Der Funktionalismus im System monistischer Positionen im Leib-Seele-Problem


Seminararbeit, 2002
10 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Monismus
2.1 Allgemeine Grundlagen
2.2. Nichtreduktiver Physikalismus
2.2.1 Emergenztheorie
2.2.1.1 Position
2.2.1.2 Probleme
2.2.2 Supervenienztheorien
2.2.2.1 Position
2.2.2.2 Probleme
2.3. Reduktiver Physikalismus
2.3.1 Identitätstheorie
2.3.1.1 Position
2.3.1.2 Probleme
2.3.2 Funktionalismus
2.3.2.1 Position
2.3.2.2 Probleme
2.4. Eliminativer Physikalismus
2.4.1 Position
2.4.2 Probleme
2.5. Fazit

3. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Nach dem Dualismus als einem der beiden großen Überbegriffe unter dem man die Positionen im Leib-Seele-Problem zusammenfassen kann, soll dieser Essay vom Monismus mit dem Schwerpunkt Funktionalismus handeln.

Wie auch in der ersten Arbeit ging es mir darum, einen Überblick über die wichtigsten Argumentationslinien, diesmal der Materialisten, zu gewinnen und nicht Details einer bestimmten Position genauer zu behandeln und abzuwägen. Dies erscheint mir als Erstsemesterarbeit im Rahmen eines Proseminars auch durchaus als anspruchsvoll genug.

Gerade die meines Erachtens häufig sehr künstlich gezogenen Abgrenzungen zwischen den einzelnen Positionen zu erkennen und herauszuarbeiten bereitete mir, als mit der Materie unvertrautem Laien, immer wieder Probleme. Erschwerend hinzu kam die unterschiedliche Verwendung identischer Begriffe bei verschiedenen Autoren.

Wie aber bereits im Vorwort des Dualismus-Essays angesprochen, glaube ich nicht, daß durch den Fortschritt bei den Neuro- und Kognitionswissenschaften die Antwort auf das Wesen des Mentalen unmittelbar bevorsteht. Also wird noch die Gelegenheit bestehen, sich in einem Hauptseminar oder im Hauptstudium nochmals fundierter und detaillierter mit der wohl zur Zeit spannendsten philosophischen Frage auseinanderzusetzen.

2. Monismus

2.1 Allgemeine Grundlagen

Der Duden definiert den Begriff Monismus im Gegensatz zum Dualismus als "Lehre die alles aus einem Prinzip heraus erklärt“.[1] Diese Definition lässt für das Leib-Seele-Problem zunächst zwei Varianten zu. So könnte man einen mentalen Monismus vertreten, nach dem es nur geistige Ereignisse gibt und die physische Welt ein ’Trugbild’ des Mentalen ist. Da jedoch diese Position in der aktuellen Diskussion nicht ernsthaft vertreten wird, soll sie hier weiterhin keine Rolle spielen.

Wesentlich mehr Verbreitung finden Positionen, die mentale Phänomene auf physische Grundlagen zurückführen (reduzieren) oder diese Phänomene sogar ganz negieren (eliminieren) wollen. Dieser materialistisch/physikalistische Monismus erfreut sich zur Zeit großer Popularität.[2] Dies ist aus zwei Gründen heraus durchaus verständlich. Zum einen ist seit dem Beginn der Neuzeit der Glaube an die Erklärungsallmacht und Rationalität der Naturwissenschaften weit vorangeschritten. Durchaus auch zu Recht, da die Geschichte der Naturwissenschaften insbesondere in den letzten rund 500 Jahren eine beispiellose Erfolgsgeschichte war. Auch die noch junge Neurowissenschaft als eine ihrer aktuellen ’Speerspitzen’ hat in der Vergangenheit beachtliche Fortschritte erzielt, wenn auch noch die meisten mentalen Vorgänge im Unklaren bleiben. Zum anderen muss man zugeben, dass die Philosophie in ihrer ca. 2.500 jährigen reflektierten Geschichte das Leib-Seele-Problem nicht zu lösen vermochte. So finden sich bereits bei den antiken Philosophen nahezu sämtliche Positionen, die durchaus auch heute noch zur Diskussion stehen. Vom Vorsokratiker und 'frühem Materialisten' Demokrit mit seiner Vorstellung eines Atommodells, auf das sich alles zurückführen ließe bis zu Platon, welcher die Seele als das bezeichnete, " was das Lebende vom Toten unterscheidet. ... Es ist der Besitz einer Seele, der den Unterschied ausmacht zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen auf der einen und z.B. Steinen, Tischen und Häusern auf der anderen Seite ...".[3]

So scheint es nur richtig und gerecht den Naturwissenschaften ebenfalls Zeit zuzugestehen, um an einer Antwort auf die Fragen des Leib-Seele-Problems zu arbeiten. Dabei ist die Überzeugung weit verbreitet, dass es nicht die Frage ist ob, sondern höchstens, wann wir eine zufriedenstellende Erklärung vom Wesen des Mentalen durch die Naturwissenschaften erhalten. Eine Periode von 10 Jahren wie das vergangene 'Jahrzehnt des Gehirns' suggerierte, reicht dafür sicherlich nicht aus. Nachfolgend sollen daher die aktuell wichtigsten monistischen Positionen dargestellt und auf ihre Stringenz überprüft werden.

Obwohl die Abgrenzungen zwischen den einzelnen Positionen durchaus nicht immer klar zu ziehen sind, werde ich die Grobgliederung von Brüntrup in nichtreduktiven, reduktiven und eliminativen Physikalismus verwenden, da hier das Spektrum der Positionen und ihre Entwicklung von eher dualistisch zu radikal monistisch besonders deutlich wird.[4]

2.2. Nichtreduktiver Physikalismus

Obwohl der nichtreduktive Physikalismus als monistisch/materialistische Position bezeichnet wird, enthält er wie nachfolgend dargestellt werden soll, durchaus auch dualistische Elemente. Ein Vertreter dieser Position bejaht mentale Phänomene und Vorgänge. Er sieht sie jedoch ganz eindeutig in der physischen Welt begründet ohne auf diese zurückführbar (reduzierbar) zu sein.

2.2.1 Emergenztheorie

2.2.1.1 Position

Eine Position die sich in der Vergangenheit großer Beliebtheit erfreute ist die sog. Emergenztheorie. Dabei wird davon ausgegangen, dass Bewußtsein ab einem bestimmten Grad von Komplexität plötzlich auftaucht (engl. to emerge = auftauchen). Während also bei einem Stein durch eine höchst einfache Molekularstruktur kein Bewußtsein festzustellen ist, besitzen 'höhere' Lebewesen wie z.B. der Mensch durch ein äußerst komplexes Zusammenspiel auf der neuronalen Mikroebene plötzlich auf der Makroebene mentale Eigenschaften, die jedoch nicht wieder auf die Mikroebene reduziert werden können. Diese mentalen Eigenschaften werden zwar durch die Systembausteine bestimmt, können aber nicht aus deren Anordnung vorhergesagt werden. Hier besteht eindeutig eine Erklärungslücke, da zwar die Mikroebene untersucht und dargestellt werden kann und eine identische molekulare Anordnung auch zu gleichen emergenten Eigenschaften auf der Makroebene führt, wir aber nichts über die Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten auf diesem Weg wissen. Dies ergibt sich insbesondere daraus, daß wir die emergenten Eigenschaften nicht vorhersagen könnten, auch wenn alle Eigenschaften der Mikrostruktur bekannt wären[5]. Einfach ausgedrückt läßt sich sagen, dass das Ganze eben mehr ist als die Summe seiner Teile. Wie und warum dies so ist, bleibt offen. Dies macht diese Position scheinbar außerordentlich attraktiv, da man sowohl die physikalischen Grundlagen als auch davon teilweise autonome mentale Phänomene bejahen kann.

2.2.1.2 Probleme

Die Frage die sich jeder Emergentist jedoch sofort stellen lassen muß, ist die nach der kausalen Wirkmächtigkeit der emergenten mentalen Eigenschaften. Hier zeigt die Position erhebliche Schwächen, denn wenn mentale Eigenschaften kausal wirksam sind, so führt dies zu einer ganz klaren Durchbrechung des Prinzips der Geschlossenheit der physikalischen Welt. Sind sie nicht wirksam, stellt sich die Frage nach dem Sinn einer evolutionären Entwicklung solcher wirkungslosen Epiphänomene. In jedem Fall mündet die Position der Emergentisten entweder in die Probleme, mit denen auch die Dualisten zu kämpfen haben oder sie muß zu Gunsten einer stärker physikalistisch orientierten Theorie aufgegeben werden. "Insgesamt werden die Emergenztheorien zwischen den Extremen 'zerrieben', so dass die Dualisten die Emergenztheorie nicht dualistisch genug und die Materialisten nicht monistisch genug finden."[6] Sie spielt daher in der aktuellen analytischen Philosophie des Geistes zur Zeit keine große Rolle.

2.2.2 Supervenienztheorie

2.2.2.1 Position

Um eine Position der Nichtreduzierbarkeit von mentalen Eigenschaften zu halten, wird häufig auf die Supervenienztheorie zurückgegriffen. Dabei wird davon ausgegangen, dass eine superveniente Ebene (das Geistige) durch eine subveniente Ebene (das Physische) bestimmt ist. Entscheidend ist jedoch die Möglichkeit einer multiplen Realisierung der mentalen Eigenschaften in verschiedenen physischen Zuständen. Nur so kann ein Reduktionismus vermieden werden. Somit behauptet diese Position nichts anderes als, "neurophysiologische Gleichheit garantiert geistige Gleichheit, geistige Gleichheit garantiert aber keine neurophysiologische Gleichheit."[7] Es handelt sich also um eine asymetrische Beziehung zwischen der supervenienten mentalen Ebene und der subvenienten physiologischen.[8] Damit wird auch das oben genannte Problem der kausalen Wirksamkeit scheinbar vermieden. Mentale Eigenschaften sind kausal wirksam, da ihre physische Basis kausal wirksam ist. Gleichzeitig sind sie aber nicht mit ihrer physischen Basis identisch und somit auch nicht auf diese reduzierbar. So bliebe die Geschlossenheit der physikalischen Welt erhalten.

2.2.2.2 Probleme

Unter dem Dach der Supervenienztheorie finden sich eine Reihe unterschiedlicher Positionen die je nach Interpretation in Richtung Dualismus oder auch in Richtung Materialismus zeigen. Entscheidend ist die Beziehung zwischen der sub- und der supervenienten Ebene. Problematisch ist sicherlich die Argumentation, daß mentale Zustände durch ihre physische Realisierung kausal wirksam werden. Hier scheint die Richtung der Verursachung umgedreht. Dies würde bedeuten, daß der Schatten den Menschen bewegt und nicht die Bewegung des Menschen den Schatten. Auch kann die Nichtreduzierbarkeit in Frage gestellt werden, da die Möglichkeit einer multiplen Realisierung von psychischen Zuständen in ihrer neurophysiologischen subvenienten Basis nicht zur Widerlegung der Reduktionsthese ausreicht.[9] Durch diese 'Unschärfe' in ihrer Position steht die Supervenienztheorie in dem Ruf der Beliebigkeit und kann sowohl von Dualisten als auch von Reduktionisten in Anspruch genommen werden.

[...]


[1] o.V.: Der Duden in 10 Bänden; Band 5 Fremdwörterbuch 4. Aufl.; Manheim; 1982; Bibliographisches Institut;

[2] vgl. Goller, Hans: Geist ist mehr als Gehirn; in Stimmen der Zeit 219; Dezember 2001; Heft 12

[3] Beckermann, Ansgar: Descartes´metaphysischer Beweis für den Dualismus; Freiburg; 1986; Alber; S. 11

[4] vgl. Brüntrup, Godehard: Das Leib-Seele-Problem 2. Auflage; Stuttgart; 2001; Kohlhammer; S. 5-6

[5] vgl. Brüntrup, G.: a.a.O.; S.: 67-69

[6] Hastedt, Heiner: Das Leib-Seele-Problem; Frankfurt am Main; 1988; Suhrkamp; S.: 178

[7] Searle, John R.: Die Wiederentdeckung des Geistes; München; 1993; Artemis und Winkler; S.: 145

[8] vgl. Pauen, Michael: Grundprobleme der Philosophie des Geistes; Frankfurt am Main; 2001; Fischer; S. 125

[9] vgl.: Brüntrup, G.: a.a.O.: S. 77 - 78

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Der Funktionalismus im System monistischer Positionen im Leib-Seele-Problem
Hochschule
Hochschule für Philosophie München
Veranstaltung
Seminar an der Hochschule für Philosophie in München
Note
1,7
Autor
Jahr
2002
Seiten
10
Katalognummer
V9947
ISBN (eBook)
9783638165266
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Monismus, Funktionalismus, Leib-Seele-Problem
Arbeit zitieren
Thomas Götz (Autor), 2002, Der Funktionalismus im System monistischer Positionen im Leib-Seele-Problem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9947

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Funktionalismus im System monistischer Positionen im Leib-Seele-Problem


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden