Die Rolle des Staates in Adam Smiths System des Freihandels


Seminararbeit, 2020

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

DER MOTOR WIRTSCHAFTLICHEN WACHSTUMS
Arbeitsteilung
Das Eigeninteresse

DIE UNSICHTBARE HAND - DER FREIHANDEL

AUFGABEN DES STAATES

FINANZEN DES STAATES

FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

Einleitung

Die Unsichtbare Hand sorgt dafür, dassprivate 'Vorteilsmaximierung der ganzen Gesellschaft nutzt. Dies ist die bekannteste Lehre des berühmten Ökonomen und Pionier der Politischen Ökonomie, Adam Smith.1 Sein Werk „Der Wohlstand der Nationen“ teilt sich auf in fünf Bücher. In den ersten drei Büchern beschreibt Smith die Zusammenhänge in der Wirtschaft, genauer die Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage, den Ursprung des Geldes, die Preisrelationen von Waren und Produkten, sowie die Kosten- und Kapitalkomponenten in Bezug auf Gewinnerzielung.

Die letzten beiden Bücher des Werkes stehen für diese Hausarbeit jedoch überwiegend im Vordergrund, da Smith dort auf die Funktion des Staates, den Freihandel und die politische Ebene allgemein nach dem Prinzip „Laissez-faire“ („Laufen lassen“) eingeht.2 Adam Smith sah in der liberalen Marktwirtschaft aber auch eine Beschränkung, den „natürlichen Gang der Dinge“3. Dieser richtet sich zwar nach den Prinzipien der Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit, dennoch gehorcht die freie Entfaltung notwendigen ökonomischen Gesetzen, wie zum Beispiel dem Wettbewerb, der die Preise reguliert.

Der größte Reichtum wird nach Smith in der Landwirtschaft erzielt, anders als es der damals vorherrschende Merkantilismus vertrat. Im Merkantilismus waren Geld, Gold und Silber die Materialien, die den Reichtum eines Landes bestimmten.4

Diese Arbeit wird den Freihandel nach Smith begründet darlegen und, im Anschluss an die Darstellung des Systems, analysieren, welche Rolle der Staat in diesem marktgeleiteten System spielt. Inwiefern soll der Staat integriert werden und welche Aufgaben werden von der politischen Macht erwartet?

Um diese Fragen zu beantworten, wird im Folgenden zunächst das Ziel Adam Smiths der politischen Ökonomie erläutert.

Der Motor wirtschaftlichen Wachstums

Der Begriff „politische Ökonomie“ beschreibt die Wirtschaftswissenschaft, welche sich mit der Politik befasst.5 Es gibt zu Zeiten Adam Smiths zwei vorherrschende Systeme, das merkantilistische und das physiokratische. Smith bezieht sich stärker auf die Physiokraten, da diese die Landwirtschaft als die produktivste Industrie ansehen und er ihre Grundgedanken an Freiheit und das Vertrauen in die Natur teilte. Ziel der politischen Ökonomie nach Adam Smith ist es zum einen, das Einkommen der Bevölkerung zu verbessern, sowie ihnen aufzuzeigen, wie sie es selbstständig beschaffen können. Zum anderen soll die politische Ökonomie aufzeigen, wie der Staat Einnahmen für den öffentlichen Zweck erzielen kann. Allgemein geht es also um die Frage, wie der gesamte Wohlstand von Staat und Volk erhöht wird.

Dieser Erfolg wird nach Smith durch die Arbeitsteilung vorangetrieben.6

Arbeitsteilung

Adam Smith beschreibt den Ursprung der Arbeitsteilung als einen grundlegend natürlichen. Jeder Mensch erkennt zu einem gewissen Zeitpunkt seine Fähigkeiten und auch den Vorteil, diese weiter auszubauen, um sich somit auf ein bestimmtes Produkt zu spezialisieren, da der Handel mit seinen hergestellten Produkten vorteilhafter ist als das eigenständige Produzieren einzelner für ihn wichtiger Güter.

Bevor Smith die Arbeitsteilung als den entscheidenden Ausgangspunkt für das enorme wirtschaftliche Wachstum darstellen kann, muss er den technischen Fortschritt für die Erfindung und Entwicklung von Maschinen in den Begriff miteinschließen. „/« vielen Fällen verdanken wir den technischen Fortschritt der Erfindergabe der Maschinenbauer, nachdem derMaschinenbau ein selbstständiges Gewerbe geworden war.“7

Smiths Ansicht nach erhöht der Fokus auf eine einzige Teilaufgabe die Chance auf innovative Verbesserungen. Deshalb müssen für ihn die Ideen für Erfindungen aus den Köpfen der Arbeiter stammen, welche jeden Tag die gleichen ,stumpfen‘ Arbeitsschritte ausführen. Verdeutlicht wird dieser Gedankengang durch das berühmte Beispiel des Stecknadelprinzips: Zehn Männer, die gemeinsam in einer Nadelfabrik arbeiten und etwa 18 einfache Arbeitsgänge

unter sich aufteilen, können täglich etwa 50.000 Nadeln hersteilen. Hätte ein einzelner Mann alle diese Arbeitsgänge allein und ohne die Hilfe von Spezialmaschinen, die ihrerseits das Ergebnis einer Arbeitsteilung sind, ausführen müssen, so würde er wahrscheinlich kaum mehr als eine Stecknadel am Tag fertigen können. Arbeitsteilung bedeutet somit Produktivitätssteigerung bei gleicher Menschenanzahl und hat für Smith folgende drei Ursachen:

Erstens zeigt jeder Arbeiter in seiner Tätigkeit größere Geschicklichkeit und Sachkenntnis, welche durch ständige Wiederholung der standardisierten Aufgabe auftritt. Zweitens ergibt sich eine Zeitersparnis, wenn die Konzentration nur einer Aufgabe zukommt, der Arbeitsplatz nicht gewechselt werden muss und keine Adaption einer neuen Aufgabe notwendig ist. Drittens führt der Wunsch der Arbeiter, ihre repetitive Tätigkeit zu vereinfachen, zur Erfindung von neuer Maschinerie.

Um die dritte Ursache in ihrer Glaubwürdigkeit zu stärken, wählt Smith das Beispiel eines Kindes, welches das Öffnen und Schließen des Ventils einer Maschine durch einen Faden ermöglicht mit der Absicht, schnellstmöglich mit seinen Freunden spielen zu können. Dieses Beispiel bestätigt den natürlichen Drang der Menschen, ihre Arbeit vereinfachen zu wollen. Smith zeigt mehrere Beispiele von alltäglichen Produkten auf, um zu zeigen, wie bedeutend Arbeitsteilung in der zivilisierten Gesellschaft ist und dass sie in zahlreichen Bereichen vorherrscht, angefangen bei der einfachen Kleidung. Sie ist das Endprodukt eines Schäfers, Wollsortierers, Wollkämmers, Färbers, Spinners, Webers, Zuschneiders, Kauf- und Fuhrleuten und vieler anderer. Verfolgt man die Kette weiter, schließt das Kleidungsstück auch noch die Schiffsbauer, Webstuhlbauer, Försters und weitere mit ein. Dieses Prinzip lässt sich nicht nur aufKleidung, sondern aufbeinahe alle Nutzungsgegenstände übertragen.

Die Stärke der Abhängigkeit zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft, drückt Smith am Ende des Kapitels folgendermaßen aus: „Wenn wir uns all diese Gegenstände vor Augen halten und bedenken, 'welch eine Vielfalt von Arbeit aufjeden einzelnen von ihnen verwandt ist, wird uns bewusst, dass ohne Mithilfe und Zusammenwirken Tausender von Menschen in einem zivilisierten Land nicht einmal der allereinfachste Mann selbst mit jenen Gütern versorgt werden könnte, die wir gewöhnlich,fälschlicherweise, grob und anspruchslos nennen.“8 Diese Abhängigkeit zeugt nach Smith aus der Handlungsnatur des Menschen, die von Eigeninteresse geprägt ist.

Das Eigeninteresse

Smith spricht davon, dass der Mensch eine Neigung „zu handeln und Dinge gegeneinander auszutauschen“9 habe. Ob diese Neigung dem Menschen eigen und vielleicht sogar angeboren ist, diskutiert Smith nicht weiter. Jedoch sei diese Neigung weder eine aus altruistischem Antrieb noch eine zugunsten des allgemeinen Wohlstandes. Dies spricht dafür, dass Smiths Menschenbild grundlegend eher ein egoistisches ist.

Die natürliche Neigung der Menschen zum Tausch ist allerdings notwendig, damit ein weitreichender und funktionierender Markt entstehen kann. Ein kleinerer Markt ist weniger vielfältig, da es sich nicht lohnt seine eigenen Produkte zu tauschen, solange nicht alles, was von anderen angeboten wird, im eigenen Interesse liegt.

Der Mensch ist durch sein natürliches Eigeninteresse dazu angehalten, nur das zu tun, was ihn selbst bereichert. Ein Bäcker produziert also nicht so viel Brot, weil er es alles essen und auch nicht, weil er es verschenken möchte. Er produziert es, um etwas zu bekommen, was er haben möchte. Als Tauschmittel benutzt er dann das Brot. ,,Gib mir, was ich wünsche und du bekommst, was du benötigst.“

Smith sagt: „Wie das Verhandeln, Tauschen und Kaufen das Mittel ist, uns gegenseitig mitfast allen nützlichen Diensten, die wir brauchen, zu versorgen, so gibt die Neigung zum Tausch letztlich auch den Anstoß zur Arbeitsteilung.“10 Gleichzeitig haben die Produkte eine bessere Qualität, dajeder nur genau das Produkt anfertigt, auf das er sich fokussiert hat. Außerdem gibt es nach Smith sowieso nur einen geringen Unterschied im angeborenen Talent oder der Begabung von Menschen. Die unterschiedliche Spezialisierung in Berufen von erwachsenen Menschen seien eher Folge der Arbeitsteilung, anstatt einer Ursache.

Adam Smith betrachtet das Wirtschaftsgeschehen mit Angebot und Nachfrage von Gütern und Dienstleistungen und Tauschbeziehungen empirisch. Er entdeckte, dass eine bewusste Planung in diesem System redundant ist, da das Glück der Gesellschaft dann erreicht wird, wennjedes Individuum sein eigenes Interesse verfolgt.11

„Wenn [...] jeder einzelne soviel wie nur möglich danach trachtet, sein Kapital zur Unterstützung der einheimischen Erwerbstätigkeit einzusetzen und dadurch diese so lenkt, daß ihr Ertrag den höchsten Wertzuwachs erwarten läßt, dann bemüht sich auch jeder einzelne ganz zwangsläufig, daß das Volkseinkommen im Jahr so groß wie möglich werden wird. Tatsächlich fördert er in der Regel nicht bewußt das Allgemeinwohl, noch weiß er, wie hoch der eigene Beitrag ist. [...] Er (strebt) lediglich nach eigenem Gewinn. Und er wird in diesem wie auch in vielen anderen Fällen von einer unsichtbaren Hand geleitet.“12

Die Unsichtbare Hand - der Freihandel

Die Metapher der Unsichtbaren Hand beschreibt also die freie Marktwirtschaft, in der sich alles wie von allein regelt. In einem solchen Konstrukt funktionieren der Markt und die Gesellschaft also wie von selbst. Dies kann aber nur funktionieren, gemäß Smith, solange die Bürger keine Restriktionen von staatlicher Seite auferlegt bekommen.

„Gibt man daher alle Systeme der Begünstigung und Beschränkung auf, so stellt sich ganz von selbst das einsichtige und einfache System der natürlichen Freiheit her. Solange der einzelne nicht die Gesetze verletzt, läßt man ihm völlige Freiheit, damit er das eigene Interesse auf seine Weise verfolgen kann und seinen Erwerbsfleiß und sein Kapital in Wettbewerb mit jedem anderen oder einem anderen Stand entwickeln oder einsetzen kann“.13

[...]


1 Vgl. Kurz, Hein D., Sturn, Richard (2013) „Adam Smith für Jedermann", S. 7

2 Vgl. Samuelson, Paul A., Nordhaus, William D. (1988) „Volkswirtschaftslehre 2", S. 752

3 Kurz, Heinz D., Sturn, Richard (2013) „Adam Smith fürJedermann", S. 197

4 Vgl. Smith, Adam (1974) „Der Wohlstand der Nationen", S. 347

5 Vgl. Kirsch, Guy (2004) „Neue Politische Ökonomie", S. 4

6 Vgl. Smith, Adam (1974) „Der Wohlstand der Nationen", S. 574f.

7 Smith, Adam (1974) „Der Wohlstand der Nationen", S. 14

8 Smith, Adam (1974) „Der Wohlstand der Nationen", S. 14,15

9 Smith, Adam (1974) „Der Wohlstand der Nationen", S. 16

10 Smith, Adam (1974) „Der Wohlstand der Nationen", S. 17

11 Vgl. Raphael, David D. (1991) „Adam Smith", S. 83

12 Smith, Adam (1974) „Der Wohlstand der Nationen", S. 370f.

13 Smith, Adam (1974) „Der Wohlstand der Nationen“, S. 582

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Staates in Adam Smiths System des Freihandels
Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
12
Katalognummer
V993014
ISBN (eBook)
9783346358660
ISBN (Buch)
9783346358677
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, staates, adam, smiths, system, freihandels
Arbeit zitieren
Sabrina Hanke (Autor), 2020, Die Rolle des Staates in Adam Smiths System des Freihandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/993014

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