinzip durch die deutschen Demokraten durch systematische Gegenpropaganda zum deutschen Kaiserreich genutzt. Im ersten Weltkrieg wurde Propaganda zum ersten Mal in großem Stil auf amerikanischer und britischer Seite kriegsbedeutend eingesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Relevanz der Thematik durch aktuelle politische Diskurse dar und definiert das Ziel, den Umgang mit NS-Propaganda im Geschichtsunterricht durch Gegenwartsbezüge zu untersuchen.
2. Propaganda: Erläutert den wissenschaftlichen Forschungsstand, definiert den Begriff und analysiert die Propagandakonzeption der Nationalsozialisten sowie die heutige Auseinandersetzung mit dem Thema.
3. Was bedeutet Gegenwarts- und Zukunftsbezug?: Definiert das fachdidaktische Konzept, erörtert dessen Funktionen für das historische Lernen und beleuchtet kritische Aspekte sowie Grenzen der Anwendbarkeit.
4. Plakate im Geschichtsunterricht: Analysiert das Plakat als massenmediales Propagandamittel und zeigt methodische Möglichkeiten auf, wie diese als Quelle im Unterricht genutzt werden können.
5. Aufgaben im Geschichtsunterricht: Beschreibt die theoretischen Voraussetzungen für die Erstellung guter Aufgabenstellungen, die Schüler motivieren und gleichzeitig ihre historischen Kompetenzen fördern.
6. Entwurf eines unterrichtspraktischen Beispiels einer Schulbuchseite: Präsentiert einen konkreten Entwurf zur Behandlung von Propaganda, eingebettet in fachdidaktische Überlegungen und curriculare Anforderungen.
7. Chancen und Risiken für den Geschichtsunterricht: Reflektiert kritisch über den Erkenntnisgewinn durch das Unterrichtsbeispiel und wägt organisatorische sowie methodische Herausforderungen ab.
8. Fazit: Führt die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Notwendigkeit, Propaganda theoriebasiert und schülerorientiert als festen Bestandteil in den Unterricht aufzunehmen.
Schlüsselwörter
Propaganda, Nationalsozialismus, Gegenwartsbezug, Geschichtsunterricht, Plakate, Historisches Lernen, Urteilskompetenz, Medienkompetenz, Ideologiekritik, Didaktik, Schulbuch, Geschichtskultur, Manipulation, politische Bildung, Schülerschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der geschichtsdidaktischen Aufbereitung von nationalsozialistischer Propaganda für den Schulunterricht unter Einbeziehung aktueller gesellschaftlicher Bezüge.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition von Propaganda, das Konzept des Gegenwarts- und Zukunftsbezugs im Geschichtsunterricht, die Arbeit mit bildlichen Quellen (Plakaten) und die Gestaltung von lernförderlichen Aufgaben.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, wie man Schülern den kompetenten Umgang mit historischer und moderner Propaganda vermitteln kann, um dadurch das historische Verständnis und die Urteilskompetenz zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fachdidaktischen Analyse und theoretischen Reflexion, die in einem praktischen Entwurf für eine Schulbuchseite und deren methodischer Begründung mündet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Propaganda und Didaktik, die methodische Analyse des Einsatzes von Plakaten sowie die praktische Konzeption einer Schulbuchseite inklusive Aufgaben und deren Begründung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Propaganda, Gegenwartsbezug, historisches Lernen, Urteilskompetenz und Geschichtsdidaktik charakterisiert.
Wie unterscheidet sich dieser Unterrichtsansatz von traditionellen Methoden?
Im Gegensatz zu rein chronologischen oder faktengesteuerten Ansätzen stellt dieser Ansatz die Lebenswelt der Schüler und deren eigene Fragen an die Vergangenheit in den Mittelpunkt, um eine sinnstiftende Verknüpfung zur Gegenwart zu schaffen.
Welche Rolle spielen politische Plakate bei der Unterrichtsgestaltung?
Plakate dienen als "Auge-Öffner" für die Analyse von Intention und Wirkung; sie ermöglichen es, Schüler an die Struktur von Propaganda heranzuführen, ohne diese unreflektiert zu übernehmen.
Warum ist eine "theoretisierte" Behandlung von Propaganda so wichtig?
Eine theoretische Einbettung verhindert, dass die Thematik emotionalisiert oder missbraucht wird, und stellt sicher, dass Propaganda als analysierbares Konzept und nicht nur als wertendes Etikett verstanden wird.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Planbarkeit?
Die Autorin stellt fest, dass die Planbarkeit bei einem stark schülerorientierten Ansatz zwar eingeschränkt ist, da Fragen und Interessen der Lerngruppe variieren können, der Erkenntnisgewinn und die pädagogische Relevanz jedoch überwiegen.
- Citar trabajo
- Lina Mintzlaff (Autor), 2019, Nationasozialistische Propaganda. Der Gegenwarts- und Zukunftsbezug, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992905