Interkulturelle Bildung als Möglichkeit zum Umgang mit kultureller Diversität im Klassenraum


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundbegriffe
2.1 Wie kann man den Begriff Kultur definieren?
2.2 Was ist Interkulturalität?
2.3 Was ist kulturelle Diversität?

3. Aktuelle Ausgangssituation in den Schulen
3.1 Die Schule als ein kultureller Treffpunkt
3.2 Benachteiligung und Ausgrenzung im Schulalltag

4. Interkulturelle Bildung
4.1 Was ist interkulturelle Bildung?
4.2 Die Ziele der interkulturellen Bildung
4.3 Didaktischer Ansatz am Beispiel Islam
4.4 Chancen und Risiken im Unterricht

5. Zusammenfassung und Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Multikulturalität, kulturelle Diversität und Heterogenität sind Begriffe ohne die man unsere heutige Gesellschaft nicht mehr charakterisieren kann. Das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen, Religionen oder soziale Schichten ist die Normalität in jedem Schulalltag. Durch Risikofaktoren wie Verständigungsprobleme, Unwissenheit oder Intoleranz kann es häufig zu Spannungen oder Auseinandersetzungen kommen. Dies stellt für alle Bildungseinrichtungen, bei denen kulturellen Kontakt stattfindet, eine enorme Herausforderung dar. Doch wodurch ist der richtige Umgang mit kultureller Diversität gekennzeichnet?

Die folgende Hausarbeit setzt sich mit dieser relevanten Frage, sowie dem Thema der interkulturellen Bildung und ihren Facetten auseinander. Dazu liegt das Hauptaugenmerk auf der anschaulichen Erklärung des Grundgedanken dieses Konzeptes, sowie auf der Darstellung der erwünschten Ziele und der Herstellung eines Bezugs zu einem aktuellen Thema.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, den korrekten und angemessenen Umgang mit Diversität verschiedenster Art zu erläutern. Eine weitere Zielvorstellung dieser Arbeit ist das Bewusstsein für die Relevanz dieses Themas zu schaffen und über die Signifikanz und Tragweite des Konzeptes der interkulturellen Bildung zu informieren.

Dabei werden in Kapitel zwei vorerst die Grundbegriffe im Zusammenhang der kulturellen Diversität erläutert. In Kapitel drei wird die aktuelle Situation in den Schulen beleuchtet, wobei nicht nur auf die Institution und ihre

Rahmenbedingungen, sondern auch auf die von den Lernenden und Lehrenden verursachten sozialen Umstände eingegangen wird. Im letzten Kapitel wird schließlich das Thema der interkulturellen Bildung aufgegriffen, welches in Begriffsund Konzepterklärung, Darstellung der Ziele, Veranschaulichung an einem aktuellem Thema und Beschreibung der Chancen und Risiken unterteilt ist.

2. Grundbegriffe

2.1 Wie kann man den Begriff Kultur definieren?

Der Begriff Kultur wird sowohl in den Geistes- und Sozialwissenschaften, sowie im alltäglichen Gebrauch häufig verwendet. Doch vorwiegend wird es im Alltag ohne eine feste Spezifizierung angewandt, da zu viele verschiedenartige Definitionen und Begriffserklärungen existieren. Dies führte zu einer unübersichtlichen und vielschichtigen Verwendung des Begriffes Kultur. Durch diese Majorität der unterschiedlichen Anwendungsweisen und der immensen Bedeutungsvielfalt ist es adäquat von Kulturbegriffen im Plural zu sprechen.1

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Kultur ist in dem lateinischen Wort „colere" und „cultura" aus der Antike zu finden, welches mit Anbauen, Wohnen und Pflege zu übersetzen ist. Es weist so auf die Sicherung des menschlichen Überlebens durch Ackerbau hin und kann daher ebenfalls auf die aktuelle und moderne Verwendung des Wortes zurückführen. Denn „Kultur sei die Kunst, wodurch die moderne Gesellschaft ihr Überleben und ihre Entwicklung in einer übermächtigen Natur sichert".2

Der Kulturwissenschaftler Geert Hofstede definiert Kultur als eine sogenannte „Software des Geistes" und spricht damit auf die Totalität von Werten, Normen und Richtlinien an, die jedes Individuum einer existenten Kommunität erlebt. Dies beinhaltet eine Vielzahl von trivialen und konventionellen Aspekten des Lebens, wie beispielsweise Begrüßungen, traditionelle Mahlzeiten oder Hygienevorschriften. Dieses Orientierungssystem ist allen Mitgliedern einer Kultur vertraut und beeinflusst das Perzipieren, Denken und Handeln dieser von Geburt an3.

Darüber hinaus unterscheidet Hofstede prägnante kulturelle Bestandteile, die die Mentalität einer Gesellschaft ausmachen. Diese sind die Symbole, Rituale, Helden, Werte und Praktiken einer Kultur. Die Symbole sind bestimmte Elemente oder Gegenstände, die nur für die Mitglieder einer kulturellen Gruppe von spezieller Bedeutung sind, wobei man zwischen Mode-, Sprach-, und Statussymbolen differenzieren kann. Traditionsgebundene Handlungsweisen kennzeichnen die Rituale, die für die Solidarität und Kohärenz einer Gemeinschaft essentiell sind4.

Personen die in einer Kultur als besonderes Vorbild und Ideal gelten, charakterisieren die Helden. Die Werte und Normen beschreiben die Moralvorstellungen, Grundüberzeugungen und die allgemeine Geisteshaltung, welche die Angehörigen einer kulturellen Gruppe beschreibt. Die Praktiken einer Kultur bezeichnet man als die kollektiven Angewohnheiten, die sich aus einer Konstellation aus den gesamten kulturellen Bestandteilen ergibt und so spezifische Lebensumstände und Situationen auszeichnen5.

Doch eine Kultur ist nicht nur ausschließlich durch die kulturellen Bestandteile geprägt. Sie und ihre Elemente können auf verschiedene Wirkursachen zurück zu führen sein, die Hofstede die „Schichten der Kultur" nennt. Um bestimmte Eigenschaften oder Handlungsmuster einer Kultur zu verstehen kann man diese auf ihre kulturellen Faktoren zurückverfolgen. Es kann differenziert werden zwischen nationalen, ethischen, religiösen oder sprachlichen Zugehörigkeiten, sowie Geschlecht, Alter und soziale Schicht6.

Das Wort Kultur und seine Bedeutung kann man dementsprechend als eine Kategorie zur Erfassung und Konkretisierung von verschiedenartigen Lebensbereichen, Praktiken und sozialen Relationen definieren. Es kann die zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Beziehungen betonen und daraus soziale Prozesse erörtern und anderen Individuen näher bringen7.

2.2 Was ist Interkulturalität?

Den Begriff der Interkulturalität kann man nicht objektiv beschreiben, da dieser kein zu erfassender Zustand ist, sondern viel mehr ein dynamisches und interaktives Relationsphänomen, welches sich auf die Kommunikation zwischen Mitglieder unterschiedlicher Kulturen fokussiert. Es schafft Lernsituationen, deren Resultat nicht prognostizierbar ist und deren Signifikanz nur aus der Perspektive der Beteiligten zu erschließen ist8.

Ebenso kann man die Interkulturalität als eine gehaltvolle Möglichkeit sehen. Auf der einen Seite gibt diese die Gelegenheit zur Interaktion, woraus sich neue Anschauungsweisen und Perspektiven bilden können. Auf der anderen Seite bietet sie die Möglichkeit noch unbekannte Kulturen in ihrer Diversität als Konzepte mit ihrem eigenen, individuellen Recht und Anspruch zu interpretieren.

Ernst Wagner stellt die Interkulturalität bildlich dar, in dem er diese als ein Konzept einer Vorstellung von grundsätzlich geschlossenen Einheiten, deren Bewegungen sich wie Billardkugeln gegenseitig beeinflussen und deren Wechselwirkungen unterschiedliche Dynamiken annehmen können9. Daraus kann man schlussfolgern, dass die Existenz von Interkulturalität die Voraussetzung für eine konkrete Möglichkeit einer multikulturellen Gesellschaft darstellt. Die Erkenntnis, ein Mit- und Nebeneinander der Kulturen nicht als Risiko oder Entfremdung, sondern als ein wertschätzendes Ziel anzusehen, lässt die Menschen innerhalb ihrer Gesellschaft ein gesundes und partnerschaftliches Miteinander führen10.

2.3 Was ist kulturelle Diversität?

Der Begriff Diversität stammt wie viele andere soziologische Bezeichnungen aus der Pflanzenbiologie. Dieser meint in seinem ursprünglichen Kontext eine Vielfalt von Arten und Ökosystemen. Im Bereich der Soziologie werden die Begriffe Diversität und Vielfalt häufig als Synonym verwendet, um eine Unterscheidung zwischen körperlichen und kulturellen Persönlichkeitsmerkmalen zu beschreiben11.

Bildungssprachlich meint Diversität Mannigfaltigkeit und Vielfältigkeit. In der Pädagogik ist Diversität ein Konzept, welches die Chancengerechtigkeit, Gleichstellung in kultureller, sozialer, alters- oder geschlechtsbezogener Vielfalt betont. Insbesondere wird auf den adäquaten Umgang mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden geachtet12.

Die kulturelle Diversität, auch Soziodiversität genannt, ist definiert als eine „Quelle des Austausches“, Erneuerung und Kreativität und ist ebenso von essenzieller Bedeutung in der Lebensumwelt wie die biologische Vielfalt13. Das Begriffspaar der kulturellen Diversität ist ein aktuelles Thema in der Kulturpolitik und weist auf die kulturellen Unterschiede in unserer globalen und modernen Welt hin, welche in den letzten Jahren immer präsenter geworden sind. Dabei kann man besonders Werke aus der Kunst- und Bildgeschichte als Musterbeispiele sehen, da sie ihren Ursprung und Einfluss aus unterschiedlichen Epochen, Orten und Materialen erhielten14.

Die kulturelle Diversität beruft sich also auf die verschiedenen Arten in der die Kulturen von bestimmten Gruppierungen zum Ausdruck kommen und wie dies innerhalb und zwischen den einzelnen Gruppen überliefert wird15. Es zeigt sich nicht nur durch die verschieden Arten des Weitergebens und Zeigens von Kulturerbe, sondern auch in dem künstlerischen Schaffen und der Fertigung von kulturellen Ausdrucksweisen. Ebenso ein wichtiger Bestandteil dessen ist die Beachtung und Wertschätzung von nationalen oder kulturellen Zugehörigkeiten, der sexuellen Orientierung, sowie Alter, Geschlecht und der psychischen und physischen Befindlichkeit. Somit beinhaltet sie sämtliche Abwandlungen von Lebensformen und ihre Ausführungsmöglichkeiten.16 3.

3. Aktuelle Ausgangssituation in den Schulen

3.1 Die Schule als ein kultureller Treffpunkt

Die Institution Schule ist nicht nur ein Ort strategischer Lernprozesse, sondern auch ein wichtiger Jugendtreffpunkt für die Schülerinnen und Schüler. Diese stehen täglich im gegenseitigen Austausch miteinander und bilden so ihre Schulklasse im Sinngehalt einer sozialen Gruppe und Gemeinschaft17.

Die letzten Jahre brachten durch den Einwanderungsanstieg einen großen Wandel in unserer Gesellschaft. Die Bundesrepublik Deutschland beginnt sich als Einwanderungsland zu sehen.18 Dies lässt sich auch in den Bildungsinstitutionen vorfinden. Eine vorher überwiegend einsprachige Schülerzahl, wurde erweitert durch eingewanderte Schülerinnen und Schüler, die mit einer anderen Sprache aufgewachsen sind und so vorher noch nie die Sprache ihrer neuen Heimat gesprochen haben19.

Die deutschen Schulklassen sind aufgrund dessen immer mehr gekennzeichnet von Heterogenität und Diversität. Näherungsweise 25% aller Schülerinnen und Schüler besitzen einen Migrationshintergrund. Rund 50% sind es in den Großstädten. Dies hat zur Folge, dass im Klassenraum viele unterschiedliche Sprachen, Religionen und Kulturen aufeinandertreffen und interagieren.

Den Prognosen zufolge wird es in den nächsten Jahren weiterhin zunehmen, aus welchem Grund es umso mehr relevant und notwendig ist, sich mit diesem Sachverhalt intensiv zu beschäftigen. Denn die Schulen der Zukunft werden mit großer Sicherheit Schulen mit Migrationshintergrund sein. Deshalb müssen sowohl die Lernenden, als auch die Lehrenden lernen, mit einem heterogenen Umfeld korrekt umzugehen, um ein lernförderliches Klima für jeden Einzelnen zu schaffen20.

3.2 Benachteiligung und Ausgrenzung im Schulalltag

Es ist häufig zu beobachten, dass es Schülerinnen und Schüler in einer Klasse gibt, die von ihren Mitlernenden ausgegrenzt und gemieden werden. Nicht selten ist es der Fall, dass diesen Schülerinnen und Schülern darüber hinaus verachtende und gehässige Worte entgegengebracht werden. Man spricht dabei von Ausgrenzung, wenn der Großteil der Schülerzahl einer Klasse einen Mitschüler ablehnt und ihn so von der Gruppe ausschließt21.

Dabei ist es kein Einzelfall, dass diese Ausgrenzung und Schikane häufig die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund treffen. Durch das für die anderen Schülerinnen und Schüler fremde und unbekannte Auftreten und die meist vorhandene Sprachbarriere, ist es für diese schwieriger sich in das soziale Klassenleben einzufinden. Doch nicht nur das Einleben im Schulalltag, fällt ihnen schwerer. Auch werden die Schülerinnen und Schüler mit Migrationsanteil im Allgemeinen besonders benachteiligt. Die Schulabschlüsse liegen bei ausländischen Schüler und Schülerinnen bei ähnlicher sozialen und familiären Situation deutlich niedriger, als bei den deutschen Schulkindern22.

[...]


1 Nünning, Ansgar: Vielfalt der Kulturbegriffe. In: Bundeszentrale für politische Bildung. Gießen 2009.

2 Böhme, Hartmut: Literatur und Kulturwissenschaften. Positionen, Theorien, Modelle. Hamburg 1996, S.53.

3 Hofstede, Geert: Lokales Denken, globales Handeln. Interkulturelle Zusammenarbeit und globales Management. London 1991, S.5.

4 Mit Ritualen sind hier beispielsweise Begrüßungs- und Verabschiedungsrituale, Ausdrucksformen in der Sprache oder förmliche Handlungsweisen.

5 Zeuner Ulrich: Kulturelle Dimension von Texten am Beispiel von Werbung. Dresden 1997, S. 8.

6 Zeuner (wie Anm. 5), S.9.

7 Moebius, Stefan : Soziologische Themen. Kultur. Bielefeld 2009, S.7.

8 Moosmüller, Alois: Interkulturalität und kulturelle Diversität. New York 2014, S.15f.

9 Wagner, Ernst: Diversity: Multi-, Inter-, und Transkulturalität im Kunstunterricht. München 2017, S.15.

10 Lohmar, Dieter / Mall, Ram Adhar: Philosophische Grundlagen der Interkulturalität. Amsterdam 2007, S.3.

11 Salzbrunn, Monika: Vielfalt/Diversität. Soziologische Themen. Bielefeld 2014, S.8.

12 Klappenbach, Doris: Diversity-Kompetenz in der Erziehungswissenschaft. Eine Strategie zur Umsetzung von Gleichstellung im Zusammenhang mit der aktuellen Hochschulreform. Berlin 2009, S. 207.

13 Salzbrunn (wie Anm.11), S.9.

14 Wagner (wie Anm. 9), S.14.

15 Kulturelle Vielfalt gestalten. Weissbruch. Deutsche UNESCO-Kommission e.V. (Hrsg.), Bonn 2009, S.30

16 Trunk, Wiebke: Voneinander lernen. Kunstvermittlung im Kontext kultureller Diversität. Stuttgart 2011, S.9f.

17 Markert, Thomas: Ausgrenzung in Schulklassen. Eine qualitative Fallstudie zur Schüler- und Lehrerperspektive. Dresden 2007, S.20f.

18 Krüger-Potratz, Marianne: Interkulturelle Bildung. Eine Einführung. Münster 2005. S.63.

19 Allemann-Ghionda, Cristina: Interkulturelle Bildung. In: Forschungs- und Handlungsfelder der Pädagogik, 36, Beltz 1997.

20 Neumann, Ursula / Schneider, Jens: Schule mit Migrationshintergrund. Münster 2011, S.9.

21 Markert: (wie Anm.17), S.18.

22 Neumann / Schneider: (wie Anm. 20), S.11

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Bildung als Möglichkeit zum Umgang mit kultureller Diversität im Klassenraum
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
2,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V993976
ISBN (eBook)
9783346359155
ISBN (Buch)
9783346359162
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interkulturelle, bildung, möglichkeit, umgang, diversität, klassenraum
Arbeit zitieren
Isabell Hiermes (Autor), 2020, Interkulturelle Bildung als Möglichkeit zum Umgang mit kultureller Diversität im Klassenraum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/993976

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