Das störende Geschlecht

Das Frauenbild Heinrich Kramers im Hexenhammer


Quellenexegese, 2016

8 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhalt

1. Maleus Maleficarum – Eine Anleitung der Frauenvernichtung?

2. Heinrich Kramer – Institoris : Zwischen Misogynie und Christentum
2.1 Das Frauenbild im Hexenhammer
2.2 Intention zur Verfassung des Hexenhammers

3. Der Hexenhammer als Einleitung der Hexenverfolgungen

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Malleus Maleficarum – Eine Anleitung der Frauenvernichtung?

Die als Hexen verfolgten Frauen waren in der Realität oder durch die Projektion unbequem für das herrschende Geschlecht. Sie irritierten, sie störten die bestehende Ordnung. […] Die Logik des Patriarchats ist die allgemeine Einschüchterung und allgemeine Verunsicherung und allgemeine Bedrohung aller Frauen: Es kann jederzeit jede treffen! – Alice Schwarzer1

Die europäische Hexenverfolgung ist kein vereinzeltes Ereignis. Menschen, vor allem Frauen wurden über 300 Jahre verfolgt und gejagt. Grund dafür waren unterschiedliche historische und politische Bedingungen, sowie religiöse und soziale Dimensionen. Während des Hexenwahns verbanden sich elitäre Vorstellungen mit volkstümlichen Vorurteilen.2

Der Autor der Quelle ist Heinrich Kramer. Geboren um 1430 im heutigen Straßburg, fungierte er als praedicator seneralis im Dominikanerordnen. 1479 promovierte er in Rom als doctor theologiae. Kramer wurde 1479 durch Papst Sixtus IV. zum Inquisitor in der provinz alemania und ab 1484 Generalinquisitor der Ketzerei. Heinrich Kramer gilt heute als einer der einflussreichsten Hexentheoretiker des Mittelalters.3

Bei der Quelle handelt es sich um einen Ausschnitt aus dem sogenannten „Hexenhammer“ – malleus maleficarum. Der Hexenhammer ist eine Rechtsschrift, ein Traktat, zur Legitimation der Hexenverfolgungen. Kramer teilt sein Werk in drei Teile: die ersten beiden Teile beschreiben die Identifizierung von Hexen und das Hexenbild Kramers, der dritte Teil beschreibt das Verfahren in Gerichtsprozessen gegen Hexen. Als Basis der Rechtfertigung führt Kramer die apostolische Bulle s ummis desiderantes affectibus von Papst Innozenz VIII. von 1484 an, sowie die Schöpfungsgeschichte im Genesis, speziell den Sündenfall.

Der Hexenhammer malleus maleficarum wurde circa 1486 veröffentlicht und liegt in mehreren Auflagen und Sprachen vor. Kramer richtet sich in seiner Schrift an die Öffentlichkeit um zu verdeutlichen welche Gefahr das weibliche Geschlecht für die Gesellschaft darstellt.

Der malleus maleficarum thematisiert die Hexenverfolgung und versucht diese durch das Anführen von vermeintlich wissenschaftlichen Argumenten zu legitimieren. In dem vorliegenden Kapitel I,6 spricht Kramer über die Gründe der hohen Anzahl weiblicher Hexen. Frauen seien seiner Meinung nach durch ihre körperliche und seelische Verfassung benachteiligt und daher für Verführungen des Teufels anfälliger und durch Dämonen schneller beeinflussbar.

Der Autor verwendet zur Unterstützung seiner Argumentation viele Vergleiche mit Erzählungen aus der Bibel von verschiedenen Frauen und Metaphern wie „Mit dem Löwen und Drachen zu verweilen wird [einem] lieber sein als mit einer liederlichen Frau zu wohnen.“4. Die vermeintlich argumentative Struktur wird durch Schlüsselbegriffe wie schwacher Glaube und Boshaftigkeit der Frau geleitet. Die Schwächen des weiblichen Geschlechts werden nach und nach auf den Ursprung der Schöpfung zurückgeführt.

Mit dem Beginn des 15. Jahrhunderts beginnt der „europäische Hexenwahn“: Die Zahl der Hexenprozesse nimmt zu, die Anklagen wegen Satanskult häufen sich, die Hexenjagd nimmt globale Züge an.5

Die Quelle soll unter folgenden Aspekten untersucht werden: Zum einen soll das Frauenbild des Hexenhammers analysiert werden zum anderen die Intention des Autors herausgestellt werden. Dafür soll der Argumentationsgang der Quelle untersucht werden und dadurch das präsentierte Frauenbild interpretiert werden. Zusätzlich sollen die Intention und die Funktion des Traktats in Bezug auf die historischen Ereignisse analysiert werden.

2. Heinrich Kramer – Institoris: Zwischen Misogynie und Christentum

2.1 Das Frauenbild im Hexenhammer

Kramer beschreibt in seiner vermeintlichen Rechtsschrift malleus maleficarum ein stark negativ ausgeprägtes Frauenbild. Durch seine Argumentation versucht er auf wissenschaftlicher und auf religiöser Basis seine Theorie zu beweisen. Kramer sieht vor allem biologische Gründe im schwachen Wesen der Frau. Die Frau sei von Natur aus das „ schwache Geschlecht “, ein „ Fehler der Natur “.6 Er beschreibt die Frau als durch Gefühle beschränktes Wesen mit einer mangelhaften körperlichen Verfassung.7 Die Frau sei eine „ andere Art als Männer “. Durch die schöpfungsgeschichtlich beschriebene Schaffung der Frau aus der Rippe des Mannes, stellt sie nur ein unvollkommenes Lebewesen dar, das von Natur aus dem Mann „ zugeneigt “ ist. Die Frau sei „ von Natur aus schlecht“.8 Durch Mangel an Verstand und Erinnerungsvermögen ist die Frau gesellschaftlich untergeordnet. Sie besitze eine „ lügnerische Stimme “ und „ Eitelkeit im Gehen und Stehen“, welche sie dem Mann körperlich unterstellt.9 Die größte Einschränkung der Frau stellt ihre „ fleischige Begierde“ dar.10

Kramer setzt neben der vermeintlich biologischen Argumentation auf biblisch fundierte Argumente, dabei beschreibt er die Frau als abergläubisch und leichtgläubig.11 Als Legitimationsbasis nennt Kramer das Alte Testament. Der Sündenfall Evas findet in der weiteren biblischen Geschichte viele Nachahmerinnen. Kramer attestiert den Frauen einen „geringen Glauben“.12 Zusätzlich kehren die Frauen Männer vom rechtmäßigen Glauben ab. Eine Frau bringt laut Kramer „drei Laster“ auf: Unglaube, Ehrgeiz, Wollust.13

Die Auswirkungen auf die Gesellschaft, speziell auf die Männer, sind vielfältig. Frauen seien ein notwendiges Übel für Männer. Sie stellen eine natürliche Heimsuchung und häusliche Gefahr dar. Eine Heirat zwischen Mann und Frau sei für den Mann nicht erträglich und Ehebruch eine quasi notwendige Folge.14 Laut Kramer wurden alle Weltreiche durch Frauen zerstört, unter anderem das römische Reich, das ägyptische Reich und viele weitere.15 Als besonders gefährliche Frauen stuft Kramer Ehebrecherinnen, Huren und Konkubinen ein. Zudem bestehe eine Feindschaft zwischen verheirateten Frauen und nicht-verheirateten Frauen.16

Mit den zuvor beschriebenen „Schwächen der Frau“ verdeutlicht Kramer die Gründe für die besondere Anfälligkeit der Frau für schwarze Magie. Durch den leichten Glauben können Dämonen diesen, laut Kramer, leichter „verderben“.17 Der Umgang mit dieser Art von Frauen sei tödlich.18 Die Frau sei ein heimlicher, sich einschleimender Feind. Hexen können die Zeugungskraft der Männer hemmen oder vernichten, sie bewirken Fehlgeburten und Schäden an Tieren und Feldfrüchten. Hexen können den Dämonen Kinder darbringen und seien die Sklaveninnen des Teufels.19

Kramer unterscheidet dabei nicht zwischen dem Alter und dem Stand der Frauen, er erwähnt nur wenige positive Leistungen von Frauen bei der Christianisierung einiger Länder. Auch Maria im neuen Testament wird positiv hervorgehoben.

Insgesamt vertritt Kramer ein stark negatives Frauenbild.

2.2 Intention zur Verfassung des Hexenhammers

Die Ketzerfrage gewinnt im 15. Jahrhundert erneut an Gewicht, auch die Zauberei und Hexerei wird als Ketzerei verurteilt. 1484 stimmt die Kirche, nach vorheriger Ablehnung des Hexenglaubens, der Inquisition zu.20

Kramer verfolgt mit der Verfassung des Hexenhammers zwei primäre Ziele: Zum einen die Legitimation seiner Vorstellung von Ketzerei und Hexenwesen, sowie die von ihm angeleiteten Hexenverfolgungen und zum anderen die Prägung eines feindlichen Bildes der Frau, das ebenfalls seinen Hexenvorstellungen zu Gute kommt.

Ziel des Kapitels I,6 ist es den hohen Anteil weiblicher Hexen zu erklären. Kramers Werk soll als theoretische Erörterung die Grundlage für die aufkommende Inquisition bilden. Zur Unterstützung seiner Thesen zieht er die päpstliche Bulle Papst Innozenz VIII. von 1484 heran. Der Papst gibt in diesem Dokument den Inquisitoren freie Hand und sichert die volle Unterstützung der Behörden zu.21 Allerdings wird in der Bulle die Hexerei nicht auf das weibliche Geschlecht beschränkt.

Kramer nutzt zudem theologische Texte um sie in seinem Sinn auszulegen, unter anderem Texte aus der Bibel, besonders Genesis oder auch Thomas von Aquin. Durch die theologische Untermauerung sollte die Hexenverfolgung als notwendiges Mittel zur Säuberung der Gesellschaft angesehen werden.

Der Hexenhammer verbreitete in der Gesellschaft das, teilweise bis heute gültige, Hexenbild. Der Hexenhammer wurde in einer Vielzahl von Auflagen verbreitet und in mehrere Sprachen übersetzt.

Der Wert der Frau in der Gesellschaft wird durch Kramers Argumentation herabgesetzt. Der Hexenhammer wirkt zum Teil wissenschaftlich, da die Thesen und Argumente mit theologischen Schriften und Beispielen belegt werden.

[...]


1 Schwarzer, Alice: Wir modernen Hexen, in: Ringvorlesung Hexen Sommersemester 1987, Hg. Autonomes Frauen- und Lesbenreferat des AStA der Universität zu Köln, S. 9-15.

2 Vgl. Levack, Brian P.: Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgung in Europa, München 1995, S.7.

3 Vgl. http://www.geschichtsquellen.de/repPers_118855484.html, Zugriff: 22.09.2016.

4 Heinrich Kramer (Institoris): Der Hexenhammer. Malleus Maleficarum. Kommentierte Neuübersetzung, hrsg. Von Günther Jerouschek und Wolfgang Behringer, München ³2003, S. 1 (Arbeitskopie).

5 Vgl. Levack, S.7.

6 Kramer, S.1.

7 Vgl. Kramer, S.2.

8 Vgl. Ebd., S.3.

9 Vgl. ebd., S.4.

10 Vgl. ebd., S.5.

11 Vgl. ebd., S.2.

12 Ebd., S.3.

13 Vgl. ebd., S.5.

14 Vgl. ebd., S.1.

15 Vgl. ebd., S.3.

16 Vgl. ebd., S.5.

17 Ebd., S.2.

18 Vgl. Kramer, S.4.

19 Vgl. ebd., S.5.

20 Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter, München 1994, S.217ff.

21 Ruhl, Martina: Das Phänomen der Hexenverfolgung. Verdeutlicht am Fall der Barbara C. aus Friedberg, Münster 1990, S.46ff.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Das störende Geschlecht
Untertitel
Das Frauenbild Heinrich Kramers im Hexenhammer
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Hexen, Huren, Heilige - Frauen im Mittelalter
Note
2.0
Autor
Jahr
2016
Seiten
8
Katalognummer
V992922
ISBN (eBook)
9783346362520
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hexen, Huren, Heilige, Frauen, Mittelalter, Hexenverfolgung, hexenhammer, malleus maleficarum, heinrich Kramer, inquisition
Arbeit zitieren
Lina Mintzlaff (Autor), 2016, Das störende Geschlecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/992922

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das störende Geschlecht



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden