In dieser Arbeit möchte ich von Butlers Konzept der Identitätsbildung ausgehend die Entwicklungen jener Communitys kritisch betrachten, die sich gegen den hegemonialen Diskurs der Geschlechterbinarität wenden, etwa durch die Etablierung von neuen Bezeichnungen wie transsexuell, Intersexuell, non-binary, queer, usw. Diese Bewegungen stellen einen wesentlichen Teil der Identitätsbildung von Personen dar, deren soziales oder biologisches Geschlecht nicht den diskursiven Kategorien der Geschlechtsnormativität entspricht, die der Anforderung nach einer bestimmten Kombination von Sex und Gender nicht entsprechen. In diesen Communitys ist die Namensgebung ein wesentlicher Teil der Identitätsbildung. Jede Art der Kombination von Sex, Gender und Desire, bzw. auch verschiedene Arten der Ablehnung dieser Kategorien hat eine eigene Bezeichnung. Die Frage, der ich mithilfe von Judith Butler nachgehen möchte, ist, ob das der richtige Weg ist, alle diskursiven Normen die Identität von Menschen betreffend zu sprengen, oder ob auch das Wege sind, zwar mehr Identitäten zu schaffen, aber immer noch der Ansicht verhaftet zu bleiben, dass es zwar viele, aber doch nicht unendlich viele Geschlechtsidentitäten gebe, denen sich Personen unterordnen müssen, denen das Verhalten von Personen entsprechen muss und die Personen durch ihr Verhalten wiederum reproduzieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Butlers Konzept der Identität und neue Konzepte der Identitätsbildung
2. Geschlechtsidentität
3. Was „zählt“ als Körper?
4. Sprachliche Aspekte
5. Warum gerade jetzt?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch Butlers Konzept der Identitätsbildung im Kontext moderner Bewegungen, die sich gegen die Geschlechterbinarität wenden. Es wird hinterfragt, ob die Etablierung neuer Identitätskategorien tatsächlich diskursive Normen aufbricht oder lediglich das zugrunde liegende System der Geschlechtszwänge reproduziert.
- Judith Butlers Theorie der Geschlechtsidentität
- Kritik an der Konstruktion neuer Identitätskategorien
- Diskursive Normierung und Intelligibilität von Körpern
- Sprachliche Schaffung von Wirklichkeit
- Zusammenhang zwischen Individualisierung und Selbstthematisierung
Auszug aus dem Buch
Was „zählt“ als Körper?
Es sind also nur bestimmte Geschlechtsidentitäten intelligibel, solche, die den Normen des Diskurses entsprechen. Wie werden aber Menschen angesehen, die diesen Normen nicht entsprechen? Wie werden Menschen angesehen, deren Körper nicht in eine Geschlechterkategorie einzuordnen ist? In Hinblick auf die Frage was als Körper gilt, argumentiert Butler, dass es im herrschenden Diskurs nicht möglich ist, Körpern eine Existenz zuzusprechen, „die der Markierung ihres Geschlechts vorherginge“ (Butler 2014, S.26). Der Diskurs fordert, dass etwas nur als Körper anerkannt wird, wenn es Geschlecht hat. Wenn das Geschlecht des Körpers nun nicht der diskursiven Norm entspricht, wird oft versucht, das Geschlecht trotzdem zu bezeichnen, etwa als transsexuell, non-binary, intergeschlechtlich usw. um aus dieser Norm auszubrechen, um zu erreichen, dass der Körper anerkannt wird.
Der Versuch bleibt aber trotzdem Teil der als vordiskursiv abgeschobenen Vorgabe, dass ein Körper nur als solcher anerkannt wird, wenn er ein Geschlecht hat. Es wird also versucht, eine Beschränkung zu sprengen, das grundsätzliche Problem, das ein Körper ein Geschlecht braucht um als solcher zu gelten, wird aber nicht angetastet. Die Behauptung, dass eine Person heterosexuell und/oder, dass sie eine Frau sei, die auch im feministische Diskurs passiert, tendiert dazu, den Begriff der Geschlechtsidentität dem der Identität unterzuordnen und verleitet so zu der Schlussfolgerung, dass eine Person eine Geschlechtsidentität (gender) –Mann oder Frau- ist, und kraft ihres anatomischen Geschlechts (sex) ihres psychischen Selbstgefühls und den verschiedenen Äußerungen dieses psychischen Selbst, deren hervorstechendste das sexuelle Begehren ist. (Butler 2014, S.44)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Butlers Konzept der Identität und neue Konzepte der Identitätsbildung: Das Kapitel führt in die Problematik ein, wie die Etablierung neuer Identitätsbezeichnungen als Widerstand gegen hegemoniale Diskurse zu bewerten ist.
2. Geschlechtsidentität: Hier wird analysiert, wie Geschlechtsidentität als kulturell konstruiertes, sich verschiebendes Phänomen fungiert und warum bestimmte Identitäten innerhalb des Diskurses als „intelligibel“ gelten.
3. Was „zählt“ als Körper?: Das Kapitel beleuchtet, wie der Diskurs Körper dazu zwingt, ein Geschlecht zu besitzen, um als existierend anerkannt zu werden, was auch durch neue Identitätskategorien nicht grundlegend aufgebrochen wird.
4. Sprachliche Aspekte: Diese Sektion untersucht die Rolle der Sprache bei der Konstituierung von Wirklichkeit und argumentiert, dass die Schaffung neuer Substantive die zugrunde liegenden Machtstrukturen eher stabilisiert als herausfordert.
5. Warum gerade jetzt?: Abschließend wird der aktuelle Trend zur intensiven Selbstthematisierung und Identitätsbildung im Kontext gesellschaftlicher Individualisierungsprozesse reflektiert.
Schlüsselwörter
Judith Butler, Geschlechtsidentität, Identitätsbildung, Diskurs, Geschlechtsnormativität, Intelligibilität, Othering, Selbstthematisierung, Individualisierung, Körperkonstruktion, Machtstrukturen, Hegemonie, Geschlechterbinarität, Postmoderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die Mechanismen der Identitätsbildung und deren Abhängigkeit von diskursiven Normen, insbesondere im Hinblick auf Judith Butlers Theorie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Dekonstruktion von Geschlecht, die Rolle der Sprache bei der Kategorisierung von Identitäten und die Kritik an der vermeintlichen Befreiung durch neue Identitätsbezeichnungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob die Schaffung neuer Identitätskategorien tatsächlich einen Ausbruch aus normativen Geschlechterzwängen ermöglicht oder ob sie das problematische System lediglich reproduziert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-kritische Diskursanalyse, basierend auf den Werken von Judith Butler, Markus Schroer und anderen Theoretikern der Geschlechterforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Konzepte der „Intelligibilität“ von Körpern, die sprachliche Macht zur Erzeugung von Identitäten sowie der Zusammenhang von Individualisierung und Selbstthematisierung erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Identitätsbildung, Diskurs, Geschlechtsnormativität, Körperkonstruktion und Butler.
Inwiefern hinterfragt die Arbeit medizinische Eingriffe bei Geschlechtsanpassungen?
Die Arbeit kritisiert, dass medizinische Eingriffe oft dazu dienen, den Körper in bestehende diskursive Schemata zu zwingen, anstatt die zugrunde liegende Norm der Geschlechterbinarität in Frage zu stellen.
Warum sieht der Autor die bloße Schaffung neuer Identitäten kritisch?
Weil dies die Grundannahme, dass ein Körper zwingend ein Geschlecht benötigt, um als „Subjekt“ anerkannt zu werden, unangetastet lässt und somit im System der Macht verhaftet bleibt.
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- Benjamin Bartik (Author), 2020, Butlers Konzept der Identität und neue Konzepte der Identitätsbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/993526