In dieser Arbeit stellt sich die Frage, ob in der transatlantischen Wertegemeinschaft überhaupt noch eine gemeinsame sicherheitspolitische Identität existiert. Durch folgenden Essay soll in einem ersten Schritt das Konzept der sicherheitspolitischen Identität näher erläutert werden. Hiernach soll durch eine Analyse der empirischen Praxis der Transatlantischen Beziehung anhand des Fallbeispiels USA und der Europäischen Union, beziehungsweise Deutschland, der gegenwärtige Zustand der gemeinsamen sicherheitspolitischen Identität untersucht werden. Die Analyse fokussiert sich hierbei auf die drei von dem Politikwissenschaftler Simon Koschut formulierten Forschungskategorien Bedrohungswahrnehmung, multilaterales Handeln und Einsatz militärischer Gewalt.
Durch die Wahl Donald Trumps sind die Transatlantischen Beziehungen in eine weitere Krise geraten und Gemeinsamkeiten aus der 70-jährigen Geschichte werden vielseitig in Frage gestellt. Adaptation war eine der Stärken in der Vergangenheit, womit transatlantische Krisen stets bewältigt werden konnten. Innere Verwerfungen, wie der Irak-Krieg oder die Jugoslawienkriege konnten überstanden werden, ohne das Bündnis zu Bruch zu bringen. Nun scheint gar zum ersten Mal eine Entkopplung von Europa und den Vereinigten Staaten aufgrund innerer Disparitäten im Bereich der Sicherheitspolitik möglich zu sein. Bereits seit der Administration Obama ist zudem eine Verlegung des Fokus der Vereinigten Staaten in Richtung Pazifik festzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie der sicherheitspolitischen Identität und Methode
3. Empirische Praxis - Wie steht es um die transatlantische Identität (Fallanalyse Europäische Union(bzw.Deutschland)undUSA
3.1 Bedrohungswahrnehmung
3.2 Multilaterales handeln
3.3 Einsatz militärischer Gewalt
4. Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den aktuellen Zustand der gemeinsamen sicherheitspolitischen Identität zwischen den USA und der Europäischen Union bzw. Deutschland im Jahr 2020. Ziel ist es, zu analysieren, ob fundamentale Divergenzen in den sicherheitspolitischen Wahrnehmungen und Handlungsweisen existieren, die das Fortbestehen dieser identitätsbasierten Bindung in Frage stellen könnten.
- Analyse der transatlantischen Identität auf Basis konstruktivistischer Theorien
- Vergleich unterschiedlicher Bedrohungswahrnehmungen zwischen den USA und Europa
- Gegenüberstellung von normorientiertem Multilateralismus und interessengeleitetem "America First"-Handeln
- Untersuchung der Differenzen beim Einsatz militärischer Gewalt (Integrated Conflict Approach vs. Peace through Strength)
- Evaluation der Auswirkungen politischer Eliten und aktueller Strategiepapiere auf die Allianz
Auszug aus dem Buch
3.1 Bedrohungswahrnehmung
Bei der Bedrohungswahrnehmung stellt sich aus identitärer Perspektive die Frage, ob es gemeinsame externe Feinde und Rivalen gibt beziehungsweise ob es gleiche Wahrnehmungen bei Problemen gibt, die als bedrohlich angesehen werden und die es zu lösen gilt.
Aus diesem Grund sind hierüber die Ergebnisse zweier Umfragen des Pew Research Centers mit der Frage nach den Hauptbedrohungen für die Vereinigte Staaten und Europa angeführt. Die Umfrage in Europa wurde im Jahr 2018 und die in den Vereinigten Staaten in 2020 durchgeführt. Die Bedrohungskategorie „The spread of infectious diseases" wird nicht beachtet, da sie zum einen nur in der Umfrage in den Vereinigten Staaten aus 2020 aufgeführt ist und zum anderen wohl stark durch die aktuelle Corona-Pandemie bedingt ist. Interessant ist, dass die zentralen Bedrohungen der Vereinigten Staaten zumeist militärischer Natur sind. In Europa hingegen sind die Bedrohungen deutlich diverser und allgemein ist die Bedrohungswahrnehmung auf einem deutlich niedrigeren Niveau, was an den niedrigeren Prozentwerten zu erkennen ist. Zwei weitere auffallende Unterschiede an Bedrohungen sind der Klimawandel und die Stärke sowie der Einfluss China`s. Der Klimawandel wird mit 71% als größte Bedrohung in Europa angesehen. Für die amerikanische Bevölkerung steht dies nur an sechster Stelle mit 60%. In den USA haben dahingegen fast doppelt so viele Menschen China als Bedrohung eingeordnet wie in Europa. So ist bereits zu erkennen, dass eine unterschiedliche Bedrohungswahrnehmung in Deutschland und den Vereinigten Staaten vorhanden ist. Auch gerade diese beiden Umfragen in der Zivilgesellschaft zeigen wieder, dass die Vereinigten Staaten eher ein zentriertes Bild auf militärische Bedrohungen im Gegensatz zu ihren europäischen Partnern haben, wo jenes deutliche diverser ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmenden Spannungen in den transatlantischen Beziehungen, die durch die Politik der Trump-Administration und geopolitische Verschiebungen eine normative Krise erfahren haben.
2. Theorie der sicherheitspolitischen Identität und Methode: Dieses Kapitel führt den konstruktivistischen Identitätsbegriff ein und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit, die auf der Analyse zentraler Strategiepapiere und Umfragedaten basiert.
3. Empirische Praxis - Wie steht es um die transatlantische Identität (Fallanalyse Europäische Union(bzw.Deutschland)undUSA: Der Hauptteil untersucht die empirische Realität anhand der drei Forschungskategorien Bedrohungswahrnehmung, Multilateralismus und militärische Gewalt.
3.1 Bedrohungswahrnehmung: Dieses Unterkapitel analysiert die signifikanten Unterschiede zwischen den primär militärisch ausgerichteten Bedrohungsbildern der USA und den diverseren, sicherheitspolitischen Sorgen in Europa.
3.2 Multilaterales handeln: Hier werden der amerikanische Protektionismus und das einseitige Handeln dem regelbasierten Multilateralismus der EU gegenübergestellt.
3.3 Einsatz militärischer Gewalt: Das Kapitel vergleicht die US-Strategie "Peace through strength" mit dem ganzheitlichen "Integrated Conflict Approach" der Europäischen Union.
4. Zusammenfassung und Schlussfolgerung: Das Fazit stellt fest, dass fundamentale Disparitäten die transatlantische Identität gefährden, auch wenn das Bündnis auf einer gemeinsamen Wertebasis weiterhin als wichtig erachtet wird.
Schlüsselwörter
Transatlantische Beziehungen, Sicherheitspolitische Identität, Konstruktivismus, Bedrohungswahrnehmung, Multilateralismus, USA, Europäische Union, Deutschland, National Security Strategy, Global Strategy, Militärstrategie, Außenpolitik, Wertegemeinschaft, Geopolitik, Internationale Zusammenarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Zustand der sicherheitspolitischen Identität zwischen den USA und der Europäischen Union im Jahr 2020 und untersucht, ob das transatlantische Bündnis durch aktuelle politische Entwicklungen belastet ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Bedrohungswahrnehmung, der Umgang mit internationalem Multilateralismus und die Einstellung zum Einsatz militärischer Gewalt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch eine Fallanalyse zu bestimmen, ob eine gemeinsame sicherheitspolitische Identität trotz divergierender Interessen und Strategien weiterhin existiert oder ob sie sich in einer tiefen Krise befindet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den konstruktivistischen Ansatz der Internationalen Beziehungen und stützt ihre Untersuchung auf eine komparative Analyse aktueller Strategiepapiere sowie Umfragedaten relevanter Forschungsinstitute.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die drei Forschungskategorien: Bedrohungswahrnehmung, multilaterales Handeln und den Einsatz militärischer Gewalt, welche jeweils für die USA und die EU gegenübergestellt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Transatlantische Beziehungen, Sicherheitspolitische Identität, Multilateralismus, Geopolitik und Wertegemeinschaft.
Inwiefern unterscheidet sich die Bedrohungswahrnehmung zwischen den USA und Europa?
Während die USA Bedrohungen primär durch eine militärische und "monolithische" Linse betrachten, weisen europäische Akteure ein diverseres Bedrohungsbild auf, das stärker auf einen erweiterten Sicherheitsbegriff setzt.
Was bedeutet der Paradigmenwechsel beim Multilateralismus für das Bündnis?
Der Wechsel von einem regelbasierten Multilateralismus hin zu einem nutzenorientierten "America First"-Ansatz der USA führt zu fatalen Disparitäten, die frühere Gemeinsamkeiten in der transatlantischen Zusammenarbeit in Frage stellen.
- Citation du texte
- Marius Heil (Auteur), 2020, Bestandsanalyse der transatlantischen sicherheitspolitischen Identität im Jahre 2020. Ein Paradox des identitätsbasierten Konzepts?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/993991