Gegenstand dieser Hausarbeit ist der Zerfall des Iraks und seine Hintergründe im Kontext des dritten Golfkrieges im Jahre 2003. Dieser Zeitraum ist gerade deswegen von Bedeutung, da sich aus diesen Ereignissen heraus die Konturen des Islamischen Staates bildeten. Es ist daher von besonderem Interesse, die Ursachen dieses Phänomens nachzugehen, um mögliche Muster zu erkennen, weshalb sich Organisationen dieser Art entwickeln. Dies soll anhand eines konstruktivistischen Ansatzes geschehen.
Zunächst werden die Möglichkeiten eines konstruktivistischen Ansatzes als Theorie der Internationalen Beziehungen erläutert und wieso gerade dieser in Hinblick des Fallbeispiels einen potenziell neuen Blickwinkel bieten könnte. Darauffolgend werden die Geschichte des Iraks und die Ereignisse rund um dem Dritten Golfkrieges 2003 nachgebildet, um sie in der Analyse anschließend einzuordnen. Entscheidende Akteure sind hierbei die einzelnen Gruppierungen der irakischen Bevölkerung und die Institutionen der US-amerikanischen Besatzungsmacht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Möglichkeiten einer konstruktivistischen Ansatzes
3. Erläuterung des Fallbeispiels
3.1 Die Geschichte des Irak
3.2 Der Irakkrieg 2003
4. Anwendung des konstruktivistischen Ansatzes auf das Fallbeispiel
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zerfall des irakischen Staates nach dem dritten Golfkrieg im Jahr 2003 unter Anwendung einer konstruktivistischen Perspektive, um die tieferliegenden sozialen und identitätsbasierten Ursachen für die Destabilisierung zu identifizieren.
- Konstruktivismus als methodischer Ansatz in den Internationalen Beziehungen
- Historische Genese des Irak und die Auswirkungen kolonialer Grenzziehungen
- Analyse der US-amerikanischen Invasion und der Rolle von Identitätspolitik
- Einfluss der Medienberichterstattung auf die Wahrnehmung des Krieges
- Folgen der De-Baathisierung und Auflösung staatlicher Institutionen
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Irakkrieg 2003
Die Anschläge des 11. Septembers 2001 sorgten für eine Zäsur in der US-amerikanischen Außenpolitik, denn der Terror fand aus Sicht des Westens nun nicht mehr in der Peripherie der Welt, sondern nun auch im eigenen Zentrum statt. In seiner Rede zur Lage der Nation am 29. Januar 2002 sprach der amerikanische Präsident von der „Achse des Bösen“, zu welcher auch der Irak angehöre und warf der Regierung von Saddam Hussein die Zusammenarbeit mit Terrororganisationen vor. Einige Monate zuvor sprach er zudem noch von einem Kreuzzug im „Krieg gegen den Terror“, was in der arabischen Welt Ressentiments hervorrief, da dies im kollektiven Gedächtnis mit dem Traumata der Kreuzzüge des 11. und 13. Jahrhunderts in Verbindung gebracht wurde.
Der Vorwurf der Verstrickung im Terror und dem Besitz von Massenvernichtungswaffen führte jedoch nicht dazu, dass die USA grünes Licht vom UN-Sicherheitsrat für ein militärischen Sturz des Baath-Regimes erhielten, weswegen die Kriegsbefürworter rund um Bush sich zunehmend auf ideologische Argumente stützten, die ihr Vorhaben legitimieren sollten. Als Leitbild wurden Freiheit und Demokratie gesetzt, welche die USA in ihrer Rolle als Hegemonialmacht in den Nahen Osten bringen sollen. Diese Debatten wurden jedoch in der öffentlichen Wahrnehmung durch die falschen Aussagen vom damaligen US-Außenminister Colin Powell bezüglich der Beweise von irakischen Massenvernichtungswaffen überschattet, welche zu einem großen Vertrauensverlust nicht nur bei der irakischen Bevölkerung, sondern in der ganzen Weltöffentlichkeit führte.
Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem irakischen und amerikanischen Militär und ihren Alliierten dauerten nur wenige Wochen, nahmen jedoch in der Planung der Bush-Administration mehr Raum ein, als die Konzeption des darauffolgenden Aufbaus. Die Erwartungen, dass die einheimische Bevölkerung die Alliierten als Befreier wahrnehmen würden und der Irak als halbwegs funktionierender Staat schnell rekonstruiert werden könne ergaben sich als falsch. Die innenpolitische Lage des Iraks wurde von der Bush-Administration in seiner Stabilität eindeutig überschätzt und zu stark simplifiziert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Relevanz des Themas im Kontext des dritten Golfkrieges und führt in die konstruktivistische Forschungsfrage ein.
2. Die Möglichkeiten einer konstruktivistischen Ansatzes: Dieses Kapitel erläutert den Konstruktivismus als reflexive Methode, die sozialen Konstruktionen und intersubjektive Wahrnehmungen in den Vordergrund rückt.
3. Erläuterung des Fallbeispiels: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die Entstehung des Irak und analysiert die Hintergründe des Irakkrieges 2003.
3.1 Die Geschichte des Irak: Hier wird die koloniale Vorgeschichte und die ethnisch-konfessionelle Heterogenität des Landes beleuchtet.
3.2 Der Irakkrieg 2003: Dieser Abschnitt behandelt die diplomatische und militärische Eskalation sowie die unmittelbaren Folgen des Sturzes des Baath-Regimes.
4. Anwendung des konstruktivistischen Ansatzes auf das Fallbeispiel: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Annahmen mit den historischen Geschehnissen, insbesondere mit Blick auf Identitätsbildung und Medienwirkung.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Zerfall des Iraks nicht allein durch die Invasion zu erklären ist, sondern tief in der sozialen und historischen Struktur des Landes verwurzelt liegt.
Schlüsselwörter
Konstruktivismus, Internationalen Beziehungen, Irakkrieg 2003, Identität, Souveränität, US-Außenpolitik, Baath-Regime, Konfessionalismus, Massenvernichtungswaffen, Medienberichterstattung, Nation Building, fremde Besatzungsmacht, koloniales Erbe, Transformation, politische Destabilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht den Zerfall des irakischen Staates nach dem Jahr 2003 und analysiert diesen Prozess anhand einer konstruktivistischen Perspektive auf die Internationalen Beziehungen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die historischen Bedingungen der irakischen Gesellschaft, die Rolle der US-Intervention sowie die Bedeutung von kollektiven Identitäten und narrativen Mustern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, mittels des konstruktivistischen Ansatzes zu ergründen, warum der Irak nach dem Sturz von Saddam Hussein in einen Destabilisierungsprozess geriet und welche sozialen Faktoren dabei eine Rolle spielten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine konstruktivistische Herangehensweise gewählt, die soziale Konstruktionen, historische Deutungsmuster und die intersubjektive Wahrnehmung politischer Akteure in den Fokus rückt.
Welche Inhalte bilden den Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung des Konstruktivismus, eine historische Aufarbeitung der irakischen Geschichte, eine Analyse des Irakkrieges 2003 sowie die spezifische Anwendung der Theorie auf dieses Fallbeispiel.
Was zeichnet die Arbeit inhaltlich aus?
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung von historischer Ereignisanalyse mit theoretischen Ansätzen der Identitätspolitik und Medienwirkung aus.
Warum wird der Konstruktivismus als Analysemodell für den Irak gewählt?
Der Autor wählt diesen Ansatz, da er über rein machtpolitische Analysen hinausgeht und Identität, Kultur und Wahrnehmung der irakischen Bevölkerung sowie der Besatzungsmächte als entscheidende Faktoren begreift.
Welche Rolle spielten die Medien laut der Untersuchung?
Die Medien werden als wichtiger Kommunikationsfaktor dargestellt, der durch unterschiedliche Deutungsmuster (z.B. CNN vs. Al-Jazeera) maßgeblich zur Legitimierung oder Delegitimierung des Krieges beitrug.
- Arbeit zitieren
- Alexander Schmidt (Autor:in), 2020, Zerfall des Iraks in Folge des Dritten Golfkrieges 2003, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/994080